Warum Schizophrenie nicht das ist, was du glaubst

mhm

Hallo und willkommen zum zweiten Themenpost der Mental Health Months. Mehr Informationen zu diesen Themenmonaten findest du hier.

Schön, dass du wieder reinschaust. Heute möchte ich mich mit dir über ein Thema unterhalten, um das sich ein großes Missverständnis rankt, das leider so in unseren Köpfen verankert ist, dass die meisten gar nicht wissen, dass es ein Missverständnis ist.

Hast du schon einmal gehört, dass jemand gesagt hat: „Das ist ja total schizophren!“?Gemeint hat er damit wahrscheinlich, dass etwas gegensätzlich ist. Dass sich jemand zum Beispiel widersprüchlich verhält. Er bezieht sich dabei auf Schizophrenie – die Krankheit, bei der Menschen eine gespaltene Persönlichkeit haben. Ha! Falsch gedacht!

Hier kommt das große Missverständnis ins Spiel: Viele Leute glauben, dass sich Schizophrenie durch eine gespaltene Persönlichkeit auszeichnet. Doch das ist ein großer Irrtum! Was Schizophrenie wirklich ausmacht und welches Krankheitsbild tatsächlich hinter der gespaltenen Persönlichkeit, wie wir sie z. B. aus dem Film „Psycho“ kennen, steckt, das verrate ich dir in diesem Blogpost.

Das Wort „Schizophrenie“ setzt sich aus den griechischen Worten „s’chizein“ (spalten, zersplittern, zerspalten) und „phren“ (Geist, Seele, Gemüt) zusammen und bedeutet also so etwas wie „gespaltener Geist“. Das hat aber rein gar nichts mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun, auch wenn das viele Menschen glauben.

Die Krankheit Schizophrenie, die den Psychosen zugeordnet wird, zeichnet sich durch ganz andere Symptome aus. Man unterscheidet hierbei zwischen sogenannten Positivsymptomen und Negativsymptomen. Positivsymptome beschreiben Symptome mit produktivem Charakter wie z. B. Wahn, Halluznationen oder Ich-Erlebnisstörungen. Negativsymptome sind z. B. Störungen des Denkens, des Affekts (der Stimmung), der Kommunikation oder auch des Antriebs. Sie werden meist später erkannt und sind auch schwieriger zu behandeln, als Positivsymptome.

Im Grunde genommen habe ich hierbei schon einige Symptome aufgezählt, die bei einer Schizophrenie auftreten. Halluzinationen sind ein häufiges Merkmal daran, dass jemand unter Schizophrenie leidet. Es gibt hierbei sowohl visuelle Halluzinationen, als auch akustische. Bei letzterem hören die Betroffenen Stimmen, die ihnen Anweisungen geben oder sie gar beschimpfen. Ein Beispiel für visuelle Halluzinationen wird im Film „A Beautiful Mind“ von Ron Howard deutlich, wo der Protagonist Menschen sieht, die gar nicht da sind.

Ein weiteres Merkmal für Schizophrenie ist Wahn. Ein Mensch der unter Wahnvorstellungen leidet, hat ganz bestimmte Überzeugungen, die nicht der Realität entsprechen, aber die ihn in seiner Lebensführung einschränken. Er könnte z. B. glauben, dass er verfolgt wird oder dass man ihn umbringen möchte.

Auch Denkstörungen sind ein Positivsymtpom der Schizophrenie. Er gibt es z. B. die Denkhemmung. Der Betroffene hat das Gefühl, dass seine Gedanken gebremst, blockiert oder verlangsamt würden. Dies ist jedoch eine rein subjektive Wahrnehmung. Im Gegensatz steht beispielsweise die Denkverlangsamung. Hierbei ist das Denken verzögert, verlangsamt oder stockend. Es fällt dem Betroffenen schwer, seine Gedanken zu Ende zu denken. Dieses Symtpom wird in der Regel von anderen Personen wahrgenommen.

Die Ich-Störung, ein weiteres Positivsymptom, tritt beispielsweise in Form von Gedankenentzug auf. Hierbei hat der Betroffene das Gefühl, dass ein Fremder ihm seine Gedanken stielt. Auch Gedankeneingebung spielt hier eine Rolle. Also, dass der Betroffene glaubt, fremde Gedanken würden ihm von einer außenstehenden Person eingegeben.

Wollen wir uns nun den Negativsymptomen widmen. Hier gibt es z. B. die Affektverflachung, also dass der Betroffene sich nicht mehr emotional ausdrücken kann. Er macht dann den Eindruck, als könnten selbst bewegende Nachrichten und Ereignisse, ihn weder schockieren noch erfreuen.

Auch die Apathie, die den meisten ein Begriff sein wird, ist ein Negativsymptom der Schizophrenie. Ein Mensch der apathisch ist, reagiert nicht auf äußere Reize und wirkt oft teilnahmslos und interessenlos.

Die Abulie bezeichnet einen Mangel an Willenskraft und Schwierigkeiten dabei, Entscheidungen zu treffen. Auch motorische Definzite, also ein Mangel an Mimik und Gestik, können auftreten.

Es gibt noch viele Symptome mehr, die man hier anführen könnte, doch ich möchte es erst einmal hierbei belassen. Die wichtigsten Punkte habe ich aufgeführt und ich denke, dass du dir ein gutes Bild von der Schizophrenie machen konntest.

„Ja, aber wenn Schizophrenie keine gespaltene Persönlichkeit bedeutet – wie heißt diese Krankheit dann?“

Die Diagnose, mit der die Schizophrenie häufig verwechselt wird, lautet Dissoziative Identitätsstörung oder auch Multiple Persönlichkeitsstörung. Sie gilt als schwerste Form der Dissoziation und die Betroffenen haben eine wechselnde Vorstellung von sich selbst, weshalb sie in unterschiedliche Persönlichkeiten schlüpfen.

In Europa leiden etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung an Schizophrenie, während an der Dissoziativen Persönlichkeitsstörung 1 bis 5 % erkranken.

Einen interessanten Artikel zur Dissoziativen Identitätsstörung habe ich hier auf Spiegel Online gefunden. Wer also ein bisschen mehr über die Krankheit erfahren möchte, kann hier weiterlesen.

Ich hoffe, dass ich zur Aufklärung des großen Irrtums zur Schizophrenie beitragen konnte und in Zukunft mehr Menschen davon erfahren, was die Krankheit wirklich ausmacht. Wenn ich jemanden sagen höre „Das ist schizophren!“ spüre ich in mir die Wut und Verzweiflung aufsteigen, weil ich genau weiß, dass er die Diagnosen mal wieder verwechselt.

Aber dir wird das in Zukunft nicht mehr passieren 😉

Hand aufs Herz: Hast du den Unterschied gewusst? Oder bist du auch dem großen Irrtum aufgesessen? Lass es mich doch in den Kommentaren wissen. Auch wenn du Fragen zum Thema hast, kannst du sie gerne stellen. Ich bin zwar keine Expertin und kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, aber vielleicht kann ich dir ja weiterhelfen. 🙂

 

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11 Kommentare zu “Warum Schizophrenie nicht das ist, was du glaubst

  1. Sehr interessanter Beitrag! Ich wurde vor ein paar Jahren über die Verwechslung aufgeklärt. Aber ja davor dachte, dass Schizophrenie etwa anderes sei. Ich finde ja die multiple Persönlichkeitsstörung sehr interessant. Die Serie Tara Welten habe ich mir aus diesem Grund sehr gerne angeschaut, auch wenn dort sicherlich vieles falsch dargestellt wurde.

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    • Hallo sternenbrise,

      super, dann gehörst du schon einmal zu dem kleinen Prozentsatz, der über Schizophrenie Bescheid weiß 🙂 Ich finde diese Persönlichkeitsstörung auch sehr interessant und ich kannte sogar mal jemand, der das hatte. Das war zwar immer ein bisschen verwirrend, aber ich habe durch den Kontakt mit der Person viel über das Krankheitsbild gelernt.

      Die Serie kenne ich leider nicht, werde mich aber mal schlau machen.

      Ganz liebe Grüße
      Myna

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  2. Hallo Myna!

    Ich finde es wirklich interessant, mehr über die Krankheit und die einhergehenden Symptome zu erfahren. Es ist sehr traurig, dass die Gesellschaft psychische Krankheiten noch immer mit einem Schulterzucken abtut, als wäre es nichts, worunter man wirklich leiden kann oder nur eine theatralische Show, um gewisse Dinge zu vermeiden oder genau durch so ein Verhalten zu erreichen.
    Ich finde es wichtig, dass du damit einen Beitrag leistest, darauf aufmerksam zu machen. Denn meiner Meinung nach werden solche Krankheitsbilder in Zukunft häufiger vorkommen – aufgrund verschiedener gesellschaftlicher Entwicklungen (sofern sie nicht genetisch erworben werden).

    Ich folge dir mal unauffällig 🙂

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    • Hallo Sarah,

      danke für deinen Zuspruch und es freut mich, dass du den Artikel interessant fandest. Ja, leider hast du recht – so traurig es auch ist, psychische Krankheiten werden oft nicht richtig ernst genommen. Das merkt man ja schon an Dingen wie Depressionen. Zu einem Depressiven zu sagen, er soll doch einfach mal das Leben genießen und glücklich sein, ist genauso fehl am Platz, wie einem Menschen mit Alzheimer zu sagen, dass er nicht alles vergessen soll. Das würde doch auch niemand tun.

      Ja, ich denke auch, dass psychische Erkankungen mit der Zeit immer mehr zunehmen werden. Depressionen zählen z. B. schon heute zu den häufigsten Gründen, warum Arbeitnehmer sich krankmelden.

      Danke für’s Folgen und deinen lieben Kommentar 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Myna

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  3. Super erklärt. Da ich jemanden in der Familie habe, der diese Krankheit hat, bin ich jeden Tag damit konfrontiert. Wusste also schon vorher den Unterschied. Ich weiss aber aus eigener Erfahrung, dass es wirklich viele Leute verwechseln. Lg Claudia

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    • Hallo Claudia,

      freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Tut mir leid zu hören, dass du jemanden mit der Krankheit in der Familie hast. Es ist wirklich eine sehr schlimme Krankheit, sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen. Ich hoffe, dass dein Familienmitglied eine gute Behandlung genießt und die Symptome einigermaßen in den Griff bekommt, bzw. lernt, damit umzugehen.

      Alles Gute,
      Myna

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  4. Liebe Myna,

    ich finde es toll, dass du dich hier auch mit solchen speziellen Themen befasst. Psychologie als Thema finde ich total interessant und war in der glücklichen Lage, während des Abiturs Psychologie als Unterricht in der Schule zu haben. Das war echt toll – mein Lieblingsfach ^^
    Also, ich kannte den Unterschied, ja. Ich habe auch gelernt, dass das, was viele als Schizophrenie kennen nur ein Symptom von vielen verschiedenen psychischen Krankheiten ist, die der Schizophrenie zugeordnet werden. Andere können eben die von dir angesprochenen sein. Ich finde zum Beispiel das Symptom Größenwahn, also auch eine Form der Wahnvorstellung, sehr interessant – leider, weil sie mich im persönlichen Umfeld hervorgerufen durch Alkoholismus betrifft :/

    Generell ist die Psychologie sehr interessant, um sich seine Charaktere zusammenzubasteln ^^

    Ganz liebe Grüße und hoffentlich weniger Verzweiflung und Wut in dir, wenn jemand solche Schizo-Sätze in deiner Nähe von sich gibt 😉

    Deine Tinka 🙂

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    • Hallo Tinka,

      ja, Psychologie ist in der Tat sehr interessant. Ich wäre froh gewesen, wenn ich es auch in der Schule gehabt hätte, aber war leider nicht der Fall. Ich habe mir eigentlich alles was ich weiß, selbst beigebracht, bzw. ich habe es während meiner Klinikaufenthalte gelernt. Da trifft man ja Menschen mit den unterschiedlichsten Diagnosen.

      Tut mir leid, dass du jemanden mit Größenwahn bzw. Alkoholsucht im eigenen Umfeld hast. Es ist sicher nicht einfach, damit umzugehen. Aber interessant ist es allemal.

      Ganz liebe Grüße
      Myna

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      • Danke, ich versuche es positiv zu sehen und das beste für mich daraus zu machen. In der Tat ist der Umgang mit solchen Menschen sehr schwer und ich versuche momentan den Kontakt eher zu meiden, da er mir nicht gut tut 😉

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