Rezension | „Roadkill“ von Tanja Hanika

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CW Tod, Blut, Hexe, verunstaltetes Äußeres

Titel: Roadkill – Ein Weg wird dein letzter seinRoadkill cover
Autorin:
Tanja Hanika
Genre: Horror, Horrorthriller, Psychohorror
Verlag:
BoD – Books on Demand
Seiten: 176 S.
Jahr:
2020
ISBN: 978-3-751922838
Format: Taschenbuch (auch als E-Book erhältlich)
Preis:
11,99 € (E-Book: 4,99 €)

Klappentext

Blut, Irrsinn und hemmungslose Rache erwarten denjenigen, der seinen Weg verlässt.

Mira und Lars fahren nach einem Besuch bei seinen Eltern von der Autobahn ab, um über abgelegene Landstraßen die Gegend zu erkunden. Nach einem verlassenen Bus finden sie bald auch einen verwirrten Busfahrer und ihr kleines Abenteuer wird zu einer Nacht voller Mord und Blut.

Drei Jugendliche beenden ihre Geocaching-Schatzsuche im Wald, um stattdessen das sagenumwobene Grab einer Hexe aufzuspüren. Dabei wird ein Killer auf sie aufmerksam, der nach einer Bus-Panne durch die Wälder streift. Sie müssen sich fragen: Wird der Killer oder die tote Hexe sie holen kommen?

Zunächst möchte ich der Autorin Tanja Hanika ganz herzlich für das Rezensionsexemplar danken. Ich habe mich sehr darüber gefreut und dies ist bereits meine zehnte Rezension für eines ihrer Bücher. Mittlerweile kann ich mich wohl als einen wahren Fan bezeichnen – und auch ihr neustes Buch hat mich nicht enttäuscht.

Worum geht’s?

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, die irgendwann alle aufeinandertreffen.

Da gibt es Sibylle, die mit dem Taxi auf dem Rückweg von ihrer Mutter ist – bis der Taxifahrer ihr Avancen macht.

Die drei Teenager Jule, Flo und Elias, die mitten in der Nacht zu einer Geochaching-Tour in den Wald aufbrechen.

Lars und Mira, ein junges Paar, die auf der Heimfahrt sind, nachdem Mira Lars‘ Eltern kennengelernt hat.

Und dann gibt es noch Egon, der mit seinem Bus und ein paar Passagieren eine Panne hat.

Die Geschichte spielt an verschiedenen Orten, die sich jedoch alle im Langenbaarer Forst, einem fiktiven Wald in der Eifel, befinden. Ein Hexengrab spielt ebenso eine Rolle, wie eine verlassene Tankstelle, vor der ein herrenloses Taxi parkt.

Für schwache Gemüter ist diese Geschichte nichts, denn es spritzt literweise Blut und viele der eben genannten Figuren finden in jener verhängnisvollen Nacht den Tod. Und für die, die überleben, ändert sich alles.

Meine Meinung

Eigentlich stehe ich englischen Titeln von deutschen Büchern ja etwas kritisch gegenüber, vor allem wenn diese auch noch in Deutschland spielen. Aber in diesem Fall ist „Roadkill“ wohl die bessere Wahl. „Verkehrstod“ klingt längst nicht so spannend, allein schon, weil im englischen Begriff das Wort „kill“ vorkommt, was man ja auch mit „töten“ im Sinne von „morden“ übersetzen könnte – etwas, das den Inhalt definitiv gut beschreibt. Abgesehen davon hat das Buch einen deutschen Untertitel; wobei ich immer ein bisschen über „ein Weg“ stolpere. „Dieser Weg“ hätte mir besser gefallen. Aber vermutlich wäre das zu nah am Liedtitel eines bekannten Sängers gewesen – von daher war „ein Weg“ wohl die richtige Wahl.

Das Cover ist der absolute Hammer. Die nächtliche Straße, gesäumt von düsterem Wald, über dem der Totenkopf wie ein tödliches Omen thront. Sehr ansprechend und definitiv gut gewählt!

Auch bei diesem Buch ist mir aufgefallen, wie Tanja Hanikas Schreibstil sich im Laufe der letzten Jahre weiterentwickelt hat. Sie hatte ein paar Metaphern und Beschreibungen drin, die ich am liebsten in einem Dokument gesammelt, ausgedruckt und mir über den Schreibtisch gehängt hätte – in der Hoffnung, dass ich irgendwann auch so toll mit Worten zaubern kann. Ein paar Beispiele gefällig? Gerne!

„Die Dunkelheit drängte sich dichter an ihn heran als sonst. Als würde sie ein Geheimnis verbergen, von dem sich niemand wünschen würde, dass sie es preisgeben würde. Als wäre die Finsternis angedickt von Albtraumgestalten und Boshaftigkeit. Und diese Dunkelheit wollte Elias nur deshalb alles verraten, um ihn anschließend zu töten.“

(Hanika, Tanja: Roadkill. Kapitel 3)

„Das Kribbeln im Bauch konnte sich durchaus angenehm anfühlen, wenn er sich nicht zu sehr in seine Vorstellungen hineinsteigerte, wie die Hexe mit teils abgeblätterter Haut und von Maden befallenen blutigen Stellen ihn von hinten packen und zerfleischen würde.“

(Hanika, Tanja: Roadkill. Kapitel 3)

„Aber nachts im Wald, umgeben von Finsternis und merkwürdigen Geräuschen, rang seine Fantasie mit seiner Vernunft einen harten Kampf. Noch stand nicht fest, wer unterliegen würde.“

(Hanika, Tanja: Roadkill. Kapitel 15)

Und zuletzt mein Lieblingszitat:

„Hoffen konnte etwas verdammt Schönes sein, wenn eine schreckliche Realität bevorstand.“

(Hanika, Tanja: Roadkill. Kapitel 16)

Was mir nebenbei noch besonders gut gefallen hat, ist der Humor, den die Autorin hat einfließen lassen. Ob es nun die Teenager sind, die sich gegenseitig aufziehen oder der Busfahrer Egon, den ich wirklich ins Herz geschlossen habe. Hier ein Zitat, dass mich zum Lachen brachte:

„Dabei will ich doch nur heim zu meiner Frau und dem Hackbraten. Mit ’n bisschen Glück gibt’s Bratkartoffeln dazu“, sagte der Busfahrer, als wäre es die größte Ungerechtigkeit der Welt, dass er aufgehalten wurde und seine Leibspeise zu Hause kalt wurde.

(Hanika, Tanja: Roadkill. Kapitel 6)

Wenn man bedenkt, dass der Mann an dieser Stelle blutüberströmt im finsteren Wald steht, ist die Bemerkung über den Hackbraten schon ziemlich witzig.

Leider muss ich bezüglich des Schreibstils auch ein wenig Kritik üben. Allerdings nur eine Kleinigkeit, die vermutlich den wenigsten Lesern aufgefallen ist. An ein paar Stellen fand ich die Dialoge „unnatürlich“. Die Autorin wollte wohl Informationen in wörtliche Rede verpacken, was aber nicht immer überzeugend geglückt ist. Hier ein Beispiel:

„Du nimmst das mit unserem Feierabendbier irgendwie zu ernst, Mann. Mir macht es ja auch Spaß, mit euch zu trinken, aber du haust voll auf deine arme Leber drauf.“
„Ach komm, heute war im Betrieb Abschiedsfeier. Ich wollte eben in Partystimmung bleiben, bis wir in der Eckkneipe weiterfeiern können.“

(Hanika, Tanja: Roadkill. Kapitel 7)

Müsste der ersten Person nicht bekannt sein, dass im Betrieb Abschiedsfeier war (so wie ich das verstanden habe, sind die beiden Kollegen)? Meiner Meinung nach klingt es nicht „natürlich“, dass die zweite Person das erwähnt. Es gibt noch ein oder zwei weitere Stellen, an denen Informationen etwas unglücklich in Dialogen untergebracht wurden, die ich wegen Spoilergefahr aber nicht erwähnen möchte.

Allerdings ist mir das vermutlich nur aufgefallen, weil ich selbst schreibe und mich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt habe. Und auch wenn ich darüber gestolpert bin, gleichen Tanja Hanikas bildhafter Erzählstil, Humor und das Geschehen an sich das locker wieder aus.

Kommen wir zur Geschichte selbst.

Die Handlung ist durchweg spannend, düster und gruselig. Dennoch unterscheidet sich dieser Roman von Tanja Hanikas beiden letzten Büchern „Hexenwerk“ und „Werwölfe in Aremsrath„, in denen der Schrecken hauptsächlich von übernatürlichen Wesen ausging. „Roadkill“ ähnelt von der Art der Geschichte eher dem „Angstfresser„. Obwohl eine Hexe in „Roadkill“ mehrmals Erwähnung findet, spielt diese eher eine untergeordnete Rolle. Viel mehr fokussiert sich die Handlung auf etwas, das meiner Meinung nach noch furchteinflößender ist, als ein Fabelwesen es jemals sein könnte: die Psyche des Menschen.

Versteh mich nicht falsch, Tanja Hanikas vergangene Werke haben mich durchaus gegruselt. Aber ich wusste beim Lesen immer, dass diese Horrorgestalten (Hexen, Werwölfe) nicht real sind. Die menschliche Psyche hingegen schon. Die Geschichte um „Roadkill“ könnte sich wirklich zugetragen haben. Und die Art, wie Tanja Hanika den Leser in die Köpfe der erzählenden Figuren schauen und an ihren Gedankengängen teilhaben lässt, fand ich äußerst effektiv. Ich habe, als ich das Buch beendet hatte, ernsthaft darüber nachgedacht, wie ich in der Situation der Charaktere gehandelt hätte. Wäre ich – ein Pazifist mit Leib und Seele – in einer Extremsituation in der Lage, einen anderen Menschen zu töten? Wie viel der Figuren steckt in mir, ja, in jedem von uns?

Über die Autorin

Tanja Hanika wurde 1988 in Speyer geboren und wuchs in Rheinland-Pfalz auf. Als sie mit acht Jahren eine Kinderversion zu Bram Stokers „Dracula“ las, entstand ihr Interesse, selbst Schauergeschichten zu schreiben. Ab 2008 studierte sie an der Universität Trier Germanistik und Philosophie. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie und ihren beiden Katzen in der Eifel. Mehr Informationen findest du auf ihrer Homepage.

Mein Fazit

Nix für schwache Nerven! Ein Horrorroman, der an der eigenen Psyche kratzt. Empfehle ich gerne weiter.

Meine Bewertung

5herzchen


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Ein Kommentar zu “Rezension | „Roadkill“ von Tanja Hanika

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