Verrücktes Genie – Psychisch kranke Kreative

mhm

Huhu ihr Lieben,

vor einigen Wochen erreichte mich der Wunsch, einen Artikel über psychisch kranke Kreative zu schreiben. Da ich dieses Thema sowieso auf meinem Plan hatte, habe ich mal begonnen, dazu zu recherchieren.

Ich habe vor einigen Monaten bereits einen Artikel zu psychisch kranken Schriftstellern und einer Studie hierzu beim Schreibmeer veröffentlicht. Damit ich mich hier nicht allzu sehr wiederhole, verlinke ich ihn euch einfach mal hier. Da ich in jenem Artikel explizit auf Autoren eingegangen bin, möchte ich in diesem Artikel vor allem Musiker und Komponisten, Schauspieler und Maler behandeln. Ich habe mir drei berühmte Persönlichkeiten herausgepickt, die ich euch als Beispiele näher vorstellen möchte.

Zunächst einmal möchte ich aber generell der Frage nachgehen: Gibt es eine Verbindung zwischen Kreativität und psychischer Erkrankung? Oder anders gefragt: Ergreifen psychisch Kranke häufiger kreative Berufe?

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Eine Antwort auf diese Frage gibt eine schwedische Studie aus dem Jahr 2011, bei der die Akten von 300 000 psychisch Kranken untersucht wurden. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass nicht jede psychische Krankheit auf eine erhöhte Kreativität schließen lässt. Menschen mit Depression beispielsweise, ergreifen genauso häufig kreative Berufe, wie gesunde Menschen. Geht die Depression allerdings mit einer Manie einher und stellt also eine Bipolare Störung dar, dann ergreifen die Patienten häufiger kreative Berufe.

Das liegt wohl an den manischen Phasen, die die Patienten zu Höchstleistungen befähigt. Eine Manie ist das genaue Gegenteil einer Depression, also eine krankhafte Hochstimmung. Manische Patienten reden schneller, brauchen weniger Schlaf, sind sehr produktiv, geben aber auch häufig mehr Geld aus und neigen zu risikoreichen Taten und Selbstüberschätzung. Auch bei den schizophrenen Patienten konnte eine Verbindung zur Kreativität nachgewiesen werden: Menschen mit dieser Krankheit werden auffällig häufiger bildende Künstler.

Wie lässt sich das erklären? Eine Möglichkeit ist, dass die Kreativität bei gesunden Menschen vom Großhirn kontrolliert wird. Bei Patienten mit schizophrenen Symptomen oder einer Manie hingegen, funktioniert dieser Filter im Kopf nicht richtig. Das erlaubt den Patienten eine erhöhte Kreativität.

Eine weitere Erklärung fanden isländische Wissenschaftler heraus.Sie entdeckten eine Gen-Eigenschaft, die bei Menschen vorkommt, die deutlich häufiger an Schizophrenie und Bipolarer Störung erkranken, als der Durchschnitt. Dann sahen sie sich die Gene verschiedener isländischer Künstlervereinigungen an. Und siehe da: Diese Gen-Eigenschaft trat hier ebenfalls häufiger auf.

Die Liste berühmter Beispiele ist lang

Ich könnte hier sehr viele Persönlichkeiten anführen, die trotz oder gerade wegen ihrer psychischen Erkrankung Berühmtheit erlangt haben. Ich möchte mich aber auf ein paar wenige Beschränken und deren Leben kurz beleuchten.

Der Komponist Robert Schumann (1810 – 1856) litt lange Zeit unter psychischen Problemen. Es wird gesagt, dass er sowohl manische Phasen hatte, in denen er zahlreiche Stücke in wenigen Wochen komponierte, als auch depressive, in denen er überhaupt nicht zum Komponieren in der Lage war. Manche Quellen sagen auch, er hätte unter schizophrenen Schüben gelitten.

1833 geriet er erstmals in eine psychische Krise, in der ihn Wahn- und Suizidvorstellungen plagten. Sein Arzt riet ihm zu einer Heirat, um diese „Melancholie“ zu überwinden. Schumann verlobte sich, löste die Verlobung aber später wieder auf. In den folgenden Jahren litt er immer wieder unter psychischen Problemen.

1854 wurden seine psychischen Leiden so schlimm, dass er sich von einer Brücke in den Rhein stürzte. Er wurde gerettet und entschied sich kurz darauf, in die „Anstalt für Behandlung und Pflege von Gemütskranken und Irren“ zu gehen. Quellen berichten, dass er sich selbst als „Verbrecher“ sah und Angst hatte, seiner Frau Clara Schumann Leid antun zu können. Es wird außerdem berichtet, dass er akustische Halluzinationen hatte. Sein Zustand wurde stetig schlechter. Am Ende verweigerte er sogar die Essensaufnahme. Am 29. Juli 1856, starb Robert Schumann im Alter von 46 Jahren in der Heilanstalt.

Ein weiteres berühmtes Beispiel ist der niederländische Maler Vincent van Gogh (1853 – 1890), der, neben seinen fantastischen Gemälden, dafür berühmt wurde, dass er sich selbst ein Ohr abschnitt. Der Vorfall fand 1988 statt. Es wurde postum viel darüber diskutiert, woran der Maler gelitten hatte. Während seiner Lebzeiten wurde „Epilepsie“ bei ihm diagnostiziert, was aber wohl nicht wirklich zugetroffen hat. Von Wahnvorstellungen, Albträumen und Depressionen wird berichtet.

Am 8. Mai 1889 ließ er sich in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy in Südfrankreich einweisen. Eine Behandlung bekam er dort allerdings nicht. Von seinen tatenlosen Mitpatienten hielt er sich fern und bat darum, als Therapie malen zu dürfen – was ihm gestattet wurde. Es entstand unter anderem sein später sehr berühmt gewordenes Gemälde „Sternennacht„. Im Sommer, sowie gegen Ende des Jahres, wollte er während schlimmer Anfälle giftige Farben schlucken, was als Selbstmordversuch gewertet werden kann. Anschließend traute er sich längere Zeit nicht mehr aus dem Haus.

1890 verließ van Gogh die Heilanstalt und reiste zu dem Arzt und Kunstliebhaber Dr. Paul Gachet nach Auvers. Es wird vermutet, dass dieser van Gogh ausnutzte, seine Krankheit falsch diagnostizierte und ihn schließlich in den Tod trieb. Trotzdem verfiel Vincent van Gogh in Auvers in einen wahren Schaffensrausch. Er soll in 70 Tagen rund 80 Gemälde und 60 Zeichnungen angefertigt haben.

Am 27. Juli 1890 schoss er sich selbst eine Kugel in die Brust. Zwei Tage später starb er an seinen Verletzungen. Er wurde 43 Jahre alt.

Als letztes Beispiel möchte ich den Schauspieler Klaus Kinski (1926 – 1991) anführen. Er war Zeit seines Lebens als schwierige Persönlichkeit bekannt und neigte zu Gefühls- und Wutausbrüchen. Man bezeichnete ihn gerne als „Enfant terrible“. Beispielsweise schlug er einmal die Scheibe eines Theaters ein, worauf hin er als Schauspieler entlassen wurde. Doch er schaffte es immer wieder, Rollen zu ergattern, die ihn sogar international berühmt machten.

1950 befand er sich für drei Tage in psychiatrischer Behandlung, nachdem er eine Ärztin belästigt und angegriffen, sowie einen Suizidversuch mit Medikamenten unternommen hatte. Auch in den folgenden Jahren versuchte er mehrmals, sich das Leben zu nehmen.

In seinen Filmen verkörperte er oft Schurken und Psychopathen. Da er auch in der Öffentlichkeit oft exzentrisch und aggressiv auftrat, dachten die Zuschauer, dass er privat so wie in seinen Rollen sei. Seine Tochter Nastassja bezeichnete ihren Vater als „Tyrannen“, der die Familie terrorisiert und vor dem sie große Angst gehabt habe.

Klaus Kinski starb 1991 im Alter von 65 Jahren an einem Herzleiden.

Das waren jetzt nur drei Beispiele. Es gibt aber so viele weitere. Eine längere Liste mit Genies und Kreativen, die unter psychischen Erkrankungen litten, findest du hier und hier.

Ein Wort zum Schluss

Auch wenn es viele Beispiele für psychisch kranke Kreative gibt, heißt das keinesfalls, dass man mental angeschlagen sein muss, wenn man kreativ sein will. Es gibt auch Genies, die seelisch völlig gesund waren oder sind.

Man sollte sich außerdem davor hüten, psychische Krankheit zu romantisieren. Ich weiß, dieser Artikel könnte den Eindruck vermitteln, dass psychische Krankheit etwas Tolles oder gar Erstrebenswertes ist, im Bezug auf Kreativität und Genialität. Ist es nicht! Jeder, der nicht psychisch krank ist sollte froh darüber sein. Ihm bleibt eine Menge Leid und Probleme erspart. Weder der Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, noch Therapien, noch Medikamenteneinnahme sind etwas Schönes und man sollte sich glücklich schätzen, wenn man es nicht benötigt.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag 🙂

 

 

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4 Kommentare zu “Verrücktes Genie – Psychisch kranke Kreative

  1. Hallo Myna,

    Ein toller Artikel zum Thema Mental Health!
    Es sind wirklich nicht nur „normale“ Menschen betroffen, sondern sehr oft auch Stars und Berühmtheiten. Gerade, wenn sie damit auch an die Öffentlichkeit gehen, um aufzuklären und „die Abneigung “ aufgrund der Unwissenheit zu nehmen, bin ich froh.
    Wie bereits gesagt, es mussmehr bekannt werden zu dem Thema!

    Ich musste bei dem Titel des Beitrags auch direkt an van Gogh denken. Für mich ein bekannter Vertreter unter den psychisch kranken Kreativen.

    Liebe Sonntagsgrüße,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Sarah,

      ja, ich gebe dir ganz recht: Ich finde es auch toll, wenn Stars zu ihren psychischen Problemen stehen. Das zeigt, dass diese Menschen nicht einfach nur „verrückt“ sind, sondern durchaus viel leisten können. Vor allem, was Kreativität betrifft.

      Und ja, van Gogh ist wohl wirklich einer der berühmtesten Vertreter. Deshalb habe ich ihn auch ausgewählt 🙂

      Liebste Grüße zurück,
      Myna

      Gefällt mir

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