Corona & Angststörung | Was die Pandemie mit Angstpatienten macht

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute mal wieder einen Mental-Health-Beitrag posten. Ich denke, ich muss nicht erwähnen, wie sehr uns Corona derzeit im Griff hat. Seit dem zweiten Weltkrieg waren wir hier nicht mehr in solch einer Notlage.  Damit umzugehen ist schwierig, schon für psychisch vollkommen gesunde Menschen.

Doch was macht die Pandemie mit einem Angstpatienten, der auch ohne Corona Probleme hat, den Alltag zu bewältigen?

Da ich selbst an einer Angststörung leide, möchte ich heute erzählen, wie es mir (und vielen anderen Angstpatienten) momentan geht.

Corona & Angststörung

Ich muss zugeben, äußerlich betrachtet, bin ich in einer ganz guten Lage. Ich habe mich bisher nicht infiziert, bin nicht berufstätig und habe keine Kinder. Ich bleibe sowieso am liebsten den ganzen Tag zu Hause – von daher ändert sich für mich trotz Kontaktsperre nicht sooo viel. Da sind andere Menschen deutlich schlechter dran. Auch mein „Einkommen“ ist gesichert und ich muss mir über meine Finanzen keine Sorgen machen.

Und dennoch sind meine Angstsymptome in letzter Zeit schlimmer geworden. Witzigerweise ist die Angst, mich mit COVID-19 anzustecken, gar nicht so groß. Ich mache mir eher Sorgen um meine Angehörigen, vor allem die mit Vorerkrankungen und fortgeschrittenem Alter.

Vielmehr ist es aber der unterschwellige Stress, den die aktuelle Situation auslöst. Man kann, wenn die Lebensmittel oder Hygieneartikel ausgehen, nicht einfach mal schnell zum Supermarkt und neue kaufen, weil die Supermärkte völlig leergekauft sind. Man kann sich nicht mehr mit Freunden oder Familie treffen. Restaurants, Läden, Kinos, etc. sind geschlossen. Man hört in TV, Radio und Internet nix anderes mehr als Corona, Corona, Corona. All das stresst mich unterbewusst dermaßen, dass ich wieder häufiger an plötzlich auftretenden Angstzuständen mit Zwängen und psychotischen Symptomen leide.

Ich habe noch mehr Angst davor, das Haus zu verlassen. Nicht nur, weil ich Angst vor Ansteckung habe, sondern weil ich dafür so viele Hürden überwinden muss. Busse fahren nur noch unregelmäßig und man kann beim Busfahrer kein Ticket mehr kaufen, was ich bisher immer gemacht habe (Automaten gibt es an unseren Bushaltestellen nicht, nur an den Bahnhöfen). Viele Läden haben geschlossen und man muss peinlich genau darauf aufpassen, genügend Abstand zu anderen Menschen zu halten. Meine Therapie werde ich in den nächsten Wochen oder sogar Monaten vermutlich vergessen können, da meine Therapeutin sich um ihr Kind kümmern muss, und die Busfahrt zum Psychiater im April wird eine noch größere Herausforderung als sonst.

Ich habe von anderen Angstpatienten gehört, dass sie teilweise nur noch weinen und nachts nicht mehr schlafen können. Dass Panikattacken auftreten. Dass sie an gar nichts anderes mehr denken können.

Die Lage ist schlimm. Aber noch schlimmer ist, wie viele Gerüchte und Falschmeldungen über das Coronavirus im Umlauf sind. Deshalb bitte ich dich: Wenn du etwas über Corona in sozialen Medien o. ä. postest, geh vorher sicher, dass die Informationen auch stimmen. Falsche Gerüchte schüren Panik und das ist (nicht nur) für Angstpatienten wirklich fatal.

Angstpatienten neigen dazu, sich Worst-Case-Szenarios auszumalen. Mit falschen Fakten über das Virus, macht man das nur noch schlimmer. Man schwankt oft zwischen informieren und ignorieren: Auf der einen Seite möchte man das Virus und die Realität einfach ausblenden, auf der anderen Seite möchte man aber auch über Neuigkeiten informiert bleiben. Von manchen Angstpatienten habe ich gehört, dass sie gezielt Nachrichten in TV, Radio und Internet vermeiden. Andere checken die ntv-App alle fünf Minuten, um ja keine Neuigkeiten zu verpassen. Die Frage ist, was besser ist.

Ich denke, wir müssen jetzt einfach die nächsten Wochen und Monate durchhalten. Mich hat es sehr getroffen, dass der ESC abgesagt wurde. Der war für mich jedes Jahr ein kleines Highlight (wie meine Stammleser ja bereits wissen) und hätte mich für eine Weile von der aktuellen Lage abgelenkt.

Trotzdem gibt es natürlich genug Dinge, die man tun kann, um sich der Realität zu entziehen:

  • lesen
  • meditieren
  • Serien und Filme bingewatchen (ist das ein Wort? :P)
  • die Wohnung/das Haus putzen
  • den Keller/Dachboden ausmisten
  • bloggen/schreiben
  • Musik machen oder singen
  • nähen/stricken/häkeln/sticken
  • etwas Neues lernen (z. B. eine Sprache)

Und noch viel mehr. Dir fällt sicher etwas ein. Meditation hilft mir gerade besonders. Wenn ich merke, dass die Angst wieder in mir aufsteigt, dann setze oder lege ich mich einen Moment hin, schließe die Augen und konzentriere mich ganz auf meinen Atem. Ich atme auf drei durch die Nase ein und auf drei durch den Mund aus. Das hilft mir, meine innere Balance wiederzufinden.

Was sind deine Gedanken dazu? Wie geht es dir mit der aktuellen Situation? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.


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2 Kommentare zu “Corona & Angststörung | Was die Pandemie mit Angstpatienten macht

  1. Pingback: Monatsrückblick | März 2020 | Myna Kaltschnee

  2. Pingback: Corona & Angststörung | 2. Update | Myna Kaltschnee

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