Mein Heuler an … J. K. Rowling

CW Transfeindlichkeit

Heute gibt es nach länger Zeit wieder einen öffentlichen Brief. Doch diesmal weder mit Schwärmereien, noch Dankbarkeitsbekundungen. Dabei geht der Brief an J. K. Rowling, die lange Zeit eines meiner größten Vorbilder war. Die Bücher über „Harry Potter“ gehören zu meinen absoluten Favoriten und haben mich in meiner Kindheit und Jugendzeit geprägt, wie sonst kaum eine andere Buchreihe. Ich bin ein wahrer Potterhead und ja, ich mag „Harry Potter“ noch immer. Aber J. K. Rowling habe ich von der Liste mit Leuten, die ich bewundere, gestrichen.

Deshalb schicke ich ihr heute einen „Heuler“. Nein, keine verlassene Babyrobbe. :D Ich meine damit die bitterbösen Briefe aus „Harry Potter“. Es ist vielleicht etwas strittig, ein Element aus ihren eigenen Büchern gegen sie zu richten, aber ich betrachte das als „mit den eigenen Waffen schlagen“.

Wenn ich im Folgenden das Wort „Trans*Personen“ nenne, meine ich damit sowohl Trans*Frauen und Trans*Männer, als auch nicht-binäre und genderqueere Menschen.

Lass mir deine Meinung zu dem Thema in den Kommentaren da – auch gerne, wenn du anderer Meinung bist (aber dann bitte mit Begründung).

Mein Heuler an J. K. Rowling

Sehr geehrte J. K. Rowling,

ich schreibe Ihnen heute einen Brief, weil ich die Vorkommnisse von neulich nicht länger unkommentiert lassen möchte. Es gibt so viele Leute, auch Buchblogger, die Ihre trans*feindlichen Aussagen herunterspielen und sich deren Tragweite und Wirkung nicht bewusst sind. Das erschreckt mich. Und es macht mich wütend.

Sie sind also der Ansicht, dass „Menschen, die menstruieren“ automatisch Frauen sind? Das ist ziemlich engstirnig und bestätigt meinen Eindruck den ich in den letzten Monaten von Ihnen bekommen habe.

Dennoch muss ich zugeben, vor ein paar Jahren hätte ich mir bei Ihrer Aussage nicht viel gedacht. Nicht, weil ich ein Problem mit Trans*Personen hatte, sondern weil ich mich über das Thema absolut nicht auskannte. Doch ich habe mich in den letzten Jahren informiert und vieles dazugelernt. Mir wäre so ein „Denkfehler“ damals möglicherweise aus Unwissenheit passiert – aber Sie wussten ganz genau, was Sie da sagten und haben es so gemeint. Spätestens, als andere Twitternutzer Sie darauf hingewiesen haben, wie falsch und diskriminierend Ihre Äußerungen sind, hätten Sie die Gelegenheit gehabt, zurückzurudern und sich zu entschuldigen.

Ich weiß, Ihr ehemaliger Partner hat Sie missbraucht und Sie sind durch düstere Zeiten gegangen. Das tut mir Leid und ich wünschte, es wäre Ihnen erspart geblieben. Trotzdem ist das kein Grund, dermaßen trans*feindlich zu sein. Sogar die Darsteller aus den „Harry Potter“-Filmen distanzieren sich von Ihren Worten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir an Ihrer Stelle mal ernsthaft Gedanken gemacht.

Ich kann nicht nachvollziehen, was in Ihrem Kopf vorgeht und Ihre Äußerungen sind nicht nur dämlich, sondern auch gefährlich. Denken Sie doch mal an (junge) Trans*Personen, die gerade erst herausfinden, dass sie nicht so cis sind, wie sie oder die Leute um sie herum bisher angenommen haben. Denken Sie an Menschen, die auf der Suche nach ihrer wahren Identität sind, da sich ihr zugewiesenes Geschlecht „falsch“ anfühlt und sie sich ihr bisheriges Leben in eine Geschlechterrolle gepresst haben, die von ihnen erwartet wurde. Haben Sie eine Ahnung, wie verletzlich man in einer solchen Situation ist?

Nur mal ein Beispiel, stellen Sie sich Folgendes vor: Eine junge Trans*Frau, vielleicht sogar bekennender Harry-Potter-Fan, steht kurz vor ihrem Outing. Sie ist nervös und ängstlich, fürchtet sich vor Ablehnung durch ihre Liebsten. Gleichzeitig fühlt sie sich beflügelt von der Aussicht, bald ihr wahres Geschlecht offiziell ausleben zu können. Es kostet sie enorm viel Mut, doch sie beschließt, sich endlich ihren Angehörigen anzuvertrauen. Dann liest sie im Internet Ihre Tweets. Die Autorin, die sie bisher immer bewundert hat, behauptet, dass sie keine richtige Frau sei, nur weil sie nicht menstruiere. Sie können sich gar nicht vorstellen, was das für ein Schlag in die Magengrube ist.

Oder ein anderes Beispiel: Ein junger Trans*Mann hat immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen. Seine Klassenkameraden lesen Ihre Tweets und fühlen sich darin bestärkt und bestätigt, dass ihr Mitschüler kein „richtiger Junge“ sei. Sie konfrontieren den Trans*Mann damit und sprechen ihm seine Männlichkeit ab, nur weil er menstruiert. Weil Sie berühmt und ein Vorbild für viele junge Menschen sind, halten die Klassenkameraden Ihre Worte für die Wahrheit.

Wissen Sie, wie schädlich und gefährlich so etwas sein kann?  Ist Ihnen bewusst, dass das Suizidrisiko bei jugendlichen Transgendern fast um das Sechsfache erhöht ist? Trans*Menschen – egal ob jung oder alt –  werden auch heute in dieser ach so aufgeklärten Welt Opfer von Gewalt und haben es schwer genug, da müssen Sie nicht noch Öl ins Feuer gießen.

Ich bin wirklich enttäusch von Ihnen. Ich hatte Sie immer auf meinem Vision-Board, weil Sie mich inspiriert haben. Aber nach diesen Sprüchen sind Sie für mich kein Vorbild mehr.

Und nur, um es noch einmal klarzustellen und auszusprechen:

Es gibt Frauen, die nicht menstruieren und Männer, die menstruieren. Und es gibt noch ganz viele andere Geschlechtsidentitäten, die ebenfalls entweder nicht menstruieren oder menstruieren. Seine Periode zu bekommen heißt nicht automatisch, eine Frau zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Myna Kaltschnee


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3 Kommentare zu “Mein Heuler an … J. K. Rowling

  1. Pingback: Hab ich versagt? | Juni 2020 | Myna Kaltschnee

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