Weihnachten in Südtexas

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Huhu ihr lieben Nikoläuse und Weihnachtsengel,

an diesem 3. Advent habe ich wieder etwas ganz Besonderes für euch. Ich dachte mir, dass es für meinen Themenmonat „Weihnachten“ ganz interessant sein könnte, wenn ich euch berichte, wie in anderen Ländern Weihnachten gefeiert wird. Doch dann hatte ich noch eine viel bessere Idee – nicht ich sollte euch von den Traditionen anderer Länder erzählen, sondern Menschen, die in diesen Ländern leben.

Deshalb habe ich zwei ausländische Blogger kontaktiert und sie gefragt, ob sie Lust hätten, für meinen Blog einen Artikel zu schreiben – und sie sagten zu!

Heute darf ich euch Joe vorstellen. Er lebt in der Nähe von Houston, Texas (USA) und bloggt auf advanc3Design. Joe ist hispanischer Herkunft und wird euch im folgenden Bericht schildern, wie seine Familie Weihnachten verbringt.

Ein südtexanisches Weihnachten

(Anmerkung: Der originale Text war in American English geschrieben. Ich habe versucht, es so gut wie möglich zu übersetzen, aber stellenweise könnte die Formulierung vielleicht ein bisschen holprig wirken. Ich bitte das zu verzeihen.)

Viele unserer südtexanischen Weihnachtsbräuche kamen den weiten Weg von Mexiko über die Grenze, als die Hispanoamerikaner den Südwesten besiedelten. Einer meiner Lieblingsbräuche ist die sogenannte „parrandear“ (sprich: parrande’ar), eine Party. Sie wird für gewöhnlich ein, zwei Wochen vor Weihnachten gefeiert und zu meinen liebsten Leckereien gehören dort mexikanische heiße Schokolade und Tamales. Unsere mexikanische Schokolade wird mit Zimt, Zucker und Gewürzen verfeinert. Traditionelle mexikanische Schokolade ist schaumig und wurde ursprünglich hergestellt, indem die Mixtur zwischen Tassen hin und her geschüttet wurde. Heute verwenden wir dafür einen speziellen Schaumschläger.

Tamales sind eine wahre Köstlichkeit. Es macht nicht nur Spaß, sie zu essen, sondern auch, sie zu machen. Auch wenn es eine sehr zeitfressende Tätigkeit ist, die tatsächlich Tage braucht, denn wir machen nicht nur ein paar Duzend, sondern duzendweise Tamales – manchmal sogar hundert Duzend (Anmerkung: Ein Duzend entspricht 12 Stück). Wir verteilen sie an Familie und Freunde. Die ganz Geschäftstüchtigen machen an den Feiertagen einen kleinen Nebenverdienst daraus. Die Hauptzutaten für traditionelle Tamales sind Fleisch, Chili und der Maisteig „masa“, oder ein Teig, der die Füllung ummantelt. Die Füllung kann alles mögliche sein: Hühnchen, Truthahn, Schweine- oder Rindfleisch, für gewöhnlich gedämpft und zu Hackfleisch zerkleinert.

Für die Fertigung von Tamales braucht man folgende Leute: einen, der sich um die „hoja“ (Maisblätter) kümmert, einen, der die Tamales dämpft, einen, der den „masa“ (Maisteig) herstellt und aufstreicht und einen, der die Tamales füllt und zusammenrollt. Die, die den „masa“ aufstreichen, nehmen die beweglichen Maisblätter und streichen einen dünne, ebene Schicht des Maisteigs darauf, fünf Zentimeter vom oberen Ende des Maisblatts (dem schmalen Teil) bis zum unteren Ende (dem breiten Teil). Dann wird sie den Tamalesfüllern weitergereicht. Sie füllen und rollen die Tamales zusammen. Die Füllung wird bis zur Mitte der Maisteigschicht aufgestrichen und dann die Maisblätter rund um die Füllung gefaltet. Dieser Teil ist wichtig, ansonsten hat man zwar Füllung, aber keinen Maisteig darum. Nachdem die Seiten gefaltet wurden, muss man das Ende (schmaler Teil) falten. Dann geht es zurück zu dem, der die Tamales dämpft. Sie werden für 35 – 45 Minuten dampfgegart, dann nimmt man sie heraus, zieht sanft am Maisblatt, und der Teig löst sich davon. Übrig bleibt eine leckere Tamale innen drin. Weil wir so viele machen, brauchen wir dafür zwei bis drei Tage.

Dann veranstalten wir eine „tamalada“. Das ist ein Weihnachtsbrauch, der durch unsere Großmütter und Tanten an unsere Familie weitergereicht wurde. Es ist die Zeit für Familie, Jung und Alt, die sich vor den Festlichkeiten treffen und sich über die neusten Ereignisse in ihrem Leben austauschen, in der Vergangenheit schwelgen oder sich an geliebte Menschen erinnern, die nicht mehr da sind.

Der Brauch, der mich am meisten rührt, ist der „posada“. Ein Paar wird ausgewählt, um einen Festzug von Leuten von Haus zu Haus zu geleiten. Sie beginnen allein, mit einer Kinderfigur oder Puppe, die das Jesuskind darstellt. Sie gehen zur ersten Tür, klopfen an und bitten um Beherbergung, doch werden abgelehnt. Der Hausbesitzer, und seine Familie und Freunde, schließen sich schließlich dem Festzug an und sie gehen weiter zum nächsten Haus, das auf der Liste steht. Sie werden wieder abgewiesen. Da sie von Haus zu Haus gehen, wird der Festzug immer länger, bis sie schlussendlich eine Herberge finden, wo der Hausbesitzer sie mit einem Fest (man nennt das „parrenadar“) empfängt. Dort feiert man die Geburt Jesu und Weihnachten mit Freunden und Familie, drinkt heiße Schokolade, isst viele Tamales und süße, selbstgemachte Desserts.

Das war Joes Bericht zu Weihnachten der Hispanoamerikaner in Südtexas. Habt ihr Tamales schon einmal probiert? Ich leider noch nie, würde es aber sehr gerne und beim Übersetzen dieses Textes ist mir das Wasser im Mund zusammengelaufen. 🙂

Einen schönen 3. Advent wünsche ich euch!

Alles Liebe,
eure Myna

 

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