Myna fragt … Mira Lindorm

Heyho!

Schön, dass du bei mir vorbeischaust. Heute gibt es wieder ein Interview und zwar mit Herzenswünsche kommen teuerder wunderbaren Märchenspinnerin Mira Lindorm, deren Buch „Herzenswünsche kommen teuer“ ich hier rezensiert habe.

Mira Lindorm schreibt seit geschätzten fünfzehn Jahren – und seit fünf Jahren auch Urban Fantasy, da sie diese selbst sehr gerne liest. Sie ist eine absolute Vielleserin – manchmal verschlingt sie drei Bücher in einer einzigen Woche. Beim Schreiben ist sie aber etwas langsamer und schafft nur ein, zwei Bücher pro Jahr. 2014 erschien ihr Debüt „Das Trollerbe“ beim Bookshouse Verlag. Nachdem sie mit „Strohgold“ eine Kurzgeschichte in der Anthologie der Märchenspinnerei beisteuerte, erschien im Januar 2018 ihre Märchenadaption „Herzenswünsche kommen teuer“, in der sie die Geschichte von 1001 Nacht weiterspann.

Hallo Mira, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Aber gerne, Myna. Ich stelle mir gerade vor, dass wir beide stilvoll zusammensitzen in einem Beduinenzelt in der Wüste, eine Tasse heißen, süßen Pfefferminztees in der Hand, über uns ein funkelnder Sternenhimmel, vor uns ein glosendes kleines Feuerchen und in der Ferne die nächtlichen Geräusche von Pferden und Kamelen. Und wir beide unterhalten uns einfach, plaudern leise, entspannt.

Du bist ja sicher auch über den Tintenzirkel zur Märchenspinnerei gekommen. Was hat dich dazu bewogen, bei dem Projekt mitzumachen?

Spaß am Fabulieren. Wirklich der reine Spaß. Die Idee zur Märchenspinnerei kam im Tintenzirkel-Forum hoch, wurde in wenig diskutiert, und ich fand sie sehr gut. Dass sich Selfpublisherinnen (zur Zeit sind nur Frauen in der Märchenspinnerei) zu einer Themengruppe und gemeinsamem Marketing zusammenschließen wollten, schien mir auch für mich ein interessantes Projekt. Dass ich letzten Endes doch in einem Verlag veröffentlicht habe, liegt an der Impressumspflicht, mit der es in Deutschland für Selfpublisher praktisch unmöglich ist, ein geschlossenes Pseudonym zu wahren, und ich benutzte ein Pseudonym, um Kollisionen mit meinem Hauptberuf zu vermeiden.
Wie gesagt, mir gefiel einfach die Idee. Und die Autoren und Autorinnen im Tintenzirkel sind verlässlich, das war auch ein Argument für mich.

In deiner Märchenadaption „Herzenswünsche kommen teuer“ entführst du uns in die ferne Welt von 1001 Nacht. Was hat dich zu dieser Geschichte inspiriert?

Die uralte Frage „Was wäre, wenn …“ Was passiert, wenn ich eine bekannte Geschichte nehme und Elemente darin austausche? Was bleibt, was verändert sich? Reagieren die Märchenfiguren plötzlich anders? Plausibler? Wie verändert meine eigene Weltanschauung und Sichtweise die Märchenwelt?

1001 Nacht habe ich gewählt, weil diese Märchen in meinen Augen sehr viel ungenutztes Potential haben. Sie bestehen eben nicht nur aus Sindbad, Ali Baba und fliegenden Teppichen.

Hast du eigentlich ein Lieblingsmärchen? Wenn ja, verrätst du uns, welches?

Shakespeare, ein Sommernachtstraum. Oder das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern von Andersen. Auch ein Kunstmärchen.

Stell dir vor, du könntest deine Protagonistin Suleika persönlich treffen. Was würdest du ihr sagen wollen?

Dass Mauern im Kopf schlimmer sind als Mauern um einen Harem. Aber ich glaube, das hat sie am Ende schon selbst herausgefunden. Wenn sie jetzt hier mit uns in der Teerunde säße, hätten wir bestimmt eine schöne, angeregte Unterhaltung mit ihr.

Ich weiß, eine Autorin nach ihrer Lieblingsfigur zu fragen, ist als wollte man von einer Mutter wissen, welches ihrer Kinder sie am meisten liebt. Aber ich frage trotzdem: Gab es eine Figur, die du ganz besonders ins Herz geschlossen hast und wenn ja, welche?

Mein persönlicher Liebling ist der Dschinn. Er ist die Menschen total satt, möchte nur noch seine Freiheit, hat aber trotzdem so etwas wie eine großväterliche Zuneigung zu dem Mädchen Suleika und versucht sein Bestes, dass sie nicht zu Schaden kommt. Innerhalb der Grenzen natürlich, was er als Dschinn machen kann und darf. Eine nicht-menschliche Gestalt mit fremdartiger Logik, aber teilweise trotzdem sehr menschlichen Zügen, das war … interessant. Ich war froh, dass er am Ende auch glücklich wurde (und nein, das wusste ich selbst vorher nicht, das fand sich erst, als ich beim letzten Kapitel schreiben angekommen war).

Bist du eigentlich eine Plotterin oder schreibst du einfach drauflos?

Ich bin Mini-Plotterin. Das heißt, ich brauche eine Grundidee, eine einleitende Szene und eine ziemlich konkrete Vorstellung, wie das Buch enden soll. Danach schreibe ich dann wirklich drauflos.

Wenn man ein Buch schreibt, geht man ja durch unterschiedliche Stadien. Am Anfang steht das Plotten, Recherchieren und der Weltenbau, dann folgt das eigentliche Schreiben und danach muss man das Manuskript mehrmals überarbeiten. Welches Stadium macht dir persönlich am meisten Spaß und gibt es auch eines, dass du gar nicht gerne magst?

Es gibt nicht „die“ Art, wie man ein Buch schreibt. Jede Autorin und jeder Autor hat seine eigene Methode. Bei mir gibt es, wie bereits erwähnt, nur rudimentäres Plotten. Recherche insoweit, als man z.B. beim Schreiben orientalischer Märchen die Originale tunlichst gelesen haben sollte, und ein wenig geschichtliches Allgemeinwissen über den nahen Osten ist auch nicht verkehrt, damit nicht am Ende Dinge im Buch auftauchen, die es einfach dort nicht gegeben haben kann.

Damit hat sich bei einem Märchen meiner Machart allerdings auch der Weltenbau bereits erledigt, denn den geben die Original-Märchen und unsere reale Welt gemeinsam vor.

Ich gehöre zu den Autoren, die nicht viel überarbeiten. Ein Durchgang nach dem Schreiben, um zu sehen, ob noch Unstimmigkeiten drin sind und vor dem Korrektorat noch die gröbsten Rechtschreibfehler zu löschen. Ein weiterer Durchgang, wenn die Betaleser sich zurückmelden und noch Macken gefunden haben. Das waren vielleicht 20, 30 Sätze, die noch geändert werden mussten. Korrigieren lasse ich dann woanders, ich bin bei meinen eigenen Geschichten miserabel im Fehlersuchen.

Am meisten Spaß macht mir das tatsächliche Schreiben der Geschichte, weil ich selbst erst während des Schreibens die tatsächliche Handlung entdecke. In dem Moment ist auch für mich das Märchen, der Roman ganz neu und spannend. Die Figuren können mich dann mit ihren Handlungen überraschen. Klingt verrückt, schließlich habe ich mir diese Figuren ausgedacht, aber in der Geschichte entwickeln sie ein Eigenleben.

Hast du jetzt Blut geleckt und willst noch mehr Märchenadaptionen schreiben oder möchtest du dich erst wieder deinen anderen Projekten widmen?

Das ist keine Frage von Mögen oder Wollen, das ist eine reine Zeitfrage. Ich habe mehr Ideen als Schreibzeit. Und unter diesen Ideen sind neben Urban Fantasy auch welche für Märchenromane oder Märchennovellen. Die Idee, die am lautesten nach Beachtung schreit, gewinnt und wird zuerst geschrieben.

Ich lasse mich überraschen.

Wolltest du als Kind schon Autorin werden oder hat sich dieser Wunsch erst später herauskristallisiert?

Als Kind wollte ich Töpferin werden. Dass ich einmal statt Ton Worte formen würde, war nicht vorgesehen, das hat sich irgendwann von alleine ergeben. Vielleicht, als ich einer gewissen kleinen Person selbst ausgedachte Gutenachtgeschichten erzählen musste.

Was wünschst du der Märchenspinnerei für die Zukunft?

Das uns weder die Ideen noch die Leser ausgehen.

Liebe Mira, vielen Dank für das Interview.

Ich bedanke mich ebenfalls, Myna!

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3 Kommentare zu “Myna fragt … Mira Lindorm

  1. Hallo Myna!
    Das Interview hab ich wirklich gern gelesen. Schön zu sehen, wie sympathisch die Autorin auch daherkommt :) Ihre Geschichte werd ich mir nun auf jeden Fall auch noch anschauen.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

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  2. Pingback: Monatsrückblick März 2018 | Myna Kaltschnee

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