12 Sätze, die Depressive nicht hören wollen

Heute habe ich mal wieder einen Mental-Health-Beitrag für dich. In diesem Beitrag habe ich 12 Aussagen gesammelt, die Depressive nicht hören wollen.

Vielleicht hilft dir das als Außenstehender ja weiter, wenn du nicht genau weißt, wie du auf Depressionen reagieren sollst. Und wenn du betroffen bist, würde es mich interessieren, was du über die Aussagen in diesem Beitrag denkst. Hast du sie auch schon zu hören bekommen? Fallen dir noch weitere ein? Dann ab in die Kommentare damit. :)

12 sätze

1. „Reiß dich zusammen.“

Depressionen sind eine Krankheit und ein Betroffener kann sich nicht einfach „zusammenreißen“ und dann ist alles wieder gut. Ganz im Gegenteil. Solch ein Satz setzt den Betroffenen nur zusätzlich unter Druck und weil er es nicht schafft sich „zusammenzureißen“, fühlt er sich schuldig und gleitet noch tiefer in die Depression ab. Du würdest zu einem Querschnittsgelähmten ja auch nicht sagen: „Reiß dich zusammen und lauf gefälligst selber.“

2. „Du bist doch gar nicht so schlimm dran.“

Nochmals kann ich nur betonen: Depression ist eine Krankheit und keine schlechte Laune oder dergleichen. Auch wenn der Satz oft aufmunternd gemeint ist, bedrückt er den Betroffenen meist sehr, weil er sich für seine negativen Gefühle schämt oder sich schuldig fühlt.

3. „Sei froh, dass du nicht richtig krank bist.“

Würdest du das zu einem Krebskranken sagen? Oder zu einem Menschen mit Alzheimer? Vermutlich nicht, oder? Genauso dämlich ist es, diesen Satz zu einem Depressiven zu sagen.

4. „Hast du deine Medikamente nicht genommen?“

Das geht dich erstens nichts an und zweitens, selbst wenn man die Medikamente genommen hat, kann man depressive Symptome haben. Medikamente haben auch ihre Grenzen und zaubern nicht alles weg.

5. „Aber du siehst gar nicht depressiv aus.“

Gerade Depressive verstecken ihre negativen Gefühle oft. Nach außen machen sie ein Pokerface, während es innendrin ganz dunkel aussieht. Außerdem: Nur weil ich Depressionen habe, darf ich jetzt nicht mehr lachen oder was? Wenn ich mir das Bein breche, darf ich doch auch noch lachen, auch wenn ich Schmerzen habe.

6. „Lass dich doch nicht so gehen.“

Allein das Aufstehen am Morgen fällt schwer, wenn man Depressionen hat. Mit Faulheit hat das überhaupt nichts zu tun und mit „Gehenlassen“ auch nicht.

7. „Du hast doch gar keinen Grund, traurig zu sein.“

Erstens braucht man für einen Krankheit keinen Grund und zweitens bedeutet Depression nicht einfach nur Traurigkeit. Es ist viel schlimmer.

8. „Wenn ich traurig bin, hilft mir das und das.“

Ich bin NICHT traurig!!!

9. „Geh doch mal ein bisschen feiern. Dann kommst du auf andere Gedanken.“

Gehst du mit Grippe feiern? Oder mit einer Lungenentzündung? Wohl kaum, oder?

10. „Du bist ständig nur am Jammern. Davon wird doch auch nichts besser.“

Sorry, aber wenn ich mich tatsächlich traue, mit jemandem über meine Gefühle zu sprechen, dann hat das mit jammern überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, es ist eigentlich ein großer Vertrauensbeweis und der erste Schritt zur Besserung.

11. „Treib doch mal mehr Sport/esse gesünder/gehe doch mal an die frische Luft/etc.“

So leicht sind Depressionen nicht zu heilen. Wenn sie das wären, gäbe es nicht so viele Patienten mit dieser Krankheit.

12. „Andere haben viel größere Probleme als du.“

Stimmt. Aber das macht meine Lage auch nicht besser. Im Gegenteil, es führt nur dazu, dass ich mich für meine anscheinend so „kleine Probleme“ schäme und mich schuldig fühle.

Welche Sätze fallen dir noch ein? Hast du schon Erfahrungen mit solchen gutgemeinten Ratschlägen gemacht? Dann lass es mich doch in den Kommentaren wissen. :)


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12 Kommentare zu “12 Sätze, die Depressive nicht hören wollen

  1. Schöne Beispiele!

    Viel Freude hatte ich persönlich bereits mit Sätzen in der Art von: „Du gehst doch schon seit xy Jahren in die Therapie. Bist du bald mal fertig?“

    Gerne im Arbeitsumfeld geäußert, mal mehr durch die Blume, mal weniger. Aber darauf läuft es hinaus.

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Michael,

      danke für deinen Kommentar.

      Oh je, ja das kommt mir auch bekannt vor. Depressionen und andere psychische Krankheiten können sich ziehen, bzw. sind manchmal ja auch chronisch. Einfach schade, auf wie viel Unverständnis man da trifft.

      Liebste Grüße
      Myna

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  2. In einer Tagesklinik richtete ein Großteil der Fragen auf meine „Traurigkeit“. Ich hätte in großen Lettern über die komplette Seite schreiben mögen „ICH BIN NICHT TRAURIG!!!“ Ein Teil meiner Erinnerungen sagt, dass ich es auch getan habe.^^

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Jo,

      danke für deine Kommentare.

      Tut mir leid, dass du dir diese Sätze auch schon hast anhören müssen. Es ist einfach immer wieder schlimm, auf wie viel Unverständnis man stößt.

      Oh je, ja das kann ich verstehen. Gerade eine Klinik müsste eigentlich wissen, dass das mehr ist als nur Traurigkeit.

      Liebste Grüße
      Myna

      Gefällt 1 Person

  3. Ich kann quasi bei jedem dieser Sätze nicken, ja, das hab ich auch schon gehört. Ganz besonders trifft mich immer der Satz Nr. 5. Als ob nur Krankheiten wirklich zählen würden, die einen irgendwie optisch verändern. Gerade wenn man äußerlich fröhlich doch mal ausgeht (und keiner sieht, was das für Vorbereitungen braucht und wie es innerlich dabei aussieht), wird einem sofort abgesprochen, dass man tatsächlich krank ist.
    Mir wurde auch schon quasi als Entschuldigung gesagt, dass ich ja lachen würde und wie immer wäre, da würde man eben nicht wirklich verstehen können, wie es mir geht. Als ob es meine „Pflicht“ wäre, den anderen irgendwie zu beweisen, dass ich „echt“ krank bin.
    Mein persönliches negatives Highlight an Sprüchen war, dass ich einfach nicht so oft daran denken solle. Als würde ich die Krankheit verschlimmern oder herbeireden, wenn ich mich damit beschäftige. Vielmehr ist es eher so, dass die anderen keine Lust haben, daran zu denken und mir diesen Rat geben, weil sie dann genauso ihre Ruhe haben. Bei meiner Vorgesetzten war es definitiv so und die wäre nun genau diejenige, die sich darüber mehr Gedanken machen sollte.

    Da hilft wohl nur Information, Aufmerksamkeit, Aufklärung über diese Krankheit – Danke, dass Du mit diesem tollen Artikel hier einen wertvollen Beitrag leistest!
    LG Gabi

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Gabi,

      danke für deinen Kommentar.

      Oh ja, das kenne ich auch. Als ob man den anderen beweisen müsste, dass man krank ist. Das müssen andere Kranke doch auch nicht. Und wenn man mal lacht, gilt das gleich als Spontanheilung. *rollt mit den Augen* Das nervt echt. Es tut mir so leid, dass du auch solche Erfahrungen machen musstest. Das wünscht man wirklich keinem.

      Nicht daran denken – als ob das irgendwas besser machen würde. *seufz* Ich kann dich gut verstehen, dass dich das geärgert und verletzt hat. Ich habe von meiner ehemaligen Vorgesetzten auch schon alles mögliche zu hören bekommen. Man trifft einfach immer wieder auf Unverständnis. Auch wen man denkt, dass die heutige Gesellschaft eigentlich darüber aufgeklärt sein sollte.

      Liebste Grüße
      Myna

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Myna, einen Großteil dieser Sätze kenne ich nur zu gut! Erstaunlicherweise bekam ich sie immer wieder von meiner Mutter zu hören .. Nun habe ich ihr schon ein Buch besorgt für Angehörige depressiver Menschen, aber sie hat es liegengelassen…. Gerade solche Sätze von Menschen zu hören, die einem so nahe stehen ist für mich sehr hart… Lieben Dank fürs Aufschreiben!

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Sabrina,

      danke für deinen Kommentar. Oh, das ist schade, dass deine Mutter das Buch nicht gelesen hat. Vielleicht kannst du sie ja noch irgendwie überzeugen? Ja, ich kenne das – ich habe mal meinem Opa von meinen Ängsten und Depressionen erzählt und da meinte der, das sei der Teufel, der versucht, mich zu testen oder so ähnlich. Das hat mich damals auch sehr verletzt. Da hatte ich noch tagelang daran zu knabbern.

      Liebste Grüße
      Myna

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  5. Hallo Myna,
    leider begegnen diese Sätze den meisten Menschen viel zu oft. Gerade den letzten finde ich auch richtig schlimm und doch hört man ihn immer wieder, auch mal in der Variante: „Andere haben das ja auch geschafft.“
    Ich habe mich selbst schon dabei ertappt das mal zu jemandem gesagt zu haben, was totaler Blödsinn ist egal ob in Sachen Therapie oder Prüfung oder anderes. Ich bin super selbstkritisch und perfektionistisch und mach mir deshalb ständig einen Kopf um alles. Da helfen solche Sätze einfach gar nicht sondern machen es nur noch schlimmer. „Was wenn ich es dann nicht schaffe? Bin ich dann weniger wert als die anderen?“
    Wirklich traurig, dass Depressionen immer noch so ein Tabuthema sind, mit dem sich viele nicht auseinandersetzen wollen.

    Ein schönes Wochenende für dich und liebe Grüße,
    Meggie

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    • Hallo Meggie,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut.

      Ja, ich habe mich ehrlich gesagt auch schon dabei ertappt, in diese Richtung Sätze zu verwenden. Das rutscht einem einfach auch oft raus, ohne dass man dem Anderen damit wehtun möchte. Mit diesem Artikel wollte ich nochmal dafür sensibilisieren, wie falsch diese Sätze bei Depressiven ankommen können.

      Ja, es erkranken so viele Menschen an einer Depression und trotzdem ist es noch ein Tabuthema, das oftmals unter den Tisch gekehrt wird. Es ist Zeit, dass wir offen über dieses Thema sprechen.

      Liebste Grüße und ein schönes Wochenende
      Myna

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