Myna Kaltschnee

Vom Stress, Bücher lesen zu müssen

Der heutige Blogbeitrag wird mir sicherlich Kritik einbringen – aber vielleicht auch Verständnis und Zustimmung. Ich möchte an dieser Stelle über etwas schreiben, das mich schon seit mehreren Jahren quält und belastet.

Ich bin, wie ich schon öfter betont habe, eine langsame Leserin. Dementsprechend wenig Bücher lese ich und dementsprechend hoch ist mein SuB. Trotzdem ist mir das Lesen wichtig und seit ich Rezensionen schreibe, lese ich auch deutlich mehr als vorher. Doch  für eine Buchbloggerin lese ich sehr, sehr wenig. Kein Problem? Oh doch, ist es!

Bücher haben mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Als Kleinkind habe ich viel vorgelesen bekommen. Ich habe schon damals Geschichten geliebt und gerne eigene Geschichten erfunden. Als ich dann endlich in die erste Klasse kam und lesen lernte, war ich nicht mehr zu stoppen. Ich las ein Buch nach dem anderen und war in meiner lokalen Bücherei ein gern gesehener Gast.

Trotzdem ließ ich mir mit dem Lesen Zeit. Ich brauchte für ein Buch eben so lange, wie ich brauchte. Das war für mich völlig selbstverständlich und ich habe das Lesen genossen, bin ganz in die Geschichten abgetaucht und habe mit den Figuren gelacht und geweint.

Es gab immer wieder Zeiten in meinem Leben, in denen ich weniger gelesen habe, aber Bücher waren stets ein wichtiger Begleiter für mich. Ich bin ein Mensch mit sehr vielen Hobbys, Interessen und Leidenschaften. Dementsprechend muss ich mir auch meine freie Zeit einteilen. Bevor ich mit dem Bloggen angefangen habe, war das auch kein Problem.

Dann startete ich diesen Blog hier – und das Lesen wurde zu einer Art Wettbewerb. Ich stellte schnell fest, dass andere Buchblogger weitaus mehr als ich lasen, manchmal zweistellige Anzahlen im Monat. Sie setzten sich hohe Ziele bei der GoodReads-Lesechallenge, brachten wöchentlich mehrere Rezensionen raus und schienen das Lesen dennoch zu genießen.

Zuerst wollte ich mich davon nicht unterkriegen lassen. Ich las einfach so weiter wie bisher. Aber bald kam der Drang, schneller lesen zu müssen. Ich schämte mich, wenn ich bei “Gemeinsam Lesen” mehrere Wochen dasselbe Buch nennen musste. Ich setzte mir Ziele, die ich nicht erreichte. Ja, ich beobachtete mich sogar dabei, wie ich immer wieder beim Lesen auf die Seitenzahl schielte, nur um zu checken, wie viel ich an diesem Tag gelesen hatte.

Ich konnte das Lesen nicht mehr genießen. Es setzte mich unter Druck, schnell so viele Bücher wie möglich zu schaffen. Anstatt Stress abzubauen, wozu das Lesen eigentlich gedacht ist, baute ich damit Stress auf. Dann, am Monatsende kam jedes Mal die große Enttäuschung, wenn ich wieder nur eine Handvoll Bücher geschafft hatte.

Ich hatte mir für 2019 vorgenommen, fünfzig Bücher zu lesen. Das heißt, ich hätte ungefähr vier Bücher im Monat lesen müssen, um das Ziel zu erreichen. Dabei schaffe ich höchstens zwei bis drei Bücher. Alles darüberhinaus ist außergewöhnlich.

Ich bin gerade 14 Bücher im Rückstand und ja, das stresst und ärgert mich. Ich werde meinen Ansprüchen nicht gerecht, so sehr ich es mir auch wünsche. Ich werde nie eine “Vielleserin” sein. Ich bin enttäuscht von mir selbst.

Anstatt mich auf eine Geschichte einzulassen, “arbeite ich Bücher ab” und versuche, so schnell wie möglich vorwärts zu kommen, meinen SuB möglichst zu verkleinern. Und wenn es nicht klappt, bin ich total niedergeschlagen.

Deshalb habe ich mir gedacht, ich mache an dieser Stelle einen Cut. Ich lasse mich nicht mehr unter Druck setzen. Ich will wieder Freude am Lesen haben. Und dabei ist es mir – entschuldigt den Begriff – scheißegal, ob ich mit anderen Buchbloggern mithalten kann oder nicht.

Ich werde mir im nächsten Jahr bewusst ein niedriges Ziel bei GoodReads setzen, damit ich mich nicht mehr so stresse. Auf das Gelaber anderer Leser/innen lege keinen Wert mehr, wenn sie mir dumme Sprüche drücken. Das Lesen ist ein Hobby und keine Olympiadisziplin. Und wenn ich an einem Buch eben drei Monate lese, dann ist das so. Man muss öfter mal “Scheiß drauf!” denken. Sonst kriegt man irgendwann ein Magengeschwür oder Reizdarmsyndrom.

Ich werde auch Rubriken auf meinem Blog ändern oder vielleicht auch ganz weglassen, die mich zusätzlich stressen. Da wäre zum Beispiel die monatliche Lesestatistik. Dieses Jahr werde ich sie noch so belassen, wie sie ist, aber für 2020 mag ich mir etwas einfallen lassen, das mich weniger unter Druck setzt. Ich überlege auch, bei der Aktion “Mein SuB kommt zu Wort” nächstes Jahr vielleicht nicht mehr mitzumachen, da mir dabei meine “Misserfolge” ähnlich bewusst werden, wie bei der Lesestatistik. Dasselbe gilt für “Geimeinsam Lesen”, vielleicht mache ich da nur noch alle zwei Wochen mit. Ich hänge irgendwie an all den Aktionen, aber sie tun mir nicht gut.

Vielleicht muss ich auch einfach nur meinen Blick auf die Dinge ändern. Auf jeden Fall werde ich mir in den übrigen Monaten von 2019 darüber Gedanken machen, wie ich das Lesen wieder als Stressabbau anstatt -aufbau nutzen kann.


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