Schreiben · Schreibtipps

Plotten für Anfänger: Das 7-Punkte-System

Heute möchte ich meine Reihe „Plotten für Anfänger“ fortsetzen – und zwar mit der Plotmethode, die ich in abgewandelter Form selbst verwende: dem 7-Punkte-System.

Ich werde dir Schritt für Schritt erklären, worauf du bei dieser Methode achten musst. Wenn du Fragen oder Anregungen dazu hast, kannst du sie gerne in die Kommentare schreiben.

Das 7-Punkte-System

Das 7-Punkte-System stammt von Dan Wells, einem US-amerikanischen Horror- und Science-Fiction-Autor.

Es ist, wie der Name schon sagt, in 7 Punkte unterteilt. Im Folgenden möchte ich dir die Punkte genauer vorstellen.

Hier die Übersicht:

1. Aufhänger: Hier wird der/die Protagonist*in und das Setting eingeführt.

2. Erste Wendung: Ein Problem taucht auf und der/die Protagonist*in wird ins Abenteuer gestürzt.

3. Erster Kniff: Hier geht irgendetwas schief und die Situation unseres/unserer Held*in verschlechtert sich. Er/sie muss darauf reagieren.

4. Mittelpunkt: Hier wird der/die Protagonist*in aktiv und unternimmt etwas gegen seine/ihre schlechte Lage.

5. Zweiter Kniff: Die Situation, in der sich unser*e Held*in befindet, wird noch schlechter und es scheint ausweglos.

6. Zweite Wendung: Im allerletzten Moment findet der/die Held*in doch noch eine Lösung für sein/ihr Problem.

7. Auflösung: Der/die Protagonist*in siegt über sein/ihr Problem.

Natürlich kann die Geschichte auch ein Sad End haben, dann siegt eben der/die Antagonist*in gegen unsere*n Held*in. Gerade bei Dramen, Horror oder Dystopien könnte das der Fall sein.

Dan Wells empfielt übrigens, mit den Ende, also Punkt 7 „Auflösung“, zu beginnen. Danach sollte man sich Punkt 1, dem „Aufhänger“, widmen. Das dürfte dann nicht mehr schwer sein, da der Aufhänger ja das genaue Gegenteil der Auflösung sein sollte. Wenn Anfang und Ende feststehen, empfiehlt Wells, mit dem Mittelpunkt weiterzumachen.

Genau in dieser Reihenfolge werden wir uns die einzelnen Punkte jetzt einmal genauer anschauen.

1. Auflösung (Punkt 7)

Hier wird das Hauptproblem aufgelöst und der/die Held*in schlägt den/die Antagonist*in. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Wie schon gesagt, in machen Genres könnte ein trauriges Ende angebrachter sein. Wichtig ist, dass der/die Held*in sich bis zu diesem Punkt weiterentwickelt hat. Er/sie ist zum Beispiel stärker, selbstbewusster und mutiger geworden.

2.  Aufhänger (Punkt 1)

Am Anfang ist es wichtig, dass der/die Protagonist*in in der gegenteiligen Situation ist, als am Ende. Damit er/sie eine Charakterentwicklung durchmachen kann, sollte er/sie hier noch deutlich schwächer, ängstlicher oder schüchterner sein.

Aber Achtung, an dieser Stelle geht es noch nicht darum, dass der/die Held*in ins Abenteuer gestürzt wird. Er/sie und seine/ihre Welt werden erst einmal vorgestellt.

3. Mittelpunkt (Punkt 4)

Bis zu dieser Stelle reagiert der/die Held*in nur, jetzt wird es Zeit, dass er/sie aktiv sein/ihr Problem angeht. Er/sie macht hier schon eine Charakterentwicklung durch und steuert auf das Ende zu. Der Mittelpunkt, der – wer hätte es gedacht – in der Mitte des Manuskripts angesiedelt sein sollte, ist ein Wendepunkt sowohl für die Handlung, als auch die charakterliche Entwicklung des/der Protagonist*in.

4. Erste Wendung (Punkt 2)

Hier sind wir bei DEM Ereignis angelangt, das den/die Held*in erschüttert und den Konflikt ins Rollen bringt. Das muss nicht unbedingt ein Weltuntergang sein, aber für den/die Held*in spitzt sich die Lage zu und er/sie muss darauf reagieren.

An dieser Stelle werden auch gerne neue Figuren eingeführt. Dieser Punkt verbindet den Aufhänger mit den Mittelpunkt.

Das 7-Punkte-System - Pinterest

5. Zweite Wendung (Punkt 6)

Bei der zweiten Wendung erhält der/die Protagonist*in etwas, das ihm/ihr bei der Lösung des Problems hilft. Ein fehlendes Puzzleteil. Es ist quasi der Übergang zwischen Mittelpunkt und Auflösung.

Aber aufgepasst! Hier sollte man darauf achten, dass der/die Held*in selbst die Wendung einleitet. Klar kann man als Autor „Gott spielen“ und dem/der Protagonist*in aus der Sch… helfen. Doch das wirkt schnell langweilig.

Je nach Genre, kann das auch den „Todesstoß“ für den/die Protagonist*in bedeuten.

6. Erster Kniff (Punkt 3)

Hier führt man gerne den/die Antagonist*in ein. Es wird Druck auf den/die Protagonist*in ausgeübt und er/sie steuert auf den Mittelpunkt zu. Die schwierige Situation spitzt sich zu.

An dieser Stelle kann die erste große Katastrophe passieren. Allerdings sollte sich die Situation trotzdem noch weiter verschlechtern können.

7. Zweiter Kniff (Punkt 5)

An dieser Stelle verschlechtert sich die Situation des/der Protagonist*in noch mehr. Er/sie leidet und alles scheint aussichtslos. Wie soll er/sie nur je wieder aus dieser Situation herauskommen?

Hier können Freund*innen und Gefährt*innen sterben oder den/die Held*in verlassen.  Die Pläne gehen schief oder es kommen unerwartete Ereignisse dazwischen.

Der/die Antagonist*in scheint zu gewinnen. Umso überraschender ist dann die zweite Wendung.

Schlussgedanken

Natürlich steht es dir völlig frei, die Struktur abzuändern und an deine Geschichte anzupassen. Nichts muss so streng geplant werden, wie die Plotmethode es vorgibt. Jeder Autor plottet und schreibt anders, daher liegt es an dir, was du daraus machst.

Ich hoffe, ich konnte dir das 7-Punkte-System etwas näher bringen. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich über ein Like oder einen Kommentar von dir freuen.


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2 Kommentare zu „Plotten für Anfänger: Das 7-Punkte-System

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