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Myna fragt … Laura Kier

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Es ist inzwischen wieder einige Zeit vergangen, seit das letzte Mal ein Interview auf meinem Blog erschien. Umso mehr freut es mich, dass ich die wunderbare Laura Kier ausfragen durfte, die „Myalig – gestohlene Leben“ geschrieben hat.

Laura_Kier
Foto: Paul Ekert

Ihr Buch ist in den Zeiten des Coronavirus hochaktuell, denn es handelt ebenfalls von einer Seuche und dem Kampf der Menschen dagegen (Rezension). Im meiner Rezension habe ich bereits angesprochen, dass die Autorin in „Myalig“ auf die Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis (ME), die auch als Chronisches Erschöpfungssyndrom bezeichnet wird, aufmerksam machen möchte. Das hat mich neugierig gemacht, weshalb ich im Interview auch auf diese Krankheit eingegangen bin. Wenn du genauso gespannt bist, worum es sich bei der Krankheit handelt, dann lies weiter. :)

Außerdem beinhaltet das Interview wertvolle Schreibtipps und Hintergrundinformationen zu den Werken der Autorin.

Nun aber zu Laura Kiers Person: Sie wurde 1985 im Ruhrgebiet geboren und studierte in Düsseldorf Biologie. Anschließend wechselte sie als Quereinsteigerin in die Softwareentwicklung. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie im November 2016. Ihr neustes Werk ist die Märchenadaption „Myalig – gestohlene Leben“, die im September 2019 erschien. Die Autorin lebt in Niedersachsen.

Hallo Laura, vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Sehr gerne, danke für die Einladung!

Vor ein paar Monaten erschien dein neustes Buch „Myalig – gestohlene Leben“. myaligErzähl doch mal in ein paar Sätzen, worum es in der Geschichte geht.

Im Moment ist Myalig erschreckend aktuell. In meiner Märchenadaption wird das Land von einer Seuche, genannt Myalig, heimgesucht, weshalb nun ganze Dörfer ausgelöscht werden. Amanda, meine Protagonistin, ist bislang die einzige Überlebende und so erweckt sie das Interesse eines Forschers, der ein Heilmittel gegen Myalig sucht. Damit Amanda kein Opfer der Säuberungsaktionen wird, schickt er seinen Androiden, um sie zu retten.

Auch in Amanda ist der Wunsch stark ein Heilmittel zu finden – aber schaffen sie das auch?

Du möchtest mit der Geschichte auf eine Krankheit aufmerksam machen, nämlich die Myalgische Enzephalomyelitis, kurz ME, an der du selbst leidest. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen ME und der Seuche Myalig in deiner Märchenadaption?

Die Symptome von beiden Erkrankungen sind nahezu gleich. Allerdings ist ME weder so ansteckend (laut aktuellem Forschungsstand) noch tödlich. Im Gegenteil, viele ME-Erkrankte sind über Jahre bettlägrig und ihnen fehlt die Kraft, um mehr zu tun als zu atmen. Aber gerade bei ME gibt es sehr viele Abstufungen, wie gut es einem Patienten geht (ich schaffe es noch so zwei Stunden pro Tag zu arbeiten, inkl. Haushalt). Außerdem ist die Dunkelziffer sehr hoch, da kaum ein Arzt ME/CFS gesichert diagnostizieren kann. Es fehlt schlicht an allen Ecken und Enden an entsprechender Forschung – wie auch bei Myalig. Heilmittel oder Therapien gibt es nicht, dementsprechend experimentieren die meisten Patienten mit diversen Möglichkeiten (Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente, Ernährung und ganz wichtig auch Verhaltensänderungen), damit es ihnen besser geht. Hier ist die Parallele zu Myalig wieder groß.

Achtung, Spoiler: Am Ende von Myalig habe ich Aspekte in den Roman integriert, die mich bei meiner Krankheitsbewältigung unterstützen.

Wie gehst du im Alltag mit deiner chronischen Erkrankung um und was gibt dir die Kraft, trotzdem an deinen Projekten zu arbeiten?

Ich liebe, was ich tue. Meine Motivation ist sehr hoch, allerdings werde ich immer wieder von meinem Körper ausgebremst. Da ich ein Kämpfer bin, raffe ich mich dennoch ständig neu auf und suche neue Wege, wie ich meine Ziele erreichen kann und gleichzeitig meine Energie schone sowie mit Konzentrationsproblemen umgehe. Meine Kreativität hilft mir da sehr und daraus ziehe ich auch viel Kraft.

Der Umgang im Alltag ist deshalb auch jeden Tag ein wenig anders. Ich muss schauen, wie es mir körperlich geht und was ich leisten kann. Oft genug sind es nur Mini-Schritte. Ein paar Sätze schreiben, ein Kapitel überarbeiten oder mir Gedanken um ein Buchkonzept machen. An anderen Tagen geht mehr und manchmal geht auch gar nichts außer auf dem Sofa liegen und auf den nächsten Tag warten.

Geduld und Optimismus sind meine wichtigsten Schlüssel, damit ich psychisch weiterhin stabil bleibe.

Hast du eine Botschaft an Menschen, die ebenfalls ME haben und dieses Interview lesen?

Gebt nicht auf! Sucht euch Ziele, auch wenn ihr sie nur sehr langsam und Schritt für Schritt erreichen könnt. Aber jeder Mini-Erfolg ist ein Erfolg.

Hattest du in „Myalig“ einen Lieblingscharakter, über den du besonders gerne geschrieben hast? Und wenn ja, welcher war es?

Tatsächlich mag ich alle meine Charaktere. Jeder hat Facetten, die mich faszinieren.

Von einigen Lesern weiß ich, dass sie ganz besonders meinen Androiden Bartholomew mögen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Beim Schreiben ist er mir ebenfalls mehr und mehr ans Herz gewachsen.

Wenn du deine Protagonistin Amanda persönlich treffen könntest, was würdest du ihr sagen wollen?

„Egal wie schwer das Leben gerade scheint, es gibt immer einen Weg, auch wenn er noch so düster und verschlungen sein mag. Geh weiter!“

Wie gehst du beim Schreiben vor: Planst du deine Geschichten im Voraus oder schreibst du einfach drauf los und entwickelst die Story während des Schreibens?

Im Normalfall plane ich wenig. Durch die Märchenadaption von „Die Schöne und das Biest“ im Hintergrund war es bei Myalig anders. Ich habe zwar viel frei geschrieben und gesehen, wie sich der Roman entwickelt, aber trotzdem habe ich immer wieder Facetten von „Die Schöne und das Biest“ eingebunden, weshalb ich mehr plotten musste.

Hast du beim Schreiben manchmal Selbstzweifel? Und wenn ja, wie gehst du mit deinem inneren Kritiker um?

Oh ja!

Eigentlich weiß ich zwar, dass ich durchaus vernünftige Wörter zu Papier bringen kann, aber dennoch gibt es Tage an denen der Kritiker alles am liebsten in die Tonne werfen würde. An solchen Tagen schreibe ich dennoch. Manchmal kann ich durch das Schreiben den Kritiker zum Schweigen bringen. Wenn das nicht klappt, tröste ich mich damit, dass ich in der Überarbeitung alles anpassen und umschreiben kann, was mir dann nicht gefällt. Oft genug liest sich das so geschriebene am nächsten Tag aber dennoch brauchbar, weshalb ich dem Kritiker dann beim Schreiben sage: „Lies morgen nochmal. Bestimmt gefällt es dir dann besser. Ich werde nun trotzdem schreiben, weil ich vorwärtskommen möchte.“

Mein Kritiker ist nämlich wie bei vielen Autoren tagesformabhängig. Sprich an einem anderen Tag findet er vielleicht brauchbar, was ich geschrieben habe und an einem anderen Tag ist alles grausam. Deshalb sage ich meistens nur noch: „Augen zu und durch, einfach weiterschreiben. Morgen sieht alles ganz anders aus. Und falls nicht: Ein weißes Blatt geht nicht überarbeiten.“

Viele angehende Autor/innen scheitern bereits daran, ihren Roman fertigzuschreiben. Du hast es mehrmals geschafft – hast du einen Tipp, wie man bis zum Ende durchhält?

Du sprichst eines meiner Lieblingsthemen an. Ich bin ein absoluter Verfechter vom „zu Ende schreiben“. Mittlerweile habe ich über zehn fertige Romane in der Schublade, die ich nun alle nach und nach überarbeite und dann auch veröffentliche.

Am Anfang war das „zu Ende schreiben“ gar nicht einfach. Ich musste von den glitzernden neuen Ideen Abstand nehmen und an dem Projekt weiterarbeiten, das gerade vielleicht gar nicht funkelte, sondern schwer zu schreiben war. Im Endeffekt habe ich das Plotbunny dann notiert (mit all seinem Funkeln) und es dann bewusst zur Seite geschoben. Mir war wichtig, dass ich meinen Erstling fertigbekomme und am Ende standen da über 240.000 Wörter. Dieses erste Ende hat den Knoten zum Platzen gebracht. Seitdem weiß ich, dass ich auch einen Roman beenden kann.

Bei der Fortsetzung von meiner Dystopie „Perfektion – Die Veränderten“ musste ich aber nochmals mit dem „zu Ende schreiben“ kämpfen. In dem Fall habe ich dann mit dem Schreiben experimentiert. Andere Projekte parallel gestartet, mein Schreiben analysiert (dazu schreibe ich derzeit einen Ratgeber und bringe auch das Thema „zu Ende schreiben“ mit ein) und schließlich habe ich vor allem die Blockade durchbrochen, indem ich geschrieben habe.

Auch wenn es Zeitweise mühsam ist, aber den Bogen von Anfang bis Ende zu spannen ist in meinen Augen sehr wichtig. Unzählige Anfänge haben viele Autoren in der Schublade (ich auch), wichtig ist aber ein Ende zu finden, damit die Romane zunächst überarbeitet und dann veröffentlicht werden können.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Arbeitest du bereits an neuen Projekten?

Weiter schreiben natürlich. Vor allem möchte ich aber eine gute Balance zwischen schreiben, überarbeiten und veröffentlichen finden. Gleichzeitig aber auch meine Gesundheit nicht aus den Augen verlieren. Mal klappt es besser, dann wieder schlechter und dort suche ich derzeit noch meinen Weg.

Die nächsten Projekte sind auf jeden Fall in Planung. Derzeit überarbeite ich die Fortsetzung meiner Dystopie „Perfektion – Die Veränderten“ (damit ist die Reihe dann auch abgeschlossen) und ich schreibe an einem Ratgeber sowie zwei Romanen. Wenn du Probleme mit dem „zu Ende schreiben“ hast, konzentrier dich aber bitte auf ein Projekt! Mir hilft der Wechsel, damit ich je nach Konzentration und Laune Schritt für Schritt weiterkomme; ich schreibe aber auch min. 500 Wörter pro Tag.

Bei mir geht es also Schritt für Schritt weiter und ich bin schon sehr gespannt, welche Ideen mir noch alle kommen. Es warten noch viele Plotbunnys darauf ihr eigenes Buch zu bekommen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und viel Erfolg weiterhin.

Gerne und vielen Dank! Dem Wunsch möchte ich mich anschließen.


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2 Kommentare zu „Myna fragt … Laura Kier

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