Mein Brief an … Astrid Lindgren

Ich habe mir mal wieder etwas Neues einfallen lassen. Mit meiner Artikelreihe „Mein Brief an …“ möchte ich berühmten Persönlichkeiten, egal ob sie noch unter uns weilen oder nicht, einen offenen Brief schreiben. Ich habe sowas noch nie zuvor gemacht, aber ich bin völlig aufgeregt, das auszuprobieren. Ich hoffe, du hast beim Lesen der Briefe so viel Spaß wie ich beim Verfassen. Du findest die Briefe dann zukünftig unter dem Menüpunkt „Leben/Mein Brief an …“

Heute geht’s los mit Astrid Lindgren. Lasst mir eure Gedanken zum Brief gerne in den Kommentaren da, ich antworte auch ganz bestimmt.

Mein Brief an

Liebe Astrid Lindgren,

ich schreibe Ihnen einen Brief, weil ich das schon immer mal tun wollte. Eigentlich hätte ich ihn schon vor vielen, vielen Jahren schreiben müssen, aber damals habe ich mich nicht getraut. Außerdem hatte ich Ihre Adresse nicht und das Internet war in unserer Kleinstadt auf dem Land noch nicht verlegt. Deshalb kommt der Brief etwas spät – aber ich hoffe, wo auch immer Sie jetzt sind, Sie können ihn trotzdem lesen und freuen sich darüber. Denn schließlich ist bald Weihnachten und zu Weihnachten freut sich doch jeder über Post.

Ich muss Ihnen etwas gestehen: Als Erstklässlerin mochte ich Pippi Langstrumpf gar nicht so sehr. Wissen Sie, ich war ein sehr, sehr ängstliches Kind. Ich war SO dermaßen ängstlich, dass ich sogar bei den Pippi-Langstrumpf-Verfilmungen Angst bekommen habe, wenn die Räuber auftauchten oder Pippi den dunklen Keller erforschte. Ich weiß, bei Pippi passieren keine schlimmen Sachen. Aber es hat ausgereicht, dass sich die 6-jährige Myna in die Hosen gemacht hat. Ich muss ganz ehrlich sagen, es hat einige Zeit gedauert, bis ich wirklich mit dem Pippi-Fieber angesteckt wurde. Ich war da bestimmt schon neun oder zehn. Also, fast schon ein großes Kind. Fast!

Als ich noch richtig klein war, waren mir Ihre sanfteren Helden, wie Die Kinder von Bullerbü oder Madita und Pims, lieber. Da konnte ich mitfühlen und hatte keine Angst. Pippi war mir wohl ein bisschen zu wild und auch bei Michel aus Lönneberga hat es ein bisschen gedauert, bis ich etwas mit den Geschichten anfangen konnte. Aber wissen Sie, das ist ja nicht Ihre Schuld. Ich war einfach ein Angsthase (und das bin ich heute noch).

Sie glauben mir das jetzt vielleicht nicht, wenn ich das sage, aber ich denke, Sie haben in der kleinen Myna den Wunsch geweckt, selbst Geschichten zu erzählen. Sie hat sich schon ganz früh gewünscht, Autorin zu werden, so wie die große Astrid Lindgren, und dieser Wunsch hat sich durch ihre ganze Kinder- und Jugendzeit gezogen. Und jetzt ist sie erwachsen und träumt immer noch davon. Wird langsam Zeit, dass sie es in die Tat umsetzt, oder?

Jedenfalls wollte ich Ihnen mit diesem Brief danken. Danke für die Geschichten, die meine Kindheit verzaubert haben. Danke, für die Inspiration und die Glückseligkeit, die ich verspüre, wenn ich versuche, Sie nachzumachen und Geschichten erzähle.

Im Übrigen,  schreibe ich (teilweise) Texte, mit denen ich meine Leser/innen in Angst und Schrecken versetze – schon verrückt, was aus dem kleinen, ängstlichen Kind geworden ist,  nicht wahr? Das hätte doch keiner gedacht! Und inzwischen schaue ich auch Pippi und Michel ohne mich dabei einzunässen. Überrascht Sie nicht, oder? Wäre ja auch lächerlich!

Eigentlich war es schon damals lächerlich, aber ich bin mir sicher, dass Sie das nicht so gesagt hätten. Sie hätten die kleine Myna in den Arm genommen und gesagt: „Hab keine Angst! Schau mal, was Pippi mit den Räubern macht!“ Und dann hätte die kleine Myna geguckt und festgestellt, dass Pippi es wirklich drauf hat. Dann hätte die kleine Myna gelacht und alle Angst wäre wie weggeblasen gewesen. Das hätten Sie doch getan, nicht wahr?

Auch dafür möchte ich Ihnen danken. Denn ich glaube, Sie haben Kinder verstanden, wie nur wenige Erwachsene auf diesem Planeten. Dafür sind und bleiben Sie meine Heldin.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, da, wo Sie jetzt sind. Wir auf der Erde vermissen Sie, aber ich bin sicher, dass sie an jenem anderen Ort jetzt die Kinder unterhalten. Und das tröstet ungemein.

Herzliche Grüße

Ihre Myna


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6 Kommentare zu “Mein Brief an … Astrid Lindgren

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