Myna fragt … Tinka Beere (2)

Tinka Beere wurde 1991 in einer kleinen Stadt in Ostdeutschland geboren. In der Schule war sie Mitglied Autorenbild (1)in einer Literatur AG und schrieb erste Geschichten und Romane. Nach dem Abitur zog sie nach Hessen und arbeitete ein Jahr lang auf einem Islandpferdehof. Danach begann sie, Skandinavistik und Vor- und Frühgeschichte zu studieren. 2016 schloss sie ihr Studium ab. Im Dezember 2015 veröffentlichte sie ihren „Blogging Guide“. Im Oktober 2016 folgte ihr Schreibratgeber „30 Tage Schreibchallenge“.

Hallo Tinka, schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Wie fühlst du dich so kurz nach der Veröffentlichung deines zweiten Buches?

Ich bin noch ganz hibbelig, weil mich so viele Leute unterstützen. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Auch das positive Feedback zum Buch überwältigt mich und zaubert mir täglich ein Grinsen ins Gesicht. Mit dem Kopf hänge ich aber schon wieder im nächsten Projekt 😀

An wen richtet sich „30 Tage Schreibchallenge“ und um was geht es genau in deinem neuen Buch?

30 Tage Schreibchallenge“ habe ich für Menschen geschrieben, die gerade erst anfangen, sich in der Welt der Autoren zu orientieren. Ihnen soll mein Buch eine kleine Hilfe sein, denn der schwerste Schritt ist es, überhaupt erst mal eine Geschichte zu Ende zu schreiben. Ich erkläre, wie jeder es schaffen kann, indem ich zum Beispiel ein paar Plotmethoden vorstelle, die eine grobe Orientierung geben, oder ein paar Tipps zum Zeitmanagement.

Wer sich gerne eine Schreibroutine aneignen möchte, aber noch keine genaue Idee hat, wie er das machen soll, kann sich „30 Tage Schreibchallenge“ auch gerne anschauen. Vor allem mein Kapitel über das Motivationsloch und der Tagebuchteil können dabei helfen, täglich zu schreiben.

Besonders gut eignet sich das Buch natürlich auch als Ergänzung in einem Schreibmonat.

30tscWie bist du auf die Idee zu „30 Tage Schreibchallenge“ gekommen?

Die Idee zum Buch war irgendwann einfach da. Ich liebe es ungemein, andere Menschen dazu zu motivieren, ihre Ziele zu erreichen. So veranstalte ich schon seit einigen Jahren in meiner Facebookgruppe „Writers‘ Inn“ ein Parallelevent zum NaNo und zu den Camps. In diesem Stelle ich hin und wieder Fragen, die die Teilnehmer auf ihren Blogs beantworten können, oder gestalte mit ihnen zusammen einen Schreibabend mit Schreibtouren. Das alles kam immer super gut an und – so unersättlich wie ich manchmal sein kann – wollte ich ihnen noch mehr Motivation geben. Ich hoffe, das ist mir mit „30 Tage Schreibchallenge“ gelungen.

In deinem Buch fasst du sehr viele nützliche Informationen für Schreibanfänger zusammen. Neben Plotmethoden lernen die Leser den NaNoWriMo und die Camps kennen und auch was sich hinter Dingen wie WordWars oder Schreibtouren versteckt. Wie viel Zeit hast du in das Buch investiert, von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung?

Ausgesprochen habe ich die Idee mitten im April 2016, im Camp NaNoWriMo. Ich habe ein paar Leute in der Veranstaltung gefragt, was sie davon halten und sie waren von der Idee begeistert. Das Manuskript habe ich in einem ziemlichen Tempo getippt, es sprudelte einfach nur aus mir heraus, und so konnte ich es nach einer ersten Überarbeitung meinen ersten Lesern schon zum Camp im Juli präsentieren. Zu dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich das Buch vor dem NaNoWriMo herausbringen, meinen Testlesern aber trotzdem genug Raum geben möchte, um das Manuskript auf Herz und Nieren zu prüfen. Das Camp war also die ideale Bewährungsprobe dafür.

Der August stand dann im Zeichen der Überarbeitung mit anschließendem Lektorat. Mitte September habe ich dann mit den Vorbereitungen für die Veröffentlichung begonnen. Alles in allem habe ich ungefähr ein halbes Jahr von der ersten Idee zum Erscheinen des Buches gebraucht.

In deinem Buch sprichst du unter anderem die „50k5d-Challenge“ an, die darin besteht, 50.000 Wörter innerhalb von 5 Tagen zu schreiben. Du selbst hast vor einiger Zeit die Challenge ausprobiert – muss man nicht ein bisschen verrückt sein, um sich solch einer großen Aufgabe zu stellen? Was hat dich dazu bewogen, es einmal ausprobieren?

Ja, ein bisschen vielleicht. Aber meiner Erfahrung nach hat fast jeder Autor diesen Hang zum Verrückten.

Damals war ich Teil einer Schreibgruppe, ein paar Mitglieder haben die Challenge schon ein oder mehrmals geschafft. Dann kam ein Schreibmonat und wir wollten sie gemeinsam schaffen, uns gegenseitig mit Schreibtouren, WordWars und Schreibabenden dabei unterstützen. Und ich dachte mir: Klar, warum nicht?

Was kannst du jungen Autoren raten, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind und auch gerne die diese harte Challenge ausprobieren würden?

Wie bei so ziemlich jedem Vorhaben, fällt es leichter, wenn man sich Unterstützung von anderen holt – ob es nun um das Mitschreiben oder den Abwasch geht, den man in dieser Zeit nicht schafft. Hilfreich ist es auch, sich einen Plan zurecht zu legen, was man schreiben möchte, denn irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem man keine Ahnung mehr hat, was man überhaupt schreiben soll (Wäre ja schade, wenn man das Geschriebene am Ende wegwerfen kann oder frustriert von seiner Geschichte ist). Außerdem sollte man ein bisschen Planen, wann man diese Challenge macht. Wochenenden – besonders verlängerte – oder die Ferien bieten sich an, denn neben der Arbeit, Schule oder Uni ist es schwer, sich die Zeit zum Schreiben zu nehmen, denn schlafen sollte man auch noch. Ich habe durchschnittlich 10 Stunden für die täglichen 10.000 Wörter am Tag gebraucht. Diese Zeit könnte ich mir aktuell gar nicht nehmen, weil ich so viele verschiedene Projekte unter einen Hut bringen will und muss.

Wenn ich mich richtig erinnere, hast du dir am Anfang dieses Jahres vorgenommen, dir selbst eine Schreibroutine mit 200 Wörtern am Tag anzueignen. Nun könnte jemand sagen: „Was, nur 200 Wörter? Das ist ja fast gar nichts!“ Warum hast du dir genau diese Wortzahl als Ziel gesetzt und wie erfolgreich war die Anwendung dieser Methode?

Ja, du erinnerst dich richtig 😀

In der Theorie war es ganz einfach. Ich bin ja auch ein kleiner Zahlenfanatiker. Allein so könnte ich in einem Jahr 73.000 Wörter schreiben – die Schreibmonate noch nicht mit eingerechnet. Außerdem wollte ich versuchen, wirklich jeden Tag zu schreiben und 200 Wörter schienen mir wirklich machbar.

Auf meinem Blog habe ich zur Mitte des Jahres schon ein kleines Zwischenfazit gezogen. Zwar hatte ich es nicht geschafft, jeden Tag zu schreiben, aber in der Summe gesehen, hatte ich mein Ziel trotzdem erreicht. Außerdem habe ich gemerkt, wie sich nach ein paar Wochen eine Schreibroutine eingeschlichen hat, die es mir leicht machte, auch nach einer Pause, wieder fast dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört hatte.

Für mich war diese Methode auf jeden Fall sehr erfolgreich. Ich habe mir damit den Druck genommen, viel schreiben zu müssen, wenn ich denn mal schreibe, und dass es okay ist, wenn ich mal nicht zu schreiben komme. Ein entspannterer Umgang mit meinem WordCount ist wohl die Erkenntnis daraus, für die ich am dankbarsten bin.

Du hast dich für den Weg des Selfpublishings entschieden. Welche Vorteile siehst du darin im Vergleich zur Veröffentlichung im Verlag?

Viele Vorteile des Selfpublishing sind gleichzeitig auch Nachteile: Man muss alles selbst machen – oder sich darum kümmern, dass es gemacht wird. Für mich ist es jedoch ein großer Vorteil, denn so bin ich frei in meinen Entscheidungen und muss mich nicht nach dem Verlag richten.

Besonders bei „30 Tage Schreibchallenge“ und meinem „Blogging Guide“ bin ich mir nicht sicher, ob ich aufgrund der Thematik überhaupt einen Verlag gefunden hätte – wenn doch wäre es sicherlich schwer gewesen, ersteres so schnell und noch vorm NaNo veröffentlichen zu können, was mir persönlich sehr wichtig war.

Könntest du dir generell vorstellen, einmal Bücher in einem Verlag zu veröffentlichen oder möchtest du lieber beim Selfpublishing bleiben?

Ich glaube, es gibt keinen Autor, der es sich nicht vorstellen könnte, eines seiner Bücher bei einem Verlag zu sehen. Gerade befinden wir uns auch in einer spannenden Zeit, in der beides parallel möglich ist und das Ansehen der Selfpublisher immer weiter wächst, wodurch es aufgrund der vielen Veröffentlichungen leichter aber auch schwerer wird, Leser zu finden. Da ist es natürlich gut, wenn man durch einen Verlag sichtbarer wird und Leser erreichen kann, die sich vorrangig mit Verlagsbüchern beschäftigen. Außerdem ist es auch ein enormes finanzielles Laster, ein Buch herauszubringen, welches durch einen Verlag tragbarer wird.

Aus finanzieller Sicht also ein klares Ja, wenn die Bedingungen stimmen. Aus der Sicht eines leidenschaftlichen Selbstverwirklichers kann ich es mir vorstellen, da ich dadurch vermutlich mehr und vor allem weitere Leser erreichen kann. Wenn ich jedoch das Gefühl haben sollte, durch einen Verlag zu eingeschränkt zu werden, was Marketing, Buchgestaltung und Co angeht, bleibe ich lieber beim Selbstveröffentlichen.

In unserem letzten Interview hast du erwähnt, dass du für den Traum lebst, einmal vom Schreiben leben zu können. Viele Künstler wünschen sich das, doch die meisten verdienen mit ihrer kreativen Arbeit nicht genug Geld. Ein Lösungsansatz wäre hier das bedingungslose Grundeinkommen. Was hältst du selbst von der Idee eines Grundeinkommens für jeden? Denkst du, das könnte in Deutschland funktionieren?

Ich bin absolut dafür und auch überzeugt, dass es funktionieren wird. Es gibt so viele Menschen, die neben ihrem Brotjob arbeiten gehen, um sich selbst zu verwirklichen. Viele soziale Berufe sind von (freiwilligen) Hilfskräften abhängig, die kein Geld dafür bekommen oder viel zu wenig für das, was sie leisten. Ohne sie würde unser wirtschaftliches System zusammenbrechen.

Es macht mich wütend und traurig zugleich, dass wir in diesem Punkt in Deutschland noch so im Rückstand sind, wobei es doch offensichtlich ist, dass immer mehr „einfache“ Arbeiten von Maschinen erledigt werden. So viele Zivilisationskrankheiten aufgrund von Stress wie zum Beispiel Burn Out oder Depressionen könnten vermieden oder zumindest reduziert werden. Womit sich dann auch die Frage nach der Finanzierung klären würde.

Im 21. Jahrhundert sollten die Menschen nicht mehr arbeiten, um zu leben und leben, um zu arbeiten. Sie sollten leben können, obwohl sie arbeiten.

Vielen Dank, dass du meine Fragen beantwortet hast. Ich wünsche dir alles Gute weiterhin!

Ich danke dir für die Fragen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, wie zu beantworten. Vielen Dank!

Du möchest dich mit Tinka Beere vernetzen?

Dann besuche sie doch auf ihrer Homepage, Facebook, Twitter, YouTube oder Instagram.

PS: Entschuldigt bitte die andere Schriftart des Interviews. Ich hatte Probleme mit meinem WordPress … 😛

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3 Kommentare zu “Myna fragt … Tinka Beere (2)

  1. Pingback: Monatsrückblick Oktober 2016 | Myna Kaltschnee

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