Myna fragt … Valentina Kramer

Hallo,

schön, dass du wieder auf meinem Blog vorbeischaust. Im Juli erschien ja der sechste Band der Märchenspinnerei mit dem Titel „Leuchtendschwarzer Rabenmond“, eine Märchenadaption über „Die sieben Raben“. Ich freue mich, dass ich die Autorin Valentina Kramer interviewen durfte.Profil Bernina

Valentina Kramer wurde 1991 in der Nähe von Frankfurt am Main geboren und schreibt schon seit frühster Kindheit Geschichten. Hauptberuflich geht sie einer kaufmännischen Tätigkeit nach und absolviert derzeit ein Studium zur Diplom Modedesignerin. Sie hat bereits einige Bücher als Selfpublisherin, sowie bei Verlagen veröffentlicht.

Hallo Valentina, vielen Dank, dass du mir Rede und Antwort stehst. Du bist ja bestimmt genau wie die anderen Märchenspinnerinnen durch den Tintenzirkel auf das Projekt Märchenspinnerei aufmerksam geworden. Was hat dich schlussendlich davon überzeugt, dass du bei dem Projekt mitmachen wolltest?

Da war gar nicht so viel Überzeugungsarbeit nötig. Mir hat die Idee gefallen, das Märchenthema einmal neu zu betrachten und dabei ein modernes Problem zu behandeln. Außerdem war das Team auf Anhieb echt super und die Begeisterung der Kolleginnen war schnell so ansteckend, dass ich einfach dabei sein wollte. 🙂

Was hat dich zu „Leuchtendschwarzer Rabendmond“ inspiriert? Wie ist die Geschichte entstanden?

Es begann eigentlich in meinem Kopf mit einer Szene am Lagerfeuer, ganz am Anfang. Die Heldin steht auf einem leeren Zeltplatz, vor einem Rätsel. Das war der erste Funke, dann war schnell klar, dass als Märchenbasis nur „Die sieben Raben“ in Frage kommen. Der Rest hat sich dann irgendwie selbst entwickelt. Bei mir wachsen Ideen immer unglaublich schnell einfach zu kompletten Geschichten zusammen.

Hast du eine Lieblingsfigur in der Geschichte? Wenn ja, verrätst du uns, wer es ist und warum?

Das finde ich immer schwierig zu sagen, gerade Hauptfiguren wachsen einem schon gerne mal ans Herz. 😉 Allerdings würde ich sagen, eine Figur, an der ich gerne geschrieben habe, war tatsächlich Kommissar Weckberg. Sein Anteil an der Geschichte wurde mit jedem Auftritt irgendwie noch unfassbarer und seine Art … er hat mich auf eine Weise in den Wahnsinn getrieben, wie er es mit Miles tut, und auf der anderen Seite hat er mich immer mehr belustigt, weil er als Figur immer weiter in seinen eigenen mangelnden Fähigkeiten badet. Das war irgendwann ein wenig, wie überdrehte, surreale Slapstick-Szenen zu schreiben.

Am meisten gelitten habe ich aber natürlich mit einen beiden Hauptfiguren, Cosima und Miles. Gerade in Miles‘ Gedankenwelt habe ich mich irgendwann ziemlich stark eingefunden und er trägt ein extrem wichtiges Thema. Auch die Entscheidung, die er zum Schluss trifft, zeigt, dass er während der gesamten Geschichte wächst, obwohl er anfänglich am liebsten verzweifeln und aufgeben würde, kämpft er dann doch für alles, was ihm wichtig ist. Das macht ihn für mich nicht nur zur Hauptfigur, sondern auch zu meinem persönlichen Liebling.

Hast du ein Lieblingsmärchen? Wenn ja, welches ist es und warum?

Nur ein Lieblingsmärchen nennen finde ich immer schwierig. Mir gefallen so viele. Zu meinen Favoriten gehören aber König Drosselbart (wegen der immer noch aktuellen Thematik) und der Klassiker: Dornröschen.

In deinem Buch geht es um ein wichtiges Thema: Toleranz gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Wie kam es dazu, dass du dieses Thema in deinem Buch ansprechen wolltest?

Das Thema schien für mich einfach so omnipräsent, dass ich einfach darüber schreiben musste. Insbesondere mit der Basis der Generalisierung, die ja in „Leuchtendschwarzer Rabenmond“ eben Kern des Problems ist. Jeder scheint etwas zum Thema zu sagen zu haben, häufig auch ohne nachzudenken. Da war eine überzogene Darstellung von dem, was passieren könnte, in einem Märchen-Thriller nicht mehr weit.

AfD, PEGIDA, brennende Flüchtlingsunterkünfte. Was denkst du, müsste in Deutschland passieren, damit die Leute wieder toleranter werden? Und denkst du, ihre Sorgen bezüglich der Überfremdung sind begründet oder ein Hirngespinst?

Meiner Meinung nach ist das Problem vor allem, dass die Transparenz fehlt. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen sich eben Sorgen machen, dass die eigene Existenz gefährdet ist, was zum Teil an einer unklaren künftigen und aktuellen Finanzierung der Flüchtlinge und Asylanten liegt, sprich: Wie soll sich das in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren entwickeln? Steigen die Sozialausgaben ins Unermessliche (das, wovor meines Erachtens viele Menschen Angst haben) oder können wir möglicherweise unseren Generationenvertrag  bei der staatlichen Rente „retten“, wenn wir richtig mit der Zuwanderung umgehen? Auch ein Punkt ist, dass viele Menschen sich einfach unfair behandelt fühlen, unter anderem weil die Verfahren in den Behörden generell weder transparent, noch einheitlich oder gar bundesweit geregelt sind. So, dass niemand nachvollziehen kann, warum Antragsteller A problemlos Sozialleistungen bezieht, Antragsteller B, der sich aber im Recht fühlt, ewig darum kämpfen muss. Die Deutschen sind nun mal relativ monetär veranlagt und häufig eben stolz auf Dinge, die sie sich „hart erarbeitet“ haben, da lässt sich deutlich erkennen, warum gerade in dem Bereich großer Anmut aufkommt. Niemand lässt sich gerne ausnutzen, oder hat gerne das Gefühl, ausgenutzt zu werden, daher verstehe ich die Sorgen und die Angst teilweise schon sehr gut. Dazu kommt noch, dass Medienberichte niemals neutral sind und gerne immer entweder „Umarmen wir gemeinsam Bäume und haben uns alle lieb“ oder „Guckt mal wie scheiße das ist“ schreien – um das mal überspitzt auszudrücken.

„Überfremdung“ – was für ein Wort. „Fremd“ per Definition ist ja auch der Nachbar, dem wir noch nicht mal guten Tag gesagt haben, oder die Menschen, die mit uns am Bahnhof warten. Findet das irgendwer gefährlich?

Nehmen wir an, ein/e junge/r Autor/in liest dieses Interview und bekäme nun auch Lust darauf, mal eine Märchenadaption zu schreiben. Welche Tipps hast du für ihn/sie?

Bei Märchenadaptionen ist das „aus dem Bauch heraus“ schreiben, das ist sonst gerne praktiziere, nicht so einfach. Deshalb macht es Sinn, mit einer groben Idee erst mal so anzufangen, dass man die Märchenelemente heraussucht, die man verwenden möchte. Immerhin möchte man ja adaptieren und nicht einfach nur die Hauptlinie verwenden (Prinz findet Prinzessin ist nicht unbedingt das innovativste Konzept).

Wolltest du als Kind schon Autorin werden oder hat sich dieser Wunsch erst später herauskristallisiert?

Als Jugendliche, als ich auf einem Blatt Papier an meiner ersten Geschichte schrieb und nicht mehr aufhören konnte, war das für mich völlig klar. Damals war ich dreizehn. Als Kind wollte ich alle zwei Tage etwas anderes werden.

Hast du jetzt Blut geleckt und würdest gerne noch mehr Märchenadaptionen schreiben? Oder möchtest du du dich erst wieder deinen anderen Projekten widmen?

Geplant ist, jetzt, in der zweiten Staffel der Märchenspinnerei weiterhin dabei zu sein, also werde ich noch mindestens eine Adaption schreiben. Die anderen Projekte … naja, da warten auch schon länger ein paar, die ich weider in Angriff nehmen müsste. Eine fast fertige Trilogie wartet nur noch auf den letzten Schliff – die Hauptrolle darin spielt eine schwer traumatisierte jugendliche Geisterjägerin. Außerdem brennt mir seit langem schon eine Dystopie in den Tasten (eigentlich naheliegend) und mein letztes NaNo Projekt ist ebenfalls noch nicht fertig geworden. Wie du siehst: Mir wird so schnell nicht langweilig. 😉

Was wünschst du dir für die Märchenspinnerei für die Zukunft?

Natürlich weiterhin gute Zusammenarbeit und ein harmonisches Miteinander. Wunderbare Geschichten enstehen dann von ganz alleine aus den tollen Autorinnen heraus, die sich gegenseitig wunderbar unterstützen und beim Wachsen helfen.

Vielen Dank, liebe Valentina, für das Interview. Ich wünsche dir weiterhin noch alles Gute und viel Erfolg mit deinen Schreibprojekten.

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Ein Kommentar zu “Myna fragt … Valentina Kramer

  1. Pingback: Monatsrückblick September 2017 | Myna Kaltschnee

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