Myna Kaltschnee

Plotter oder Pantser?

Wer schreibt, weiß, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Buch zu schreiben. Autoren teilen sich in zwei Gruppen: Plotter und Pantser (auch Discovery Writer genannt). Die Trennung ist nicht immer eindeutig, es gibt auch Autoren, die sich irgendwo in der goldenen Mitte zwischen Plotter und Pantser befinden. Zu denen zähle ich mich auch selbst. Ich brauche von beiden Methoden ein bisschen, um kreativ zu sein. Das habe ich während des Schreibprozesses an meinem letzten Roman wieder gemerkt. Ich kann noch so detailliert plotten, am Ende kommen doch zwischendurch wieder Ideen, die den Plot durcheianderwirbeln, ergänzen oder sogar verbessern. Doch was sind Plotter und was macht einen Pantser aus?

Im Folgenden möchte ich die beiden Begriffe einmal etwas genauer erläutern und mich mit den Vor- und Nachteilen der beiden Methoden beschäftigen.

Der Plan von A nach B

Plotter sind Autoren, die sich einen genauen Plan (den sogenannten „Plot“) schreiben, wovon es in ihrem Buch handeln soll. Um das zu tun, gibt es verschiedene Methoden, beispielsweise die 3- oder 5-Akt-Methode, das 7-Punkte-System von Dan Wells, die Heldenreise oder auch die Schneeflockenmethode. Manche Plotter stellen sich auch ihre ganz eigene Methode zusammen oder mischen die Methoden untereinander. Ich selbst verwende eine Mischung aus Schneeflockenmethode und 7-Punkte-System, aber davon werde ich euch in einem gesonderten Artikel einmal berichten.

Plotter brauchen eine Anleitung zum Schreiben. Sie mögen es gar nicht, ohne Plan quasi ins „Blaue hinein“ zu schreiben. Das heißt aber nicht, dass sie weniger kreativ sind. Um einen Plot zu erstellen, muss man schon sehr viel Fantasie haben. Ein Plot ist für Autoren wie eine Landkarte für Wanderer. Sie führt sie von A nach B. Vor dem Schreiben macht sich der Plotter Gedanken darüber, worum es in seiner Geschichte gehen soll. Während dem Schreibprozess folgt er dann einfach seiner „Karte“ und kommt so schnell voran.

Vorteile des Plotters sind:

Nachteile des Plotters sind:

Es lebe die Freiheit

Das genaue Gegenteil der Plotter sind die Pantser. Pantser schreiben einfach drauflos und entwickeln ihre Geschichte während des Schreibens. Sie folgen keinem Plan, sondern spontanen Ideen, alles andere finden sie unkreativ. Viele Pantser haben das Plotten schon einmal ausprobiert, aber schnell gemerkt, dass es ihnen nicht liegt. Es langweilt sie zum Beispiel, eine Geschichte zweimal zu schreiben (einmal im Plot und einmal im eigentlichen Buch). Während Plotter mit ihrem Plot beginnen, steigen Pantser sofort ins eigentliche Schreiben ein.

Es gibt Autoren, die auf diese Art des Schreibens schwören, wie zum Beispiel der berühmte Horror-Autor Stephen King. Er sagt in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“, dass Geschichten wie Fossilien seien, die man Stück für Stück freilegen muss.

Doch auch diese Methode hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Die Vorteile des Pantsers sind:

Die Nachteile des Pantsers sind:

Was trifft auf dich zu?

Hast du dich in einem der Muster wiedererkannt? Schreibst du lieber direkt los oder brauchst du einen Plan, an dem du dich entlanghangeln kannst? Oder vielleicht eine Mischung aus beidem?

Ich persönlich habe beides schon ausprobiert und bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich mich keiner der beiden Methoden wirklich zuordnen kann. Ich verfasse sowohl zu Beginn der Geschichte einen Plot, arbeite aber zwischendrin noch neue Ideen ein. Das entgültige Buch kann von meinem Plot ziemlich abweichen. Das habe ich auch bei dem Schreibprozess zu „Xiomi“ wieder gemerkt. Obwohl anfangs 20 Kapitel geplant waren, waren es am Schluss 25 Kapitel, weil sich noch eine zusätzliche Handlung entwickelt hat, aus einem winzigen Detail, das ich während des Plottens gar nicht beachtet hatte.

Meiner Erfahrung nach, bekommt eine Geschichte irgendwann ein Eigenleben. Die Charaktere handeln anders, als der Plot es vorschreibt oder völlig neue Ideen ergeben sich. Ich bin schon sehr gespannt auf die Überarbeitungsphase von „Xiomi“, wenn ich die Geschichte erneut lese und mit anderen Augen darauf schaue.

Abschließend möchte ich sagen, dass es beim Schreiben kein Richtig oder Falsch gibt. Ob du ein Plotter oder ein Pantser bist, hängt ganz von deiner Persönlichkeit ab und so lange die Methode für dich funktioniert, gibt es nichts dagegen einzuwenden. Ich finde es sinnlos, wenn Leute versuchen, Plotter oder Pantser von ihrer eigenen Methode zu überzeugen. Jeder Mensch ist doch unterschiedlich und dementsprechend anders ist auch seine Arbeitsweise.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir in den Kommentaren von deiner Methode berichten würdest. Bist du Plotter oder Pantser? Und wenn du Plotter bist, nach welcher Methode plottest du? Oder hast du eventuell sogar deine eigene Methode?

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