Rezension: „Redthorne Castle“ von Tanja Hanika *****

Titel: Redthorne Castleb2388-redthorne2bcastle
Autorin: Tanja Hanika
Genre: Horror
Verlag: Selfpublisher
Seiten: 223
Format: Kindle E-Book
Preis:  3,99 €

Klappentext

England 1898 – Die junge Schriftstellerin Joanne Hadley wähnte sich im Paradies: Mit Gleichgesinnten ist sie zu einem Treffen auf Redthorne Castle geladen, um gemeinsam Literatur zu schaffen. Doch einer nach dem anderen stirbt und es gibt wegen der defekten Zugbrücke kein Entrinnen. Für Joanne gilt es, herauszufinden, was in dem Gemäuer vor sich geht. Kann sie sich und die anderen vor dem Tod bewahren, der im alten Gemäuer umgeht?

Rezension

Nachdem ich viel Fantasy und romantische Geschichten gelesen hatte, wollte ich endlich mal wieder etwas Gruseliges. Es sollte schaurig und spannend sein, düster und geheimnisvoll. Und gleichzeitig wollte ich kein allzu dickes Buch, lieber eine schlankere Lektüre. Ich habe bei Amazon ein bisschen gestöbert und bin dann auf „Redthorne Castle“ gestoßen. Kaum hatte ich angefangen zu lesen, stand eines fest: Das Buch war genau das, was ich in dem Moment lesen wollte.

„Redthorne Castle“ ist nicht das erste Buch, das ich von Tanja Hanika gelesen habe. Wer meine Rezensionenliste ansieht, wird feststellen, dass ich bereits eine Kurzgeschichtensammlung und zwei Kurzromane von ihr rezensiert habe. Ihre Werke haben mir bisher immer gut gefallen – aber „Redthorne Castle“ hat mich echt vom Hocker gehauen. Ich habe das Buch innerhalb von vier Tagen verschlungen. Für manchen Leser mag das bei einem 223-Seiten-Roman kein Kunststück sein, aber für mich, die normalerweise mehrere Wochen für ein Buch braucht, war das sehr schnell. Es ging sogar soweit, dass ich mir die Nacht bis drei Uhr morgens um die Ohren geschlagen habe, nur weil ich nicht aufhören konnte, zu lesen.

Der Roman handelt von der jungen Autorin Joanne Hadley, die auf Redthorne Castle zu einem Literaturtreffen eingeladen wird. Obwohl Joanne die Protagonistin ist, wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. So lernt man auch die anderen Charaktere gut kennen und es bleibt spannend und abwechslungsreich. Am Anfang ist noch alles friedlich. Die Autoren schreiben gemeinsam und stecken sich gegenseitig mit Motivation und Inspiration an. Doch dann gibt es die erste Leiche. Nur ein Zufall? Mitnichten, denn von nun an stirbt ein Autor nach dem anderen. Es wird schnell klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Doch das Schlimmste an der Sache ist, dass die Teilnehmer des literarischen Treffens auf der Burg festsitzen, da die Zugbrücke defekt ist. Joanne und die anderen Autoren versuchen herauszufinden, was auf der Burg vor sich geht. Doch mit des Rätsels Lösung hätten sie garantiert nicht gerechnet.

Tanja Hanika ist gut darin, ihre Sprache einer anderen Zeit anzupassen. Sie stellt das Jahr 1898 authentisch dar, auch wenn sie einige Details an ihre Geschichte angepasst hat, wie sie in ihrem Nachwort anmerkt. Man könnte fast meinen, sie sei mit einer Zeitmaschine selbst in das entsprechende Jahr gereist, um zu sehen, wie die Menschen damals gelebt haben. Aber vermutlich hat sie einfach nur sehr gut recherchiert 😉

Dadurch, dass die Perspektive von Kapitel zu Kapitel wechselt, findet man besseren Zugang zu den einzelnen Figuren und kann sich ein umfassendes Bild von ihnen machen. Sogar Charaktere, die zunächst ziemlich unsympathisch erscheinen, lernt man zu verstehen, wenn die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird.

Tanja Hanika hat sehr interessante Figuren entwickelt. Eine meiner Lieblingsfiguren war die Schriftstellerin Mildred Townend. Sie verkörpert genau das, was ich bewundere. Ihre Emanzipation bewundere ich. Sie lebt ganz für die Schreiberei und lässt nicht das typische weibliche Rollenbild der damaligen Zeit aufdrücken. Ganz anders ist hingegen ist Victoria Mills, die sich ihrem Mann völlig unterwirft und, obwohl sie es gerne täte, keine eigenen Texte verfasst, sondern sich damit begnügt, seine testzulesen. Ich fand diese eine Szene, in der Mildred Victoria und Joanne zuruft, dass sie sich emanzipieren sollen, einfach klasse 😀

Das Bild der Frau zur damaligen Zeit spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte, denn auch Joanne fragt sich, was sie eigentlich im Leben will. Ich finde, das ist eine Frage, die wir uns alle stellen sollten. Was wollen wir wirklich in unserem Leben erreichen? Und welche Lebensziele sind vielleicht die Wünsche unserer Eltern oder Freunde und gar nicht unsere eigenen? Man kann auf jeden Fall sagen, dass mich „Redthorne Castle“ nicht nur prächtig unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat.

Der einzige Kritikpunkt ist, dass mir das Ende ein bisschen zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen war. Natürlich habe ich jetzt nicht erwartet, dass es ein grausiges Ende nimmt, aber ich hätte mir im letzten Kapitel noch ein bisschen mehr Action gewünscht. Ich kann da jetzt nur leider nicht genauer darauf eingehen, weil ich sonst das Ende spoilern würde und das möchte ich auf keinen Fall.

Allerdings ist dieser Kritikpunkt nur persönlicher Geschmack und schmälert nicht die Begeisterung, mit der ich dieses Buch gelesen habe. Für mich eindeutig fünf Herzchen … und Tanja Hanika rückt auf der Liste meiner Lieblingsautoren wieder ein Stückchen weiter nach oben 😉

Über die Autorin

Autorin Tanja Hanika

Foto: D. Pfingstmann

Tanja Hanika wurde 1988 in Speyer geboren und wuchs in Rheinland-Pfalz auf. Als sie mit acht Jahren eine Kinderversion zu Bram Stokers „Dracula“ las, entstand ihr Interesse, selbst Schauergeschichten zu schreiben. Ab 2008 studierte sie an der Universität Trier Germanistik und Philosophie. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie und ihren beiden Katzen in der Eifel.

Fazit

Spannender Schauerroman, für alle, die gruselige Spukgeschichten mögen und auch gerne mal einen Abstecher in ein anderes Jahrhundert machen wollen.

Meine Bewertung

5 sterne

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11 Kommentare zu “Rezension: „Redthorne Castle“ von Tanja Hanika *****

  1. Mir gefällt das Cover sehr, wenn es mich auch auf eine falsche Fährte geführt hätte. Ich finde, es sieht sehr nach einem Jugendroman aus – liegt wohl daran, dass ähnliche Kompositionen häufig von Verlagen wie Arena eingesetzt werden.

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