Rezension: „Der Weg des Bastards“ von Liam Rain *

Titel: Der Natur zweites Gesicht – Der Weg des Bastardsder-weg-des-bastards
Autor: Liam Rain
Genre: Fantasy/Erotik
Verlag: Selfpublisher
Seiten: 119
Format: E-Book
Preis: 0,99 €

Klappentext

„Der Harpyien Mischling Phil wird von seinem Volk ausgegrenzt und schlecht behandelt. Eines Tages muss er das Nest verlassen. Doch die ihm eingetrichterten Worte „wertlose Missgeburt!“ verhindern, dass er den Ausschluss als das sieht was es ist; ein Neubeginn und die Chance endlich glücklich zu werden!“

Meine Meinung

(Achtung! Die folgende Rezension enthält Spoiler!)

Anfang Dezember 2016 bot mir der junge Autor Liam Rain seinen Roman „Der Natur zweites Gesicht – Der Weg des Bastards“ als Rezensionsexemplar an. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank dafür. Da es sich laut Beschreibung um einen Fantasy-Roman handelte, nahm ich gerne an. Doch leider wurde ich bitter enttäuscht.

Der Harpyienmischling Phil, eine Art Vogelmensch, wird nach dem Mord an einer alten Duidin aus seinem Wald verjagt. Er muss sich von nun an allein durch die Welt schlagen und gerät in die Gefangenschaft von Menschen, die ihn als Attraktion in einem Zirkus vorführen. Schließlich gelingt Phil die Flucht – doch wird er jemals wieder in seinen Wald zurückkehren können?

Zuerst einmal das Positive:

Das Cover finde ich ziemlich ansprechend. Es ist schön designt und zeigt ein Portal, vermutlich das, das am Ende des Romans genannt wird. Die Federn am Fuße der Tür deuten auf den Vogelmenschen Phil hin, was ich auch schön umgesetzt fand.

Der Autor Liam Rain hat einen flüssigen Schreibstil und verwendet eine schöne, bildhafte Sprache. An seinem Schreibstil habe ich wirklich nichts auszusetzen und wenn es danach ginge, wäre es ein schönes Buch gewesen. Der Autor hat Talent, das steht außer Frage.

Doch leider kommt es bei Büchern nicht nur auf den Schreibstil an, da kann der Autor noch so schöne Worte formen.

Das erste, was mir beim Öffnen des E-Books auffiel, war der katastrophale Buchsatz. Nach jeder Zeile wird der Text durch eine fortlaufende Zahl von 1 bis 29 unterbrochen und anschließend einer Art Fußzeile mit Name des Autors, Titel und Seitenzahl. Da es aber ein E-Book ist, befindet sich diese Fußzeile ständig mitten im Text, genauso wie die Zahlen. Anscheinend hat der Autor eine Vorlage mit Zeilennummern und Fußzeile verwendet und diese beim Umwandeln in ein E-Book nicht entfernt. Das stört gewaltig den Lesefluss und ging mir schon nach wenigen Seiten tierisch auf die Nerven. Ebenso fehlten auffallend viele Leerzeichen, vor allem nach oder vor Satzzeichen. Letztere waren auch oft falsch gesetzt, ganz besonders nach der wörtlichen Rede. Ich bin wirklich kein pingeliger Mensch, was Fehler in Büchern betrifft. Meist sehe ich einfach darüber hinweg. Aber wenn sie sich so sehr häufen, wie in diesem Buch, dann muss ich es einfach ansprechen.

Angemerkt sei auch, dass das am Schluss angebrachte Inhaltsverzeichnis nicht funktioniert. Klickt man auf ein Kapitel, so springt man automatisch auf die erste Seite des Buches, anstatt zu dem gewünschten Kapitel. Da muss unbedingt noch nachgebessert werden.

Kommen wir zum Inhalt der Geschichte. Ich habe einen Fantasy-Roman erwartet, aber gleich zu Beginn kommen derart viele Sexszenen vor, dass ich mir diesbezüglich unsicher wurde. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, war klar: Etwa 40 – 50 % des Buches bestehen aus perversen und gewalttätigen BDSM-Sexszenen, Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch sowohl von Erwachsenen als auch Kindern. Ich habe nichts gegen Sex in Büchern, wenn ich darauf vorbereitet bin (also es explizit als Erotikroman bezeichnet wird). Aber in dieser Geschichte kam das mehr oder weniger überraschend, auch wenn zu Beginn des Buches darauf hingewiesen wird, dass die Geschichte sich nur für Menschen ab 18 Jahre eignet. Dieser Hinweis gehört meiner Meinung nach auch in die Buchbeschreibung in Online-Shops. Nicht auszudenken, wenn Jugendliche das lesen würden, weil sie einen harmlosen Fantasy-Roman erwarten. Manche der Szenen waren derart brutal, dass mir beim Lesen ganz anders wurde – vor allem wenn Kinder im Spiel waren.

Der Protagonist Phil war mir sehr unsympathisch. Nicht nur, dass er ein ziemlicher Perversling ist, der seine Sexpartnerin und angebliche „große Liebe“ würgt und ihr beim Sex mit einem Messer in die Haut ritzt, nein, er hat auch sonst nichts wirklich Liebenswürdiges an sich. Er mordet nach Lust und Launen, manchmal sogar ohne ersichtlichen Grund. Lediglich, dass er am Schluss ein Mädchen rettet, das sexuell missbraucht wird, fand ich löblich. Doch als ihn die Bevölkerung der kleinen Gemeinde daraufhin als Schutzpatron haben möchte, zieht er den Schwanz ein.

Seine „große Liebe“, die Hexe Jana, ist mir aber noch unsympathischer. Ich verstehe das Mädel einfach nicht. Gleich zu Beginn der Geschichte bringt Phil grundlos ihre Großmutter um. Jana ahnt davon, doch sie ist ihm deshalb überhaupt nicht böse und verzeiht ihm alles ohne Widerrede. Das finde ich absolut nicht nachvollziehbar. Ihr kann ja nicht viel an ihrer Großmutter gelegen haben. Abgesehen davon, dass Phil sie auch noch beim Sex, wie oben beschrieben, ziemlich gequält hat. Doch am Schluss rettet sie Phil mit ihrer Liebe das Leben – das fand ich einfach nur unlogisch und konnte mich nicht überzeugen.

Enttäuschend fand ich auch den Schluss selbst. Obwohl sie nie zuvor in der Geschichte erwähnt wurden, besteht plötzlich unmittelbar Gefahr vor den sogenannten „Metallwesen“, die nicht näher beschrieben werden. Als die Metallwesen plötzlich auftauchen, rettet Phil seine Familie, ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Hier hätte man Spannung erzeugen können, es hätte etwas schief gehen können. Aber stattdessen marschieren alle fröhlich durch das Portal und sind gerettet. Das hat mich sehr enttäuscht.

Was mir zudem noch aufgefallen ist: Mindestens vier bis fünf der insgesamt dreizehn Kapitel enden damit, dass Phil einschläft. Normalerweise achte ich auf so was gar nicht so sehr, aber hier habe ich es bemerkt und fand es irgendwie störend. Man hätte die Kapitel wahrlich spannender enden lassen können, vielleicht mal mit einem Cliffhanger oder zumindest einer Szene, die neugierig macht.

Ich sehe bei diesem Buch noch viel Verbesserungsbedarf. Der Autor ist kein schlechter Schreiber, was seine Wortwahl und Formulierungen betrifft. Aber ansonsten gibt es bei diesem Buch noch einige Baustellen, wo nachgebessert werden sollte.

ANMERKUNG:

Der Autor hat die Geschichte mittlerweile überarbeitet. Zumindest der Buchsatz stimmt jetzt und ich hoffe, dass auch die Tippfehler ausgemerzt wurden. Trotzdem werde ich die Geschichte kein zweites Mal lesen, denn am Inhalt hat sich laut seiner Angaben nichts geändert.

Über den Autor

Liam Rain wurde 1981 im Saarland geboren. Bereits in der Schule entdeckte er seine Leidenschaft fürs Schreiben und Lesen. Seine Lehrer bekamen stets lange, fantasievolle Aufsätze von ihm. Später schrieb er Kurzgeschichten für Kinder und Jugendliche und sogar Gedichte. „Der Weg des Bastards“ ist der erste Band seiner Fantasyreihe und erschien im Dezember 2016.

Fazit

Leider konnte mich diese Geschichte nicht überzeugen.

Meine Bewertung

1 stern

 

 

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Rezension: „Der Weg des Bastards“ von Liam Rain *

  1. Pingback: Monatsrückblick Januar 2017 | Myna Kaltschnee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s