Umgang mit psychisch Kranken – 5 goldene Regeln

mhm

Willkommen zu einem weiteren Beitrag zu den Mental Health Months. Ich freue mich, dass du wieder vorbeischaust.

Viele Angehörige fühlen sich vollkommen überfordert, wenn ein nahestehender Mensch an einer psychischen Krankheit erkrankt. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen und wie sie ihrem Familienmitglied oder Freund helfen können. In diesem Artikel möchte ich ein paar Tipps zum Umgang mit psychisch kranken Menschen geben. Natürlich kann man nicht alle Patienten über einen Kamm scheren und jeder ist verschieden. Aber meine fünf goldenen Regeln möchte ich dir hier dennoch an die Hand geben.

1. Akzeptiere, dass ich krank bin.

Eine Depression, Angststörung, Persönlichkeitsstörung oder Psychose sind ernstzunehmende Erkrankungen und keine Schwächen oder Launen der betroffenen Person. Ein depressiver Mensch ist krank und nicht einfach nur „extrem schlecht drauf“. Einem solchen Patienten Dinge zu sagen wie: „Denk doch mal positiv.“ oder „Du hast es doch eigentlich gar nicht so schlecht. Anderen Menschen geht es doch viel schlechter.“ wird im besten Fall nichts bewirken, im schlimmsten Fall, die Symptome des Betroffenen noch verschlimmern, weil er sich unverstanden fühlt und noch tiefer in den Abwärtsstrudel gerät. Einem Menschen mit einer Angststörung zu sagen, er soll „nicht so ein Hasenfuß sein“ oder einem Menschen mit Depressionen zu raten „nicht alles so schwer zu nehmen“, hat ungefähr den selben Effekt, wie einem Menschen mit Alzheimer zu sagen: „Vergiss doch nicht ständig alles.“ Das würde doch auch keiner tun, oder? Auch wenn man psychische Krankheiten nicht sieht – es sind Krankheiten und benötigen eine Behandlung von einem Spezialisten. Genauso wie körperliche Gebrechen auch.

2. Informiere dich über meine Krankheit.

Ich kann Angehörigen nur immer wieder raten, sich so viele Informationen über die Erkrankung ihres Familienmitglieds oder Freundes zu beschaffen, wie nur möglich. Das Internet ist eine gute Quelle für Fachinformationen, aber auch die lokale Bibliothek bietet sicher das eine oder andere Werk zum Krankheitsbild. Den Kampf gegen die Krankheit kann man nur gewinnen, wenn man ihren Verlauf und ihre Symptome kennt, wenn man Frühwarnzeichen deuten kann und wenn man sich über entsprechende Therapiemöglichkeiten informiert hat.

3. Bringe mich zu einem Spezialisten.

Psychisch Kranke brauchen ärztliche oder therapeutische Hilfe. Deswegen ist es wichtig, einen Psychiater oder Psychologen aufzusuchen (mehr zu diesem Thema hier). Natürlich sollten die Patienten auch selbst der Meinung sein, dass sie Hilfe brauchen und freiwillig den jeweiligen Spezialisten aufsuchen. Das kann mitunter schwierig sein, wenn ein Patient z. B. an Wahn leidet und sich selbst nicht als „krank“ betrachtet. Gerade bei Psychosen erkennen die Patienten selbst nicht, dass sie an einer Erkrankung leiden. Trotzdem sollte man mit ihnen in Ruhe sprechen und ihnen die Notwendigkeit eines Besuchs beim Spezialisten klarmachen. Nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn z. B. eine Fremd- oder Eigengefährdung besteht, kann man Patienten zwangseinweisen lassen. Beim Erstgespräch mit z. B. einem Psychiater, kann es hilfreich sein, wenn der/die Partner/in oder bei Kindern und Jugendlichen die Eltern dabei sind. Oftmals kann ein Angehöriger noch etwas zum Krankheitsbild des Patienten sagen, was dieser selbst an sich vielleicht gar nicht beobachtet hat.

4. Geh normal mit mir um.

Wenn eine psychische Erkrankung vorliegt, sollte man trotzdem versuchen, den normalen Alltag am Laufen zu halten. Das heißt, den Patienten nicht zu sehr zu bedauern und bemitleiden, das tut ihm meist nicht gut. Es ist wichtig, dass man dem Erkrankten mit Respekt begegnet und ihn ein wenig entlastet. Aber auch hier gilt: Nicht zu viele Aufgaben abnehmen. Gerade nach einem Klinikaufenthalt sollte der Patient langsam Schritt für Schritt wieder an den normalen Alltag gewöhnt werden. Stress und Druck sollten dennoch reduziert werden, denn das ist Gift für psychisch kranke Seelen und könnte zu einem Rückfall führen.

5. Vergiss dich nicht selbst.

Ganz wichtig: Angehörige rutschen gerne in das Muster hinein, dass sie ihr ganzes Leben von der psychischen Erkrankung bestimmen lassen. Davon haben aber weder sie noch der Erkrankte etwas. Es ist wichtig, dass sie weiterhin gesunde Menschen treffen und sich hier und da eine Auszeit gönnen: ein entspannendes Bad, ein Kaffeeklatsch mit der besten Freundin oder ein gemütlicher Leseabend.
Auch Selbsthilfegruppen für Angehörige von psychisch Kranken können hilfreich sein und einen Ausgleich schaffen. Wenn es dich zu sehr mitnimmt, wie dein Angehöriger leidet, denke darüber nach, selbst eine Psychotherapie zu beginnen oder eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Das wäre mein Rat an Angehörige von psychisch Kranken. Falls ihr selbst auch noch Tipps oder Fragen habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar. 

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4 Kommentare zu “Umgang mit psychisch Kranken – 5 goldene Regeln

  1. Hey ho,
    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Ich finde er bietet einiges an Diskussionspotential. (Oder so ähnlich 🙂 ).
    Ich habe durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verein für psychisch erkrankte Menschen bzw. durch Bekannte / Freunde viel mit Menschen zu tun, die oft in Krisen stecken.
    Daher interessiert mich, wie du die dritte Regel erlebt hast. Natürlich ist es wichtig, dass Menschen, die in einer Krise stecken, geholfen wird.
    Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es hier sehr oft zu Konflikten kommt und sich dann die Angehörigen erst mal den „Du hast mich eingewiesen“- Schuh anziehen und mit der Wut des erkrankten Menschen leben „müssen“. Gab es bei dir auch mal diese Momente, in denen du deine Angehörigen für manche der Regeln verflucht hast? (Wenn dir das zu persönlich ist, kannst du mir sonst auch gern per Mail antworten…).

    Ich finde das Thema psychische Erkrankung wahnsinnig spannend und bin daher auch froh, wenn es Betroffene gibt, die so offen über ihre Erlebnisse sprechen. Es geht mir also nicht darum, dich anzugreifen, oder den Artikel infrage zu stellen :-).

    viele Grüße
    Emma

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Emma,

      kein Problem. Ich gehe recht offen mit meiner psychischen Erkrankung um und daher beantworte ich auch gerne deine Fragen. 🙂

      Du hast recht, die 3. Regel ist ein bisschen schwierig und es kommt immer wieder vor, dass Menschen, die eigentlich einen Therapeuten oder Psychiater benötigen würden, diese ablehnen und den Angehörigen Vorwürfe machen, wenn sie sie trotzdem dazu überreden wollen. Mir selbst ging es auch schon so, dass meine Angehörigen wollten, dass ich Medikamente nehme, ich das aber nicht wollte (wegen der Nebenwirkungen). Aber irgendwann haben meine Angehörigen dann doch immer gewonnen und ich habe eingesehen, dass es nicht anders geht. Ich denke, man muss da einfach einfühlsam bleiben und versuchen, den Patienten zu verstehen (er hat ja auch Gründe für seine Ablehnung), ihn dann aber vorsichtig versuchen, dazu zu überreden, sich doch mal helfen zu lassen. Das ist nicht immer einfach. Ich habe selbst die Erfahrung bei einem mir nahestehenden Menschen gemacht, der sich einfach nicht helfen lassen will. Zwingen kann man ihn natürlich auch nicht. Es sei denn, er gefährdet sich selbst oder andere.

      Liebste Grüße
      Myna

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