Nachruf: Ein gezeichneter Rebell

Als mich am Donnerstagabend eine Freundin kontaktierte, konnte ich kaum fassen, was sie mir mitteilte. Einer meiner größten musikalischen Idole war von uns gegangen.

Chester Bennington wurde am Morgen des 20. Juli 2017 tot in seiner Villa in Palos Verdes Estates, Kalifornien aufgefunden. Der Sänger, der mit der Nu-Metal-Band Linkin Park Weltruhm erlangte, wurde nur 41 Jahre alt und hinterlässt Frau und sechs Kinder. Laut Medienberichte soll er sich erhängt haben. Ausgerechnet am Geburtstag seines Freundes Chris Cornell, dem Sänger von Soundgarden, der sich im Mai 2017 das Leben nahm.

R.I.P.

Chester Charles Bennington wurde am 20. März 1976 in Phoenix, Arizona geboren. Er wuchs als Sohn eines Polizisten und einer Krankenschwester auf und hatte eine recht schwere Kindheit. Nach der Trennung seiner Eltern im Jahr 1987 lebte er bei seinem Vater, der sich jedoch kaum um seinen Sohn kümmerte. Mit sieben oder acht Jahren wurde er erstmals Opfer von sexuellem Missbrauch. Dies zog sich hin, bis er 13 Jahre alt war. Er traute sich lange nicht, darüber zu sprechen.

Er war schon immer sehr kreativ veranlagt und fing schon früh damit an, Lieder zu schreiben, in denen er seine Gefühle verarbeitete. Er träumte heimlich davon, das fünfte Mitglied bei Depeche Mode zu werden. 1993 gründete er mit seinem Freund Sean Dowdell die Band Sean Dowdell and his Friends.

Drogen und Alkohol beherrschten seinen Alltag und eine Abhängigkeit entwickelte sich, die er erst viel später in den Griff bekam. Er jobbte in einem Immobilienunternehmen und bei der Fastfood-Kette Burger King, um seine Drogensucht zu finanzieren. Trotzdem schaffte er den Schulabschluss an der Washington High School im Jahr 1994.

1995 heiratete er Samantha Olit. Da sie nicht das Geld für einen Ehering besaßen, ersetzten sie ihn durch eine Tätowierung.

1999 stieß er schließlich zu Linkin Park, die sich erst Xero und dann Hybrid Theory nannten. 2000 erschien das erste Album („Hybrid Theory“), das bei Warner Music Group verlegt wurde. Es verkaufte sich gleich über 24 Millionen Mal.

Dennoch fühlte sich Chester zunächst nicht richtig zugehörig in der Band und trank weiterhin viel Alkohol und rauchte Marihuana. 2005 ließ er sich von Samatha Olit scheiden und heiratete Ende des Jahres Talinda Bentley. Aus beiden Ehen gingen insgesamt sechs Kinder hervor.

Um seine Band Linkin Park nicht weiter mit seinen persönlichen Problemen zu belasten, startete Chester ein Soloprojekt, aus dem die Band Dead by Sunrise hervorging. Im Herbst 2009 veröffentlichten sie ihr Debütalbum „Out of Ashes“, bei dem es auch bleiben sollte.

Das Album „One More Light“, das 2017 erschien, sollte sein letztes als Sänger von Linkin Park werden.

Linkin Park und insbesondere die Stimme von Chester Bennington hatten mich seit meiner Teenagerzeit begleitet. Die Band war immer etwas Besonderes für mich. Leider habe ich sie nie live erleben dürfen.

Chester gehört zu den musikalischen Helden, in deren Musik ich mich wiederfinden konnte. In düsteren Zeiten war Linkin Park immer für mich da. Auch wenn ich vor allem ein Fan der alten Linkin-Park-Songs bin (vor allem vom Album Meteora), werde ich Chesters Stimme zukünftig sehr vermissen.

Es ist immer traurig, wenn jemand stirbt, aber noch mehr, wenn jemand selbst Hand angelegt hat. Chester, du wirst uns fehlen. Doch in deiner Musik wirst du immer weiterleben. Danke für alles.

 

 

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