Plotter oder Pantser?

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Wer schreibt, weiß, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Buch zu schreiben. Autoren teilen sich in zwei Gruppen: Plotter und Pantser (auch Discovery Writer genannt). Die Trennung ist nicht immer eindeutig, es gibt auch Autoren, die sich irgendwo in der goldenen Mitte zwischen Plotter und Pantser befinden. Zu denen zähle ich mich auch selbst. Ich brauche von beiden Methoden ein bisschen, um kreativ zu sein. Das habe ich während des Schreibprozesses an meinem letzten Roman wieder gemerkt. Ich kann noch so detailliert plotten, am Ende kommen doch zwischendurch wieder Ideen, die den Plot durcheianderwirbeln, ergänzen oder sogar verbessern. Doch was sind Plotter und was macht einen Pantser aus?

Im Folgenden möchte ich die beiden Begriffe einmal etwas genauer erläutern und mich mit den Vor- und Nachteilen der beiden Methoden beschäftigen.

Der Plan von A nach B

Plotter sind Autoren, die sich einen genauen Plan (den sogenannten „Plot“) schreiben, wovon es in ihrem Buch handeln soll. Um das zu tun, gibt es verschiedene Methoden, beispielsweise die 3- oder 5-Akt-Methode, das 7-Punkte-System von Dan Wells, die Heldenreise oder auch die Schneeflockenmethode. Manche Plotter stellen sich auch ihre ganz eigene Methode zusammen oder mischen die Methoden untereinander. Ich selbst verwende eine Mischung aus Schneeflockenmethode und 7-Punkte-System, aber davon werde ich euch in einem gesonderten Artikel einmal berichten.

Plotter brauchen eine Anleitung zum Schreiben. Sie mögen es gar nicht, ohne Plan quasi ins „Blaue hinein“ zu schreiben. Das heißt aber nicht, dass sie weniger kreativ sind. Um einen Plot zu erstellen, muss man schon sehr viel Fantasie haben. Ein Plot ist für Autoren wie eine Landkarte für Wanderer. Sie führt sie von A nach B. Vor dem Schreiben macht sich der Plotter Gedanken darüber, worum es in seiner Geschichte gehen soll. Während dem Schreibprozess folgt er dann einfach seiner „Karte“ und kommt so schnell voran.

Vorteile des Plotters sind:

  • Er kann schneller schreiben, weil er bereits einen Plan hat, an dem er sich entlanghangeln kann.
  • Er läuft nicht Gefahr, sich in eine „Sackgasse“ zu schreiben oder eine Schreibblockade zu erleiden.
  • Er muss nach dem Schreiben weniger überarbeiten, weil er seinen Plot bereits auf Logik, Struktur, Spannung, etc. überprüft hat.

Nachteile des Plotters sind:

  • Sie sind weniger offen für neue Ideen.
  • Sie müssen sich erst mit einem Plot herumschlagen, bevor sie anfangen können, zu schreiben.
  • Eventuell geht der Enthusiasmus, den man zu Beginn einer Geschichte hat, etwas verloren, wenn man die Geschichte nach Plan schreibt.

Es lebe die Freiheit

Das genaue Gegenteil der Plotter sind die Pantser. Pantser schreiben einfach drauflos und entwickeln ihre Geschichte während des Schreibens. Sie folgen keinem Plan, sondern spontanen Ideen, alles andere finden sie unkreativ. Viele Pantser haben das Plotten schon einmal ausprobiert, aber schnell gemerkt, dass es ihnen nicht liegt. Es langweilt sie zum Beispiel, eine Geschichte zweimal zu schreiben (einmal im Plot und einmal im eigentlichen Buch). Während Plotter mit ihrem Plot beginnen, steigen Pantser sofort ins eigentliche Schreiben ein.

Es gibt Autoren, die auf diese Art des Schreibens schwören, wie zum Beispiel der berühmte Horror-Autor Stephen King. Er sagt in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“, dass Geschichten wie Fossilien seien, die man Stück für Stück freilegen muss.

Doch auch diese Methode hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Die Vorteile des Pantsers sind:

  • Er kann stets neue Ideen einbringen.
  • Er spart Zeit, weil er direkt mit dem Schreiben beginnt.
  • Das eigentliche Schreiben ist spannender, weil der Pantser die Geschichte erst noch entdeckt.

Die Nachteile des Pantsers sind:

  • Die Anfälligkeit für Schreibblockaden oder „in eine Sackgasse schreiben“ sind um einiges größer.
  • Da die Ideen spontan kommen, leidet eventuell Logik und Struktur oder der Pantser „schwafelt“ unnötig.
  • Die Zeit, die er am Anfang spart, muss er später bei der Überarbeitung wieder investieren. Pantser müssen meist gründlicher überarbeiten als Plotter.

Was trifft auf dich zu?

Hast du dich in einem der Muster wiedererkannt? Schreibst du lieber direkt los oder brauchst du einen Plan, an dem du dich entlanghangeln kannst? Oder vielleicht eine Mischung aus beidem?

Ich persönlich habe beides schon ausprobiert und bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich mich keiner der beiden Methoden wirklich zuordnen kann. Ich verfasse sowohl zu Beginn der Geschichte einen Plot, arbeite aber zwischendrin noch neue Ideen ein. Das entgültige Buch kann von meinem Plot ziemlich abweichen. Das habe ich auch bei dem Schreibprozess zu „Xiomi“ wieder gemerkt. Obwohl anfangs 20 Kapitel geplant waren, waren es am Schluss 25 Kapitel, weil sich noch eine zusätzliche Handlung entwickelt hat, aus einem winzigen Detail, das ich während des Plottens gar nicht beachtet hatte.

Meiner Erfahrung nach, bekommt eine Geschichte irgendwann ein Eigenleben. Die Charaktere handeln anders, als der Plot es vorschreibt oder völlig neue Ideen ergeben sich. Ich bin schon sehr gespannt auf die Überarbeitungsphase von „Xiomi“, wenn ich die Geschichte erneut lese und mit anderen Augen darauf schaue.

Abschließend möchte ich sagen, dass es beim Schreiben kein Richtig oder Falsch gibt. Ob du ein Plotter oder ein Pantser bist, hängt ganz von deiner Persönlichkeit ab und so lange die Methode für dich funktioniert, gibt es nichts dagegen einzuwenden. Ich finde es sinnlos, wenn Leute versuchen, Plotter oder Pantser von ihrer eigenen Methode zu überzeugen. Jeder Mensch ist doch unterschiedlich und dementsprechend anders ist auch seine Arbeitsweise.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir in den Kommentaren von deiner Methode berichten würdest. Bist du Plotter oder Pantser? Und wenn du Plotter bist, nach welcher Methode plottest du? Oder hast du eventuell sogar deine eigene Methode?

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19 Kommentare zu “Plotter oder Pantser?

  1. Mal abgesehen, dass ich (noch) keine Romane schreibe, würde ich mich auch eher zwischen den beiden „Typen“ sehen. Ich arbeite mit festen Themen (Garten, Essen, Leben), fester Größe (3000 Zeichen) und nicht ganz so festem „Personal“. Wenn eine Geschichte es braucht, dann taucht schon mal eine zusätzliche Figur auf.

    Geplante Grüße aus dem Garten 😉

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    • Hallo,

      viele Leute sehen sich zwischen den beiden Typen. Ich glaube, das ist ganz normal. Ich habe auch verschiedene Methoden ausprobiert, bis ich herausgefunden habe, was für mich am besten funktioniert. 🙂

      Ganz liebe Grüße vom Balkon (Garten habe ich leider keinen).
      Myna

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  2. Also, wenn ich ein Buch schreiben würde – wozu ich mich trotz der einen oder anderen Idee einfach noch nicht durchringen konnte, weil es so waaahnsinnig zeitraubend ist – dann wäre ich wohl eher ein Pantser. Da weiß man nie, wohin einen dir Geschichte führt und überrascht sich zwischendurch vielleicht öfter selbst. 😉

    Ein, wie ich finde, sehr interessanter und lesenswerter Beitrag. Ich würde mich über weitere Beiträge über das Schreiben an sich freuen!

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    • Hallo,

      vielen Dank für das positive Feedback. Wer weiß, vielleicht findest du ja doch irgendwann mal die Zeit und Motivation, ein Buch zu schreiben. Ich empfehle hierfür sehr den NaNoWriMo und die dazugehörigen Camps. Das ist für mich auch immer eine zusätzliche Motivation.

      Gerne bringe ich mehr Artikel über das Schreiben. 🙂 Freut mich zu hören, dass das Thema interessiert.

      Ganz liebe Grüße,
      Myna

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  3. Bisher war ich definitiv ein Pantser. Ich liebe es, wenn sich Handlungen einfach so entwickeln und habe schon öfter kurze Geschichten zu ein paar Stichpunkten geschrieben. Wenn es aber an längere Geschichten geht, versiegt bei mir oft einfach irgendwann die kreative Energie. Ich werde in Zukunft auf jeden Fall mal das Plotten ausprobieren!

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    • Hallo,

      ich kann’s dir nur ans Herz legen, mal beide Möglichkeiten zu probieren. Beim Kurzgeschichtenschreiben bin ich auch ein absoluter Pantser, aber sobald eine Geschichte etwas länger wird, brauche ich einen Plan, an dem ich mich etwas orientieren kann.

      Ich plane, in Zukunft auch noch Möglichkeiten des Plottens vorzustellen. Vielleicht findest du ja da etwas, das zu dir passt und dir zusagt.

      Ganz liebe Grüße
      Myna

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  4. Ich bin überwiegend Discovery Writer (ich mag das Wort Pantser nicht so), wobei ich mir die Freiheit nehme, einzelne Abschnitte eines Romans auch schon mal zu plotten. Meistens ist das beim Romanende der Fall, weil ich da auf Nummer sicher gehen will, nicht etwa irgendwas vergessen zu haben.

    Wenn man bei mir von einem Plotter sprechen kann, dann sind das Abläufe, die in meinem Kopf stattfinden, der permanent auch im Hintergrund an einer Geschichte arbeitet und so nach und nach Plotpunkte erstellt, an denen sich die Handlung dann wie eine Perlenkette aufreiht. Klar könnte ich die auch aufschreiben. Aber wozu?

    Und ansonsten: Stephen King ist Gott, also wird es so gemacht, wie er es für richtig hält ;-).

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    • Hallo,

      ich finde es bewundernswert, wenn Autoren sich den ganzen Ablauf ihrer Geschichte im Kopf merken können. Ich brauche da immer ein bisschen eine Stütze, wobei meine Geschichten und Charaktere dann meistens irgendwann ein Eigenleben entwickeln und machen was sie wollen … Darauf muss ich vorbereitet sein. Ganz striktes Plotten ist bei mir daher nicht, aber ein Grundgerüst brauche ich.

      Ganz liebe Grüße,
      Myna

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      • Hallo Myna,

        dafür bewundere ich manchmal die Menschen, die in der Lage sind, sich eine komplette Handlung zumindest rudimentär from scratch auszudenken. Bei mir ist es meistens ein Bild, ein Gedanke, eine Prämisse und dann geht es los. Ich könnte das nicht vorneweg ausformulieren – und würde damit auch hinterher nicht klar kommen.

        So will der eine immer das, was der andere „besser“ kann ;-).

        Liebe Grüße
        Michael

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      • Hallo Michael,

        ah, verstehe. Ja, ich finde es auch sehr schwierig, mir eine Geschichte „aus den Fingern zu ziehen“. Nicht selten kommt es daher vor, dass sie sich während dem Schreiben noch ändert, weil mir plötzlich bessere Ideen kommen.

        Liebe Grüße
        Myna

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  5. Liebe Myna,

    ein sehr schöner Beitrag! Zwar sind mir Plotter und Pantser als Bezeichnungen nicht unbekannt, aber ich lese so gerne deine Beiträge.
    Ich bin wohl auch ein Mittelding aus beidem. Irgendwo habe ich mal „Stationsschreiber“ oder so als Begriff dafür gelesen. Ich lege also bestimmte Stationen fest, die erreicht werden müssen. Szene X muss ungefähr bei Zeitpunkt Y passieren, Person R sollte dann und dann auftauchen… Aber das ist alles so grob und luftig, dass noch viel Raum für Spontanität bleibt. Manche Leute schreiben sich ja richtige Szenenpläne usw. Das wäre mir viel zu durchgeplant, jegliche Motivation wäre in Windeseile weg. Gleichzeitig ist es schwer, in der Mitte zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ zu bleiben. Denn wenn eins von beidem Übergewicht bekommt, läuft das Schreiben bei mir nicht. 😦 Warum muss ich immer die komplizierten Wege bevorzugen? ^-^“

    Liebste Grüße
    Lisa ❤

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    • Hallo Lisa,

      interessant, den Begriff „Stationsschreiber“ kannte ich bisher noch nicht. Doch er macht für mich durchaus Sinn. Ich formuliere eigentlich schon die Szenen ziemlich genau aus, aber meistens kommt noch irgendwas Neues dazwischen, was ich vorher nicht geplant habe. Die Figuren entwickeln gerne mal ein Eigenleben oder mir kommen noch neue, bessere Ideen zwischendurch.

      Naja, manchmal muss es eben kompliziert sein ^^ Hauptsache, du findest einen Weg, wie’s für dich funktioniert. 🙂

      Liebste Grüße
      Myna ❤

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  6. Hallo Myna,

    Erst einmal vielen Dank, dass du unter der Montagsfrage auf meinem Blog deine Spuren hinterlassen hast, andernfalls wäre ich wohl nicht so schnell auf deinen coolen Blog gestoßen. 🙂

    Deine Artikel über das Schreiben finde ich sehr interessant, der Ausdruck „Pantser“ war mir noch völlig neu (ich kannte ihn nur als „Discovery Schreiber“). Die Vor- und Nachteile der beiden Schreibertypen hast du gut dargestellt und beschrieben. 🙂

    Ich selbst bin wohl eine Mischung aus beidem… ein Plontser, oder so etwas. 🙂 Die typischen Plot-Methoden finde ich zu umständlich und darüber vergeht mir meistens die Lust aufs Schreiben selbst – aber ich mag es, wenn ich wenigstens über die nächsten Kapitel einen Überblick habe (ich nutze dazu ywriter, das ist ganz gut zum Überblick behalten und Szenen verschieben).

    So, jetzt werde ich mich noch ein wenig auf deinem Blog umsehen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Alina

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  7. Pingback: Mein Blog in Zahlen (2. Quartal 2016) | Myna Kaltschnee

  8. Also seit ich verstanden habe, wie die Schneeflockenmethode funktioniert, bin ich eindeutig ein Plotter. ABER ich brauche am Anfang trotzdem nur einen ungefähre Idee der Story und ein, zwei Charaktere. Mit der Schneeflockenmethode passiert nämlich genau das, dass man immer wieder neue Ideen bekommt und die Story sich sozusagen von selbst plottet 😀 Man könnte sagen, beim Plotten bin ich ein Pantser 😀

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  9. Pingback: Mein Blog in Zahlen – Jahresstatistik 2016 | Myna Kaltschnee

  10. Hallo!
    Ich bin durch Zufall auf diesen Artikel gestossen und fand ihn sehr gut! Schön ausführlich und gut verständlich. Aber das Beste war dieser Satz: „Ich selbst verwende eine Mischung aus Schneeflockenmethode und 7-Punkte-System“. Ich mach das auch!
    Und jetzt bin ich neugierig, wie Deine Mischung der beiden Systeme aussieht oder ob sich unsere beiden Ansätze viellelicht sogar ähneln? Leider habe ich den erwähnten Blogbeitrag nicht gefunden. Kommt der noch oder hab ich ihn übersehen? Wäre schön, wenn Du mir antworten könntest.

    Ich war früher übrigens die absolute Pantserin, was dazu geführt hat, dass ich 1 von 100 Geschichten auch wirklich beendet habe. Meistens habe ich mich wirklich gegen die Wand geschrieben und wußte nicht mehr weiter oder bin dann voller Begeisterung ins nächste Projekt gehüpft.
    Durch einen NaNoWriMo bin ich dann auf die Plotter aufmerksam geworden und war der Meinung, dass das unglaublich langweilig sein muss so zu schreiben. Nicht mein Ding!
    Ha!
    Und dann steckte eine Geschichte, die mir wirklich wichtig war, wieder im Sumpf fest und irgendwer sagte zu mir, dass ich das ganze Drama mit Planung hätte vermeiden können. Außerdem würde ich doch sowieso auch immer in anderen Büchern die letzte Seite zuerst lesen (mach ich wirklich…) und darum konnte mein hilfreiches Gegenüber gar nicht verstehen, was ich gegen Plotter hatte.
    Ich verstand das daraufhin schlagartig auch nicht mehr und bin jetzt bekennende Plotterin. 🙂

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