Orte mit Gedächtnis: Autorin Olivia Monti im Interview

Olivia Monti
Copyright: Olivia Monti

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Kürzlich habe ich dir den Krimi “Das Haus” vorgestellt, in dem es um eine Mordserie in einem Wohnblock geht. Heute stelle ich dir die Autorin des Buches, Olivia Monti, näher vor. Ich hatte die Gelegenheit, sie mit meinen Fragen zu löchern – sowohl zu “Das Haus” als auch ihrem Autorinnenleben.

Wenn du wissen möchtest, was die Autorin mit ihrer Protagonistin gemeinsam hat und welche Tipps Olivia Monti angehenden Autor*innen gibt, die endlich ihr Manuskript zu Ende schreiben wollen, dann bleib unbedingt dran.

“Ich wollte immer schon malen und schreiben.”

Hallo Olivia, bevor wir das Interview starten, bitte ich dich, dass du dich und deine Arbeit kurz vorstellst. Wie sah dein bisheriger Weg aus?

Ursprünglich habe ich Jura studiert (es war langweilig) und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert (es war weniger langweilig). 1993/94 habe ich dann meinen ersten Roman in Kalifornien geschrieben: “Der Regisseur”. Ich wollte immer schon ausschließlich malen und schreiben, konnte mir das aber erst 1993 leisten. Mein Lebenspartner hat es damals ermöglicht. Das war der Einstieg. Es gab Zeiten der Knappheit, traurige Zeiten, und dann ging es wieder. Irgendwie konnte ich nicht anders, als weiterzuschreiben.

Verrätst du mir drei Fun Facts über dich?

  1. Ich rümpfe automatisch die Nase, wenn mir etwas nicht gefällt, und sehe dann ziemlich drollig aus.
  2. Mir gefallen immer noch Rummelplätze.
  3. Ich vergesse immer wieder, wie alt ich schon bin.

Lass uns über “Das Haus” sprechen. Welche Idee steckt hinter dem Krimi?

Ich wollte einen klassischen Krimi schreiben, einen Rätselkrimi, angelehnt an die englische Detektivgeschichte, bei dem bis zuletzt der Täter oder die Täterin unbekannt bleibt. Gleichzeitig sollte nicht die Polizeiarbeit im Mittelpunkt stehen. Laien sollten auf eigene Faust ermitteln. Damit gewann der Krimi komische Aspekte.

“Die Figuren sind zum Teil meine früheren Nachbarn.”

Als du zu “Das Haus” inspiriert wurdest – was war da zuerst da? Eine Figur? Das Thema? Oder vielleicht das Haus selbst?

Zuerst waren die Figuren da. Es sind zum Teil meine früheren Nachbarn, denen ich Eigenschaften hinzugefügt habe. Damit sind sie dann immer noch meine früheren Nachbarn, sind es aber auch wieder nicht. Manchmal kommt mit den Figuren die Geschichte ganz von alleine.

Wie lange hast du insgesamt an “Das Haus” gearbeitet?

Vielleicht ein Jahr. Man legt das Manuskript weg, überarbeitet es dann später wieder, holt Meinungen von Lesern ein, überarbeitet es dann noch mal usw. Es ist ein Prozess.

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Gab es eine Szene, die dir beim Schreiben besonders viel Spaß gemacht hat?

Szenen mit der neugierigen Figur Frau Rauhaar haben mir besonders Spaß gemacht.

Oh ja, das war meine Lieblingsfigur! Ist dir auch eine Figur deines Krimis besonders ans Herz gewachsen? Wenn ja, warum magst du diese Figur am liebsten?

Die alte Frau Mooskop ging mir auch in der Realität sehr nahe. Sie lebt immer noch ganz alleine im Haus. Niemand leistet ihr Gesellschaft. Nur die Tauben. Es wird immer mehr solche alten Singles geben, die ein tristes Leben führen, bestimmt durch Angst und Einsamkeit.

“Alles, jeder Gegenstand, jeder Ort speichert Ereignisse, Handlungen, ja gar Gedanken und Gefühle.”

In „Das Haus“ geht es unter anderem um Parapsychologie. Die Protagonistin Nadja arbeitet an einem Manuskript über das Gedächtnis von Orten und Gegenständen. Was fasziniert dich an diesem Thema?

2012 habe ich ein parapsychologisches Sachbuch im Verlag Königshausen & Neumann herausgebracht. Es geht darin auf über 800 Seiten um das Gedächtnis von Gegenständen. Fünf Jahre habe ich recherchiert. Die Hypothese ist: Alles, jeder Gegenstand, jeder Ort speichert Ereignisse, Handlungen, ja gar Gedanken und Gefühle. Die sind nicht einfach weg, sondern nach wie vor dort, und zwar in einem physikalischen Feld.

Physiker wie der berühmte Einstein-Schüler David Bohm machen dazu Ausführungen. Solche habe ich zusammengetragen. Erklärt wird damit so etwas Ungreifbares wie Stimmung, Atmosphäre. Warum fühle ich mich an einem Ort, in einem Haus, spontan unwohl? Weil dort etwas Schlimmes oder Trauriges passiert ist, könnte die Antwort sein, und dieses Schlimme immer noch sozusagen in der Luft hängt.

Es steckt also auch etwas von dir selbst in Nadja. Stell dir vor, du könntest deine Protagonistin persönlich treffen. Was würdest du ihr gerne sagen?

Nimm es ruhiger, sei gelassener. Es ist alles gar nicht so schlimm. Ich wünsche mir selbst häufig, dass jemand neben mir steht und mir beruhigend versichert: Es ist alles gar nicht so schlimm.

Umschlaggestaltung: maytan

Du hast vorhin gesagt, dass du 1993 mit dem professionellen Schreiben angefangen hast. Bist du eine Autorin, die ihre Geschichten detailliert plant oder gehörst du eher zu den Bauchschreiberinnen?

Ich mache beides. Ein Plan ist gut. Wenn er zum starren Gerüst wird, stört er aber. Hilfreich ist, wenn man das Ende kennt und darauf zuschreibt.

Ist die Geschichte nicht detailliert geplant, hat das den Vorteil, dass einen die Figuren überraschen können, sich wie von selbst entwickeln. Sie sind dann meist komplexer, lebendiger.

“Jeden Tag taucht man in eine Parallelwelt ein, führt dort ein zweites Leben.”

Es hat aber auch den Nachteil, dass man in eine Schreibblockade geraten kann. Wie gehst du damit um?

Manchmal ist man einfach zu müde, muss zu viele alltägliche Probleme lösen. Dann muss man sich Ruhe gönnen und irgendwann kommt wieder die Lust zu schreiben.

Gerade junge Autor*innen verlieren in der Mitte ihres Manuskripts oft die Motivation oder – was noch schlimmer ist – bekommen eine vermeintlich bessere Idee, die sie stattdessen schreiben wollen. Am Ende hüpfen sie von einem unfertigen Manuskript zum nächsten. Welche Tipps hast du für diese Autor*innen?

Wenn man einmal ein Projekt angefangen hat, hilft es, sich eine ziemlich eintönige Routine aufzuerlegen, sich zu regelmäßigen Zeiten an den Schreibtisch zu setzen und stur dabeizubleiben. Sozusagen bis zum bitteren Ende. Geht es irgendwo nicht weiter, macht man eine längere Pause, und setzt sich später wieder dran.

Was auch hilft: Man stellt sich die Geschichte bildlich vor, als wäre sie ein Film. Und jeden Tag, wenn man sich an die Geschichte setzt, taucht man in eine sehr konkrete Parallelwelt ein, führt dort ein zweites Leben. Am besten, man freut sich schon darauf, wieder sozusagen fremdzugehen. Das fördert die Inspiration und man gerät weniger ins Stocken.

“Ich hätte sehr gerne wieder einen Verlag.”

Du hast sowohl Bücher in Verlagen als auch im Selfpublishing veröffentlicht. Anhand welcher Kriterien entscheidest du, ob du ein Manuskript einem Verlag anbietest oder es selbst verlegst?

Meine letzten Manuskripte habe ich Verlagen angeboten, sie haben aber abgelehnt. Ich hätte sehr gerne wieder einen Verlag. Als Selfpublisher muss man so vieles erledigen, was sonst der Verlag macht, dass man viel weniger Zeit fürs Schreiben findet.

Abschließend noch ein kurzer Ausblick auf die Zukunft: Was sind deine schriftstellerischen Ziele für 2021?

Momentan habe ich noch kein Ziel. Da ist meine pflegebedürftige Mutter, die vorgeht. Sollte ich mich an den Schreibtisch setzen, dann für ein Jugendbuch, das auch Erwachsene lesen können.

Herzlichen Dank für das Interview. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg weiterhin.


Um einen ersten Eindruck vom Buch zu bekommen, wirf gerne einen Blick in meine Rezension zu “Das Haus”.

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Weitere Informationen über Olivia Monti und ihre Bücher findest du hier:

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