Myna fragt … Anna Holub

Hallo,

schön, dass du wieder vorbeischaust. Im August erschien ja das Märchenspinnereibuch anna holub„Meerschaum“ von Anna Holub, das ich bereits hier auf dem Blog rezensiert habe. Umso mehr freue ich mich, dass ich die Autorin im Rahmen ihrer Blogtour interviewen durfte.

Anna Holub hat eine Schwäche für Katzen, Computer und alles, was irgendwie skurril und phantasievoll ist. Wenn sie nicht gerade schreibt, entwickelt sie Computerprogramme. Die Autorin lebt in ihrer Wahlheimat Schweden.

Hallo Anna, erstmal vielen Dank, dass ich dich interviewen darf. Die Märchenspinnerei hat sich ja über das Forum Tintenzirkel entwickelt. Was hat dich davon überzeugt, an diesem Projekt mitschreiben zu wollen?

Dass ich bei der Märchenspinnerei mitmachen wollte, wusste ich eigentlich sofort. Ich liebe Märchenadaptionen und wollte schon immer eine schreiben.

Wie wurdest du zu deiner Geschichte inspiriert? Und wusstest du von Anfang an, dass du etwas zu „Die kleine Meerjungfrau“ schreiben wolltest oder kam die Idee erst später?

Ich wusste gleich, welche Geschichte ich machen wollte. „Die kleine Meerjungfrau“ war schon ewig eines meiner Lieblingsmärchen und eine Idee, wie man diese modernisieren könnte, hatte ich auch schon seit Jahren in petto…

Hast du eigentlich ein Lieblingsmärchen? Wenn ja, welches?

„Die kleine Meerjungfrau“ ist auf jeden Fall ganz oben auf der Liste. Generell liebe ich Andersen (die Schneekönigin ist auch toll!) und andere traurige Kunstmärchen wie die von Oscar Wilde.

Ist es Zufall oder Absicht, dass dein Protagonist Oliver Welker so ähnlich heißt wie der Journalist und Heute-Show-Moderator Oliver Welke?

Nein, das ist kompletter Zufall. Ich lebe nicht in Deutschland und bin auch in meiner neuen Heimat ein kompletter Medienmuffel, so dass du sichergehen kannst: wenn der Typ nicht in einem Marvel-Film mitgewirkt hat, kenne ich ihn nicht.
Oliver heisst einer meiner ältesten Freunde aus Dänemark. Den Namen Welker habe ich aus der Synchronsprecherliste irgendeines Disney-Films. Welchen, erinnere ich mich nicht mehr.

In deinem Buch ist ja von Flüchtlingen und Menschenschmuggel die Rede – ein Thema, das heutzutage brandaktuell ist. Immer wieder hört man, dass Menschen in Booten oder Lastwagen nach Europa gebracht werden. Was ist deiner Meinung nach die Hauptursache, dass es zu solchem Schmuggel kommt und sollte die Politik, z. B. die EU, mehr dagegen unternehmen?

Das ist eine Frage, die sicher nicht in ein paar Zeilen ausführlich beantwortet werden kann. Aus meinen eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen weiss ich nur, dass sie alle sehr triftige Gründe haben, zu kommen. Nur jemand, der es sich absolut nicht leisten kann, würde bei solchen Voraussetzungen bleiben. Die Flüchtlinge hassen ihre Heimat nicht, aber es wurde ihnen unmöglich gemacht, dortzubleiben.
Andererseits ist die Schlepperei natürlich auch eine Industrie, und eine extrem menschenverachtende Industrie noch dazu. Und das Geld, das die Mühlen antreibt, trägt sicher auch nicht dazu, die Situation in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, zu entschärfen.
Was die Politik tun kann… die einzige Möglichkeit ist, diese Situationen zu verbessern und die Gefahren, vor denen die Menschen fliehen, verschwinden zu lassen.

Hast du eine Lieblingsfigur in der Geschichte? Wenn ja, welche?

Habe ich ein Lieblingskind…
Also OK, ich habe eine Schwäche für Mathieu. Würde ich ihm wirklichen Leben treffen, würde er sich wahrscheinlich binnen 5 Minuten von mir eine Ohrfeige einhandeln. Aber er ist einfach zu lustig zu schreiben.

Wenn du deinen Protagonisten Oliver Welker persönlich treffen könntest, was würdest du ihm sagen wollen?

Take a chill pill! Und ausserdem: Nimm dir einen Therapeuten. Beziehungsweise frag bitte mal jemanden um Hilfe. Du hast Freunde, und Probleme anzusprechen ist keine Schwäche. Wenn du dich darüber aussprechen willst, warum du deinen Wahlberuf nicht mehr liebst, dann tu das. Du bist sicher nicht der einzige!

Nehmen wir an, ein/e junge/r Autor/in liest dieses Interview und bekäme nun auch Lust darauf, mal eine Märchenadaption zu schreiben. Welche Tipps hast du für ihn/sie?

Zwei scheinbar widersprüchliche Dinge:
Schau einmal, was es schon gibt. Du musst es nicht unbedingt lesen, aber es könnte dir unangenehme Überraschungen ersparen. Märchenadaptionen sind im Moment ziemlich im Trend, und du brauchst etwas, das individuell für dich ist.
Wage, nicht wie alle anderen zu sein! Was für mich an einer Adaption wichtig ist, ist nicht das Setting oder die Figuren, sondern was für DICH in der Geschichte das Ewige, der Kern, der bleiben sollte, ist. (Für mich war das in der Meerjungfrau zum Beispiel, dass sie kein Opfer ist, sondern aus eigenem Willen geht. Und dass das Leben, auch wenn man alles richtig macht, manchmal ungerecht ist.) Alles andere ist Dekoration.

Wolltest du als Kind schon Autorin werden oder hat sich dieser Wunsch erst später herauskristallisiert?

Ich wollte immer schon schreiben und habe auch als Kind viel geschrieben. Zwischendurch habe ich eine lange Pause gemacht und mich Comics und Comic-Zeichnen gewidmet (ein Hobby, für das ich im Moment viel zu wenig Zeit habe). Aber irgendwann habe ich dann mit NaNoWriMo angefangen, und dann war’s um mich geschehen…

Hast du jetzt Blut geleckt und würdest gerne noch mehr Märchenadaptionen schreiben? Oder möchtest du dich erst wieder deinen anderen Projekten widmen?

Beides. Teilweise möchte ich gerne wieder an einem komplett eigenen Projekt schreiben und habe das für November auch vor. Andererseits klopfen bei mir schon wieder fünf Plotbunnies an…

Was wünschst du dir für die Zukunft der Märchenspinnerei?

Natürlich viel Erfolg und dass sie ganz groß raus kommt!

Vielen Dank, liebe Anna, für das Interview. Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit deinen weiteren Schreibprojekten.

Danke dir für die interessanten Fragen!

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7 Kommentare zu “Myna fragt … Anna Holub

  1. auch wenn ich es weiter noch nicht kenne finde ich ist es ein neues tolles Werk der Märchenspinnerei und sicher auch lesenswert ist! Vielen lieben dank für die Einblicke 🙂 LG Jenny

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  2. Pingback: Monatsrückblick Oktober 2017 | Myna Kaltschnee

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