Myna fragt… Tanja Hanika

Tanja Hanika wurde 1988 in Speyer geboren und wuchs in Rheinland-

Autorin Tanja Hanika

Foto: D. Pfingstmann

Pfalz auf. Als sie mit acht Jahren eine Kinderversion von Bram Strokers „Dracula“ las, entstand ihr Interesse, selbst Schauergeschichten zu schreiben. Ab 2008 studierte sie an der Universität Trier Germanistik und Philosophie. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie und ihren beiden Katzen in der Eifel.

 

Hallo Tanja, schön, dass du dir für mich Zeit nimmst. Ich habe ja neulich deinen Kurzroman „Fürchte die Schatten der Nacht“ rezensiert. Wie bist du zu der Idee zu dem Roman gekommen? Und was inspiriert dich allgemein?

Bei diesem Roman gibt es tatsächlich eine kleine Geschichte, wie er entstanden ist: Ich habe mit Sophia Berg, einer befreundeten Autorin, eine Zeit lang Text-Ping-Pong gespielt. Das bedeutet, einer schreibt einen kurzen Text und der andere übernimmt daraus einen Satz als Thema / Überschrift, anhand dessen er dann einen eigenen Text verfasst. Also hat sie den Anstoß mit ihrem Kurztext gegeben. Plötzlich hatte ich das Bild im Kopf, wie ein Fremder Jenna an diese Mauer drückt. Was ich dann geschrieben hatte, passte durch den Liebesroman-Hauch so gar nicht zu meinen üblichen Texten, aber meine Freundin wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die Widmung des Buches hat sie sich also voll und ganz verdient!

Ansonsten ist es wie bei den anderen Autoren wohl auch: Wie aus dem Nichts taucht eine Idee auf und man weiß, dass man dazu etwas schreiben muss. Oder man träumt etwas, trifft jemanden oder sieht etwas, das einen inspiriert. Geschichten lauern einem von überall auf, man muss sie sich nur schnappen – oder sich schnappen lassen.

© Vojtech Herout / Fotolia.com

Nun verstößt du mit deinen gruseligen Vampiren ja gegen das Bild des Vampirgentleman, das seit Twilight und Vampire Diaries sehr beliebt ist. Wieso hast du dich entschieden, gegen dieses neuartige Bild von Vampiren zu rebellieren und wieder Vampire zu beschreiben, die eher Graf Dracula als Edward Cullen ähneln?

Gentleman-Vampire sind für mich nicht mehr das, was eigentlich hinter dem Vampirmythos steckt. In manchen Gegenden in Rumänien beispielsweise haben wohl Menschen tatsächlich noch Angst um ihr Leben bzw. um den ungestörten Tod ihrer Lieben. Ich wollte wieder einen Schritt in Richtung der Wurzeln der Vampirsagen tun und sie nicht zu funkelnden Schmusevampiren verkommen lassen. Geschmäcker sind unterschiedlich und es gibt auch gelungene Bücher mit „netten“ Vampiren (die Reihe um Cat und Bones von Jeaniene Frost finde ich lesenswert), aber für mich muss es einfach düster sein. Um noch weiter weg vom Gentleman-Vampir zu kommen, wollte ich ausprobieren, was ich aus von ihrer Blutgier gesteuerten Vampiren machen kann, die kein Gewissen, keine Seele haben, sondern lediglich auf das Blut ihrer Beute aus sind. Also noch finsterere Gestalten als Dracula, denn der Arme leidet ja eigentlich auch nur an Liebeskummer. 🙂

Deine Protagonistin Jenna hat im Leben ziemlich viel mitgemacht. Was würdest du ihr sagen, wenn du sie persönlich treffen würdest?

Als Autor kennt man ja seine Figuren so gut, dass man sich fast schon mit ihnen unterhalten könnte. Einerseits würde ich mich bei ihr entschuldigen, was ich sie alles habe durchleiden lassen und andererseits würde ich ihr sagen, dass sie tapfer bleiben und die Sache durchziehen soll, an die sie glaubt. Ich denke, das gilt generell für jeden. Man darf sich nicht unterkriegen lassen und muss für seine Träume kämpfen.

Gab es eine Figur, die dir beim Schreiben besonders ans Herz gewachsen ist?

Ja, das ist Bo. Sie ist einfach eine Omi zum Knuddeln. Gleichzeitig aber, als das Oberhaupt der Vampire, muss sie eine ziemlich zähe alte Lady sein. Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Sie ist es ja auch, die Jenna an einer Stelle einen entscheidenden Anstoß gibt. Bo hätte ich gerne in ihren jüngeren Jahren „kennengelernt“. Ich glaube, sie war mal ganz schön wild.

© mythja / Fotolia.com

Könntest du dir vorstellen, eine Fortsetzung von „Fürchte die Schatten der Nacht“ zu schreiben? Möglicherweise darüber, wie Jenna sich als Vampirjägerin schlägt?

Tatsächlich arbeite ich momentan an Teil zwei. Die Rohfassung ist geschrieben und ich bin mit den Korrekturdurchläufen beschäftigt, bevor das Manuskript an die Testleser geschickt wird. Geplant war eine Fortsetzung nicht, aber dann gab es da einige Menschen, die sich so sehr dafür ausgesprochen haben. Dann hatte ich zur möglichen Entwicklung der Geschichte ein paar Ideen, die mich nicht mehr loslassen wollten. Jenna darf tatsächlich selbst Vampire jagen und es wird generell noch etwas düsterer. Es werden Jäger sterben und die Vampire werden mächtiger. Mehr verrate ich aber noch nicht. Erscheinen wird der Kurzroman wohl erst im nächsten (Früh-)Jahr. Auf meiner Homepage sowie auf meinen Social Media Kanälen werde ich zu gegebener Zeit Cover, Klappentext und Erscheinungsdatum posten.

Wie sieht dein Alltag aus? Hast du eine bestimmte Schreibroutine oder feste Schreibzeiten, wo du dich ganz deinem aktuellen Projekt widmest?

Momentan muss ich mich da noch an die Schlafenszeiten meines zweijährigen Sohnes halten. Oder ich nutze die Zeit, in der mein Mann unseren Sohn beschäftigt. Wenn er nächstes Jahr in den Kindergarten geht, möchte ich mir vormittags eine Routine aufbauen. Momentan kann ich mich also erst abends hinsetzen und versuchen so viel zu schaffen wie eben möglich ist.

Ein einzelnes, aktuelles Projekt habe ich übrigens nicht. Ich bin immer parallel mit mehreren Projekten in unterschiedlichen Phasen beschäftigt, da ich die Manuskripte zwischen den Korrekturdurchgängen gerne für eine Weile liegen lasse.

Was fasziniert dich am Horrorgenre? Könntest du dir auch vorstellen, in anderen Genres zu schreiben?

Ich mag es selbst ganz gerne, wenn man seine psychischen Grenzen austesten kann. Wenn es einem ganz mulmig wird und man mit dem Protagonisten mitfiebert. Unheimliches finde ich persönlich schlichtweg spannender als die Frage, ob Figur A und Figur B nun zusammenkommen oder nicht oder wie das geschieht.

Momentan möchte ich mein Genre nicht wechseln, wobei ja gerade „Fürchte die Schatten der Nacht“ eher als dark romantasy zu beschreiben ist. Aber mehr als ein Mix aus Horror und einem anderen Genre ist für mich schwer vorstellbar. „Redthorne Castle“ könnte man beispielsweise als eine Mischung aus Horror / Grusel, Krimi und historischen Roman beschreiben, wenn man ihn nicht als Schauerromanen bezeichnen möchte. Aber auf ein gewisses Maß an Horrorelementen in meinen Texten, werde ich in der nächsten Zeit nicht verzichten wollen. 

© javarman / Fotolia.com und © ModBlackmoon / MB Gothic Spell / Frontriver.com

Du hast dich dafür entschieden, als Indie-Autorin über Selfpublishing deine Bücher zu veröffentlichen. Was hat dazu geführt, dass du diesen Weg und nicht die Veröffentlichung über einen Verlag gewählt hast?

Es sind die vielen Freiheiten und die vielen unterschiedlichen Aufgaben, die mich gereizt haben. Dass der E-Bookmarkt sich außerdem in Deutschland immer vergrößert, hat auch eine Rolle gespielt. Ebenso, dass es mit CreateSpace eine gute Möglichkeit gibt, Printbücher anzubieten, ohne sich die Garage mit in Vorkasse bezahlter Bücher vollstellen zu müssen. Ich mag es, nicht nur für das Schreiben zuständig zu sein, sondern auch für das Marketing und all die anderen Aufgaben. Ich kann mir selbst aussuchen, wie das Cover aussehen soll, wie der Klappentext lauten und wie der Buchtitel heißen soll. So viel Arbeit das auch macht, so schön ist es, eigene Entscheidungen treffen zu können und auszuprobieren, was funktioniert. Momentan macht mir das auf diese Weise Spaß. Ich habe bisher noch keinen Verlag angeschrieben und mich beworben, aber vielleicht erwacht ja doch irgendwann der Wunsch, einen Roman bei einem Publikumsverlag veröffentlicht zu sehen. Momentan freue ich mich einfach sehr über jeden großen und kleinen Fortschritt, den ich in meiner Indie-Laufbahn erziele, seien es ein paar verkaufte Bücher mehr, weitere Likes oder neue Follower.

Was würdest du jungen Schreiberlingen raten, die ebenfalls ihre Geschichten als Selfpublisher veröffentlichen möchten? Hast du ein paar Tipps, was sie unbedingt beachten sollten?

Man sollte sich und seine Pläne ernst nehmen, was bedeutet auch viel Zeit in das Schreiben und die Planung der Indie-Laufbahn zu investieren. Am besten, man legt sich im Vorfeld eine Strategie zurecht und wird sich bewusst darüber, welche Marketingmaßnahmen man ergreifen möchte, wenn der Text fertig sein wird. Man sollte Kontakte zu anderen Autoren suchen und ihnen gut zuhören, wenn sie von ihren Erfahrungen sprechen. Dann sollte man natürlich ständig schreiben, um immer besser zu werden. Noch ein letzter Tipp: Man braucht gute, verlässliche und vor allem ehrliche Testleser. Und zwar nicht Menschen, die man privat kennt und denen die Texte sowieso gefallen, sondern fremde Leute, die bereits sehr viel gelesen haben, im besten Fall vielleicht selbst schreiben und es mögen, mit Kritik um sich zu hauen. Und auf ein Korrektorat am Ende sollte man keinesfalls verzichten.

© Aleksey Stemmer / Fotolia.com

Viele Jungautoren haben das Problem, dass sie Romane zwar beginnen, aber nicht zu Ende schreiben. Was hilft dir, dich zu motivieren, an einem Projekt dran zu bleiben?

Einerseits habe ich vor vielen Jahren begonnen Kurzgeschichten zu schreiben. Als Einstieg ins Schreiben, finde ich diese Form ideal, da es einem leichter fällt, am Ball zu bleiben. Irgendwann gewöhnt man es sich an, begonnene Geschichten auch zu Ende zu schreiben. Oder man entwickelt ein Gespür, welche Geschichten man wie anpacken muss, damit es sich auch lohnt, sie zu erzählen. Mir hilft zudem noch die Abwechslung zwischen verschiedenen Projekten, wie ich es weiter oben bereits beschrieben habe. Wenn die Rohfassung von Projekt 1 beendet ist, kommt Abwechslung in den Autorenalltag, wenn man weiß, man kann sich jetzt mit dem letzten Korrekturdurchgang von Projekt 2 beschäftigen, oder man plant Projekt 3 und so weiter.

Generell hat ja jeder Zeitmangel. Damit man keine Zeit mit Projekten „verschwendet“, die man nicht zu Ende bringt, sollte man diese vorher gut durchdenken, damit man erkennt, ob die Geschichte es wert ist, erzählt zu werden oder nicht. Damit meine ich weniger, dass man unbedingt einen detaillierten Plot entwerfen sollte, ich plotte selbst eher grob, aber man sollte überlegen, ob die Idee hinter der Geschichte für einen stimmig ist. Lässt sich die Idee (wobei man ja für einen ganzen Roman nicht nur eine Grundidee, sondern noch tausende weitere Ideen benötigt) nicht irgendwie zielgerichtet durchdenken oder sie fesselt einen nicht hundertprozentig, dann sollte man eine andere ausprobieren.

Aber generell ist ja jedes Schreiben eine gute Übung, auch wenn man mal einen Text abbricht.

Welche Interessen hast du neben dem Schreiben noch?

Da nutze ich die Standardantwort aller Autoren: Lesen. So viel wie möglich und relativ breit gefächert.

Darüber hinaus liebe ich unsere Familienzeit, wenn mein Sohn, mein Mann und ich etwas gemeinsam unternehmen. Ich verreise und backe gerne, mag Horrorfilme und mache momentan – ganz ungruselig – Zumba und Piloxing.

Auf deiner Homepage kündigst du das baldige Erscheinen deines neuen Buches „Larvalis – Teil #1 der Geisterjäger-Reihe“ an. Wann wird das Buch zu haben sein?

Ich schätze, dass es wohl Sommer werden wird, bis das Buch erhältlich ist. Aber das ist ja das Schöne als Indie: Man kann seine Pläne ein bisschen flexibler realisieren.

„Vernichte die Schatten der Nacht“ hat sich da ein bisschen vorgedrängelt.

Dann ist da noch ein anderes Projekt, das mich ganz in seinen Bann gezogen hat und dem ich deshalb zunächst Vorrang gegeben habe. Viel möchte ich dazu noch nicht verraten, da ich noch mitten in der Rohfassung stecke, aber es wird ein Horrorroman, in dem eine Autorin in einer Hütte im Wald ihre Schreibblockade überwindet. Währenddessen verhält sich ihre Freundin, die sie dabei hat, immer seltsamer, bis sie sich vor ihr zu fürchten beginnt. Momentan fühlt der Roman sich großartig an, ich hoffe, dass ich alles so geschrieben bekomme wie es in meinem Kopf herumgeistert.

Vielen Dank für das Interview.

Ich bedanke mich ebenfalls, es hat mir großen Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten und ich wünsche allen noch ein gutes restliches Jahr mit spannenden Lesestunden.

Weitere Informationen über Tanja Hanika und ihrer Bücher findest du hier:

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3 Kommentare zu “Myna fragt… Tanja Hanika

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