Rezension: „Regenbogentänzer“ von Nicole Walter *****

Titel: Regenbogentänzerregenbogentanzer
Autorin: Nicole Walter
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: Knaur
Seiten: 349
Format: Taschenbuch
Preis: 9,99 €
Offizielle Website: *klick*

Klappentext

„Was ist es, das unser Leben lebenswert macht?

Für Milena war es stets das Tanzen, das sie erfüllte und von dem sie glaubte, dass sie nie darauf verzichten könnte. Doch dann ist ihre Karriere als Tänzerin von einem Tag auf den anderen vorbei. Milena glaubt zu zerbrechen. Da sieht sie auf einer Brücke einen Mann, der sich augenscheinlich in die Tiefe stürzen will. Milena rettet ihn und bringt ihn in das „Regenbogenhaus“. Hier wohnen Menschen, die allein nicht in der Welt zurechtkommen und die doch oft am besten wissen, was wirklich zählt.

Wird Milena von ihnen lernen können, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben?“

Meine Meinung

Von einiger Zeit, es mag schon ein Jahr her sein, da erwähnte die liebe Tasmetu das Buch „Regenbogentänzer“ in einem ihrer Videos. Es hat mich sofort angesprochen, weil sie verriet, dass es sich darin um psychisch Kranke drehte – das war natürlich das perfekte Thema für mich. Also habe ich mir das Buch gewünscht – und es bekommen! Leider hat es einige Zeit gedauert, bis ich es endlich gelesen habe. Eigentlich wollte ich es bereits in meinem Artikel „10 Bücher über psychische Krankheiten“ vorstellen, aber ich bekam es nicht schnell genug gelesen – ich habe erst eine Woche vor der Veröffentlichung jenes Artikels mit dem Lesen angefangen und ihr wisst ja, was für eine langsame Leserin ich bin.

In der Geschichte geht es um Milena, die ihr ganzes Leben dem Tanzen widmete. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie ihre Karriere als Tänzerin jedoch an den Nagel hängen und ist seit dem auf Jobsuche. Ihr ganzes Leben schein den Bach runter zu gehen. Ihr Vermieter möchte sie sogar aus dem Haus werfen. Doch dann trifft sie zufällig den etwas merkwürdigen Alphonse auf einer Brücke, von der sich gerne Selbstmörder stürzen. Sie begleitet Alphonse nach Hause, in das „Regenbogenhaus“, wo psychisch kranke Menschen leben. Als der zuständige Psychiater Phil Friedmann ihr einen Job als Tanzlehrerin anbietet, schöpft Milena neue Hoffnung. Doch diese Aufgabe gestaltet sich als schwieriger, als sie zunächst glaubt.

Ich muss zugeben, ich habe ein paar Kapitel gebraucht, bis ich mich in die Geschichte richtig reingefunden habe. Die Autorin hat einen sehr schönen, poetischen Schreibstil, doch gerade am Anfang konnte ich Milenas schweifenden Gedanken nur schwerlich folgen. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und von da an gefiel mir das Buch immer besser.

Die Thematik mit den psychisch Kranken ist sehr schön abgebildet. Es wird nichts schön geredet und die hässlichen Seiten der psychischen Krankheit wird eben so gezeigt, wie die positiven Seiten: Nämlich dass psychisch Kranke meist Menschen sind, die sehr tiefgründig denken und eine andere Sicht auf die Welt haben. Nicole Walter verurteilt nicht und stellt sich nicht über psychisch Kranke. Im Gegenteil: Sie macht diese Menschen zu denen, die Milena helfen, zurück ins Leben zu finden. Und das finde ich sehr gelungen.

Die Figuren sind sehr lebendig. Mir gefällt Milena, mit ihren vielen Schwächen und Makeln, die sie dennoch zu einer liebenswerten Heldin machen, mit der man mitfiebert. Und ich mag Phil Friedmann, den Arzt, der alles im Griff zu haben scheint und doch so seine ganz eigenen Macken hat.

Dann wäre da Anna, Milenas Nachbarin, mit der sie sich im Laufe der Geschichte anfreundet. Sie war mir nicht sonderlich sympathisch, weil sie psychisch Kranken gegenüber sehr viele Vorurteile hat. Aber ich fand es gut, dass dass es eine Figur gab, die auch diese Meinung vertrat. Es bildet nämlich die Realität hab. Tatsächlich gibt es noch immer viele Menschen, die Vorurteile haben.

Ganz toll fand ich auch die Patienten Alphonse, Christopher (einer meiner Lieblingscharaktere), Frau Rose, Bill, die Turbanfrau und wie sie alle heißen. Sie machen die Geschichte bunter und bringen Leben in den Text. Noch dazu machen sie Milena ein bisschen das Leben schwer und doch sind sie es, die ihr am Schluss den Weg weisen.

Mir gefiel die angedeutete Romanze in der Geschichte. Ich verrate jetzt allerdings nicht, wer sich zu wem hingezogen fühlt. Ich will euch schließlich nicht spoilern. Trotzdem tat so ein Hauch von Romantik der sonst sehr ernsten Thematik durchaus gut. Ich würde das Buch aber dennoch nicht als „Liebesroman“ bezeichnen. Denn in erster Linie geht es um die Selbstfindung von Milena und ihr neues Leben nach der Musical-Bühne.

Ein Minuspunkt bekommt von mir allerdings der Klappentext, weil ich finde, dass er ein wenig in die Irre führt. Ich finde nicht, dass der Mann auf der Brücke – Alphonse – den Anschein macht, sich runterstürzen zu wollen. Er unterhält sich nur mit Milena. Es wird zwar erwähnt, dass sich von dieser Brücke häufig Selbstmörder stürzten, aber Alphonse kam mir alles andere als suizidial vor. Das möchte ich aber nur am Rande erwähnen und es gibt nicht so viel Abzug, dass ich das Buch um einen Stern schmälern würde.

Daher: Fünf verdiente Sterne von mir!

Über die Autorin

Nicole Walter studierte Sprachen in München und arbeitete anschließend als Werbetexterin und Journalistin. Mittlerweile ist sie eine gefragte Drehbuchautorin und schrieb einige Drehbücher für Fernsehproduktionen. Ihr Roman „Regenbogentänzer“ erschien 2015 bei Knaur.

Fazit

„Regenbogentänzer“ ist ein gefühlvoller Roman über die Entdeckung des Selbst und das wirklich Wichtige im Leben. Außerdem klärt er über psychische Erkrankungen auf, ganz ohne zu urteilen oder belehren zu wollen. Ich empfehle das Buch gerne weiter.

Meine Bewertung

5 sterne

 

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3 Kommentare zu “Rezension: „Regenbogentänzer“ von Nicole Walter *****

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