Myna fragt … Anna Gasthauser

Lange gab es kein Interview mehr auf meinem Blog. Umso mehr freue ich mich deshalb,Autorenfoto Anna Gasthauser (1) dass ich die Autorin Anna Gasthauser interviewen durfte. Mit ihr plauderte ich über düstere Literatur, ihren aktuellen Roman „Godeks Keller“ und das Schreibhandwerk.

Anna Gasthauser, geboren 1980, schreibt für ihr Leben gern düstere, gruselige Geschichten. Ihr Debütroman „Kellerwesen – Die Welt zwischen den Wänden“ erschien 2016. Sie veröffentlichte weitere Romane in Verlagen und im Selfpublishing. Im Frühjahr 2019 publizierte sie ihren Geisterroman „Godeks Keller“. Die Autorin lebt in Potsdam.

Hallo, Anna. Freut mich sehr, dass ich dich heute interviewen darf. Im Mai diesen Jahres kam dein neuer Geisterroman „Godeks Keller“ auf den Markt. Erzähl doch mal ganz kurz und knackig, worum es darin geht.

Hallo, Myna. Natürlich darfst du mich interviewen. Ich freue mich sehr!
Dann lege ich mal los … In meinem neuen Roman geht es um einen jungen Mann namens John Godek. Er lebt zurückgezogen in dem Haus, in welchem sein Vater vor vielen Jahren zahlreiche Morde begangen hat. John hat Einiges mitbekommen und versucht, die Erinnerungen zu verdrängen. Doch dann taucht Ann auf. Sie ist der Geist eines der Opfer, die im Keller den Tod fanden. John und Ann nähern sich an und nach und nach ist John gezwungen, sich seiner dunklen Vergangenheit zu stellen … Wohin das führt und was damals wirklich geschah, erfahrt ihr, wenn ihr »Godeks Keller« lest.

Was hat dich zu diesem Roman inspiriert und wann kam dir die Idee dazu?

Die Idee kam schleichend. :) Zum einen hatte ich Lust, einen Charakter zu erschaffen, dem das Schicksal verdammt übel mitgespielt hat und der kurz davor ist, in all dem Wahnsinn unterzugehen. Zum anderen wollte ich unbedingt eine Geistergeschichte schreiben, die »anders« ist. Dann habe ich beides kombiniert. Die Mischung aus Mystery und dem psychologischen Aspekt hat mich einfach gereizt.

Inspiration ziehe ich aus allen möglichen Dingen … Träume, Musik, Bilder, Filme oder Orte, die ich besucht habe.

Ich weiß, das mag eine schwierige Frage sein – aber hast du eine Lieblingsfigur in „Godeks Keller“, die dir besonders ans Herz gewachsen ist?

Stimmt, das ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Wenn ich mich für eine Figur entscheiden muss, wähle ich John.

Ansonsten würde ich sagen: das Haus. Es gibt ein paar Parallelen zwischen John und dem Haus. Beide sind allein, etwas heruntergekommen, vernachlässigt, aber dennoch beständig. Und beide tragen ein dunkles Geheimnis in ihrem Inneren. Das Haus birgt eine ganz eigene Stimmung, die sich auf John überträgt.

Wenn du deinen Protagonisten John persönlich treffen könntest, was würdest du ihm sagen wollen?

John hat es so verdammt schwer, dass ich irgendwie versuchen würde, ihm beizustehen. Allerdings wüsste ich selbst nicht, mit welchen Worten ich ihm helfen könnte. Vielleicht würde ich ihm den Rat geben, sich an einen Psychologen zu wenden, der ihm hilft, all den Wahnsinn, den er durchgemacht hat, zu verarbeiten. Natürlich würde John ablehnen, weil er keinesfalls vorhat, sich mit gewissen Dingen auseinanderzusetzen. Dafür sorgt dann ja Ann …

godeks keller cover„Godeks Keller“ ist ziemlich düster und schaurig. Was fasziniert dich so am Horrorgenre?

Was mich fasziniert, ist die Stimmung, in die ich versetzt werde. Beim Lesen genauso wie beim Schreiben. Wenn ein Text bei mir Beklommenheit, Herzklopfen und Gänsehaut auslöst und mir ein bisschen das Gefühl gibt, selbst im dunklen Keller oder in der schäbigen Irrenanstalt zu hocken, dann ist das toll :) Das Schaurige mag ich sehr, aber allzu blutiger Horror, z. B. mit sehr brutalen Folterszenen, sind nichts für mich.

Hast du bestimmte Schreibrituale oder brauchst du eine besondere Umgebung, um schreiben zu können?

Zum Schreiben muss ich absolut ungestört sein. Das geht am besten in meiner kleinen Wohnung an meinem Schreibtisch. Ich habe immer Kaffee am Start und im Winter ist meine Heizdecke unverzichtbar.

Manchmal schreibe ich auch im Café, im Park oder im Zug, allerdings bin ich dort schnell abgelenkt und kann mich nicht so gut konzentrieren. Die besten Ideen kommen – wie bei den meisten Kreativen – beim Duschen. Ich überlege schon, mir über der Badewanne eine Tafel anzubringen, um mal eben spontane Einfälle notieren zu können.

Wie viele andere Autor/innen hast auch du einen Brotjob, der rein gar nichts mit dem Schreiben zu tun hat. Wie schaffst du es, trotz des Vollzeitjobs an deinen Büchern zu arbeiten? Hast du bestimmte Tageszeiten oder feste Tage, an denen du schreibst?

Das Einhalten fester Schreibzeiten ist auf jeden Fall etwas, das ich noch lernen muss! Theoretisch hätte ich neben meinem 40-Stunden-Job ausreichend Zeit, um täglich zu schreiben. Trotzdem kann ich mich nach Feierabend oft nicht motivieren. Wenn ich eine Deadline einzuhalten habe, z. B. weil ein Manuskript ins Lektorat muss, dann bin ich extrem ehrgeizig und übertreibe es auch manchmal mit dem Schreiben. Generell schreibe ich lieber abends, weil dann alles ruhig ist und keine Termine mehr anstehen, die mich ablenken. Im Urlaub oder an Wochenenden schreibe ich dann gerne über
den ganzen Tag verteilt und oft bis in die Nacht hinein.

Schreibst du lieber bei totaler Stille oder mit Musik?

Leise Hintergrundgeräusche helfen mir beim Schreiben. Ich mag z.B. Donnergrollen, sanfte Meereswellen oder das Rattern einer Eisenbahn. Musik höre ich sehr gern vor dem Schreiben, um in die passende Stimmung zu kommen.

Bei der Entstehung eines Buches durchläuft man ja verschiedene Etappen. Zuerst geht es an die Ideenfindung und ans Plotten, eventuell Worldbuilding und das Charakterisieren der Figuren, später ans eigentliche Schreiben, danach ans mehrmalige Überarbeiten, usw. Gibt es eine Etappe, die dir besonders viel Spaß macht und/oder eine, die du überhaupt nicht gerne magst?

Wenn eine Idee in meinem Kopf auftaucht, finde ich es extrem spannend, daraus langsam eine Geschichte zu spinnen. Das ist irgendwie magisch! Das Plotten selbst mache ich aber nur grob, was mir beim Schreiben manchmal Probleme einhandelt, wenn ich an einer Stelle des Romans plötzlich nicht weiterkomme.

Ansonsten ist es immer toll, die Rohfassung zu schreiben! Wenn man seine Idee wie eine Besessene zu Papier bringen will und die Finger nur so über die Tastatur fliegen.

Ich muss zugeben, dass ich kaum Zeit in das Worldbuilding und das Charakterisieren der Figuren investiere. Ich mag es überhaupt nicht, mich hinzusetzen, um meinen Schauplatz oder die Figuren zu beschreiben, bevor ich mit dem eigentlichen Schreiben des Romans loslege. Vielleicht skizziere ich mal den Grundriss eines Raumes. Eine Liste mit den Namen meiner Figuren lege ich mir auch parat. Meistens habe ich den Schauplatz schon sehr genau in meinem Kopf und glaube auch, die Figuren zu kennen. Der Rest entwickelt sich beim Schreiben.

Eine meiner größten Schwächen ist das Thema Marketing. Werbung für meine Bücher zu machen, fällt mir oft schwer. Da bin ich sehr zurückhaltend. Aber ich gebe mir Mühe! Schließlich möchte ich mit meinen Geschichten auch Leser erreichen.

Wolltest du schon immer Autorin werden oder hat sich das erst später herauskristallisiert?

Es hat sich erst spät herauskristallisiert, weil ich zuvor einfach gar nicht auf die Idee gekommen bin. Schriftsteller waren für mich als Kind und Jugendliche etwas überhaupt nicht greifbares. Personen, die man nie zu Gesicht bekommt, außer gelegentlich in einer Büchersendung. Dank der sozialen Medien ist das Autorenleben jetzt viel greifbarer. Autoren berichten über ihren Schreib- und Veröffentlichungsprozess, man motiviert sich gegenseitig und lernt vom anderen. Hätte ich all das schon in meiner frühen Jugend »entdeckt«, wäre ich früher darauf gekommen, wie toll es ist, Geschichten zu schreiben und zu veröffentlichen.

Zu guter Letzt: Woran arbeitest du momentan? Möchtest du uns einen kleinen Einblick in deine zukünftigen Projekte geben?

Ich bin gerade dabei, meinen Debütroman »Kellerwesen« neu aufzulegen. Die Geschichte wird sich deutlich vom Ursprungsroman unterscheiden. Ich habe mich in den letzten Jahren im Schreiben weiterentwickelt und möchte einige Dinge nun anders angehen. Zum Beispiel habe ich die Erzählperspektive geändert und einige Figuren und sogar die Handlung. Zudem soll diesmal die Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren im Mittelpunkt stehen und das Zielpublikum ist etwas jünger. Die Geschichte liegt mir sehr am Herzen!
Danach wage ich mich auf unbekanntes Terrain: Ich möchte ich einen Thriller schreiben. Diesmal ist auch kein düsterer Keller der Schauplatz, sondern der Wald.

Vielen Dank für das Interview, liebe Anna. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und viel Erfolg als Autorin.

Ich danke dir! Mir hat es großen Spaß gemacht und ich freue mich weiterhin auf unseren tollen kreativen und anregenden Austausch! Auch dir die allerbesten Wünsche!

Du findest Anna auf Facebook und Instagram.


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2 Kommentare zu “Myna fragt … Anna Gasthauser

  1. Huhu!

    Ich muss gestehen, das ich von dem Buch noch nichts gehört habe, aber dank diesem Interview neugierig geworden bin! Ich mag diese Blogbeiträge, da man etwas von den Autor*innen erfährt und gerne mal, wie jetzt auch, über bislang unbekannte Titel stolpert.

    Mukkelige Grüße!

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    • Huhu Janna,

      freut mich, dass das Interview dich neugierig auf das Buch gemacht hat. Ich liebe es auch, Hintergrundinfos zu Büchern zu bekommen, deswegen interviewe ich Autor/innen auch so gerne. :)

      Liebste Grüße
      Myna

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