Myna fragt … Janna Ruth

Heute freue ich mich, dass ich euch wieder ein Interview mit einer Märchenspinnerin präsentieren kann. Die fabelhafte Janna Ruth, die im Juni mit „Im Bann der zertanzten Schuhe“ durchstartete, stand mir Rede und Antwort.UC-14-0361-01-682x1024

Janna Ruth wurde 1986 in Berlin geboren und hat sich schon früh von fantastischen Welten und Märchen angezogen gefühlt. Sechs Jahre verbrachte sie in Christchurch, Neuseeland, wo sie ihr Studium der Geologie beendete. Deshalb schreibt sie neben Deutsch auch auf Englisch. 2017 sind bereits zwei Romane von ihr erschienen. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Potsdam.

Hallo Janna, schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Erzähle uns doch zu Beginn einmal, wie du zur Märchenspinnerei gekommen bist. Was hat dich überzeugt, in das Projekt einzusteigen?

Wie so ziemlich alle, bin ich über das Tintenzirkelforum in die Projektgruppe gekommen, als es in der Diskussion darum ging, warum sich Selfpublisher nicht mehr vernetzen und sogenannte Synergieeffekte ausnutzen. Überzeugt von der Idee, war ich dann, als das Thema klar war. Vorher hatte ich in der Buchvorstellung schon viel zum Axolotlkönig gelesen und war von der Idee, Märchen mit modernen Problematiken zu verbinden, begeistert. Also habe ich meine Chance ergriffen und habe mitgemacht.

Deine Märchenadaption „Im Bann der zertanzten Schuhe“ spinnt das Märchen „Die zertanzten Schuhe“ neu. Was hat dich zu deiner Geschichte inspiriert und warum hast du dir gerade dieses Märchen für deine Adaption ausgesucht?

Im originalen Märchen löst der Soldat ja das Rätsel um die zertanzten Schuhe und beendet damit den Spuk. Die zwölf Prinzen aber werden neu verflucht. So richtig nach Happy End klingt das nicht und so setzte sich mein Kopf in Gang, um dieses Phänomen zu erklären. Als ich dann eine Lösung hatte, die für mich im Zeitgeist des Märchens Sinn gemacht hat, war auch der Grundstein für die Geschichte geboren. Da die Lösung das Ende spoilert, muss ich hier leider enigmatisch bleiben.

Wenn wir gerade von Märchen sprechen: Hast du ein Lieblingsmärchen?

Die sechs Schwäne. Nicht nur, dass Schwäne hübsch sind, aber mir haben immer besonders die starken Frauencharaktere in den Märchen imponiert und das Mädchen hier nimmt wahrhaftig unendliche Qualen auf sich, um ihre geliebten Brüder zu befreien. Ich meine, sieben Jahre lang Brennnesseln nähen – das hat ausgereicht, um sie für mich als Kind zur unangefochtenen Heldin zu machen. Aua!

In deinem Buch taucht ein Charakter auf, der an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Wie bist du darauf gekommen, dieses Krankheitsbild in deine Geschichte miteinzufügen? Was hat dich dazu inspiriert?

Posttraumatische Belastungsstörungen beschäftigen mich gerade im Zusammenhang mit der Fantasyliteratur schon länger. Ich meine, die Helden verlieren so oft ihre ganzen Familien, werden aus ihrem beschaulichen Leben rausgerissen und erleben die größten Gräueltaten, das muss doch irgendwie hängen bleiben. Den Anstoß für die Schuhe hat allerdings eine Reihe von Humans of New York zum Thema Veteranen und PTS gegeben. In dieser Reihe wurden verschiedene Veteranen und Angehörige zu dem Thema interviewt und haben ein paar sehr eindrucksvolle und emotionale Geständnisse dazu abgegeben. Gleichzeitig entstanden die Schuhe und ich war unendlich dankbar für diese Einblicke und gleichzeitig inspiriert, diese Krankheit prominent darzustellen.

Ich bin ja der Meinung, dass psychische Krankheiten viel öfter in Büchern thematisiert werden sollten. Einfach, um Aufklärung zu betreiben und darauf aufmerksam zu machen. Wie siehst du das? Könntest du dir vorstellen, psychische Krankheiten öfter in deinen Geschichten anzusprechen? Oder tust du das vielleicht sogar schon?

Ich stimme dir da vollkommen zu. Ich habe in Neuseeland per Zufall für drei Jahre im Behindertenservice gearbeitet und ein ganz anderes Bild zu der Thematik bekommen. Seitdem bin ich sozusagen angefixt und für mich gehören diese Krankheiten zum Menschsein dazu. Ich hatte es ja oben schon erwähnt, dass es gerade in der Fantasyliteratur viel zu wenig thematisiert wird und möchte da in meinen Büchern anders herangehen. Das muss nicht immer so prominent sein, wie bei „Im Bann der zertanzten Schuhe“, aber auch nicht so vollkommen übergangen wie so oft. Lustigerweise ist mir aber erst viel später bewusst geworden, dass gerade psychische Krankheiten in meinen Geschichten eine große Rolle spielen. Alle Herzensprojekte aus der realistischen Literatur haben im Kern ein solches Krankheitsbild, ob das nun eine Form der Schizophrenie und Bipolar Disorder in „Far Beyond Reality“ ist oder Depressionen in der neusten Märchenadaption.

Du schreibst ja nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache. Gibt es da gewisse Präferenzen? In welcher Sprache schreibst du lieber und ist es stimmungsabhängig in welcher Sprache du gerade schreiben möchtest?

Tatsächlich schreibe ich lieber in englischer Sprache und habe auch das Gefühl da besser zu klingen. Was ich aber absolut schwierig finde, ist übersetzen. Beide Sprachen haben einfach ihren eigenen Klang und ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen „Far Beyond Reality“ auf Deutsch zu schreiben. Im Grunde suchen sich die Projekte auch je nach Markt ihre Sprache.

Nehmen wir an, ein/e junge/r Autor/in liest dieses Interview und bekäme nun auch Lust darauf, mal eine Märchenadaption zu schreiben. Welche Tipps hast du für ihn/sie?

Es gibt so wahnsinnig viele Arten Märchenadaptionen zu schreiben. Bei modernen Adaptionen finde ich es spannend, die Elemente des Märchens geschickt unterzubringen. Aber als Tipp; das gleiche wie bei jeden Text: Schreib einfach erst mal alles auf! Überarbeiten kannst du später immer noch.

Wie bist du denn überhaupt zum Schreiben gekommen? Wolltest du schon immer Autorin werden oder hat sich das erst später herauskristallisiert?

Schreiben und Geschichten erzählen gab’s schon immer bei mir. Für lange Zeit gab es aber nur diesen vagen Zukunftswunsch, irgendwann mal ein Buch zu veröffentlichen. Keine Ahnung, wie ich mir das vorgestellt habe. Vielleicht mit einer guten Fee? Nachdem ich „Far Beyond Reality“ im NaNo 2014 geschrieben habe, wusste ich schon, wenn das ordentlich überarbeitet ist, will ich damit unbedingt an Agenturen rantreten. Das habe ich nun in 2017 endlich getan, da war ich schon veröffentlichte Autorin. Dazu kam es nämlich Anfang 2016, als ich mir vornahm, bis zum Ende des Jahres eine Agentur angeschrieben zu haben. Tja, und dann kam die Ausschreibung von Ueberreuter und ich hatte gewonnen. Alles in allem also sechs Monate vom Angehen des Herzenswunsch bis hin zum Verlagsvertrag.

Hast du jetzt Blut geleckt und würdest gerne noch mehr Märchenadaptionen schreiben? Oder möchtest du dich erst wieder deinen anderen Projekten widmen?

Ich habe noch eine ziemlich feste Idee in meinem Kopf, aber diese werde ich wohl erst 2018 umsetzen. Bis dahin gibt es andere Projekte, die erst einmal Vorrang haben und schon deutlich länger auf ihre Verwirklichung warten, wie zum Beispiel, meine Urban Fantasy-Reihe „Zeichen der Macht.“

Was wünschst du dir für die Märchenspinnerei für die Zukunft?

Dass wir im deutschen Büchermarkt bekannt werden und den Leuten ein Begriff sind. Wenn jemand nach Empfehlungen für Märchenadaptionen fragt, will ich, dass unsere Bücher dort mit als erstes stehen. Bis dahin schreiben wir fleißig weiter.

Vielen Dank, liebe Janna, für das Interview. Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg für all deine Projekte.

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