Vom Stress, Bücher lesen zu müssen

Der heutige Blogbeitrag wird mir sicherlich Kritik einbringen – aber vielleicht auch Verständnis und Zustimmung. Ich möchte an dieser Stelle über etwas schreiben, das mich schon seit mehreren Jahren quält und belastet.

Ich bin, wie ich schon öfter betont habe, eine langsame Leserin. Dementsprechend wenig Bücher lese ich und dementsprechend hoch ist mein SuB. Trotzdem ist mir das Lesen wichtig und seit ich Rezensionen schreibe, lese ich auch deutlich mehr als vorher. Doch  für eine Buchbloggerin lese ich sehr, sehr wenig. Kein Problem? Oh doch, ist es!

Vom Stress, Bücher lesen zu müssen

Bücher haben mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Als Kleinkind habe ich viel vorgelesen bekommen. Ich habe schon damals Geschichten geliebt und gerne eigene Geschichten erfunden. Als ich dann endlich in die erste Klasse kam und lesen lernte, war ich nicht mehr zu stoppen. Ich las ein Buch nach dem anderen und war in meiner lokalen Bücherei ein gern gesehener Gast.

Trotzdem ließ ich mir mit dem Lesen Zeit. Ich brauchte für ein Buch eben so lange, wie ich brauchte. Das war für mich völlig selbstverständlich und ich habe das Lesen genossen, bin ganz in die Geschichten abgetaucht und habe mit den Figuren gelacht und geweint.

Es gab immer wieder Zeiten in meinem Leben, in denen ich weniger gelesen habe, aber Bücher waren stets ein wichtiger Begleiter für mich. Ich bin ein Mensch mit sehr vielen Hobbys, Interessen und Leidenschaften. Dementsprechend muss ich mir auch meine freie Zeit einteilen. Bevor ich mit dem Bloggen angefangen habe, war das auch kein Problem.

Dann startete ich diesen Blog hier – und das Lesen wurde zu einer Art Wettbewerb. Ich stellte schnell fest, dass andere Buchblogger weitaus mehr als ich lasen, manchmal zweistellige Anzahlen im Monat. Sie setzten sich hohe Ziele bei der GoodReads-Lesechallenge, brachten wöchentlich mehrere Rezensionen raus und schienen das Lesen dennoch zu genießen.

Zuerst wollte ich mich davon nicht unterkriegen lassen. Ich las einfach so weiter wie bisher. Aber bald kam der Drang, schneller lesen zu müssen. Ich schämte mich, wenn ich bei „Gemeinsam Lesen“ mehrere Wochen dasselbe Buch nennen musste. Ich setzte mir Ziele, die ich nicht erreichte. Ja, ich beobachtete mich sogar dabei, wie ich immer wieder beim Lesen auf die Seitenzahl schielte, nur um zu checken, wie viel ich an diesem Tag gelesen hatte.

Ich konnte das Lesen nicht mehr genießen. Es setzte mich unter Druck, schnell so viele Bücher wie möglich zu schaffen. Anstatt Stress abzubauen, wozu das Lesen eigentlich gedacht ist, baute ich damit Stress auf. Dann, am Monatsende kam jedes Mal die große Enttäuschung, wenn ich wieder nur eine Handvoll Bücher geschafft hatte.

Ich hatte mir für 2019 vorgenommen, fünfzig Bücher zu lesen. Das heißt, ich hätte ungefähr vier Bücher im Monat lesen müssen, um das Ziel zu erreichen. Dabei schaffe ich höchstens zwei bis drei Bücher. Alles darüberhinaus ist außergewöhnlich.

Ich bin gerade 14 Bücher im Rückstand und ja, das stresst und ärgert mich. Ich werde meinen Ansprüchen nicht gerecht, so sehr ich es mir auch wünsche. Ich werde nie eine „Vielleserin“ sein. Ich bin enttäuscht von mir selbst.

Anstatt mich auf eine Geschichte einzulassen, „arbeite ich Bücher ab“ und versuche, so schnell wie möglich vorwärts zu kommen, meinen SuB möglichst zu verkleinern. Und wenn es nicht klappt, bin ich total niedergeschlagen.

Deshalb habe ich mir gedacht, ich mache an dieser Stelle einen Cut. Ich lasse mich nicht mehr unter Druck setzen. Ich will wieder Freude am Lesen haben. Und dabei ist es mir – entschuldigt den Begriff – scheißegal, ob ich mit anderen Buchbloggern mithalten kann oder nicht.

Ich werde mir im nächsten Jahr bewusst ein niedriges Ziel bei GoodReads setzen, damit ich mich nicht mehr so stresse. Auf das Gelaber anderer Leser/innen lege keinen Wert mehr, wenn sie mir dumme Sprüche drücken. Das Lesen ist ein Hobby und keine Olympiadisziplin. Und wenn ich an einem Buch eben drei Monate lese, dann ist das so. Man muss öfter mal „Scheiß drauf!“ denken. Sonst kriegt man irgendwann ein Magengeschwür oder Reizdarmsyndrom.

Ich werde auch Rubriken auf meinem Blog ändern oder vielleicht auch ganz weglassen, die mich zusätzlich stressen. Da wäre zum Beispiel die monatliche Lesestatistik. Dieses Jahr werde ich sie noch so belassen, wie sie ist, aber für 2020 mag ich mir etwas einfallen lassen, das mich weniger unter Druck setzt. Ich überlege auch, bei der Aktion „Mein SuB kommt zu Wort“ nächstes Jahr vielleicht nicht mehr mitzumachen, da mir dabei meine „Misserfolge“ ähnlich bewusst werden, wie bei der Lesestatistik. Dasselbe gilt für „Geimeinsam Lesen“, vielleicht mache ich da nur noch alle zwei Wochen mit. Ich hänge irgendwie an all den Aktionen, aber sie tun mir nicht gut.

Vielleicht muss ich auch einfach nur meinen Blick auf die Dinge ändern. Auf jeden Fall werde ich mir in den übrigen Monaten von 2019 darüber Gedanken machen, wie ich das Lesen wieder als Stressabbau anstatt -aufbau nutzen kann.


Achtung!

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19 Kommentare zu “Vom Stress, Bücher lesen zu müssen

  1. „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“, wusste schon Kierkegaard und hatte damit vor allem vollumfänglich recht! Zumal Vergleiche dieser Art immer hinken, weiß ich doch nicht, wie viel Zeit dieser Person, die da gerade wieder einen dieser „Seht-her-ich-habe-im-September-23-Bücher-gelesen“-Artikel veröffentlicht hat, im Gegensatz zu mir überhaupt zur Verfügung steht.

    Lesen sollte, das hast Du ganz richtig geschrieben, kein Wettbewerb sein. Nur leider ist heutzutage in der Gesellschaft schon viel zu viel auf Wettbewerb ausgelegt, und das macht wohl auch vor der Literatur nicht halt. Wer Lesen als eine Art Sport begreift, als eine Art literarischen Fresswettbewerb am All-you-can-read-Buffet, bei dem es primär darum geht, mehr zu schaffen als andere, hat meines Erachtens den Sinn von Literatur nicht erfasst.

    Daher sehe ich das eher anders herum: Wie schade ist es, wenn Menschen nur so durch Bücher rasen, dabei aller Voraussicht nach Handlungselemente, mit SIcherheit aber stilistische Elemente und vieles andere, schlicht übersehen bzw. überlesen, sich keine Zeit mehr nehmen, das Gelesene auch sacken zu lassen und zu reflektieren, wenn sie sich doch genausogut die Zeit nehmen könnten!?

    Insofern ist Entspannung und der Entschluss, sich nicht mehr stressen zu lassen, das einzig Richtige, ebenso, wie sich von eher statistikorientierten Rubriken zu lösen.

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    • Hallo fraggle,

      vielen Dank für deine Worte.

      Das Zitat ist so wahr, genau deshalb mag ich an diesem „Lesewettbewerb“, der unter Buchbloggern zu herrschen scheint, nicht mehr teilnehmen. Ich möchte das Lesen wieder genießen können, auch wenn das heißt, dass ich meinen SuB eben nicht mehr abbaue und im Jahr nur 30 Bücher lese anstatt 50 oder 100.

      Du hast recht, in viel zu vielen Bereichen des Lebens herrscht ein Wettbewerbsdenken. Da sollte dieses nicht auch noch die Hobbys betreffen. Zumal ich eben neben dem Lesen auch noch viele andere Interessen habe, die ich ebenfalls nicht vernachlässigen will.

      Danke nochmals für deinen Kommentar.

      Liebste Grüße
      Myna

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  2. Hallo Myna,

    genau – nimm den Druck raus und entspann Dich beim Lesen. Weniger Rezensionsexemplare, weniger Challenges und dann läuft das. Du liest für Dich, nicht für die Anderen. Und wenn jemand 15 Bücher im Monat liest und Du nur 2, dann ist das so. Ich habe in den ersten Jahren meiner Bloggerzeit auch sehr viel gelesen (aber immer noch wenig im Vergleich zu den Viel-Lesern). Dann kam eine Zeit, in der ich einfach nicht so viel lesen wollte und konnte, andere Dinge rückten in den Vordergrund. Das ist das Leben!!

    Ich habe keine Challenges mehr am Start, ich lese wann und wo ich will, ich nehme Rezensionsexemplare an und auch mal nicht …. Lesen ist ein Hobby, kein Job.

    Liebe Grüße
    Babsi

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    • Hallo liebe Babsi,

      da gebe ich dir absolut recht. Vielen Dank für deine lieben Worte.

      Ja, ich werde mir echt überlegen, wie ich das in Zukunft handhaben werde. Ich mag diesen „Wettbewerb“ nicht mehr mitmachen. Deshalb werde ich auch weniger Statistiken und so posten, auch wenn mir das immer Spaß gemacht hat (ich liebe Statistiken), aber wenn man dadurch nur mit seinen „Misserfolgen“ konfrontiert wird, macht das keinen großen Sinn. Wenn du verstehst, was ich meine.

      Liebste Grüße
      Myna

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      • Das ist toll. :) Ich werde nur noch für mich selbst Lesestatistiken führen, um ein bisschen den Überblick über meine gelesenen Bücher zu behalten. Das ist zum Beispiel ganz praktisch, wenn ich am Jahresende meine Lesehighlights vorstellen will. Dann greife ich ganz gerne auf meine private Lesestatistik zurück.

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      • Da ich ja aktuell nicht ganz so viel lese, halten sich auch die Rezensionen in Grenzen. Ich würde dann z. B. am Ende des Jahres meine Rezensionen zählen und auswerten. :-) Eine extra Statistik brauche ich nicht, ich bin aber auch nicht so der Mensch, der gerne Statistiken führt.

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      • Na, ich liebe Statistiken eigentlich. Aber nur für mich selbst, nicht, um mich mit anderen zu vergleichen. Meine Statistiken sollen nur dem Überblick dienen, nicht dem Wettbewerb.

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  3. Pingback: Gemeinsam Lesen KW44/2019 | Lieblingsverlag? | Myna Kaltschnee

  4. Hey Myna,

    Es macht mich ein bisschen traurig zu lesen, dass das Lesen für dich so in Stress ausgeartet ist, aber ich kann dich auch ein bisschen verstehen. Auch ich vergleiche mich mit anderen und auch für mich sind eher so 2 – 3 Bücher realistisch als 7 oder 8 wie bei vielen anderen. Ich frag mich da auch immer wie die das machen oder wenn die auf instagram teilen, dass sie mal wieder ein Buch an eine Tag gelesen haben und wie gut ihnen das tat. Ich habe dennoch eine gute Balance gefunden, so dass ich zwar durchaus mal drüber nachdenke, das andere viel mehr lesen, ich mich dadurch aber dennoch nicht so unter Druck setzen lasse.
    Hat dir deswegen echt schon jemand Sprüche gedrückt? Da würde ich nun wirklich nicht so viel drauf geben. Und auch bei Gemeinsam Lesen finde ich es nicht schlimm, wenn es mehrere Wochen das gleiche Buch ist. Das kommt bei mir auch vor und meist hat man eine Woche später ja dennoch ein bisschen was Neues zu einem Buch zu sagen.
    Ich hoffe, du findest in den nächsten Wochen und Monaten zu deiner Lesefreude in deinem Lesetempo zurück. Solange es Freude macht, ist es doch egal, ob man nun 10 oder 100 Bücher im Jahr liest.

    LG, Moni

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    • Hallo Moni,

      ja, mich macht es – ganz ehrlich – auch traurig. Deswegen war es für mich wichtig, da jetzt die Bremse reinzuhauen und einen Schlussstrich zu ziehen. Ich muss das ändern. Ich darf mir nicht mehr solch einen Stress geben. Das tut mir nicht gut und verdirbt mir die Freude am Lesen. Und wenn das bedeutet, dass ich bei Aktionen nicht oder nur noch eingeschränkt mitmache usw. dann ist das eben so. Und ja, ich habe mir wirklich schon dumme Sprüche anhören müssen. Das hat mich total geärgert. Denn eigentlich kann es anderen egal sein, wie viel ich lese. Das Lesen ist schließlich kein Wettbewerb. Zumindest nicht (mehr) für mich.

      Danke jedenfalls für deine lieben Worte und deinen Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut.

      Liebe Grüße
      Myna

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  5. Pingback: Monatsrückblick | Oktober 2019 | Myna Kaltschnee

  6. Ich glaube wir hatten schon mal darüber geschrieben – ich bin auch eine echt langsame Leserin. Mir ging es am Anfang meines Buchbloglebens genauso wie dir. Ich war recht erschrocken, wie schnell manche lesen. Manche lesen ja wirklich nur zwei Tage an einem Buch. Das habe ich noch nie geschafft.
    Ich hab am Anfang auch versucht schneller zu lesen – aber es klappt nicht. Dann hab ich auch irgendwann einfach abgeschaltet – sollen die anderen Lesen so schnell wie sie können. Ich schaffe es nicht. Aber das ist egal – ich hab trotzdem Spass an meinen Büchern und das ist mir das wichtigste. Aber, komische Kommentare hab ich dazu noch nicht bekommen.
    Mein SuB kommt zum Wort empfinde ich jetzt nicht als Druck – ich mag den Austausch mit den anderen Blogs – so musst du das sehen. Nicht als Druck abzubauen…deswegen mache ich auch keine SuB-Abbau-Challenges mit – das schaffe ich eh nicht.
    Es soll wirklich kein Druck entstehen, beim Bloggen – aber ich kenne das und kann auch deine Entscheidungen verstehen, einzustellen, was dich stresst.

    Wenn ich meine jährlichen Rückblicke betrachte, ist mein Lesefluss auch stark zurück gegangen – und wenn schon – ist halt so. Ich lese nicht um irgendwo mit zu halten – ich lese weil ich Bücher liebe.

    Nimm den Druck raus und orientiere dich neu. Das ist das Beste was du machen kannst.

    Einen schönen Sonntag.

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    • Hallo liebe Rina,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Ja, ich glaube, bei irgendeiner Aktion wurde das Thema schon mal angeschnitten. Es erleichtert mich, dass es dir ähnlich geht wie mir und du trotzdem einen Weg gefunden hast, dem Druck und Stress zu entgehen. Das möchte ich unbedingt auch schaffen.

      Bei „Mein SuB kommt zu Wort“ ist es vor allem die vierte Frage, die mich stört – man soll da ja ein Buch zu einem bestimmten Thema lesen und ich hinke da bereits drei Bücher hinterher. Das setzt mich ziemlich unter Druck, auch wenn ich es nicht zulassen möchte. Ich werde mal schauen, ob ich nächstes Jahr noch mitmache. Bei „Gemeinsam Lesen“ werde ich es vermutlich auf 14-tägig beschränken, damit ich nicht zu viele Beiträge zu den selben Büchern habe. Es wurden mir deshalb nämlich wirklich schon dumme Sprüche gedrückt.

      Ja, ich werde einen Weg finden, wie ich das Lesen wieder genießen, aber trotzdem weiterhin über Bücher bloggen kann. :)

      Einen guten Start in die neue Woche!
      Myna

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      • Ich bin sprachlos, dass man dir da echt Sprüche reingedrückt hat – ich hab das schon von anderen gelesen – hauptsächlich muss es wohl bei Instagram schlimm sein – aber auf dem Blog noch nicht. Hm …unmöglich.
        Ja, die 4. Frage ist ja jetzt neu umgestellt – aber da solltest du dir nicht so viel Stress machen – schau mal bei Corly rein – die nennt auch immer welche und liest, wenn sie es will und nicht weil sie sie genannt hat.
        Aber mach ruhig mal eine Pause – es soll ja Spass machen, diese Aktionen – sonst ist das nichts

        Dir auch einen guten Start in die neue Woche
        Grüsse

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      • Ja, das hat mich auch sehr geärgert. Dabei war’s von den meisten Leuten wahrscheinlich gar nicht böse gemeint und/oder sie haben sich nichts dabei gedacht, aber mich hat es eben trotzdem getroffen.

        Ich schau mal, vielleicht mache ich auch weiterhin mit, eigentlich gefällt mir die Aktion ja. Aber wenn ich dann auf anderen Blogs lese, dass sie jedes Buch der 4. Frage innerhalb des Monats gelesen haben und ich im Oktober immer noch beim August-Buch bin, dann ist das schon irgendwie ein bisschen … wie soll ich sagen … frustrierend? Mal gucken. Bei Corly werde ich aber mal vorbeischauen, danke für den Tipp.

        Liebe Grüße
        Myna

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