Myna fragt … Tina Skupin (2)

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Heute habe ich wieder ein Interview im Gepäck und zwar mit der fabelhaften Autorin Tina Skupin.

Tina Skupin wurde 1977 geboren und wuchs im schönen Völklingen an der Saar auf. Sie machte ihren Doktor in Geografie und hatte 2016 ihr Debüt mit einem Ratgeber für Auswanderer. Tina schreibt vor allem gerne fantastische Geschichten. Die Autorin lebt mit ihrem Partner und ihrer kleinen Tochter im schwedischen Stockholm.

Hallo Tina, schön, dass ich dich wieder interviewen darf.

Vielen Dank, dass ich zurückkommen durfte! Das macht immer Spaß mit dir!

Neulich erschien ja dein neuer Roman „Valkyrie – Zurück ins Jetzt“ beim OhneOhren-Verlag. Was hat dich dazu inspiriert?

Meine Inspirationen kamen vor allem aus der klassischen Urban Fantasy, die unser modernes Leben mit Mythen vermischt, und aus meinem eigenen Alltag. Ich lebe seit zehn Jahren in Stockholm, und die Stadt ist so voll mit Natur, Wasser und Parks, und andererseits so voll mit seltsamen Ecken, dass ich das Gefühl hatte, mitten in einer Urban Fantasy Kulisse zu leben. Dazu kommt, dass die nordische Mythologie unheimlich reich ist. Zwischen der Edda, den alten nordischen Sagen und dem Volksglauben konnte ich da in die Vollen greifen.

Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet?

Schwer zu sagen. Weißt du, viele Autoren machen Schreibübungen, und schreiben dann irgendwann ihren ersten Roman. Für mich hat das nicht geklappt. Stattdessen hab ich an meinem ersten Manuskript schreiben gelernt. Die erste Version von „Valkyrie“ hab ich 2012 geschrieben, und Anfang 2014 hatte ich dann eine funktionierende Version. Dachte ich jedenfalls. Und dann hab ich erfahren, was Betaleser sind …

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem OhneOhren-Verlag zustande gekommen? Hast du dich da direkt beworben oder über eine Agentur zum Verlag gefunden?

Ein guter Verleger ist sein Gewicht in Gold wert. Die sind selten, aber Ingrid ist eine davon. ich hab den OhneOhren-Verlag über Anthologieausschreibungen kennengelernt. Solche Ausschreibungen sind perfekt, um einen Verlag richtig kennenzulernen. Nachdem ich zweimal mit Ingrid Lektorat gemacht hatte, wusste ich, sie wäre genau die Richtige. Ich hab ihr dann das Manuskript geschickt und die Antwort bekommen: „Das ist anders als alles, was ich im Programm hab, aber ich find’s genial. Lass un das zusammen machen!“

Entsprechen die Wesen alle der nordischen Mythologie oder hast du auch selbst welche erfunden? Und wenn ja, wie schwierig war das, dir selbst Wesen auszudenken?

Die Wesen stammen alle entweder direkt aus der nordischen Mythologie und dem Volksglauben, oder sind davon inspiriert. Und es war überhaupt nicht schwer, sich das auszudenken, im Gegenteil, die Wesen erfanden sich quasi selber.

Beispiel Rabatz, der ein besonderer Liebling vieler Leser zu sein scheint: Ich brauchce einen Übersichtsgeber, quasi jemand, der die Fäden verknüpft, und für Frida, die sich ja komplett nicht auskennt in der modernen Welt, die Regeln erklärt. Sprich, ich brauchte einen Journalisten. In der Edda gibt es keine Journalisten … aber es gibt Huggin und Munin, zwei Raben, die Odin Nachrichten bringen. Und in Stockholm sind Rabenvögel allgegenwärtig. Dass die einen Blick afu die taedt haben, wäre in sich logisch. Aber das gefiel mir noch nicht, denn ich hatte da schon die Stimme des Charakters im Ohr. Er war kein Rabe, er war ein Underdog, jemand, den keiner so richtig ernst nimmt. Und ann ging ich durch die Stadt und hörte die Vögel singen. Und man hört nicht die Raben. Nein, wenn du in der Stadt bist, hörst du die Spatzen, denn die sind frech, laut und absolut furchtlos. Und dann hatte ich meine Elemente zusammen: Rabatz, ein Sprabe: Abkommen von Odins Raben und einer Spätzin, geborener Journalist und chronisch unterschätzt.

Stell dir vor, deine Protagonistin Frida würde sich mit dir auf einen Kaffee treffen. Was würdest du ihr sagen wollen?

„Was willst du mit dem Schwert. AAAAAH!“ Nein, ich hab Frida zu sehr gequält, als dass ich mich noch mit ihr treffen könnte.

Es kommen ja sehr viele tolle Figuren in deinem Roman vor. Hast du einen besonderen Liebling in der Geschichte?

Das ist, als würdest du eine Mutter fragen, welches ihr Lieblingskind ist. Rabatz? Gudrun? Eimir? Loki? Frida? Wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde ich mich für Frida entscheiden, in erster Linie, weil es ihr Buch ist. Ich liebe Frida! Sie ist eine der stärksten Kämpferinnen, gleichzeitig, stammt sie aus ganz einfachen Verhältnissen, aus einer Köhlerfamilie, und musste sich ihren Platz hart erarbeiten. Dadurch hat sie aber auch einen Blick von außen auf Asgard, und hat ihre Probleme mit dem „Odin hat immer recht.“ Und dann kommt sie in die moderne Welt, mit ihrer ganz anderen Mentalität, und ihren ganz anderen Regeln, und sie muss sich damit anfreunden. Sie geht da durch so viele Probleme und Dramen, und ich finde es so faszinierend, wie sie sich dadurch verändert, was für die unwichtig wird – und was wichtig bleibt. Ich wünschte, ich könnte mehr verraten, aber dann würde ich zu viel spoilern.

Deine Walküre und auch die anderen Norsen kämpfen in der Geschichte ja ziemlich häufig mit Schwertern. Ist dir das leichter gefallen zu beschreiben, weil du selbst Erfahrungen mit Schwertkampf gemacht hast?

Ja, natürlich. Man sagt ja, man soll darüber schreiben, was man kennt. Frida ist eine Walküre. Sie lebt für den Kampf. Sie hat selbst die jungen Walküren unterrichtet, natürlich muss sie wissen, was sie tut. Und das heißt, dass ich wissen muss, was sie tut.

Welche Art von Szenen findest du besonders schwierig zu schreiben (z. B. Liebesszenen, Kampfszenen, Sexszenen, usw.)?

Sexszenen.

Bei der Entstehung eines Buches geht man ja durch verschiedene Etappen. Am Anfang steht das Recherchieren, Plotten und evtl. Worldbuilding. Danach kommt das Schreiben der Rohfassung und anschließend muss alles noch mehrmals überarbeitet werden. Welche dieser Etappen magst du am liebsten und welche magst du gar nicht gerne?

Du stellst schwere Fragen. Ich liebe alle drei Etappen. Und ich hasse alle drei Etappen.

Also: ich liebe den Anfang aller drei Etappen! Ich liebe es, eine neue Idee zu bekommen, dieser Funke, wenn eine neue Welt entsteht, wenn die Fäden zusammenlaufen. Ich liebe es, wenn ich anfangen darf, zu schreiben, das neue Buch auf dem Bildschirm gestalt annimmt. Und ich liebe es, wenn ich anfange zu überareiten, aus dem rohen Manuskript das mache, was in meinem Kopf rumschwirrt.

Ich hasse, hasse, hasse den Mittelteil! Das ist der Moment, wo sich dein Plot plötzlich gegen dich richtet, wenn du merkst, dass du in Kapitel 7 jemanden brauchst, den du in Kapitel 3 gekillt hast. Ich hasse das Schreiben, wenn ich ca. 20.000 Wörter drin bin. Was hab ich mir gedacht? Das ist alles so banal! Und dann krieche ich wirklich von Wortziel zu Wortziel. Und beim Überarbeiten kommt der Moment, wo ich danke, es wird immer schlimmer, je mehr ich mache.

Und dann kommt der Schluss, und der ist wieder genial. Wenn ich merke, ich hab die kritische Masse recherchiert und geplottet, und kann jetzt schreiben. Wenn ich in Akt drei bin, die Geschichte auf den Showdown zu läuft, alle Plotlines funktionieren, und das beste ist das Überarbeiten, wenn ich poliert hab und plötzlich kommt der Moment wo ich denke: „Ja! Jetzt ist es so, wie ich es mir ausgemalt hab!“

Schreiben ist für mich wie eine Berg- und Talbahn. Es geht hoch und runter, in einem Moment schrei ich vor Vergnügen, im nächsten denk ich mir: „Was hast du dir dabei nur gedacht?“ … Und immer, wenn ich unten ankomme, springe ich aus der Gondel und schreie: „Nochmal!“

Wolltest du eigentlich schon immer Autorin werden oder hat sich dieser Berufswunsch erst später herauskristallisiert?

Immer. Es hat nur eine Weile gedauert, bis ich bemerkt hab, ich kann es wirklich schaffen!

Nach dem Buch ist vor dem Buch – woran arbeitest du als nächstes?

Im Augenblick arbeite ich an meinem ersten Science-Fiction-Projekt mit dem Arbeitstitel „Space Narwals“. Es geht um eine Tierärztin, die entführt wird. Um einen Narwal, der gleichzeitig ein Raumschiff ist, faschistische Dinosaurier, Weltraumpiraten und einen legendären Schatz. Und zum ersten Mal versuche ich mich an einem Projekt in Englisch. Meine Freunde in Stockholm wollten nämlich auch mal was von mir zu lesen bekommen.

Liebe Tina, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft.

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Ein Kommentar zu “Myna fragt … Tina Skupin (2)

  1. Pingback: Monatsrückblick April 2018 | Myna Kaltschnee

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