Mobbing – Alle gegen einen

Seit letzten Sonntag ist das Buch „Der Axolotlkönig“ von Sylvia Rieß, der erste Band der Märchenspinnerei, bei Amazon erhältlich. In diesem Buch geht es um die beiden Schüler Fynn und Leonie. Fynn ist bei seinen Mitschülern beliebt und spielt Gitarre in einer Band. Zahlreiche Mädchen liegen ihm zu Füßen und sogar Leonie ist heimlich in ihn verknallt. Diese jedoch wird von allen nur belächelt und als „Brillenschlange“ bezeichnet.

Mobbing ist ein zentrales Thema in diesem Buch, weshalb ich auf meinem Blog auch einmal darauf eingehen möchte. Dieser Artikel spezialisiert sich auf Mobbing in der Schule (auch „Bullying“ genannt) und Cybermobbing, also Mobbing über das Internet. Natürlich gibt es Mobbing auch in anderen Lebensbereichen wie dem Arbeitsplatz oder einem Heim, doch darauf geht dieser Blogpost nicht direkt ein.

Mobbing - Alle gegen einen

Welche Arten des Mobbings gibt es?

Mobbing bezeichnet Beleidigung, Bloßstellung, Bedrohung oder Belästiung einer Person über einen längeren Zeitraum hinweg.

Zunächst einmal entscheidet man zwischen direktem und indirektem Mobbing. Das direkte Mobbing findet verbal (durch beschimpfen, verspotten, nachäffen, etc.), non-verbal (durch Grimassen schneiden, Rücken zuwenden, böse Gesten, etc.) oder körperlich (durch treten, schlagen, bespucken, kneifen, etc.) statt.

Ebenso gibt es hier noch das Cybermobbing, bei dem das Opfer im Internet fertig gemacht wird, z. B. durch fiese Kommentare oder Fotos und Videos, das das Opfer beispielsweise in peinlichen Situationen zeigen.

Indirektes Mobbing bedeutet, dass das Opfer ausgegrenzt, bzw. ignoriert wird oder dass Gerüchte und Lügen über das Opfer verbreitet werden.

Eine Studie zu den Top 10 Arten von Mobbing hat gezeigt, dass es am häufigsten dadurch ausgeübt wird, dass die Mitschüler hinter dem Rücken des Opfers über ihn/sie tuscheln. Auch das Verbreiten von Gerüchten und Lügen kam ziemlich häufig vor, dicht gefolgt von dem Bezeichnen mit Schimpfworten und Spitznamen.

Bei der Frage, wie häufig gemobbt wurde, gaben beim Mobbingtelefon Freiburg 67,2 Prozent und bei dem in München sogar 68 Prozent an, täglich Mobbing ausgesetzt zu sein.

Alle Arten des Mobbings werden vom Opfer als belastend empfunden. Es fühlt sich allein gelassen und nicht zugehörig, bekommt das Gefühl, dass es nicht liebenswert ist oder etwas mit ihm nicht stimmt.

Wen trifft das Mobbing?

In der Regel sind Mobbing-Opfer den Tätern unterlegen. Sie sind ängstlicher und unsicherer, haben ein schwächeres Selbstbewusstsein, als die Täter. Besonders häufig trifft Mobbing Schüler und Schülerinnen, die  z. B.

  • ängstlich und schüchtern sind
  • übergewichtig sind
  • überdurchschnittlich gute Noten haben („Streber!“)
  • besonders klein und schwach sind
  • sozial nicht akzeptierte Merkmale haben (z. B. keine teure Markenkleidung tragen)
  • sich selbst aggressiv verhalten
  • behindert oder krank sind (hierzu gehören z. B. auch Sprachfehler)
  • einen Migrationshintergrund haben (und z. B. nicht richtig Deutsch sprechen können oder eine andere Hautfarbe haben)
  • aus einem überbehüteten Elternhaus stammen

Studien haben gezeigt, dass Mobbing in Real- und Hauptschulen häufiger vorkommt als auf Gymnasien. In einer Online-Befragung der Universität Koblenz-Landau gaben 54,3 Prozent an, von direktem Mobbing betroffen zu sein. 19,9 Prozent wurden über das Internet gemobbt. Männliche Schüler sind nach dieser Studie häufiger Opfer von Mobbing als weibliche.

Doch wie finde ich heraus, ob ein Kind in der Schule gemobbt wird? Folgende Merkmale können daraufhin deuten, dass das Kind Mobbing erfährt:

  • Es möchte nicht mehr zur Schule gehen.
  • Es fühlt sich häufig „krank“ (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, etc.).
  • Es möchte auf dem Schulweg begleitet oder in die Schule gefahren werden.
  • Die schulischen Leistungen lassen nach.
  • Es verliert Geld (das von seinem Mobber erpresst wird).
  • Es zieht sich zurück, möchte sich nicht mehr mit anderen Kindern treffen.
  • Es hat Albträume oder Schlafstörungen.
  • Es verletzt sich selbst oder versucht sogar, sich das Leben zu nehmen.
  • Es beginnt, zu stottern.

Wer wird zum Mobber?

Laut einer Studie sind Mobber meist männlich und kommen besonders häufig in der 6. bis 10. Klasse vor.

Mobber sind meist Schüler, die emotional ungebildet sind und über ein durchschnittliches, bis überdurchschnittliches Selbstwertgefühl verfügen. Ihren Opfern sind sie in der Regel überlegen, wodurch ein Machtungleichgewicht entsteht.

50 Prozent der Mobber gehen in die selbe Klasse wie ihre Opfer.

Mobber, auch Bullys genannt, tendieren dazu, das Verhalten anderer als aggressiv und feindselig zu deuten. Infolgedessen reagieren sie mit einem „Rückschlag“, egal ob sie wirklich angegriffen werden oder nicht. Die meisten Jungen lernen bis zum Ende der zweiten Klasse, dass man Konflikte durch Kompromisse auf friedliche Weise löst. Bullys haben dies hingegen nicht gelernt und nutzen Zwang, Unterdrückung und Einschüchterung, um mit Konflikten umzugehen.

Wie äußert sich Cybermobbing?

Cybermobbing, auch Cyberbullying genannt, bezeichnet Mobbing mithilfe von Internet- und Mobiltelefondiensten. Das Mobbing findet hier z. B. in sozialen Netzwerken und auf Videoportalen statt oder durch Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp.

Oft ist der Bully anonym, stammt aber meist aus dem direkten Umfeld des Opfers. Dadurch hat das Opfer eventuell auch einen Verdacht, wer hinter den Mobbingattacken stecken könnte.

Nicht selten wird das Cybermobbing auch in der „realen Welt“, z. B. der Schule fortgesetzt. Es überschneidet sich also quasi mit dem herkömmlichen Mobbing.

Dennoch gibt es ein paar Punkte, in denen sich das Cybermobbing vom Mobbing offline unterscheidet:

  • Die Mobbingattacken treffen das Opfer rund um die Uhr und sogar zuhause. Das eigene Heim bietet also keinen Schutz mehr.
  • Das Ausmaß ist größer, da Posts sich online schnell verbreiten und einem unkontrollierbar großen Publikum zur Verfügung gestellt werden. Auch ältere Posts könnten immer wieder auftauchen und es dem Opfer damit schwer machen, mit der Sache abzuschließen.
  • Die Bullys können anonym agieren, was dem Opfer noch zusätzliche Angst einjagt, da es nicht genau weiß, wer die Angreifer sind.
  • Die Betroffenheit und Reaktion des Opfers wird vom Täter nicht direkt wahrgenommen. Dadurch ist dem Bully das Ausmaß seines Mobbings meist gar nicht richtig bewusst.

Die JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest ergab, dass jeder Dritte (34 Prozent) der befragten 12- bis 19-Jährigen jemanden in seinem Bekanntenkreis kennt, der schon einmal von Cybermobbing betroffen war. Mehr Ergebnisse dieser Studie findest du hier.

Wo finde ich weiterführende Informationen?

Natürlich ist Mobbing ein sehr komplexes Thema und man kann nicht alles in einen einzigen Blogartikel packen. Deshalb gibt’s hier noch ein paar Links, zu Seiten, die ich für die Recherche dieses Artikels verwendet habe.

Weitere Infos zum Thema Mobbing in Schulen findest du auf Wikipedia und auf „Schüler gegen Mobbing„. Interessante Studien zu diesem Thema findest du hier. Weitere Informationen zum Thema Cybermobbing und Studien dazu findest du auf Klicksafe.de.

Hast du auch schon Erfahrungen mit Mobbing gemacht, egal ob offline oder online? Oder hast du mitbekommen, wie andere Menschen gemobbt wurden? Wie hast du darauf reagiert? 

 

Advertisements

5 Kommentare zu “Mobbing – Alle gegen einen

  1. Ein toller Artikel. Wow! Und super, dass der Axolotlkönig tatsächlich dazu beiträgt, dass sich mit dem Thema auseinandergesetzt und informiert wird. Am Dienstag bei den Bookwormdreamers kommt es auch noch einmal.
    Man kann es einfach gar nicht oft genug verbreiten, denn der Leidensdruck der Opfer ist wirklich hoch.

    Danke liebe Myna. 😀

    Gefällt 1 Person

    • Bitte gerne. Und danke, es freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. 🙂 Ich hoffe natürlich, dass es in Ordnung ist, dass ich das Thema aufgegriffen habe, obwohl Bookwormdreamers auch etwas dazu schreiben wird. Ich wollte niemandem die Themen klauen oder so :-O

      Liebste Grüße
      Myna

      Gefällt mir

  2. Wir hatten in der Grundschule einen in der Klasse, der sehr schnell aggressiv wurde, wenn er sich angegriffen gefühlt hat und dementsprechend auch oft von den Leuten meiner Klasse, besonders den Jungs, geärgt worden ist, bis er eben wieder ausgerastet ist und beispielsweise auch Tische durch den Raum geschmissen hat … mir tat das immer weh, er war wirklich super nett und wenn er z.B. Kaugummis dabei hatte, waren plötzlich alle nett zu ihm, weil sie was haben wollten und eine halbe Stunde später haben sie ihn wieder fertig gemacht … ich war dafür oft der ruhende Pol und habe mich oft dazwischen gestellt und versucht ihn zur Ruhe zu bekommen, damit er gar nicht erst so darauf reagiert, aber es ist echt schwierig … und ich hab den Reiz dahinter für die anderen nie verstanden …

    Allerdings sind die Grenzen heutzutage sehr verwischt und wahrscheinlich war jeder von uns schon mal in einer Position, in dem er jemanden anderen gemobbt hat, ohne es zu wissen! Das passiert, leider, was jedoch eben unterbunden werden muss ist das gezielte bewusste Mobben gegenüber bestimmten Menschen! Es ist gibt so tolle Bücher, die das gut darzeigen und ich finde, theoretisch müsste man mehr von solchen Büchern in den Schulen lesen und nicht immer die alten Klassiker, die auch wichtiger sind, aber vielleicht in ihrer Zahl reduziert werden sollten, um auch menschlich wertvollere Bücher zu lesen!

    Liebste Grüße und ein toller Artikel!
    Vivka

    Gefällt mir

  3. Pingback: Rote Tränen der Verzweiflung – Selbstverletzendes Verhalten | Myna Kaltschnee

  4. Pingback: Monatsrückblick Februar 2017 | Myna Kaltschnee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s