Myna Kaltschnee

Plotten für Anfänger: Die 3-Akt-Struktur

Heute möchte ich meine Reihe “Plotten für Anfänger” fortführen. Die Methode, die ich dir vorstelle, ist weit weniger zeitintensiv als die Schneeflocken-Methode. Dafür ist sie aber auch nicht so ausführlich und detailliert. Es handelt sich dabei um die 3-Akt-Struktur.

Diese Plotmethode kommt ursprünglich aus dem Theater, doch man kann sie auch für das Schreiben von Prosa einsetzen. Drehbücher orientieren sich auch oft daran. In so ziemlich jedem Film lässt sich die 3-Akt-Struktur wiederfinden.

Die 3-Akt-Struktur besteht aus folgenden Teilen:

  1. Akt: Exposition (Einleitung)
  2. Akt: Konfrontation (Hauptteil)
  3. Akt: Auflösung (Schluss)

Dabei enden der 1. und 2. Akt jeweils mit einem Wendepunkt, der 3. Akt endet am Schluss der Geschichte. In der Mitte befindet sich der Zentrale Punkt. Ich habe eine Grafik erstellt, in der du das schön sehen kannst:

1. Akt: Exposition (Einleitung)

Im 1. Akt stellst du deine wichtigsten Charaktere und Handlungsorte vor. Um wen geht es in der Geschichte? Und wo spielt sie? Der 1. Akt sollte dem/der Leser*in vermitteln, was für ein Mensch (oder Tier) der/die Protagonist*in (Hauptfigur) ist.

Ein ganz wichtiger Punkt bei der Entwicklung deiner Charaktere, ist, ihre Motivation festzulegen – vor allem die, des/der Protagonist*in. Warum wird er/sie in er folgenden Handlung so agieren wie er/sie es tut? Nur wenn er/sie einen überzeugenden Grund für sein/ihr Handeln hat, ist die Geschichte glaubwürdig und realistisch. Diese Motivation sollte im 1. Akt erkennbar sein.

Reiße kurz die Hintergrundgeschichte an, damit man die Situation zeitlich einordnen kann und versteht, was gerade passiert. Pass hierbei aber bitte auf, dass kein “Infodump” entsteht. Damit meine ich, dass du deine*n Leser*in nicht mit Informationen und seitenlangen Erklärungen überschütten solltest. Gerade Anfänger*innen machen diesen Fehler häufig, doch mit etwas Übung schaffst du es, die wirklich wichtigen Informationen herauszufiltern und gezielt zu platzieren.

Frage dich: In welches Genre lässt sich diese Geschichte einordnen und wie ist die Stimmung? Manchmal ist das gar nicht so einfach festzulegen. Wenn deine Geschichte mehrere Genres bedient, überlege dir, welches das vorherrschende Genre ist. Im 1. Akt sollte der/die Leser*in erkennen können, was für eine Art Geschichte er/sie vor sich hat (Fantasy, Krimi oder vielleicht einen Liebesroman?).

Das Wichtigste an einer Geschichte ist der Hauptkonflikt. Wenn du diesen im 1. Akt andeutest, erzeugst du Spannung. Ein Problem wird sichtbar – wie werden die Figuren es lösen? Was bringt die Welt deiner Held*innen zum Erschüttern? Das kann im Krimi ein Mordfall sein, in einem Science-Fiction-Roman die nahende Apokalypse oder im Liebesroman die Eroberung des heimlichen Schwarms. Bedenke, dass der Hauptkonflikt sowohl ein innerer, als auch ein äußerer Konflikt sein kann.

Am Ende des ersten Aktes, beim 1. Wendepunkt, wird der Hauptkonflikt unumgänglich und es wird Zeit, dass dein*e Held*in sich in sein/ihr Abenteuer stürzt.

2. Akt: Konfrontation (Hauptteil)

Die Konfrontation stellt den längsten Teil dar. Hier werden dem/der Held*in Hindernisse in den Weg geworfen. Es geht schief, was schief gehen kann und der/die Protagonist*in kommt immer weiter in Schwierigkeiten. Der 2. Akt stellt den Lösungsweg dar, den die Hauptfigur durchqueren muss und hierbei ist es wichtig, dass nicht alles glatt läuft, sondern dass du genügend Probleme einplanst, die der/die Held*in überwinden muss.

Auch der/die Antagonist*in sollte spätestens jetzt auftauchen. Er/sie ist der/die Widersacher*in der Hauptfigur und wirft ihr noch mehr Steine in den Weg. Ein/e Antagonist*in muss aber nicht immer eine Figur sein, es kann auch ein Gefühl, ein herabstürzender Meteorit oder ein verfeindetes Volk sein.

Etwa nach der Hälfte des 2. Aktes erreichen wir den “Zentralen Punkt”. An dieser Stelle wendet sich das Geschehen und der Held bekommt einen entscheidenden Hinweis zur Lösung des Hauptkonflikts. Die Geschichte schlägt eine neue Richtung ein.

Schließlich erreichen wir den 2. Wendepunkt, der den 3. Akt einläutet.

3. Akt: Auflösung (Schluss)

Nun geht es mit großen Schritten auf den finalen Kampf zu. Der Höhepunkt steht bevor, die Spannung steigt stetig an und es kommt zur Konfrontation zwischen Gut und Böse. Mit Hilfe der Hinweise, die der Protagonist erhalten hat, schafft er, das Problem zu lösen.

Der Schluss sollte alle offenen Fragen beantworten, zumindest, wenn es ein Einzelband ist. Bei Reihen kann man hier noch ein paar Fragen offen lassen, doch die wichtigsten Punkte sollten aufgelöst werden, damit der/die Leser*in das Buch mit einem zufriedenen Gefühl zuschlägt. Ganz toll wäre es, wenn du deine Lesenden mit einem unerwarteten Ende überraschen würdest. Leser*innen mögen es, wenn sie das Ende nicht vorhersagen konnten und es am Schluss noch einmal ganz anders kommt, als gedacht. Ist es nicht der abschließende Band einer Reihe, kannst du am Schluss einen Cliffhanger einbauen, der den/die Leser*in auf den Folgeband neugierig macht.

Schlussgedanken

Ich hoffe, ich konnte  die Methode anschaulich erklären. Hast du die 3-Akt-Struktur schon einmal angewendet und Erfahrungen damit gemacht? Oder bist du jetzt vielleicht neugierig darauf geworden, es selbst einmal auszuprobieren? Über Feedback in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen. Natürlich kannst du auch gerne Fragen stellen und ich werde mein Bestes geben, sie zu beantworten.


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