Myna fragt… Tanja Hanika (2)

Meine Rubrik „Myna fragt …“ ist in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen. Umso mehr

Autorin Tanja Hanika

Photo: D. Pfingstmann

freue ich mich, dass ich Tanja Hanika für ein zweites Interview gewinnen konnte. Ich hatte sie ja vor ein paar Monaten schon einmal interviewt, doch mittlerweile hat sich viel getan. Im April ist ihr Kurzroman „Vernichte die Schatten der Nacht“ erschienen, die Fortsetzung zu „Fürchte die Schatten der Nacht“.

 

Tanja Hanika wurde 1988 in Speyer geboren und wuchs in Rheinland-Pfalz auf. Als sie mit acht Jahren eine Kinderversion zu Bram Stokers „Dracula“ las, entstand ihr Interesse, selbst Schauergeschichten zu schreiben. Ab 2008 studierte sie an der Universität Trier Germanistik und Philosophie. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie und ihren beiden Katzen in der Eifel.

Hallo Tanja, schön, dass du dir für mich Zeit nimmst. Vor nicht allzu langer Zeit ist die vernichte die schatten der nachtFortsetzung zu deinem Vampirjägerroman erschienen: „Vernichte die Schatten der Nacht“. Inwiefern hat sich deine Protagonistin Jenna im zweiten Band weiterentwickelt, wenn man sie mit der Jenna aus dem ersten Band vergleicht?

Während Jenna im ersten Band noch von ihrer Angst vor den Vampiren gehemmt wird, kann sie sich im zweiten Band ihren Rachewunsch selbst als Vampirjägerin erfüllen. Auch auf einer anderen emotionalen Ebene hat sich einiges geändert: In Band 1 musste sie darum bangen, ob mit Nate eine Beziehung zustande kommt, während sie ihn in Band 2 zu verlieren droht.

Insgesamt wird sie stärker, selbstbewusster und zielorientierter. Sie glaubt an sich selbst und an die Fähigkeiten, die sie trainiert hat. Ob das allerdings genügt, um den Vampiren die Stirn zu bieten und was es sie kostet, muss der Leser selbst herausfinden.

Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass darin einige der „Guten“ ihr Leben lassen müssen. Fällt es dir generell schwer, Charaktere zu töten oder schreibst du sowas grundsätzlich gerne? Und: Hast du jemals beim Schreiben geweint?

Um den Plot voranzubringen und auch einige Twists in die Geschichten einzustreuen, bringe ich manchmal schon einige Figuren „gerne“ um. Man will ja Gefühle beim Leser wecken und eine unvorhersehbare Geschichte schreiben. Es gibt aber auch Nebenfiguren, die mir sehr am Herzen liegen, was gerade wieder hier in „Vernichte die Schatten der Nacht“ der Fall war. Diese Figuren würde ich sehr, sehr gerne doch überleben lassen, aber storytechnisch hat das nicht gepasst. Ich habe keine gute Möglichkeit gesehen, diese Figur in einem zweiten Twist doch noch überleben zu lassen. Geweint habe ich deswegen allerdings nicht.

Ich glaube, dass ich beim Schreiben noch nicht geweint habe, was wohl aber auch am Genre liegt. Aber dass ich mich als Horrorautorin vor meinen eigenen Texten ab und an selbst gegruselt habe, das muss ich schon zugeben.

Kannst dir vorstellen, noch einen dritten Teil zu schreiben?

Ein paar Ideen wären tatsächlich da, beispielsweise für ein Prequel zu Bo & Paul, aber andere Projekte haben erst einmal Vorrang. Mir hat der Ausflug in die Dark Romantasy wahnsinnig viel Spaß gemacht, aber noch wohler fühle ich mich mit Horrorgeschichten und Schauerromanen. Ausgeschlossen ist es also nicht, dass ich irgendwann mit einem Text in diese Welt zurückkehre.

Jeder Autor hat ja so seine Lieblingsszenen. Welche Art von Szenen schreibst du am liebsten?

Je mehr es in Sachen Grusel zur Sache geht, desto mehr bin ich in meinem Element. Ich liebe es, mir haarsträubende Details auszudenken oder den Leser an der Nase herumzuführen. Düstere Szenen und Twistmomente, diese Stellen schreibe ich am allerliebsten. Wahrscheinlich sind eben das auch die Passagen, die am spannendsten zu lesen sind.

Was findest du am schwierigsten zu schreiben: Anfang, Mittelteil oder Ende?

Pauschal kann ich diese Frage leider nicht beantworten, denn das ist von Buch zu Buch unterschiedlich. Mal hat man eine Idee, die die Ausgangssituation ziemlich ausführlich beschriebt und man hat noch keinen Schimmer wie der Roman mal ausgehen soll oder andersherum hat man manchmal ein Ende, auf das man hinschreiben will, aber man muss erst einen geeigneten Anfang finden. Der Mittelteil, in dem das Buch normalerweise immer mehr Fahrt aufnimmt, ist meistens eher leicht zu schreiben. Aber es kann auch hier einmal sein, dass sich Handlungslücken (sogenannte plot holes) auftun, die man nur schwer gefüllt bekommt. Ich hatte da bisher sehr selten Probleme, da ich mir vorher schon Gedanken zum Plot mache, sodass ich beim Schreiben mich an dem Gerüst entlanghangeln kann und mich dann immer wieder über neue zusätzliche oder bessere Ideen freue.

Nun habe ich auch vor kurzem deinen Kurzgeschichtenband „Mr Rileys Hürchen und 13 weitere Gruselgeschichten“ rezensiert. Was schreibst du lieber – Romane oder Kurzgeschichten? Oder hat beides seinen Reiz für dich?

10add-anthologieVielen Dank noch einmal dafür!

Beides ist reizvoll. Mit Kurzgeschichten kann man viele Ideen in kürzerer Zeit bearbeiten, mit Romanen sich der Grundthematik aber viel mehr annähern und tiefer in die Psyche der Figuren eindringen. Ich habe schon seit Längerem keine Kurzgeschichten mehr geschrieben, da ich mich in der wenigen Schreibzeit, die ich momentan habe, voll und ganz auf meine Romanprojekte und das Self-Publishing konzentriere. Aber Kurzgeschichten zu schreiben fehlt mir und ich hoffe, dass ich bald wieder dazu komme, die eine oder andere zu verfassen.

Viele Autoren fangen mit Kurzgeschichten an und schreiben dann irgendwann nur noch Romane. Das finde ich ein bisschen schade, weil man gerade bei Kurzgeschichten viel ausprobieren kann. Könntest du dir vorstellen, irgendwann mal wieder Kurzgeschichten zu schreiben und vielleicht noch eine Anthologie herauszubringen?

Ich habe durchaus vor auch wieder Kurzgeschichten zu schreiben, einige Ideen schlummern schon auf der Festplatte oder in diversen Notizbüchern, allerdings ganz ohne Wettbewerbsbeschränkungen. Ich will einfach für mich schreiben, worauf ich gerade Lust habe. Vielleicht veröffentliche ich eines Tages zu Halloween wieder eine Anthologie, aber dafür muss ich erst noch produktiv werden.

Einige deiner Kurzgeschichten sind in Magazinen und Anthologien erschienen. Gerade für Anfänger sind Schreibwettbewerbe eine erste Chance, etwas zu veröffentlichen. Hast du ein paar Tipps, was man beachten sollte, wenn man bei Ausschreibungen teilnimmt?

Das A und O sind die Richtlinien, das bekommt man ja überall gepredigt. Dem hinzufügen würde ich, dass man sehr themenorientiert schreiben sollte, dabei aber eine möglichst kreative Umsetzung des Themas versuchen sollte, die jedoch noch ins Gesamtkonzept der Anthologie oder der Literaturzeitschrift passen könnte. Der Text sollte also nicht so sehr herausstechen, dass er nicht mehr zu anderen Texten passt, aber eben doch genug, um interessant zu sein. Außerdem würde ich mehrmals Korrekturlesen, damit man möglichst viele Fehler verbessern kann, sowohl sprachlich als auch inhaltlich.

Tricky, ne?! 😀

Mir ist aufgefallen, dass du besonders gerne die Form des Kurzromans wählst. Was reizt dich an dieser Textform und könntest du dir auch vorstellen, mal einen ganz dicken Wälzer zu schreiben, oder ist das nicht deine Welt?

Für den Leser beinhaltet ein Kurzroman ein Abenteuer, das er innerhalb eines langen Leseabends erleben kann. Ich mag es sehr, wenn ich ein Buch nicht aus der Hand legen, sondern in einem Zug zu Ende lesen kann. Dafür eignen sich gerade bei Zeitmangel Kurzromane.

Für mich als Autor sind sie etwas schneller zu schreiben als längere Texte und dadurch kann ich mich mehr verschiedenen Projekten / Ideen-Verwirklichungen in kürzerer Zeit widmen. Für mich sind Kurzromane einfach eine spannende Sache.

Ich plotte gerade einen Roman, der um einiges länger werden wird, als meine bisherigen. Es wird ein moderner Schauerroman, also ein Roman, der zwar in der Gegenwart spielt, aber ansonsten alle Merkmale eines Schauerromans aufweist. Wann das Projekt verwirklicht sein wird, kann ich noch gar nicht sagen. Vielleicht in zwei oder drei Jahren. Aber allein das Plotten macht großen Spaß, gerade, weil es zur Abwechslung so ein langes Projekt sein wird.

Bist du eigentlich Plotterin oder Discovery Writerin? Wie gehst du vor, wenn du eine Geschichte planst?

Ich bin eine Plotterin, aber ich lasse der Geschichten auch den nötigen Freiraum sich anders zu entwickeln, falls mir beim Schreiben bessere Ideen kommen oder eine Figur auf interessante Weise aus der Reihe tanzt. Ganz detailliert ist meine Plotvorarbeit nicht, aber einen recht genauen Rahmen habe ich schon. Ich plotte anhand einiger worksheets, die ich überarbeitet und zum „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ zusammengefasst habe, das bei Amazon erhältlich ist. So denke ich an alles, was bearbeitet und geplant werden muss, auch das Marketing kann man darin vorplanen, und habe anschließend meine Plotvorarbeit als eigenes Buch im Regal stehen.

Hast du Vorbilder oder Menschen, die dich inspirieren?

Inspiriert werde ich im Alltag von allem und jedem. Ideen für die nächsten Geschichten lauern wirklich überall.

Ein wirkliches Vorbild habe ich nicht, aber ich finde beispielsweise Edgar Allan Poes Werke ganz fantastisch. So – nur moderner – zu schreiben hätte schon etwas. Er ist dadurch aber nicht mein Vorbild, schon gar nicht, was seinen Lebenswandel betrifft. 🙂

Du bist neben deiner Tätigkeit als Autorin auch eine Mama. Wie bringst du Kind, Haushalt und Schreiben unter einen Hut?

Momentan schreibe ich nur abends, wenn der Kleine schon schläft. Tagsüber gehöre ich voll und ganz meinem Sohn. Aber wenn er bald in den Kindergarten geht, kann ich auch vormittags schon schreiben und ich bin selbst gespannt, welche Routine sich da entwickeln wird. Haushalt – naja – wenn ich schreiben kann, statt Wäsche zusammenzulegen und in den Schrank zu stapeln, dann schreibe ich lieber. Bisher ist (leider) keine Haushaltsverpflichtung von alleine weggelaufen.

Hörst du Musik beim Schreiben oder brauchst du absolute Stille?

Je nach Laune. Manchmal habe ich Lust mit Musik zu schreiben, aber das klappt ebenso gut wie bei Stille. Ich glaube, ich könnte fast immer und überall schreiben und lesen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Blick in die Zukunft: Was bekommen wir als nächstes von dir zu lesen?

Das nächste Projekt, ein Psycho-Horrorroman, hat es in sich! Wenn mal ein Leser schreibt. „Boah, das war brainfuck!“, dann habe ich das geschafft, was ich damit erreichen möchte. Die letzte Entscheidung zwecks Titel ist noch nicht gefallen, aber der Roman soll noch vor Halloween erscheinen. Hier der Klappentext, er verrät am besten, worum es geht:

Eine Schriftstellerin ohne Ideen.

Eine verschlossene Tür ohne Schlüssel.

Eine beste Freundin ohne Gnade.

Lina verbringt ein paar Urlaubstage in einer Hütte im Wald, um ihre Schreibblockade zu überwinden. Dort gibt es allerdings eine Tür, die sich weigert, das preiszugeben, was sie verbirgt. Linas beste Freundin Millie begleitet sie in den Schreiburlaub, doch gerade sie ist es, die Lina mit ihrem seltsamen und bedrohlichen Verhalten vollends aus der Bahn wirft. Was hat Lina allein mit ihrer besten Freundin im Wald zu befürchten?

Vielen Dank, dass du dich meinen Fragen gestellt hast 🙂

Ich danke dir! Es hat wieder großen Spaß gemacht. 🙂

Du möchtest Kontakt zu Tanja Hanika aufnehmen oder über ihre Projekte auf dem Laufenden bleiben? Hier kannst du sie erreichen:

 

Advertisements

4 Kommentare zu “Myna fragt… Tanja Hanika (2)

  1. Pingback: Gemeinsam Lesen #30: Zweite Chance | Myna Kaltschnee

  2. Pingback: Monatsrückblick Juli 2016 | Myna Kaltschnee

  3. Pingback: Rezension: „Redthorne Castle“ von Tanja Hanika ***** | Myna Kaltschnee

  4. Pingback: Montagsfrage #43: Gruselgeschichten | Myna Kaltschnee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s