Plotten für Anfänger: Die Schneeflocken-Methode

ice-crystal-1065155_1920Hallöchen zusammen,

schön, dass ihr wieder vorbeischaut. Nachdem ich letzte Woche meinen Artikel zu „Plotter oder Pantser“ veröffentlicht hatte, bekam ich viel Feedback von Leuten, die meinten, dass ihnen der Artikel gut gefallen habe und sie sich mehr Artikel zum Thema Schreiben wünschen würden. Deshalb werde ich hiermit eine kleine Reihe starten, die sich mit dem Thema Plotten beschäftigt, besser gesagt, mit verschiedenen Plotmethoden.

Eine der beliebtesten Plotmethoden ist die sogenannte „Schneeflocken-Methode“, die von dem amerikanischen Romanautor Randy Ingermansson entwickelt wurde. Sie ist sehr detailliert und kann helfen, Plotlöcher zu stopfen und einen eher mageren Plot zu verlängern. Alles, was du dafür brauchst, ist einen Stift, Papier und viel, viel Zeit. Du solltest im besten Fall schon eine genaue Vorstellung von deiner Geschichte haben, zumindest davon, worum es im Groben gehen soll.

Die Schneeflocken-Methode besteht aus zehn Schritten, die wir im Folgenden nun miteinander durchgehen wollen.

Erster Schritt

Der erste Schritt besteht darin, in einem einzigen Satz zusammenzufassen, worum es in deiner Geschichte geht. Der Satz sollte möglichst nicht mehr als 15 Worte beinhalten. Es gilt: Je kürzer, desto besser. Diese Aufgabe soll dir einen groben Überblick über deine Geschichte bringen. Nimm dir dafür ruhig eine Stunde lang Zeit.

Ein Beispiel für „Harry Potter und der Stein der Weisen“ wäre: Ein Junge erfährt, dass er ein Zauberer ist und eine Zauberschule besuchen darf.

Randy Ingermansson schlägt zudem vor, dass man sich die Ein-Satz-Zusammenfassungen in der New York Times einmal ansehen könnte, um sich für diese Aufgabe vorzubereiten.

Zweiter Schritt

In diesem Schritt machst du aus dem Einzeiler einen Absatz, der aus fünf Sätzen besteht. Der erste Satz sollte hierbei den Anfang der Geschichte beschreiben und der fünfte Satz das Ende. Die drei Sätze dazwischen stellen die „Katastrophen“ vor, die deinen Helden passieren. Hierbei ist zu beachten, dass Satz zwei ein von außen kommender Konflikt sein kann, doch Satz drei und vier sollten vom Protagonisten verschuldet sein. Er reitet sich also quasi immer tiefer in die Sch… 😉

Im Grunde genommen soll dieser zweite Schritt einen Klappentext darstellen – vom letzten Satz einmal abgesehen.

Dritter Schritt

Du hast jetzt bereits einen ganz schönen Überblick über deinen Plot. In diesem Schritt werfen wir einen genaueren Blick auf die Figuren.

Je mehr Hauptfiguren du hast, desto mehr Handlungsstränge hat deine Geschichte. Nimm dir in diesem Schritt jede deiner Hauptfiguren eine Stunde lang vor und arbeite folgende Punkte aus:

  • Name
  • Ein-Satz-Zusammenfassung der Geschichte aus der Sicht der Figur
  • Die Motivation der Figur (Was will sie allgemein erreichen?)
  • Die Ziele der Figur (Was will sie konkret erreichen?)
  • Der Konflikt der Figur (Wer oder was hindert sie am Erreichen ihrer Ziele?)
  • Die Lernkurve der Figur (Was hat die Figur am Ende der Geschichte gelernt?)

Wenn du diese Punkte erledigt hast, weitest du die Ein-Satz-Zusammenfassung noch auf einen Absatz mit fünf Sätzen aus, so wie du es im zweiten Schritt getan hast. Es mag sein, dass du nun das Gefühl hast, den Plot aus Schritt eins und zwei nochmals zu verändern – nur zu! Die Figuren erzählen dir deine Geschichte und es kann mehrmals während des Plottens vorkommen, dass du deine vorherigen Schritte nochmals überarbeiten musst.

Vierter Schritt

In diesem Schritt nimmst du dir noch einmal die fünf Sätze aus dem zweiten Schritt vor. Erweitere jeden einzelnen dieser Sätze in einen ganzen Absatz, der aus fünf Sätzen besteht. Jeder einzelne dieser Absätze soll in einer „Katastrophe“ enden, abgesehen vom letzten, der das Ende deiner Geschichte beschreibt. Nimm dir für jeden Absatz ruhig eine Stunde Zeit oder noch mehr, je nachdem, wie schnell du vorwärts kommst. Die Zeit, die du jetzt investierst, sparst du dir später beim Schreiben.

Wenn du damit fertig bist, hast du einen recht umfangreichen Überblick über deine Geschichte. Der Spannungsbogen kristallisiert sich heraus und der Konflikt wird detaillierter.

Fünfter Schritt

Nun geht es noch einmal um deine Charaktere. Die Aufgabe dieses Schritts besteht darin, eine einseitige Zusammenfassung der Geschichte aus der Sicht jeder deiner Hauptfiguren zu schreiben. Für weniger wichtigen Figuren kannst du auch nur eine halbe Seite schreiben. Wichtig ist, dass du auch hier jederzeit wieder zurückspringen und Änderungen an deinem bisherigen Plot vornehmen kannst. Denke daran: Die Charaktere erzählen dir deine Geschichte. Es ist ein gutes Zeichen, wenn sie ein Eigenleben entwickeln. Nimm dir ruhig für jede Figur ein bis zwei Tage Zeit.

Sechster Schritt

Dieser Schritt benötigt etwa eine Woche Zeit. Erweitere die Zusammenfassung deiner Geschichte auf eine vierseitige Zusammenfassung. Bei diesem Schritt sollte die Logik der Geschichte im Mittelpunkt stehen. Überprüfe hierbei deine bisherigen Punkte. Machen sie logisch Sinn? Es kann an dieser Stelle durchaus vorkommen, dass du neue Ideen entwickelst. Scheue dich nicht, sie hinzuzufügen. Noch hast du völlige Freiheit, deinen Plot so zu gestalten, wie du möchtest.

Siebter Schritt

Hier nehmen wir uns noch einmal die Charakterbeschreibungen aus Schritt fünf vor. Erweitere deine einseitigen Beschreibungen nun mit allen Details, die man zu deinen Charakteren wissen sollte: Geburtsdatum, Motivation und Ziele, äußere physische Beschreibung, Eigenschaften, Vergangenheit, Hobbys und Fähigkeiten, etc. Wichtig ist auch die Frage zu klären ob und inwiefern sich der Charakter zum Ende der Geschichte weiterentwickelt und verändert. Nimm dir hierzu bis zu vier Wochen Zeit. Wenn sich dein Plot nochmal ändert, scheue dich nicht, die Schritte eins bis sechs noch einmal zu korrigieren.

Achter Schritt

Nun haben wir es schon fast geschafft. Bevor du mit dem eigentlichen Schreiben loslegst, solltest du diesen Schritt noch beachten. Hier geht es darum, mithilfe eines Tabellenkalkulationsprogramms wie Excel eine Tabelle anzulegen. Ja, ich weiß, viele Leute mögen Tabellen überhaupt nicht, aber sie sind ungeheuer praktisch.

Nimm hierzu deine vierseitige Zusammenfassung zur Hand. Lege nun eine Tabelle mit mindestens zwei Spalten an. Die erste Spalte enthält die Charaktere, aus deren Sicht die Szene erzählt wird, die zweite Spalte enthält eine Zusammenfassung der Szene. Man kann auch noch eine zusätzliche Spalte anlegen, in der man die Seitenzahl einträgt.

Auch hier kann man jederzeit noch Änderungen im Plot vornehmen. Am Schluss wird eine weitere Spalte angelegt, in der die Szene einem Kapitel zugeordnet wird.

Neunter Schritt

Dieser Schritt ist optional und kann genauso gut auch weggelassen werden. Wenn du möchtest, kannst du hier anhand der Tabelle einen fünfzigseitigen Entwurf deiner Geschichte anfertigen.

Zehnter Schritt

Nun geht es endlich mit dem eigentlichen Schreiben der Rohfassung los!

Du hast nun etliche Werkzeuge an der Hand, mit der dir deine Geschichte fluchs aus den Fingern fließen sollte. Es kann auch während des Schreibens noch vorkommen, dass du Dinge an deinem Plot verändern musst. Scheue dich nicht davor. Alles was du jetzt noch veränderst, musst du beim Überarbeiten nicht mehr ändern.

Die Schneeflocken-Methode hat den großen Vorteil, dass sie sehr detailliert ist, während andere Plotmethoden nicht so sehr in die Tiefe gehen. Allerdings braucht es auch sehr viel Zeit, mit ihr zu plotten, daher ist sie nichts für Ungeduldige. Vielleicht hilft es dir aber auch schon, nur ein paar Schritte der Schneeflocken-Methode zu übernehmen. Ich benutze zum Beispiel nur die ersten beiden Schritte, die Ein-Satz-Zusammenfassung und den Abschnitt mit den fünf Sätzen, um mir einen groben Überblick über meine Geschichte zu verschaffen. Probier’s einfach einmal aus und schaue selbst, was dir zusagt und womit du arbeiten kannst.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Plotten deiner Geschichte.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Möchtet ihr noch andere Plotmethoden kennenlernen? Ich würde mich sehr über Feedback freuen.

 

 

 

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10 Kommentare zu “Plotten für Anfänger: Die Schneeflocken-Methode

  1. Es freut mich sehr, dass du nochmal auf Plotting-Methoden eingehst (:
    Ich werde die Schneeflockenmethode wohl auf jeden Fall mal ausprobieren, wenn auch vielleicht nur teilweise.
    Mir wäre die komplette Ausführung denke ich zu zeitaufwändig, ich denke nicht, dass ich mit dem Schreiben anfangen so lange warten könnte :’D
    Ich bin mal gespannt, was daraus wird
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • Hallöchen,

      ja, das kann ich absolut nachvollziehen. Ich bin auch zu ungeduldig, um die gesamte Schneeflocken-Methode durchzuziehen. Wie gesagt, ich benutze eigentlich nur die ersten zwei Schritte, die Ein-Satz-Zusammenfassung und das dann in einen Absatz mit fünf Sätzen ausformulieren. Ich finde allein das schon sehr hilfreich.

      Für den restlichen Plot benutze ich eine andere Plotmethode, die ich an dieser Stelle vielleicht auch noch vorstellen werde 🙂

      Liebe Grüße,
      Myna

      Gefällt 1 Person

  2. Auch wenn du mich mit deinen Artikeln nicht wirst zum plotten bekehren können 😉 finde ich, dass sie gut geschrieben und die Schritte gut beschrieben sind.

    Für mich persönlich würde das vorgestellte Verfahren zu schnell zu sehr in Arbeit ausarten. Aber das hatten wir ja schon :-).

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Michael,

      keine Panik, ich möchte hier niemanden bekehren 😀 Den einzigen Zweck, den meine Artikel erfüllen sollen, ist, meinen Lesern die Werkzeuge an die Hand zu geben. Mit welchen Werkzeugen sie dann schlussendlich arbeiten wollen, bleibt jedem selbst überlassen.

      Wenn du nun mal kein Plotter bist, dann bist du eben keiner. Ich bin die letzte, die das irgendwie verurteilen würde.

      Trotzdem danke, dass dir mein Artikel gefallen hat.

      Liebe Grüße,
      Myna

      Gefällt 1 Person

      • Oh, um Himmels Willen, Myna, so hatte ich es auch nicht verstanden! Ich hab nur mal wieder flapsiger geschrieben, als man es durch das Internet erkennen kann.

        Ich finde gut, was du machst und wie du es beschreibst. Ich könnte das nicht so strukturiert.

        Ich fühlte mich in keiner Weise bewertet oder verurteilt. Im Gegenteil: sehr gut informiert und beraten!

        Sorry für die Verwirrung,
        Michael

        Gefällt 1 Person

  3. Vielen Dank für die Fortführung der Artikel über das Schreiben! So bekommt man sehr anschaulich einen Überblick über verschiedene Methoden, ohne vorher erst 42 Fachbücher wälzen zu müssen. 😉 Von mir aus kannst Du diesem Artikel noch viele weitere in dieser Art folgen lassen!

    Die vorgestellte Methode klingt erschreckend schlüssig und praktikabel. Aber sie erscheint schon sehr zeitintensiv…

    Gefällt 1 Person

    • Hallöchen,

      freut mich, dass dir meine Fortsetzung gefallen hat. Ich bringe gerne noch mehr Artikel zum Plotten und Schreiben allgemein. Es gibt ja noch einige Methoden, die ich hier ansprechen könnte.

      Die Schneeflocken-Methode ist in der Tat sehr zeitintensiv. Deswegen ist sie auch nicht für jeden geeignet. Ich selber nutze ja auch nur einzelne Schritte davon. Es gibt andere Plotmethoden, die weniger Zeit beanspruchen.

      Ganz liebe Grüße
      Myna

      Gefällt 1 Person

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