Schreibnacht mit Kerstin Gier

Schon den ganzen Tag hibbelte ich auf den Abend des 15.01.2016 hin. Endlich, endlich, endlich würde es wieder eine Schreibnacht geben! Nachdem es im Dezember keine gegeben hatte, war ich förmlich auf Entzug. Im November gab es zwar eine, aber mir ging es an dem Abend sehr schlecht, weshalb die Schreibnacht für mich leider ins Wasser fiel. Aber jetzt war ich wieder fit und motiviert, in die Tasten zu hauen!

Moment mal… Schreibnacht? What the hell is that?!

Die Schreibnacht wurde von der lieben Forenfee Jennifer Jäger ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine monatliche Veranstaltung, die im Schreibnacht-Forum stattfindet. In der Regel geht es aber auch in der dazugehörigen Facebook-Gruppe und auf Twitter mächtig zur Sache.

Die Schreibnacht beginnt um 20 Uhr und endet morgens um 3 Uhr. In der ersten Stunde, bis 21 Uhr, kann man einem Special Guest Fragen stellen. Dies sind in der Regel Leute, die mit dem Schreiben zutun haben, wie Autoren, Verlagsmenschen oder Illustratoren. Danach geht’s dann mit dem Schreiben los. Man schreibt immer in 50-Minuten-Etappen und nimmt sich dafür ein Ziel vor. Nach den jeweiligen Etappen tauscht man sich im Forum über seinen Erfolg aus oder holt sich neue Motivation. Zu jeder Etappe gibt es auch eine Aufgabe, meist eine Frage zu den eigenen Charakteren, die man lösen kann – aber natürlich ist das freiwillig.

Wer bei einer Schreibnacht mitmachen möchte, sollte Schreibideen mitbringen und fit sein (auch wenn die wenigsten bis morgens um drei aushalten). Außerdem ist Proviant ganz, ganz wichtig. Bei mir gibt es immer traditionell Mini-Pizzas, die ich auch wirklich nur zur Schreibnacht esse.

Los geht’s…

Die Fragestunde mit dem Special Guest ging an diesem Freitag schon kurz vor acht los. Eingeladen war –  haltet euch fest – Kerstin Gier! Neben Cornelia Funke, die im Oktober 2015 da war, ein echtes Highlight. Schon während der ganzen Woche konnte man Fragen an Kerstin Gier einreichen. Ich habe sie z. B. gefragt, ob Schriftstellerin schon immer ihr Traumberuf war. Die Antwort: ein klares Ja! Während ich die ersten Fragen und Antworten durchlas, backten im Ofen meine Mini-Pizzas hoch. Heute sogar zwei Sorten: Schinken und Salami. 🙂IMG_0062.JPG

Kerstin Gier nahm sich ganz viel Zeit für uns und ich war von Anfang an von der Autorin begeistert. Vor allem betonte sie immer wieder, dass ihr das Schreiben auch nicht leicht falle und es oft ein Kampf für sie sei. Da spitzten sich meine Öhrchen – das kam mir doch bekannt vor! Dann bin ich also doch nicht so unnormal wie ich immer dachte. 😀

Um 21 Uhr ging es dann mit dem Schreiben los. Ich arbeitete an meinem Roman mit dem Arbeitstitel „Unsichtbar“. Für die erste Etappe nahm ich mir 500 Wörter vor. Es lief aber überraschend gut und ich schaffte sogar 870 Wörter in 25 Minuten (ich schreibe mit der Pomodoro-Technik, bei der man in 25-Minuten-Etappen schreibt). Die restliche Zeit nahm ich mir frei für Twitter, Facebook und diesen Blogartikel. Die erste Aufgabe war übrigens eine Twitterschreibtour. Die ließ ich aber ausfallen, ich habe es nicht so mit Schreibtouren.

Bei der zweiten Etappe nahm ich mir wieder 500 Wörter vor. Diesmal beantwortete ich auch die Aufgabe, die da lautete: „Wie haben deine Figuren das schneelose Weihnachten verkraftet?“ Diese Frage fiel mir nicht besonders schwer zu beantworten. So gut kannte ich meine beiden Protagonisten mittlerweile. Daher war meine Antwort: „Meinem Protagonisten Frank war das ziemlich Recht. Wenigstens waren die Straßen dann frei und er musste sich nicht mit Schneeschippen rumquälen. Meiner kleinen Mia hingegen gefiel das gar nicht. Sie hätte gerne Schnee an Weihnachten gehabt, das hätte sie ein wenig darüber hinweggetröstet, dass sie Weihnachten ganz allein verbringen musste. Ihre Mutter hatte sich mal wieder ins Koma gesoffen …“ Ja, Mias Mutter ist Alkoholikerin. Ich habe das nicht ausgewählt, weil ich meine Protagonistin möglichst heftig leiden lassen wollte, sondern weil ich selbst Erfahrungen mit Alkoholikern in der Familie gemacht habe. Damit möchte ich dieses Erlebnis ein wenig verarbeiten. Auch die zweite Etappe lief erfolgreich, ich schaffte 829 Wörter. Ich war sehr erleichtert, dass ich jetzt doch langsam in die Geschichte reinzukommen schien. Ich fühlte mich richtig in meinen Protagonisten hinein, obwohl er diesmal ein 34-jähriger Mann war – normalerweise schreibe ich über weibliche Teenager.

Auch bei der dritten Etappe nahm ich mir 500 Wörter vor, da ich damit bisher gut gefahren war. Die dritte Aufgabe lautete: „Welche wichtige Entscheidung fällt dein Protagonist auf den letzten Drücker?“ Da muss ich schon etwas länger überlegen. Wie würden Frank und Mia in dieser Situation reagieren? Meine Antwort: „Frank würde niemals eine Entscheidung auf den letzten Drücker fällen. Er ist absolut nicht spontan und alles muss gut durchgeplant sein. Mia – nun, bei ihr könnte ich mir das schon vorstellen. Sie entscheidet sich oft erst in letzter Minute für Klassenarbeiten zu lernen. Zählt das?“ Die dritte Etappe lief ein bisschen langsamer als die vorherigen und ich hatte mehr mit meinem Text zu kämpfen. Schlussendlich wurden es dann aber doch noch 647 Wörter. Außerdem beendete ich das 1. Kapitel.

Da ich langsam müde wurde und merkte, dass ich mit dem Schreiben nicht mehr ganz so flink war, nahm ich mir wieder 500 Wörter für die vierte Etappe vor. Mittlerweile war es schon Geisterstunde. Ich wollte aber trotz Müdigkeit noch eine Weile durchhalten. Die vierte Aufgabe war eine sehr interessante Frage und für mich Zeitreisenfreak wie geschaffen: „Dein Prota ist in einer Zeitmaschine – wohin reist er? Vergangenheit oder Zukunft? Und was wird er dort tun?“ Bei Frank musste ich da nicht lange überlegen. Und auch für Mia hatte ich schnell eine Idee. „Frank ist ein absoluter Oldiefan und würde in die 60er und 7oer Jahre zurückreisen, um seine Lieblingsbands wie The Beatles live spielen zu sehen. Mia hingegen würde in die Zukunft reisen, vermutlich um nach ihrem späteren Ich zu sehen und herauszufinden, ob ihr Leben doch noch besser wird, als es in der Gegenwart ist.“ Auch diese Etappe lief super und ich schaffte 978, mein bisheriger Rekord für diesen Abend.

Die Müdigkeit war wieder etwas abgeflaut, daher entschloss ich mich, auch noch die fünfte Etappe in Angriff zu nehmen – wieder mit 500 Wörtern. Die Zusatzaufgabe lautete diesmal: „Würde dein Prota in einer normalen 40 Stunden Bürowoche überleben?“ Da fiel die Antwort mir nicht schwer. „Frank ist ein Freigeist. Er braucht seine künstlerische Freiheit und seine eigenen Arbeitszeiten. Für ihn wäre eine 40-Stunden-Bürowoche schonmal gar nichts. Mia ist ja noch Schülerin, aber ihr würde ich es schon eher zutrauen, dass sie sowas mal später macht.“ Trotz zunehmender Müdigkeit schaffte ich in der fünften Etappe 875 Wörter. Eigentlich wollte ich nach dieser Etappe ja aufhören, doch ich entschied mich spontan noch um, die sechste und letzte Etappe auch noch mitzumachen.

IMG_0061Nochmal das Wortziel von 500 Wörtern. Ich hoffte inständig, dass ich jetzt nicht schlapp machte. Die Zusatzaufgabe ist diesmal besonders knifflig: „Dein Prota wird in ein anderes Leben geschleudert, plötzlich darf/soll/muss er kein Held mehr sein, sondern nur die Schafe auf der Weide pflegen. Und? Funktioniert es? Kann er die Gedanken an den bevorstehenden oder gar schon ausgebrochenen Krieg ignorieren?“Also erst mal herrscht in meinem Roman kein Krieg. Aber einen Konflikt gibt es natürlich schon – Mia ist unsichtbar und bittet Frank darum, ihr zu helfen, wieder sichtbar zu werden. Frank ist ein ziemlich ängstlicher Typ, während Mia sich nach Aufmerksamkeit sehnt. Meine Antwort ist daher: „Frank würde es genießen, kein Held mehr zu sein. Wenn er einfach in die Stadt gehen könnte ohne von Fans erkannt zu werden – das wäre sein perfektes Leben. Mia hingegen „pflegt die Schafe auf der Weide“ bereits, würde aber gerne mehr Aufmerksamkeit bekommen. Für sie ist dieses Leben überhaupt nichts.“

Nach Ende dieser Etappe, die ich mit 774 Wörtern erneut rockte, konnte ich auf eine Schreibnachtleistung von 4973 Wörtern zurückblicken. Ganz schön, wenn man bedenkt, dass ich in den letzten Wochen in einer absoluten Schreibflaute gesteckt und fast gar nichts zu Papier gebracht hatte. Doch irgendwie entwickelten sich die Figuren während des Schreibens und dann lief es wie von selbst. Immer neue Ideen kamen hinzu und füllten die ersten 2,5 Kapitel. Ich hoffe, dass dieser Schreibflow noch länger anhält 🙂

Insgesamt war die Schreibnacht wieder ein absolutes Highlight. Vor allem der Special Guest Kerstin Gier hat mich wirklich… berührt! Zu hören, dass auch Profiautoren Probleme beim Schreiben haben, hat mich ungemein motiviert und dafür bin ich Kerstin Gier sehr dankbar. Danke auch an das Schreibnacht-Team, das wieder ein tolles Event auf die Beine gestellt hat! Ich freue mich schon auf das nächste Mal.

 

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3 Kommentare zu “Schreibnacht mit Kerstin Gier

  1. AAAAAHHHHHH!!! Ich habe sie VERGESSEN!!!
    Ich hab Ende letzten Jahres eine Lesung mit Kerstin Gier besucht. Dumm nur, dass ich vor lauter Aufregung vergessen habe, ihr zwei meiner Fragen zu stellen. Das wollte ich unbedingt bei der Schreibnacht nachholen. Leider klopfte die Woche ein netter HOchschulberg an der mir zuflüsterte: „BAld sind Prüfungen… Und du hast noch vieeel vor dir“. Also habe ich quasi von Mittwoch bis heute Abend Texte formatiert, Wörter markiert und habe jetzt definitiv genug für den Rest meines Lebens gelayoutet :-).
    Mein Schreibmonat läuft übrigens auch total gut. Ich stecke ja im Schreibmarathon und habe mein Monatsziel schon geknackt. Allerdings „nur“ in Form von Blogbeiträgen und Fanfiction Kapiteln. Mein Romanprojekt muss noch bis Mitte Februar oder Anfang MÄrz warten. Dann ist nämlich die Prüfungszeit vorbei und das Praktikum kommt, sodass ich hoffentlich etwas Zeit zum schreiben finde. Zumindest gefällt mir meine Romanidee wieder richtig gut :-).
    viele Grüße
    Emma

    Gefällt 1 Person

    • Oje, tut mir leid, dass du die Schreibnacht verpasst hast 😦 Kerstin Gier war wirklich ganz nett und hat sich viel Zeit für all unsere Fragen genommen.
      Das mit dem Lernen kenne ich. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg für deine Prüfungen!!!
      Ich habe mein Monatsziel auch schon erreicht, waren aber auch nur 10.000 Wörter 🙂
      Toll, dass du wieder Lust auf deine Romanidee hast. Dann hoffe ich, dass du im Februar/März wieder richtig loslegen kannst 🙂
      Viele liebe Grüße
      Myna

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  2. Hallo, Myna!
    Oh, von diesem Event habe ich ja überhaupt noch nie gehört. Aber das klingt ziemlich spannend. Es scheint, als hättest du einiges geschafft. Ist doch schön, wenn man seine gesteckten Ziele erreicht. ❤ lichen Glückwunsch!
    Die Pomodoro-Technik musste ich jetzt erst mal googlen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, was schreiben mit Tomaten zu tun haben könnte. 😀
    LG, m

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