Bücher abbrechen – ja oder nein?

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das ich schon öfter angesprochen habe, aber dem ich noch nie einen ausführlichen Blogpost gewidmet habe, wenn ich mich recht entsinne. Es geht darum, Bücher abzubrechen. Tust du es oder tust du es nicht?

Ich tue es normalerweise nicht. Warum nicht? Berechtigte Frage! Das versuche ich dir im Folgenden zu erklären.

Bücher abbrechen

Ich habe genaugenommen mehrere Gründe, warum ich Bücher nur in äußerst seltenen Fällen abbreche. Und ich möchte mich damit auch gar nicht rechtfertigen. Ich weiß, dass es durchaus Sinn macht, Bücher, die einem nicht zusagen, abzubrechen. Doch ich kann es irgendwie nicht.

1. Abbrechen ist Geldverschwendung

Der erste Grund, warum ich Bücher nur sehr ungern abbreche, ist, dass ich ja meistens Geld für das Buch ausgegeben habe. Es abzubrechen würde bedeuten, dass ich das investierte Geld zum Fenster hinausgeworfen habe. Ich weiß, dieses Argument lässt sich widerlegen: Ich könnte das Buch ja einem Bücherschrank oder einer lokalen Bibliothek spenden oder einfach verschenken. Aber trotzdem wäre das Geld rausgeschmissen gewesen. Mhm. Das ist jedenfalls mein Gefühl dabei …

Du magst jetzt vielleicht einwenden, dass dieses Argument bei geschenkten Büchern oder Rezensionsexemplaren ja nicht zutrifft. Aber die anderen Gründe tun es.

2. Abbrechen ermöglicht mir keine umfassende Meinung

Ich schreibe zu so ziemlich jedem Roman, den ich gelesen habe, auch eine Rezension. Ich kann mir aber keine allumfassende Meinung bilden, wenn ich das Buch abgebrochen habe. Ich möchte das Buch mindestens einmal von vorne bis hinten durchgelesen habe, damit ich auch wirklich 100%ig sagen kann: Das Buch hat mir nicht gefallen (oder eben doch, weil es gegen Ende besser geworden ist. Mehr dazu im folgenden Grund.)

Gerade bei Rezensionsexemplaren fühle ich mich dem/der Autor/in oder Verlag gegenüber verpflichtet, das Buch auch wirklich zu lesen und meine ehrliche Meinung darüber zu machen, denn schließlich hat er/sie mir das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt.

3. Abbrechen begräbt jede Hoffnung

Ich habe ständig noch die Hoffnung, dass das Buch doch noch besser werden könnte. Vielleicht hat es ja eine brillante zweite Hälfte oder das Ende haut mich völlig um. Das kann ich aber nur erfahren, wenn ich das Buch auch zu Ende lese.

4. Abbrechen ist nicht fair dem/der Autor/in gegenüber

Ich schreibe ja selbst und weiß daher, wie viel Herzblut ein/e Autor/in in sein/ihr Buch steckt. Ich fühle ich immer schuldig und unfair, wenn ich darüber nachdenke, ein Buch abzubrechen. Das würde ja bedeuten, dass ich dem/der Autor/in keine Chance gebe. Und jedes Buch hat eine Chance verdient.

5. Abbrechen bedeutet, ich habe das Buch nicht gelesen

Und ich möchte nach Möglichkeit jedes Buch in meinem Regal gelesen haben. Es abzubrechen hieße, dass ich es nicht gelesen habe und das widerspricht meinem Perfektionismus. Ja, ich weiß, das ist eine sehr eigenartige Denkweise, aber ich bring’s nun mal nicht übers Herz.

In diesem Fall breche ich ab

Ausnahmen bilden Bücher, die ich geliehen habe und zurückgeben muss. Wenn mir da ein Buch nicht gefällt, breche ich es ab. Auch wenn es mir wehtut. Da ich bei Büchern, die mir nicht gefallen, öfters mal eine Lesepause einlege und später weiterlese, brauche ich für diese Bücher auch entsprechend lang zum Lesen. Das ist mit geliehenen Büchern einfach nicht möglich. Da ich aber selten Bücher leihe, kommt das auch äußerst selten vor.

So, nun kennst du meine Gründe, warum ich es einfach nicht übers Herz bringe, Bücher abzubrechen. Ich weiß, es gibt tausend Gründe für das Abbrechen und die sind mir auch bewusst und leuchten mir durchaus ein, aber ich bin einfach ein Gefühlsmensch und habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein Buch abbreche. Glücklicherweise kommt es aber eher selten vor, dass mir ein Buch wirklich nicht gefällt. Würde es öfter vorkommen, wäre ich vielleicht auch konsequenter mit dem Abbrechen.

Brichst du Bücher ab? Welche Gründe sprechen deiner Meinung nach dafür oder dagegen?


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22 Kommentare zu “Bücher abbrechen – ja oder nein?

  1. Mir geht es da fast so wie Dir. Rezensionsexemplare breche ich grundsätzlich nicht ab, aus Respekt vor der Arbeit des Autors und, weil ich dazu eine Rezension schreiben „muss“. Ok, bei Büchern die mir nicht gefallen, fällt dann die Rezension schlechter aus, aber auch das ist nur ehrlich.

    Es ist mir auch schon so gegangen, dass ein Buch mich zum Schluss hin dann doch noch begeistert hat. Allerdings kam das noch nicht sehr oft vor.

    Bücher wirklich abbrechen tue ich nur dann, wenn es sich um ein eigenes Buch handelt. In der Regel greife ich beim Kauf nicht so daneben, dass mir ein Buch dann gar nicht gefällt, aber bei geschenkten/gewonnenen Büchern, breche ich mittlerweile ab. Dafür ist mir dann die Zeit zu schade.

    LG Babsi

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Babsi,

      es tut mir schrecklich leid, dass ich auf deinen Kommentar erst jetzt antworte, aber aus irgendeinem Grund ist er im Spamordner gelandet und ich habe ihn ganz übersehen. :(

      Ich finde es cool, dass du da genauso vorgehst, wie ich. Klar, wenn mir ein Buch nicht gefällt, ist die Rezension auch dementsprechend negativ. Aber komplett lesen möchte ich es trotzdem. Einfach nur, weil ich das dem Autor gegenüber fair finde.

      Die meisten Bücher, die ich selbst kaufe oder geschenkt bekommen habe (von meiner Wunschliste) gefallen mir gut, sodass es äußerst selten vorkommt, dass ich darüber nachdenke, eines abzubrechen.

      Ich wünsche dir noch ein schönes restliches Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
      Alles Liebe,
      Myna

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  2. Huhu!

    Deine Gründe kann ich auf einer Seite absolut nachempfinden, denn bis vor wenigen Jahren konnte ich es auch nicht über mich bringen. Da habe ich Bücher, die mich nicht einnehmen konnten, beiseite gelegt und Jahre später weiter gelesen / beendet.

    Natürlich stecken Autor:innen viel Arbeit hinein, weswegen ich vor allem diesen Punkt nachvollziehen kann. Aber Lesezeit ist nicht endlos und so habe ich irgendwann begonnen, solche Geschichten abzubrechen. Warum soll ich mich durch Worte „quälen“ (um es mal ganz bildlich fies auszudrücken), wenn mich die Geschichte nicht einnimmt? Wenn ich dann diese dennoch bespreche, weise ich darauf hin, das und auf welcher Seite ich abgebrochen habe und begründe es.
    Und diese Geschichten ziehen dann auch aus: verschenken, tauschen, verkaufen.
    Aber ich kann halt auch verstehen, dass es dir schwerfällt.

    Mukkelige Grüße!

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    • Hallo Janna,

      freut mich, dass du meine Gründe nachempfinden kannst. Ich hatte schon Angst, dass die Leute das gar nicht verstehen können.

      Ich gebe dir absolut recht, eigentlich sollte man seine Lesezeit nur mit Büchern verbringen, die einen auch packen können. Ich bringe es nur irgendwie nicht übers Herz und genau wie du früher, lege ich auch Pausen ein und beende Bücher nach ein paar Monaten, die mir nicht so gefallen haben.

      Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass du Bücher abbrichst. Ich wünschte, ich könnte auch so konsequent sein.

      Liebe Grüße und eine schöne Woche,
      Myna

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      • Vielleicht kommst du ja auch noch dazu und wenn nicht, hast du einen ganz besonderen SuB (wobei ich hoffe das dir so viele schlechte Bücher nicht begegnen, das daraus ein SuB wird).

        Dein Unbehagen vor reaktionen kann ich nachempfinden, gerade in der Bubble wird immer auf andere geschaut ind losgemotzt – ich knicke zB und ja, schreibe sogar in Bücher und damit meine ich nicht nur Fachliteratur. Das andere das nicht machen ist okay, aber mich soll man mit meinen Bücher eben auch umgehen lassen, wie ich es mag. Ich mag auch keine neu gekauften Bücher, liebe den Geruch von alten! (nur so ein paar Beispiele. Die Bookbubble sollte toleranter sein in Bezug auf den Umgang mit Büchern, dem Lesen udn Co.

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      • Na, glücklicherweise kommt es sehr, sehr selten vor, dass mir Bücher nicht so gut gefallen. Also ist dieser SuB nicht so hoch.

        Ja, das stimmt. Ich finde, jeder sollte so mit seinen Büchern und seinem Leseverhalten umgehen dürfen, wie er möchte. Ich mag das gar nicht, wenn über andere gerichtet wird, nur weil sie andere Angewohnheiten haben. Ich finde es völlig okay, dass du knickst und in Bücher schreibst. Ich mache das zwar nicht, aber wenn du das machst, ist das doch okay. Ich wurde ja z. B. schon öfter blöd angemacht, weil ich für eine Buchbloggerin relativ wenig lese (dieses Jahr habe ich bisher erst 27 Bücher gelesen). Lange Zeit habe ich mich mit anderen verglichen und unter Druck gesetzt, weil ich dachte, auch viel mehr lesen zu müssen. Heute weiß ich: Es ist okay, dass ich eine langsame Leserin bin. Ich mache bei diesem Wettbewerb, möglichst viele Bücher zu lesen, nicht mehr mit. Jeder liest in seinem eigenen Tempo und das ist gut so.

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  3. Huhu – interessante Argumente. Das Geld schmerzt mich auch, wobei ich meine Bücher fast ausschließlich gebraucht kaufe. Da tut es nur halb so weh.
    Wenn mir ein Buch nicht gefällt, kann mich das in eine üble Leseflaute treiben. Ich habe dieses Jahr – ich glaube – drei Bücher abgebrochen. Soviel hatte ich schon lange nicht mehr.
    Es war sogar das erste mal ein Reziexemplar von der Autorin dabei – sie war aber sehr verständnisvoll.
    Es ist mir einfach zu schade, die wenige Zeit, die ich habe, mich mit einem Buch zu quälen. Manchmal frage ich mich auch, vielleicht habe ich was verpasst – und würde es gerne durchziehen – aber wenn ich dann nur noch quälend zugreife – dann hat es einfach keinen Zweck.
    Ich breche also schon mal ab. Aber ich versuche es schon zu vermeiden .

    LG

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Rina,

      ich finde es gut, dass du so konsequent sein kannst und abbrichst, wenn dich ein Buch nicht packen kann. Ich wünschte, ich könnte das auch. Vielleicht ist das auch eine Sache, die man lernen kann. Aber momentan bringe ich es einfach nicht übers Herz, Bücher abzubrechen.

      Mit Leseflauten habe ich auch öfters mal zu kämpfen. Allerdings auch bei Büchern, die mir echt gut gefallen. Was machst du denn dagegen, wenn du eine Leseflaute hast? Hast du einen Tipp für mich?

      Liebste Grüße
      Myna

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  4. Pingback: Monatsrückblick | Dezember 2019 | Myna Kaltschnee

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