Myna fragt … Christina Löw (2) | Blogtour „Ein Kater auf Reisen“

Heyho!

Schön, dass du bei mir vorbeischaust. Heute macht die Blogtour „Ein Kater auf Reisen“ zur Märchenadaption „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ Station auf meinem Blog. Was dich erwartet? Ein spannendes Interview mit der Autorin des Buches: Christina Löw.

ein kater auf reisen

Christina Löw arbeitet als Übersetzerin, Korrektorin, Lektorin, Journalistin, Autorin, Moderatorin, IMG_20190709_202824_724Schreibcoach und Kunstvermittlerin. Mit „Träume voller Schatten“ veröffentlichte sie 2018 ihr Romandebüt im Rahmen der Märchenspinnerei. Vierzehn Monate später erschien ihr zweiter Roman „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ als 17. (eigenständiger) Band der Märchenspinnerei.

Hallo Christina, vielen Dank, dass ich dich im Rahmen der Blogtour noch einmal interviewen darf. Dein Roman „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ ist vor gut zwei Monaten erschienen. Kannst du in ein paar Sätzen zusammenfassen, um was es in dem Buch geht?

Hallo Myna, vielen Dank, dass ich dir erneut ein bisschen was über mein Schreiben erzählen darf. :)

Der Roman ist eine Adaption des Märchens „Der gestiefelte Kater“. Es gibt auch – wie in der Märchenvorlage – drei Geschwister, deren Vater stirbt und der ihnen das Erbe in einer Form hinterlässt, die den Dreien nicht wirklich in den Kram passt – inklusive Kater, der erst später magische Fähigkeiten offenbart. So weit die Ähnlichkeiten zum Original.

Meine Geschichte spielt un unserer Zeit, großteils in Köln, stellenweise in Japan, setzt sich mit kultureller Identität ebenso auseinander wie mit der Frage, was einem wirklich wichtig ist im Leben. Dabei schwingen als Themen auch die Bedeutung von Familie mit, materielle Wünsche im Vergleich zu immateriellen, den Umgang mit Trauer und Verlust – und auch ein Hauch von (lesbischer) Liebe.

Wie ist die Idee zu der Geschichte entstanden? Wie lange bist du damit „schwanger“ gewesen, bevor du sie auf Papier gebracht hast?

Puh, das ist eine gute Frage. :-D

Die Idee, eine Adaption des gestiefelten Katers zu schreiben, habe ich schon länger mit mir herumgetragen. Ich glaube, ich habe darüber nachgedacht, als ich parallel an „Träume voller Schatten“ schrieb. Bis daraus der Plot für „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ wurde, verging aber einige Zeit. Denn vorher gab es eine ganz andere Idee für einen Roman, diverse Ansätze für Kurzgeschichten und auch die Vorgeschichte zu Yukis & Sasukes Geschichte. (Die demnächst auch noch veröffentlicht wird.)

Die Eltern deiner Protagonistin Yuki stammen aus Japan. In der Geschichte lernt man viel über die japanische Kultur und Lebensweise. Wie und wie lange hast du für die Geschichte recherchiert und was fasziniert dich so an Japan, dass du einen Roman über dieses Land schreiben wolltest?

Ehrlich gesagt, habe ich tatsächlich noch recherchiert, als ich schon an einer der letzten Überarbeitungsfassungen des Manuskripts saß. :-D Irgendwie fiel mir immer hier oder da noch ein Detail ein, das ich noch mal ganz genau nachschauen wollte, bei dem ich sichergehen wollte, dass ich das wirklich richtig beschrieben hatte. Und von der Relation zum Buch war es genauso, wie man es sich vorstellt: Ich habe teils Stunden recherchiert, um eine Information zu finden, die dann schließlich nur in einem Nebensatz erwähnt wurde. Klingt vielleicht frustrierend, war aber sehr spannend.

Ach ja, recherchiert habe ich ganz unterschiedlich. Viele Informationen habe ich durch diverse Internetquellen erlangt, für andere habe ich Bücher zu Rate gezogen und für wieder andere habe ich mich mit Menschen unterhalten bzw. geschrieben, die selbst aus Japan stammen oder dort eine längere Zeit verbracht haben.

Meine Motivation, mich in dem Roman näher mit Japan auseinanderzusetzen, kommt aus ganz unterschiedlichen Quellen. So bin ich z. B. durch Museen und Ausstellungen schon recht früh in Kontakt mit japanischer (und generell asiatischer) Kunst gekommen. Die Märchensammlung aus aller Welt meiner Mutter umfasste natürlich auch Geschichten aus diesem Kulturkreis. Ganz banal war ich auch von Kindesbeinen an kulinarisch sehr neugierig auf unterschiedlichste Kulturen, sodass ich auch da bereits einiges aus der japanischen Küche kennengelernt habe. Und übers Studium habe ich schließlich auch immer mehr Menschen mit japanischen Wurzeln kennengelernt.

Die Entscheidung, dem Roman eine japanisch-stämmige Protagonistin zu geben (samt ihrer Familie, natürlich), entstand vor allem daraus, dass mir auffiel, dass ich kaum Bücher von deutschsprachigen Autor*innen kenne, die eben das machen.

Der Kater unterm Korallenbaum_christina-loewWas mir sehr an deinem Buch gefallen hat, war, dass Yuki lesbisch ist. Ich finde, dass viel zu selten über lesbische Charaktere geschrieben wird. Die meisten queeren Liebesgeschichten handeln von schwulen Männern. Wie siehst du das? Und: Wolltest du dem bewusst entgegenwirken?

Ich sehe das genauso wie du. Ich verstehe ehrlich gesagt auch den Hype um Bücher mit schwulen Männern nicht, vor allem, wenn ich immer wieder höre, dass diese noch nicht einmal unbedingt die intendierte Zielgruppe sind …

Ob ich dem also bewusst entgegenwirken wollte, ist eine gute Frage. Unterschwellig vielleicht, bewusst war eher die Entscheidung für eine weibliche Hauptfigur – und dann dafür, dass sie homosexuell ist.

Wie wichtig ist dir Diversität in deinen Geschichten?

Das hängt sehr von der Geschichte ab, muss ich gestehen. Ich mag es z. B. nicht sonderlich, wenn irgendwo eine Figur auftaucht, bei der man schnell merkt, dass sie eigentlich nur im Buch ist, um den „Diversitätsanteil“ zu heben. Lieber greife ich einzelne Aspekte heraus, die mir im Kontext der Geschichte als passend erscheinen. Dadurch wird in meinen Geschichten Diversität wahrscheinlich auch in Zukunft eher „in Maßen“ auftauchen, aber auf jeden Fall weiter präsent sein.

Also: Die Repräsentation von Diversität ist mir durchaus wichtig, aber sei sollte – meiner Meinung nach – in einem Buch so eingesetzt werden, dass die Geschichte ihr gerecht wird.

War dir von Anfang an klar, dass du über eine lesbische Protagonistin schreiben wolltest oder hat sich das erst mit der Figurenentwicklung/Ausarbeitung des Plots ergeben?

Das hat sich erst bei der Ausarbeitung des Plots gezeigt, aber vorher habe ich auch noch nicht über Figuren nachgedacht. Es hat sich in dem Moment ergeben, in dem ich mir die Einzelteile des Originalmärchens angeschaut und überlegt habe, was davon ich wie in meiner Geschichte umsetzen möchte. Dass die Hauptfigur weiblich sein würde, war recht schnell klar – auch um mehr mit der Ausgangsgeschichte zu brechen – und da ich diesmal zumindest teilweise die Liebesgeschichte aus dem Märchen aufgreifen wollte, habe ich auch früh über die sexuelle Orientierung meiner Protagonistin nachgedacht – und mich dabei dann dafür entschieden, dass es am besten passt, wenn sie lesbisch ist, das wiederum aber nicht „an die große Glocke hängt“.

Liest du selbst queere Liebesgeschichten? Wenn ja, gibt es da ein Buch, das dir besonders gut gefallen hat? (Egal, ob lesbische oder schwule Liebesgeschichte.)

Persönlich lese ich generell nicht gerne klassische Liebesromane. Deshalb ist die Liebesgeschichte in „Der Katern unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ auch eher Neben- als Hauptstrang der Handlung. Ich mag aber durchaus gerne Romane, die – neben der Haupthandlung – eine clevere Liebesgeschichte abseits der Norm von „boy meets girl, they fall in love“ haben. Die sexuelle Orientierung ist mir da als Leserin egal, es sollte nur stimmig sein – also vor allem zu den Figuren und im besten Fall auch zur Geschichte passen und sich nicht konstruiert anfühlen.

Da ich in der letzten Zeit eher Romane gelesen habe, die irgendwie ganz ohne Liebesgeschichte ausgekommen sind (ohne dass ich bewusst nach eben solchen Büchern gesucht hätte), stehe ich gerade bei Empfehlungen in der Hinsicht leider auf dem Schlauch. :-/ Aber hättest du vielleicht eine Empfehlung (oder auch mehrere) für mich?

Hm, gute Frage. Ich hätte ein paar Empfehlungen, ja, aber das würde den Rahmen sprengen. Ich denke, das wäre aber eine gute Idee für einen separaten Blogpost in naher Zukunft. ;-)
Wie gehst du bei der Figurenentwicklung vor? Nutzt du Charakterbögen/Biografien oder entwickelst du die Figuren einfach während des Schreibens?

Von allem etwas. :-D Manche meiner Figuren verraten mir recht schnell ihre Lebensgeschichte, anderen muss ich jedes kleine Detail aus der Nase ziehen … und wieder andere lerne ich tatsächlich erst nach und nach beim Schreiben kennen. Das sind teils recht interessante Aha-Momente, die mich ereilen, wenn die Figuren mich durch die Geschichte schleifen.

Wo wir gerade bei Figuren sind: Hast du beim „Kater“ einen Lieblingscharakter, der dir ganz besonders ans Herz gewachsen ist?

Das fällt mir bei „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ gar nicht so leicht, das zu beantworten. Denn da gibt es so viele Figuren, die ihren Teil zur Handlung beitragen und ohne die das Buch nicht funktionieren würde.

Ich mag Protagonistin Yuki mit ihren sehr menschlichen Macken, auch wenn sie eine Weile braucht und stellenweise ein Brett vor dem Kopf zu haben scheint, bis sie merkt, was ihr wirklich wichtig ist. Ich mag ihren Vater, der ihr schon früh das Vertrauen in ihre kreativen Fähigkeiten ermöglicht hat. Ich mag ihren Love Interest, die rückt Yuki in einiger Hinsicht den Kopf gerade und hilft ihr, sie selbst zu sein. Ohne eine gewisse Verwandte, die erst später auftaucht und ihr zeigt, dass so viele Dinge im Leben sich nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig ergänzen können, wäre die Geschichte auch eine ganz andere. Und dann ist da natürlich noch Kater Sasuke, ohne den das alles so gar nicht funktioniert hätte …

Arbeitest du schon an einem neuen Projekt oder gönnst du dir nach der Veröffentlichung deines „Katers“ erst mal eine Pause?

In meinem Kopf schwirren immer diverse Geschichten herum. Und die Schubladen, in denen sich bereits angefangene Konzepte oder teils auch schon ganze Manuskripte, die irgendwann mal überarbeitet werden möchte, befinden, erinnern mich regelmäßig daran, dass ich mich doch mal bitte endlich um sie kümmern soll …

Es gibt aber durchaus Phasen, in denen ich mal etwas weniger schreibe oder plotte oder überarbeite als sonst. ;-)

Liebe Christina, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg weiterhin.

Vielen lieben Dan dir, liebe Myna, für die spannenden Fragen – und natürlich auch für deine guten Wünsche.


IMG_20190707_133846_165Du möchtest dich mit Christina Löw vernetzen? Hier findest du sie online:

Und hier findest du die weiteren Stationen der Blogtour:

08.09.2019 Trimagie
10.09.2019 Drachengeschichten & Nordlichter
12.09.2019 Christina Löw
15.09.2019 Myna Kaltschnee (also hier ^^)
17.09.2019 Kleiner Komet
19.09.2019 Die Buchlilie
22.09.2019 Swapnix Bücherschatztruhe
24.09.2019 Lesen mit Kater
26.09.2019 Bücherhexe
29.09.2019 Drachenleben


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