Myna fragt … Sabrina Schuh

Hey!

Schön, dass du bei mir vorbeischaust. Heute habe ich ein Interview mit der fabelhaftenbild-15 Sabrina Schuh im Gepäck. Wir plauderten über die Märchenspinnerei, zu der die Autorin gehört, aber auch über ernste Themen wie psychische Krankheiten in Büchern. Aber lies am besten selbst. :)

Sabrina Schuh wurde 1987 geboren. Sie ist die Fachfrau für’s Buchmarketing bei der Märchenspinnerei und schreibt, neben ihrer Tätigkeit als Lektorin, auch selbst. Mit Mann, Kind und Hund lebt sie in Franken. Nachdem sie bereits unter verschiedenen Namen Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht hat, erschien 2018 mit „Unter schwarzen Federn“ ihr Romandebüt bei der Märchenspinnerei.

Hallo Sabrina, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.

Hallo Myna, vielen Dank, dass ich hier sein darf.

Du bist ja sicher auch über den Tintenzirkel zur Märchenspinnerei gekommen. Was hat dich dazu bewogen, bei dem Projekt mitzumachen?

Jeder Mensch macht seine Erfahrungen im Leben und ich habe in meinem Leben sehr viel gesehen, was leider unschön war. Sei es Mobbing, Essstörungen, Depression, Suizid, Persönlichkeitsstörungen und vielerlei mehr. Doch es waren nicht diese Dinge, die mich traurig gemacht haben, sondern die Reaktionen des Umfelds auf die Leute. Ausgrenzung, Unverständnis, Spott, noch mehr Mobbing … das waren die Reaktionen, die diese Leute trafen, obwohl sie es schwer genug hatten.

In der Märchenspinnerei wurde eine wundervolle Plattform geschaffen, wo wir genau solche Themen ansprechen können, verpackt in eine märchenhafte Hülle. Diese Thematiken ein Stück weiter ins Zentrum der Gesellschaft zu bringen und vielleicht den einen oder anderen sogar zum Nach- oder gar Umdenken anzuregen, ist was mich antreibt.

In deiner Märchenadaption „Unter schwarzen Federn“ thematisierst du ja auch ernste Themen wie Depression, Mobbing und Suizid. War es schwierig, über diese Themen zu schreiben?

Der Inhalt an sich hat mir wenig Schwierigkeiten bereitet, da ich mich sehr gut auf das Buch vorbereitet hatte. Woran ich allerdings wirklich oft gezweifelt habe und meinen Alphalesern auch sehr dankbar bin, für ihre tatkräftige Unterstützung, war der Ton. Das Buch sollte gleichzeitig jugendlich, authentisch, locker, leicht, emotional, mitreißend, aufrüttelnd, psychologisch korrekt und doch ohne erhobenen Zeigefinger sein … jedenfalls waren das meine „bescheidenen“ Ansprüche an mich selbst. Dieser Spagat war für mich eine ziemliche Herausforderung. Ob ich ihn geschafft habe, müssen die Leser entscheiden.

Ich bin ja der Meinung, dass psychische Krankheiten viel öfter in Büchern und Filmen thematisiert werden sollten. Einfach, um darüber aufzuklären, weil es doch noch viele Vorurteile gibt. Wie siehst du das? Wolltest du mit deiner Geschichte vielleicht auch ein bisschen wachrütteln?

Definitiv, ja! Dass diese Themen totgeschwiegen werden, empfinde ich als total falsch und vor allem auch als sehr gefährlich, denn dadurch geraten die Betroffenen in immer größere Notlagen und Situationen eskalieren. Vorurteile müssen ausgeräumt werden und Betroffene müssen einen Platz in der Mitte der Gesellschaft finden und nicht an den Rand gedrängt werden, wenn sie dazu stehen.

In der Schule werden wir über Drogen, Sex und Sekten aufgeklärt, Inklusion von körperlich und geistig Behinderten wird vorangetrieben, aber bei psychischen Erkrankungen landet sofort ein imaginärer Stempel auf der Stirn und man wird ausgegrenzt. Hier müsste viel mehr Aufklärung betrieben werden, auch die Anzeichen für gewisse Krankheitsbilder erklärt werden und Toleranz geschaffen.

Psychische Krankheiten sind keine Randerscheinung mehr, sondern nun einmal Dauergast in unserer Gesellschaft und ich glaube, dass man schon viel bewegen könnte, wenn die Betroffenen nicht mehr komisch angesehen, sondern akzeptiert werden. Es sollte so normal sein, sich Hilfe zu holen, wie bei einem gebrochenen Arm, und nichts, wofür man sich schämen muss.

Was hat dich zu deiner Geschichte inspiriert?

Mein Umfeld, die Schulen, die Arbeitsplätze, die Welt. Mobbing gibt es überall und ich habe es in allen Facetten gesehen, erlebt und miterlebt. Ich habe gesehen, dass es Leben kostet, dass es Menschen in die Depression treibt, kreuzunglücklich macht und dass trotzdem alles totgeschwiegen und verleugnet wird. Es war mir ein Bedürfnis, einen Weg zu finden, darüber zu reden, und diesen habe ich mit dieser Geschichte gefunden.

Hast du eigentlich ein Lieblingsmärchen? Wenn ja, verrätst du uns, welches?

Ja klar, mein Lieblingsmärchen ist schon seit klein auf „Sterntaler“.

Stell dir vor, du könntest deine Protagonisten Fee und Markus persönlich treffen. Was würdest du ihnen sagen wollen?

Ich würde ihnen einfach nur mit auf den Weg geben wollen, dass sie ganz einzigartige und tolle Personen sind, die sich ihre wunderbare, herzliche Art erhalten sollen, denn diese ist ein Geschenk an die Welt.

Wenn man ein Buch schreibt, geht man ja durch unterschiedliche Stadien. Am Anfang steht das Plotten, Recherchieren und der Weltenbau, dann folgt das eigentliche Schreiben und danach muss man das Manuskript mehrmals überarbeiten. Welches Stadium macht dir persönlich am meisten Spaß und gibt es auch eines, dass du gar nicht gerne magst?

Ich schreibe sehr gerne, daher liebe ich das Abfassen der Rohfassung sehr. Außerdem liebe ich es, mit meiner Coverdesignerin zusammenzuarbeiten und der Geschichte ein Kleidchen zu verpassen. Was mir dann wenig Spaß macht, ist überarbeiten und so lästige Sachen, wie Druckfahnen kontrollieren.

Hast du jetzt Blut geleckt und willst noch mehr Märchenadaptionen schreiben oder möchtest du dich erst wieder deinen anderen Projekten widmen?

Das eine schließt das andere ja nicht aus. Es sind weitere Märchenadaptionen geplant, allerdings gibt es auch andere Projekte, die ich weiterhin verfolgen möchte, da ich einfach gerne Fantasy schreibe. Während meine Adaptionen ja durchaus eher in realistischen Settings spielen, schreibe ich sonst an Low und High Fantasyprojekten.

Wolltest du als Kind schon Autorin werden oder hat sich dieser Wunsch erst später herauskristallisiert?

Ich wollte nie Autorin werden. Ich schreibe zwar schon immer sehr viel und sehr gerne, aber das lag für mich in der Schublade auch sehr gut. Erst durch die Märchenspinnerei kam ich dann wirklich in den Zwang eine Idee nicht nur zu verfolgen, sondern auch zu veröffentlichen. Zuvor habe ich zwar schon Klein- und Kleinstsachen in Anthologien oder Apps veröffentlicht, aber das da mehr draus wird, konnte ich mir nie vorstellen.

Aktuell muss ich mich noch sehr an den Gedanken gewöhnen, dass ich jetzt mit einem Roman veröffentlicht bin und dass es Menschen gibt, die tatsächlich interessiert, was ich schreibe.

Was wünschst du der Märchenspinnerei für die Zukunft?

Ich wünsche uns noch viele schöne Titel, die vielleicht ein Stück die Herzen unserer Leser bewegen und für Probleme in dieser Welt sensibilisieren. Wenn unsere Bücher nur ein bisschen zum Umdenken in den angesprochenen Problematiken anregen können oder Leute anregen, über totgeschwiegene Themen zu sprechen, dann haben wir etwas wirklich Großartiges geschaffen.

Liebe Sabrina, vielen Dank für das Interview.

Liebe Myna, vielen Dank für diese tolle Gelegenheit und die spannenden Fragen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Myna fragt … Sabrina Schuh

  1. Pingback: Monatsrückblick März 2018 | Myna Kaltschnee

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.