Myna fragt … Tina Skupin

Kürzlich ging ja die Rezension des Buches „Hollerbrunn“ online, das am 13. April 2017 erschien. Das Buch hat mir wirklich gut gefallen und umso mehr freut es mich, dass ich die Autorin Tina Skupin interviewen durfte.Autorenfoto1

Tina Skupin wurde 1977 geboren und wuchs im schönen Völklingen an der Saar auf. Sie machte ihren Doktor in Geografie und hatte 2016 ihr Debüt mit einem Ratgeber für Auswanderer. Sie schreibt vor allem gerne fantastische Geschichten. Die Autorin lebt mit ihrem Partner und ihrer kleinen Tochter im schwedischen Stockholm.

Hallo Tina, vielen Dank, dass du mir Rede und Antwort stehst.

Vielen Dank dir für die Einladung!

Du warst die dritte Märchenspinnerin, die ein Buch veröffentlicht hat. In deinem Brief, den du mir mit der Feenpost geschickt hast, hast du geschrieben, dass du dir erst gar nicht vorstellen konntest, eine Märchenadaption zu schreiben. Was hat dich überzeugt, es doch zu wagen? Und wie wurdest du zu „Hollerbrunn“ inspiriert?

Das waren zwei Gründe: die Gruppe und die Geschichte. Wir Märchenspinner sind alle Selfpublisher, und das kann verdammt einsam sein. Wenn du in einem Verlag veröffentlichst, hast du den Verlag hinter dir, du hast Deadlines und Struktur. Als Selfpublisher musst du alles selbst entscheiden. Das finde ich einerseits toll, andererseits habe ich schnell das Gefühl, allein auf weiter Flur zu stehen. Wir Märchenspinner kennen uns alle aus dem Tintenzirkelforum und als sich die Gruppe formte, wollte ich dabei sein.

Die Inspiration zu „Hollerbrunn“ bekam ich im Haus meiner Schwiegereltern. Ich kenne keienn Menschen, der Märchen so sehr liebt, wie meine Schwiegermutter. Heutzutage würde man sie Fangirl nennen. Eines Tages lief „Frau Holle“ im Fernsehen und mir kam spontan der Gedanke: „Die Pechmarie ist eigentlich nur ein ganz stinknormaler Teenager.“

Das war mein Ausgangspunkt und dann spann ich den Faden weiter: Wenn die Pechmarie nicht böse ist, was macht das dann aus Frau Holle? Ihre Bestrafung ist grausam und in der Originalfassung unwiderruflich. Und was ist mit dem Backofen? Ist das ein verfluchter Mensch, so wie bei „Die Schöne und das Biest“? Oder ein Wesen aus einer anderen Welt? Wurde der schon als Backofen geboren?

So spinne ich Stück für Stück meine Geschichte zusammen und irgendwann komme ich an den Punkt, an dem die Geschichte geschrieben werden will, wo ich nicht mehr sagen kann: „Ach was, ich lasse das.“ So war das auch bei „Hollerbrunn“ und am nächsten Tag gab ich Sylvia Bescheid, dass ich bei den Märchenspinnern dabei sein wollte.

Nun ist „Hollerbrunn“ ja eine Adaption zum alten Grimms Märchen „Frau Holle“. hollerbrunn_coverebookWaurm hast du dir genau dieses Märchen ausgesucht?

Ich liebe Schnee und ich habe schon immer das „Frau Holle“-Märchen geliebt. Dazu kam: „Frau Holle“ wurde bei Adaptionen bisher wenig genutzt. Im englischen Sprachraum ist das Märchen kaum bekannt, entsprechend gibt es da fast nichts und auch im Deutschen habe ich da wenig gefunden. Damit waren quasi noch ganz viele unbegangene Wege offen.

Wo wir gerade von Märchen sprechen – hast du ein Lieblingsmärchen?

„Der gestiefelte Kater“. Mit und ohne Antonio Banderas.

Gibt es in „Hollerbrunn“ eine Figur, die dein persönlicher Liebling war? Eine Figur, mit der du dich vielleicht besonders gut identifizieren kannst oder die dir imponiert hat?

Pegg steht mir am nächsten. Sie ist ein ganz typischer Charakter für mich, sie war die Erste, für die ich die „Stimme“ gefunden habe.

Meine ganz persönlichen Lieblinge sind Ronan und Waldemar. Ich habe eine Schwäche für die Trickstercharaktere, die sich nicht an traditionelle Rollen und Werte halten. Ich hatte zuerst viel mehr Szenen mit den beiden geplant und dann, als ich nach dem ersten Entwurf geschaut habe, hab ich schweren Herzens ca. 10.000 Wörter geplante Szenen gestrichen.

Irgendwann, wenn ich Zeit hab, schreibe ich den nicht jugendfreien Roadtrip mit Ronan, Waldemar, Pegg und Marie!

Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Marie (Goldmarie) und Pegg (Pechmarie) erzählt. Stell dir vor, du könntest den beiden Schwestern leibhaftig begegnen. Was würdest du ihnen sagen wollen?

Marie würde ich einfach nur in den Arm nehmen wollen. Sie hat so viele Probleme, so ein schweres Leben. Würde ich ihr sagen, dass einige ihrer Entscheidungen falsch sind? (Ich möchte nicht darauf eingehen, welche, weil ich damit das Buch spoilern würde.) Ich glaube, jeder hat das Recht auf eigene Entscheidungen und grad wenn man jung ist, auch das Recht auf dumme Entscheidungen. Und wer von uns hat nicht schon mal die Augen vor der Realität verschlossen, weil alles andere bedeutet hätte, die mühsam aufgebaute Normalität einzureißen? Insofern würde ich, glaub ich, nichts sagen – aber mich bereithalten, wenn es zusammenbricht und sie eine Freundin braucht.

Pegg – Pegg würde ich kräftig in den Hintern treten und ihr sagen, dass es vielleicht scheiße ist, als Teenager aus der Stadt in ein winziges Kaff in den Bergen zu ziehen. Aber dass andere Leute größere Probleme haben und sie sich doch bitte mal zusammenreißen soll.

Das Thema Rivalität unter Geschwistern ist ein zentraler Konflikt in „Hollerbrunn“. Hast du selbst Geschwister und wenn ja, kennst du da auch eine gewisse Rivalität oder war immer alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Ich habe eine sechs Jahre ältere Schwester und ich glaub, ich war die schlimmste kleine Schwester, die man sich vorstellen kann. Immer wollte ich bei der Großen dabei sein, hab sie nie in Ruhe gelassen. Ich war neidisch auf sie, habe immer mit ihr konkurriert.

Mittlerweile hat sich das etwas gelegt, wir haben mittlerweile selber Kinder. Da ich in Schweden wohne, sehe ich sie nicht annähernd so oft, wie ich möchte. Und wenn wir uns sehen … wir sind sehr unterschiedlich, was unsere Lebenspläne und Mentalität angeht. Aber wir sind halt trotzdem Schwestern und diese Verbindung ändert sich nicht.

Angenommen, ein junger Autor liest dieses Interview und bekommt auch Lust, eine Märchenadaption zu schreiben. Welche Tipps hast du für ihn?

Das Gleiche für jedes Genre: Lies viel in dem Bereich, damit du siehst, wie andere Autoren das lösen. Hab eine gute Geschichte. Überleg dir, welche Elemente aus dem Originalmärchen du drin lassen willst und welche nicht passen. Und versuch nicht, nicht passende Elemente drin zu behalten, nur weil die zum Märchen gehörten.

Ich wollte unbedingt einen Brunnen in „Hollerbrunn“ einbauen. Aber es ging nicht, es stach raus wie ein wunder Zeh, und es hat mich jedes einzelne Mal aus dem Fluss der Geschichte geworfen. Als musste der Brunnen gehen.

Hast du jetzt Blut geleckt und kannst dir vorstellen, noch eine weitere Märchenadaption zu schreiben oder möchtest du dich jetzt wieder lieber deinen anderen Projekten zuwenden?

Die Märchenspinnerei ist für den Rest des Jahres verplant und ich habe mehrere Projekte, die ich erst einmal fertig stellen möchte. Im Mai ist das Lektorat für „Valkyrie“ fällig, meine Urban-Fantasy-Reihe, mein Herzensprojekt, an dem ich seit 2012 arbeite und das nächstes Jahr beim OhneOhren-Verlag erscheinen wird. Danach gibt es da noch diverse andere Manuskripte, die ich fertigstellen möchte.

Märchen? Im Augenblick gibt es keine Idee, nichts, was anfängt, sich zu entwickeln und seine eigene Geschichte fordert. Aber wenn eine kommt, werde ich sicher noch mal ein Märchen schreiben.

Dein Debütbuch war ein Ratgeber für Menschen, die nach Schweden auswandern wollen. Was hat dich an Schweden so fasziniert, dass du dich entschieden hast, dorthin zu ziehen?

Es bot sich einfach an. Mein Freund wollte unbedingt an der KTH, einer von Stockholms Universitäten, studieren. Ich war Geograf und hatte nie für längere Zeit im Ausland gewohnt. Also bin ich einfach mitgegangen. Die schwedische Natur hat mich förmlich erschlagen. Überall gibt es Seen, und diese riesigen Felsen. Es alles so wild und urwüchsig! Sogar in Stockholm selbst. Manchmal kommt mir meine Urban-Fantasy-Welt realistischer vor, als die wirkliche: in all diesen Parks und Schären und Museen und Felsen – da müssen doch eigentlich Trolle wohnen, nicht?

Was wünschst du dir für die Märchenspinnerei für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass noch ganz viel mehr Leser uns entdecken. Am schönsten ist es für mich als Autor, wenn ich Menschen erreichen kann, bewegen. Und ich glaube, da haben wir mit der Spinnerei einen guten Ansatz gefunden. Das sind so großartige Geschichten! Ich liebe Sylvias Axolotl, und Barbaras Wolf hat mich eine Nacht gekostet, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Und da kommt noch ganz viel mehr. Ich kenne ja schon einige der nächsten Bände, und die sind richtig, richtig gut! Im Hintergrund bekommen wir schon Anfragen, ob eine zweite Staffel geplant ist. Also, die Märchenspinnerei wächst, und ihr könnt euch auf noch viele Highlights freuen!

Liebe Tina, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg mit „Hollerbrunn“ und deinen weiteren Projekten.

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3 Kommentare zu “Myna fragt … Tina Skupin

  1. Pingback: Monatsrückblick Mai 2017 | Myna Kaltschnee

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