Myna Kaltschnee

5 Dinge, die ich 2020 gelernt habe

2020 war für mich – ungeachtet von der Pandemie – sehr turbulent und hat mein Leben kräftig durcheinandergewirbelt. Ich habe neue Dinge ausprobiert und dabei große und kleine Fehler gemacht. Das hat mich geformt und ich hatte zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, wirklich weiterzukommen und nicht länger auf der Stelle zu treten.

In diesem Beitrag fokussiere mich ganz auf die fünf wichtigsten Lehren, die ich aus 2020 gezogen habe. Vielleicht helfen dir ja meine Erfahrungen, dein Leben 2021 zu optimieren und zu gestalten. Das würde mich sehr freuen.

Triggerwarnung: Selbstverletzendes Verhalten, Mobbing, Selbsthass, Angststörung, Depression, Tod

1. Sich selbst zu lieben ist keine Arroganz

Ich weiß nicht mehr genau, wann und wie es angefangen hat, aber ich hatte bereits als Kind ein Problem mit mir selbst. Ständig hatte ich das Gefühl, nicht zu genügen und nicht liebenswert zu sein, wenn ich ganz ich selbst war. Je älter ich wurde, desto schlimmer nagte dieses Gefühl an mir. Mobbing verstärkte es noch. Ich redete mir ein, dass die Hänseleien ein “Beweis” dafür seien, dass etwas mit mir nicht stimme. Das hat mich – neben anderen Faktoren – schlussendlich krank gemacht.

Der Selbsthass setzte sich auch im jungen Erwachsenenalter fort. Ich war so darin festgefahren, dass ich gar nicht merkte, wie negativ ich über mich selbst sprach und dachte. Erst als liebe Freunde mich darauf aufmerksam machten, habe ich verstanden, wie schädlich diese Angewohnheit ist. Ich musste sofort damit aufhören – doch so etwas ändert man nicht über Nacht. Es braucht einige Jahre, bis man lernt, sich selbst zu lieben und anzunehmen. Und es muss im Kopf “klick” machen.

2020 kam dieser “Klick”.

Natürlich rutschen mir noch immer gelegentlich negative Kommentare über mich heraus oder ich gerate wieder in alte Denkmuster. Aber ich habe gelernt, diese zu erkennen und zu durchbrechen, indem ich meine Gedanken “korrigiere”.

Jetzt, im Januar 2021, kann ich endlich sagen: Ja, ich liebe mich selbst.

Dabei meine ich nicht, dass ich “selbstverliebt” bin und mich für etwas Besseres halte. Früher habe ich Selbstliebe damit gleichgesetzt. Aber das ist nicht die eigentliche Bedeutung dieses Wortes. Selbstliebe heißt lediglich, sich selbst so anzunehmen, wie man ist. Mit allen Ängsten, Krankheiten, Kilos auf den Rippen und anderen Makeln.

Diese Selbstakzeptanz hat nicht nur dazu geführt, dass ich mich in meiner Haut wohler fühle, sondern auch dazu, dass ich mein Selbstverletzendes Verhalten (größtenteils) 2020 in den Griff bekam. Anstatt mir selbst wehzutun, mache ich jetzt lieber etwas Schönes, das mir guttut und mich von meinem Kummer ablenkt. Auch, wenn der Druck manchmal sehr stark ist. Aber jedes Mal, wenn ich mich diesem Druck widersetze, speichert mein Hirn das als Erfolg und der Druck kommt seltener. Auch das braucht Zeit, aber die nehme ich mir. Das bin ich mir mittlerweile wert.

2. Mit Optimismus lebt sich’s leichter

Ich habe mich schon als Teenager für fernöstliche Religionen und Spiritualität interessiert. 2020 nahm dieses Interesse eine größere und wichtigere Rolle in meinem Leben ein als jemals zuvor.

Der Tod meines Opas im Januar 2020 stürzte mich in eine heftige Depression. Ich verbrachte damals viel Zeit im Internet mit sinnlosem Surfen, um mich von meinem inneren Schmerz abzulenken. Eines Abends kam ich auf die Idee, mir Videos über Spiritualität auf YouTube anzusehen. So kam der Stein ins Rollen. Mein Interesse wuchs von Tag zu Tag und ich richtete mein Leben immer mehr spirituell aus (oder versuchte es zumindest).

Ich begann, kleine Rituale in Neumond- und Vollmondnächten abzuhalten, Tarot-Karten zu legen und mich mit Dingen wie Astrologie, Manifestation, Wiedergeburt, Meditation und Achtsamkeit zu befassen. Das hat mich so beflügelt, dass es mich aus meinem schrecklichen Tief gezogen hat.

Ich schreibe dies hier nicht, weil ich dich zur Spiritualität bekehren möchte. Auch wenn mir das Thema sehr wichtig geworden ist, sehe ich mich als “spirituelle Agnostikerin”. Das heißt, auch wenn ich an viele spirituelle Dinge glaube und sie mir guttun, bin ich mir vollkommen bewusst, dass ich keine Beweise dafür habe, dass alles, was ich glaube, der Wahrheit entspricht. Deshalb würde ich auch nie auf die Idee kommen, andere von meinem “Glauben” überzeugen zu wollen. Das ist nicht der Punkt, warum ich das hier erzähle.

Der Grund dafür ist dieser: Mir tat die Beschäftigung mit diesem Thema so gut, dass das einen positiven Effekt auf meine Gesinnung hatte. Schritt für Schritt wandelte ich meine bisher eher pessimistische Lebenseinstellung in ein optimistisches Mindset um.

Spiritualität und Achtsamkeit waren hierfür der Schlüssel. Ich bin aber sicher, dass dieser Schlüssel nicht für jeden Menschen passt. Es gibt so viele andere Dinge, die solch ein Schlüssel zum Optimismus sein können: Reisen, das Lernen einer neuen Sprache, neue Menschen in deinem Leben, Musik, der Beginn eines neuen Jobs oder Studiums. Und manche Menschen kommen bereits mit einer optimistischen Sichtweise auf die Welt.

Früher habe ich Optimisten für Spinner gehalten, bei denen immer alles “Friede, Freude, Eierkuchen” ist. Aber das ist nicht der Optimismus, den ich kennengelernt habe. Mein Optimismus ist der Glaube an und die Hoffnung auf “das Licht am Ende des Tunnels”.

Wenn ich jetzt z. B. eine depressive Phase habe (und ja, auch Optimisten können Depressionen haben), fokussiere ich mich darauf, dass die Phase vorbeigehen und es mir danach wieder besser gehen wird. Es geht nicht darum, eine Depression zu überspielen oder singend und lachend durch die Welt zu tanzen, obwohl innerlich alles zerbricht. Es geht darum zu sagen: “Okay, die Depression ist da. Mir geht es scheiße und vielleicht werde ich den ganzen Tag heulend im Bett verbringen. Aber irgendwann wird das vorbei sein und dann kann ich wieder lachend herumhüpfen.”

Dieses Mindset hat dazu geführt, dass meine depressiven Schübe im Jahr 2020 deutlich weniger wurden und – wenn sie doch mal auftraten – schneller wieder verschwanden als in den Jahren davor.

Zum kleinen Vergleich: Ich habe eine Stimmungsapp, in der ich täglich eintrage, wie mein Tag war. 2020 habe ich 189 Tage mit “gute Stimmung” bewertet, während 2019 nur 116 Tage das Label “gut” bekamen. Das ist eine Steigerung von über 60 %.

Diese gute Stimmung habe ich genutzt und die zusätzliche Energie in meine Projekte gesteckt, meine Ernährung umgestellt und dadurch ein paar Kilo abgenommen, mich mehr um die Menschen gekümmert, die mir wirklich etwas bedeuten, und mir eine Menge neues Wissen angeeignet.

Klar gab es nach wie vor auch negative Zeiten, aber grundsätzlich fühlt sich mein Leben durch meine optimistische Einstellung leichter und befreiter an.

3. Es gibt kein “Erfolgsrezept”

Ich muss zugeben, ich habe jahrelang geglaubt, dass es eine Art Geheimformel gibt, mit der man erfolgreich wird. Ich dachte, dass die “Großen” im Business doch wissen müssen, wie man z. B. mehr Traffic auf dem Blog oder Follower auf Social Media bekommt.

Ich kann mich erinnern, wie ich viele Stunden auf Blogs, YouTube, Instagram und Co. verbracht habe, nur um endlich herauszufinden, was das “Erfolgsrezept” ist.

Schlussendlich kam die Ernüchterung. Ich begriff: Die Einzigen, die wirklich von diesen “So bekommst du deine ersten 1000 Instagram-Abonnenten” oder “So verdoppelst du deine Besucherzahlen” Artikeln und Videos profitieren, sind die, die diesen Content erstellt haben. SIE bekommen mehr Follower und Aufrufe, weil jeder wissen will, was das Geheimnis ist. Man selbst hat aber nicht wirklich etwas davon. Schon erst recht nicht von einem einzigen Video/E-Book/Blogpost/Podcast/Social-Media-Post.

Das “Erfolgsrezept” ist in Wirklichkeit ein Puzzle, dessen Teile überall verstreut liegen. Man findet mal ein paar wertvolle Tipps hier und einen anderen guten Ratschlag da. Aber am Ende muss man sich seine eigene Strategie zusammenpuzzlen. Ich sage damit nicht, dass Ratgeber für die Katz sind. Aber es gibt keine einzige Formel, die auf jeden Menschen passt und ihn über Nacht erfolgreich macht. Ich habe Dinge ausprobiert, die anscheinend sofort mehr Reichweite bringen sollen, und sie haben überhaupt nicht funktioniert. Und dann gab es Tipps, die ich irgendwo in den Tiefen des Internets ausgebuddelt hatte, und die wirklich hilfreich waren.

Am Ende muss jede*r seine*ihre eigenen Erfahrungen machen und mit “Trial & Error” ausprobieren, was für ihn*sie passt.

4. Nicht jede “tolle Idee” ist toll

Eine sehr wichtige Lehre, die ich aus 2020 gezogen habe, ist: Nicht jede Idee, die dich überfällt und packt, ist auch eine gute Idee. Das bezieht sich in meinem Fall vor allem auf Schreib- und Blogprojekte. Ich habe 2020 unnötig viel Geld, Zeit und Arbeit in Dinge gesteckt, die sich schlussendlich als Griff ins Klo entpuppt haben.

Zudem steckte ich dabei teilweise in hypomanischen Phasen (übertriebene Hochstimmung, aber nicht so schlimm wie eine Manie), die mir diese Ideen noch als viel fabelhafter und glänzender verkauften, als sie mir ohnehin vorkamen. Natürlich ließ ich mich dann sofort darauf ein – nur um später zu realisieren, dass die Ideen eigentlich ziemlich schwachsinnig waren.

Im neuen Jahr werde ich versuchen, mich nicht mehr von solchen “tollen Ideen” überrumpeln zu lassen. Erst mal in Ruhe darüber nachdenken, Notizen machen und abwarten, bis sich das Synapsenfeuerwerk in meinem Kopf gelegt hat. Wenn sich die Idee ein, zwei Wochen später immer noch “toll” anfühlt, kann ich konkrete Pläne für die Umsetzung machen.

5. Mut zahlt sich aus

Last but not least habe ich mich ein paar mal aus meiner Komfortzone herausgetraut und gemerkt: Eigentlich tut mir das richtig gut. Zumindest in einem gewissen Rahmen.

Wenn man an einer Angststörung leidet, ist Mut zu haben ein noch viel wichtigeres Thema, als bei Menschen, die weniger ängstlich sind. Die Komfortzone ist kleiner, d. h. schon so alltägliche Dinge wie einkaufen gehen oder mit dem Bus fahren brauchen eine Menge Mut.

Dann auch noch seine Träume verwirklichen zu wollen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Zumal meine Träume beinhalten, dass ich mich der Welt zeige, für meine Meinung einstehe und mich nicht länger unter der Bettdecke verstecke (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ich gebe zu, es kam immer noch häufig vor, dass ich mich etwas nicht getraut habe. Aber es gab auch zunehmend Situationen, in denen ich für mich eingestanden oder über meinen Schatten gesprungen bin.

Ich habe zum Beispiel gelernt, Nein zu sagen. Eine sehr wichtige Eigenschaft, wenn man als Bloggerin und Autorin mit anderen kooperiert. Mir ist das immer sehr schwergefallen und ich habe mich gerne davor gedrückt. 2020 habe ich gelernt, dass ein bestimmtes Nein manchmal sein muss, um meine eigenen Grenzen zu wahren und meinen Prinzipien treu zu bleiben. Und das kostet Mut. Aber es lohnt sich.

Gegen Ende des Jahres habe zudem ich ein Hindernis überwunden, das mir jahrelang unbezwingbar vorkam und Bauchschmerzen bereitet hat: Ich habe mich beim Finanzamt angemeldet, damit ich endlich mit dem Schreiben und Bloggen Geld verdienen kann.

Das ist etwas, worauf ich sehr stolz bin. Selbst wenn ich keinen Cent verdienen sollte, der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit ist getan.

Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der wieder viele Momente des Mutes fordern wird. Aber das ist okay. Nur so komme ich weiter.

Schlussgedanken

Insgesamt kann man also sagen, dass 2020 ein sehr lehrreiches Jahr für mich war – nicht nur auf die hier vorgestellten fünf Lehren bezogen. Ich habe noch viele weitere Kenntnisse gelernt und vertieft, z. B. was Fremdsprachen, Marketing, Grafikdesign und das Schreiben betrifft. Dafür bin ich sehr dankbar und ich freue mich schon auf all die Dinge, die ich 2021 lernen werde.

Was war deine wichtigste Lehre, die du aus dem Jahr 2020 gezogen hast? Lass es mich in den Kommentaren wissen. Ich bin sehr gespannt darauf.


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