“Das Haus” von Olivia Monti | Rezension

(Unbezahlte Werbung)

Titel: Das Haus
Autorin:
Olivia Monti
Genre: Krimi
Verlag:
Selfpublishing
Seiten: 191 S.
Jahr:
2020
ISBN: 978-3752984439
Format: Taschenbuch (auch als E-Book und gebundenes Buch erhältlich)
Offizielle Website: 
Olivia Montis Homepage

"Das Haus", ein Kriminalroman von Olivia Monti
Covergestaltung: maytan

Klappentext

Das Haus ist ein Gebäude voller winziger Mietwohnungen. Mit dem Tod des Medizinstudenten Enis Al Agha nimmt das Unheil seinen Lauf. Einer um den anderen Mieter wird tot aufgefunden oder verschwindet spurlos. Die pensionierte Schneiderin Frau Rauhaar ist sich sicher, es gibt einen einzigen Mörder und der wohnt im Haus. Die Parapsychologin Nadja Knoll ist anderer Meinung: Das Haus sei womöglich ein Unglückshaus, ein verfluchter Ort, das Haus selbst sei sozusagen schuld an den grausigen Geschehnissen. Niemand erkennt ein klares Muster hinter den horrenden Fällen. Die Polizei ist ratlos. Bis sie rein zufällig auf eine bedeutende Spur stößt. Viel zu spät.”

Quelle: Monti, Olivia: Das Haus, 2020

Ich bedanke mich bei der Autorin Olivia Monti und Annika Grützner von Literaturtest ganz herzlich für das Rezensionsexemplar.

Worum geht’s?

Ein ganz normales Mietshaus. Eine ganz normale Nachbarschaft. Doch dann stürzt einer der Bewohner von seiner Dachterrasse. Als herauskommt, dass es kein Unfall, sondern ein Mord war, nimmt das Unheil seinen Lauf. Die Todesfälle häufen sich, die Bewohner und die Polizei stehen vor einem Rätsel.

Protagonistin und Mieterin Nadja Knoll und ihre Nachbarinnen Frau Rauhaar und Priscilla ermitteln auf eigene Faust. Wohnen sie in einem Unglückshaus? Oder treibt ein Serienmörder sein Unwesen? Aber was ist das Motiv? Rassismus? Oder sind etwa Drogen im Spiel? So ziemlich jeder Hausbewohner ist verdächtig.

Doch was wirklich hinter den Todesfällen steckt, ahnt niemand. Inklusive mir als Leserin.

Meine Meinung

Eigentlich lese ich keine Kriminalromane, aber der Klappentext dieses Buches hat mich sofort angesprochen. In erster Linie war ich wegen der parapsychologischen Elemente neugierig auf die Geschichte. Ich witterte eine Story, die auf den ersten Blick völlig rätselhaft erscheint und deren Handlung am einfachsten mit Übersinnlichem zu erklären ist – doch am Ende gibt es eine ganz logische Auflösung. Solche Bücher liebe ich, also hab ich “zugeschlagen”.

Nicht nur der Klappentext, sondern auch das Cover hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Es zeigt ein dunkles Treppenhaus, in dem man von oben auf eine Leiche im untersten Stockwerk blickt. Ich finde, dass dieses Buchcover die düstere Atmosphäre des Romans perfekt widerspiegelt.

Ich bin kein Fan von langen, detaillierten Beschreibungen und Ausschmückungen. Deshalb war “Das Haus” sehr angenehm zu lesen. Olivia Montis Schreibstil ist locker, kurzweilig, an manchen Stellen sogar humorvoll, sodass ich schmunzeln musste.

“Die Rauhaar schien gar nicht wahrzunehmen, dass ich noch im Schlafanzug steckte und rief mir mitten ins Gesicht: »Er ist tot!«”

Quelle: Monti, Olivia: Das Haus. 2020. Kapitel II. S. 59

Lange “Durststrecken”, ohne dass etwas Spannendes passiert, gibt es in diesem Buch nicht. Die Autorin führt den/die Leser*in rasch durch die Handlung und ich habe Seite für Seite mitgefiebert. Da die Kapitel nicht allzu lang sind, kam ich flott durch das Buch und es kam öfter vor, dass ich in den “Nur-noch-ein-Kapitel-Modus” verfiel und bis spät in die Nacht an den Seiten klebte.

Getragen wird die Geschichte von den facettenreichen Figuren. Man mag der Autorin eventuell vorwerfen, dass sie sich hierbei an Klischees bedient hat, aber genau das fand ich an den Figuren so toll. Olivia Monti spielt und überspitzt Klischees derart, dass daraus unterhaltsame und unverwechselbare Charaktere werden: die aggressive Kräftige, die einsame Taubenfrau, der faule Weiberheld, die neugierige Tratschtante, usw. Gerade bei der Tratschtante, die als die ältere Dame Frau Rauhaar auftritt (übrigens meine Lieblingsfigur), fällt diese spielerische Übertreibung von Klischees extrem auf. “Die Rauhaar”, wie sie von der Ich-Erzählerin genannt wird, ist nicht nur neugierig und kennt stets den neusten Klatsch aus der Nachbarschaft, nein, sie spioniert die anderen Hausbewohnern geradezu aus. Nachbar X war mitten in der Nacht bei Nachbar Y? Die Rauhaar weiß es. Schon allein, weil sie sich regelmäßig in der Besenkammer auf die Lauer legt.

“Die Beamten waren überrascht, wie die Rauhaar zu ihren Erkenntnissen gekommen war, was sie nachts im Treppenhaus tat.
Einer der Beamten wagte es, sie danach zu fragen.
Die Rauhaar schwitzte vor Entrüstung. Ihre Nasenflügel glänzten im Licht. Sie sagte darauf nichts.”

Quelle: Monti, Olivia: Das Haus. 2020. Kapitel VII. S. 124)

Allerdings muss ich zugeben, dass die große Anzahl an Charakteren mich am Anfang verwirrt hat. Manche Figuren blieben ein bisschen blass, bzw. ich konnte sie mir nicht so gut einprägen wie die neugierige Rauhaar oder den gutmütigen Zimmermann, die eindeutige Charakterzüge haben. Das führte dazu, dass ich Figuren verwechselte oder mir nicht mehr sicher war, um wen es sich handelte. Meiner Meinung nach hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn es ein bisschen weniger Hausbewohner gewesen wären – oder wenn man sie vor Beginn der Mordserie näher kennengelernt hätte. Dann hätte ich auch mehr gelitten und getrauert, als manche von ihnen gestorben sind.

Leider war auch die Protagonistin Nadja Knoll eine dieser blassen Figuren. Sie war mir nicht unsympathisch, aber ich fühlte auch keine “innere Verbindung” zu ihr. Außer der Tatsache, dass sie Parapsychologin ist und sich Gedanken zu übersinnlichen Phänomenen wie Unglücksorte macht, gab es für mich nichts, was sie für mich interessant oder einzigartig machte. Sie hat keine besonderen Fähigkeiten, Macken oder Merkmale und blieb für mich austauschbar. Jede*r andere Parapsycholog*in hätte die Geschichte erzählen können. Das fand ich schade.

Um gleich bei der Ich-Erzählerin zu bleiben: Ich war ein bisschen enttäuscht, dass man nicht so viel über ihr Leben als Parapsychologin mitbekommt, wie ich es mir gewünscht hätte. Ein paar mehr Details zu ihrem Alltag hätten mir gefallen. Geht sie irgendwelchen Ritualen nach? Hört sie New-Age-Musik oder meditiert sie regelmäßig? Versucht sie, ihre Wünsche zu manifestieren oder befragt sie bei anstehenden Entscheidungen Tarot-Karten? Oder hält sie all das für völligen Schwachsinn?

Das Thema Parapsychologie kommt zwar im Buch häufig vor, allerdings meist in Form von inneren Monologen, die zwar informativ, aber mitunter so kompliziert waren, dass ich ihnen als Laie nicht sofort folgen konnte. Für meinen Geschmack beinhalteten die Monologe zu viel Information auf einmal, sodass mein träges Leserinnenhirn, das eigentlich nur unterhalten werden wollte, vollkommen überfordert war. Ich denke, die Fakten wären leichter zu verdauen gewesen, wenn die Autorin sie in Form von Dialogen eingebracht hätte. Nadja hätte zum Beispiel der Rauhaar und Priscilla bei einem ihrer abendlichen Treffen etwas darüber erzählen und auf Nachfragen reagieren können. So wären die durchaus spannenden, parapsychologischen Denkansätze weniger geballt und kompliziert gewesen.

Meiner Meinung nach sind diese Kritikpunkte jedoch nur Kleinigkeiten und schmälern nicht das tolle Leseerlebnis, das ich mit “Das Haus” hatte. Allein schon wegen einer Sache hat mich der Krimi überzeugt: Ich wusste bis zum Ende nicht, wer der/die Mörder*in ist oder ob doch etwas Übersinnliches dahintersteckt. Ich hatte zwar mehrere Verdachtsmomente und lag einmal sogar richtig, doch die Autorin hat es geschafft, mich an meiner (richtigen) Vermutung zweifeln zu lassen und sie zu verwerfen. Umso überraschter war ich am Ende, als die Wahrheit ans Licht kam. Mit diesem Ende hätte ich wirklich nicht gerechnet! Und mal ehrlich, gibt es ein besseres Merkmal für einen guten Krimi als ein unvorhersehbares, stimmiges Ende?

“Er ist im Haus. Er braucht nur hereinzukommen und … jede Hilfe käme zu spät. Zuerst läuft Tom in seinen Hinterhalt, dann kommt er zu uns. Und wir sehen zum ersten Mal sein Gesicht, das Gesicht des Mörders … Mein Herz blieb stehen. Ich wollte schreien, riss den Mund auf, aber es kam kein Schrei heraus. Nur ein tiefes Grunzen.”

Quelle: Monti, Olivia: Das Haus. 2020. Kapitel X. S. 156

Über die Autorin

Olivia Monti, eigentlich Olivia Kleinknecht, wurde 1960 in Stuttgart geboren. Sie absolvierte das Studium der Rechtswissenschaft in München und promovierte zum Doktor der Rechte in Florenz. Sie war als Malerin tätig und ihre Ölbilder und Aquarelle wurden in Florenz, Lausanne und Stuttgart ausgestellt. Seit 1994 arbeitet sie als freie Autorin von Romanen und Sachbüchern und publizierte sowohl in Verlagen als auch als Selfpublisherin. 1998 erschien ihr Romandebüt “Liebeslohn” bei der Frankfurter Verlagsanstalt.

Mein Fazit

Ein spannender Krimi für zwischendurch mit Witz und einem überraschenden Ende. Ich empfehle das Buch gerne weiter.

Meine Bewertung


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3 Comments on ““Das Haus” von Olivia Monti | Rezension

  1. Pingback: Myna fragt … Olivia Monti | Myna Kaltschnee

  2. Der “Nur-noch-ein-Kapitel-Modus”… wer kennt ihn nicht. Und wer hat ihn nicht schon am nächsten Morgen verflucht.

    Er ist die “nur noch eine Flasche Bier” der Lesegemeinschaft ;-)

    Ich konnte ihm gestern Abend auch mal wieder nicht widerstehen :P

    • Hehehe, ja genau! Den Wecker interessiert es nicht, ob man bis spät nachts gelesen hat oder nicht. ;)

      Dabei gibt es doch eigentlich nichts Schöneres, als dermaßen von einem Buch gefesselt zu sein, oder? :)

      Danke für deinen Kommentar, liebe Katharina.

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