Myna fragt … Jessica Bradley

Vor Kurzem ging ja die Rezension zu „Nachfrost“ von Jessica Bradley online. Damit du die Autorin und ihr Buch etwas besser kennenlernst, habe ich ich sie für meinen Blog interviewt und sehr interessante Antworten erhalten.

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Foto: Anne Servos

Jessica Bradley wurde 1977 in NRW geboren. Bereits Anfang der 90er Jahre schrieb sie Drehbücher für das Kinder- und Jugendtheater und führte Regie. 
Ebenso schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, sowie einige Kurzgeschichten, die bereits veröffentlicht wurden. 
Sie schreibt zusätzlich Drehbücher für eine Berliner Filmproduktionsfirma und 
arbeitet als Regieassistentin. Sie lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in Bonn.

Hallo Jessica, vielen Dank, dass ich dich heute interviewen darf. Kürzlich erschien dein Romandebüt „Nachtfrost“. Kannst du in wenigen Sätzen zusammenfassen, worum es in deinem Buch geht?

Es geht um die dreizehnjährige Laura und wie sie versucht ihrem Leben zu entfliehen. Sie sucht Anerkennung und Aufmerksamkeit, die sie zu Hause nicht erhält. Ebenso geht es um den Obdachlosen Kalle, der alles verloren hat und am Ende (wie ich finde) die größte Wandlung durchmacht.

Wann kam dir die Idee zu „Nachtfrost“ und was hat dich inspiriert?

Ich habe das Märchen von H.C.A. „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ bereits als Kind geliebt. Erst viel später, fiel mir der sozialkritische Aspekt im Märchen auf. Ich bin eigentlich gelernte Erzieherin und habe einige Zeit in einem Kinderheim gearbeitet. Dort habe ich viele „Lauras“ erlebt; Kinder, ungeliebt von den Eltern, abgeschnitten von der Gesellschaft, einsam.
Zusätzlich hatte ich selbst eine schwierige Kindheit. „Nachtfrost“ ist meine Art gewesen mit gewissen Aspekten in meinem Leben und in meinem Umfeld umzugehen.
Die eigentliche Idee zu „Nachtfrost“ kam mir allerdings viel später. Ein Verlag hatte eine Ausschreibung für eine Märchen Adaption gestartet und um „neu aufgelegte“ Märchen u.a. von H.C.A. gebeten. Natürlich viel mir sofort mein Lieblingsmärchen ein und so entstand innerhalb von 5 Jahren Lauras Geschichte. (Der Verlag hatte die Geschichte nicht genommen, was sich im Nachhinein als Glück herausgestellt hat.)

Waren zuerst die Figuren oder die Handlung da?

Auch wenn ich das Märchen bereits kannte, war es doch Laura selbst, die ihre Geschichte erzählen wollte. Es mag sich komisch anhören, aber so ist es in den meisten Fällen. Die Charaktere tauchen auf und habe ihre eigene Geschichte mitgebracht. Dabei ist es egal ob sie später die Protagonisten, Antagonisten oder Nebencharaktere werden.

Deine Protagonistin Laura ist erst dreizehn Jahre alt. Fandest du es schwierig, dich in so eine junge Figur hineinzuversetzen?

Ehrlich gesagt: Nein. Ich bin ein sehr empathischer Mensch und mir fällt es generell nicht schwer mich in andere Menschen (Wesen) hineinzuversetzen. Allerdings kann es manchmal vorkommen, dass ich auch eine Weile lang außerhalb der Romanwelt mich entsprechend verhalte. Das hat schon zu manchen Lachern innerhalb der Familie geführt.

Stell dir vor, Laura würde dir persönlich begegnen. Was würdest du ihr sagen wollen?

Ich würde sie einfach nur in den Arm nehmen. Denn Aufmerksamkeit und Liebe ist das Einzige, dass Laura möchte.


Wie entwickelst du deine Figuren? Benutzt du z. B. Charakterbögen oder schreibst Biografien?

Ich entwickle meine Figuren nicht oder nur ganz selten. Meist stehen sie fix und fertig vor mir und wollen ihre Geschichte erzählen. Nur bei komplexeren Romanprojekten erstelle ich Charakterbogen. Aber nur um nicht durcheinander zu kommen, wenn es viele verschiedene Figuren gibt. Außerdem kann ich so eine gewisse Diversität bewahren. Wenn ich merke, dass eine Gruppe gehäuft vorkommt, kann es passieren, dass ich Figuren „schiebe“, soll heißen ich nehme sie aus dem Roman und wenn es passt bekommen sie einen Auftritt in einer anderen Geschichte. Das ist nicht immer einfach, denn meine Charaktere sind ebensolche Dickköpfe, wie ich es bin.

Bist du eine Plotterin oder schreibst du einfach drauflos? Wenn du plottest, bevorzugst du eine bestimmte Plotmethode (3-Akt-Struktur, 5-Akt-Struktur, Schneeflockenmethode, Heldenreise, 7-Punkte-System, etc.)?

Ich bin eine Plotterin. Da ich aus dem Drehbuchbereich komme nutze ich gerne die 3-Akt-Struktur. Allerdings nutze ich hin und wieder auch gerne die Heldenreise. Vor allem bei fantastischen Geschichten und Kinderbüchern.

Hast du auch manchmal mit dem inneren Kritiker und/oder Schreibblockaden zu kämpfen? Wenn ja, wie gehst du diese Probleme an?

Oh ja – ständig. Mein innerer Kritiker hat sogar die Stimme von Marcel Reich-Ranicki. Sehr sympathisch, nicht? Und dieser Kritiker kann durchaus auch zu sogenannten Schreibblockaden führen.

Dann hilft nichts, außer eine Pause zu machen. Meist male ich dann zur Entspannung oder schaue SchFaZ – weil wenn Menschen sowas produzieren, dann kann ich ja nicht soo schlecht sein.

Wirst du dieses Jahr am NaNoWriMo teilnehmen bzw. ist der NaNoWriMo überhaupt etwas für dich?

Ich habe tatsächlich an einigen NaNoWriMos teilgenommen. Einmal habe ich ihn geschafft (2013) und zweimal nicht (2015/2018). Ob ich dieses Jahr teilnehme weiß ich noch nicht. Kommt drauf an wie weit ich mit einem bestimmten Projekt bis zum 1.11 komme.

Hörst du zum Schreiben Musik oder brauchst du absolute Stille? Wenn ja, gibt es ein Lied, das du mit „Nachtfrost“ verknüpfst, weil du es beim Schreiben oft gehört hast?

Zu 90% schreibe ich tatsächlich zur Musik. Jedes Projekt hat seine Playlist. Bei „Nachtfrost“ allerdings lief nur ein Song in Dauerschleife: Yiruma – The river flows in you.

Ist der nächste Roman schon in Planung? Willst du uns vielleicht ein bisschen etwas über deine aktuellen Projekte verraten?

Im Moment sind drei Romane und einige filmische Projekte in Arbeit. Zu den filmischen Projekten kann ich im Moment nichts viel sagen. Außer das ich da u.a. mit Tanja Hanika und Ulli Bujard zusammenarbeite. Solltet ihr neugierig sein dann folgt doch dem Hashtag #darklegends.

Bei den Romanen handelt es sich erstens um ein Kinderbuch. Dies soll eine Serie werden im Stil von den Drei ??? nur im Fantasy Bereich. Auch hier arbeite ich im Team. Diese Geschichte wird die einzige sein, die nicht unter meinem Namen veröffentlicht wird. Wir haben uns ein Team- Pseudonym ausgedacht.

Zweitens schreibe ich an einer dreiteiligen Dystopie. Auch hier gibt es starke phantastische Einflüsse, der Hashtag lautet: #Vyrus. (ehemals Die Schwarze Schwalbe)

Und last but not least arbeite ich bereits an einem neuen Drama. In „Sternenhimmel“ geht es auch um ein junges Mädchen. Ruth ist allerdings erst 8 Jahre alt und lebt mit ihrer jüdischen Familie im Deutschland der NS Zeit.

Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg weiterhin.


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Ein Kommentar zu “Myna fragt … Jessica Bradley

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