Myna Kaltschnee

“Herz zu gewinnen” von Catherine Bybee | Rezension

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Titel: Herz zu gewinnen * (Creek Canyon, Band 1)
Originaltitel:
My Way to You
Autorin:
Catherine Bybee
Übersetzerin: Stephanie von der Mark
Genre:
Liebesroman
Verlag:
Montlake
Umfang:
404 S.
Jahr:
2020
ISBN: 978-2-496-70360-3
Format: Taschenbuch (auch als E-Book erhältlich)

*

Klappentext

Eine starke Frau und die Hoffnung auf die große Liebe: der romantische Auftakt zur neuen »Creek Canyon«-Reihe von Bestsellerautorin Catherine Bybee.

Die resolute Parker Sinclair kümmert sich seit dem frühen Tod ihrer Eltern mit Hingabe um ihre beiden jüngeren Geschwister und die Ranch in den Bergen Kaliforniens. Doch dann zerstört ein verheerender Waldbrand fast den ganzen Besitz und Parker muss sich mit dem herrischen, aber verdammt attraktiven Colin herumschlagen.

Colin Hudson will Parkers Ranch vor weiterem Schaden bewahren. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die junge Frau hat ihren eigenen Willen und will partout nicht auf ihn hören. Während die beiden notgedrungen zusammenarbeiten, stellen sie plötzlich fest, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen.”

Quelle: “Herz zu gewinnen” von Catherine Bybee. Montlake. 2020. Klappentext

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Übersetzerin Stephanie von der Mark für das Rezensionsexemplar.

Worum geht’s?

“Er spürte mehr, als dass er es sah, welch große Last sie mit sich herumtrug. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie man es verkraftete, beide Eltern zu verlieren. Und trotzdem stapfte sie hier neben ihm her, hüpfte über Steine und jonglierte das Gewehr, als wäre es das Normalste der Welt. Wer auch immer diese Parker Sinclair sein mochte, sie war jedenfalls völlig anders als alle anderen kalifornischen Mädchen, die er kannte.”

Quelle: Bybee, Catherine: Herz zu gewinnen. Montlake. 2020. S. 52

Dass Parker etwas Besonderes ist, bemerkt der attraktive Bauamtsmitarbeiter Colin Hudson sofort. Dass die unabhängige junge Frau mit beiden Beinen fest im Leben steht und sich nur ungern unter die Arme greifen lässt, ebenfalls.

Parker musste wegen des Unfalltods ihrer Eltern ihr Studium abbrechen, um sich um die Ranch und ihre jüngeren Geschwister Mallory und Austin zu kümmern.

Ein heftiger Waldbrand, der ihr Grundstück in Mitleidenschaft zieht, führt schließlich dazu, dass Colin und Parker sich kennenlernen.

Recht schnell bemerken die beiden, dass sie Gefühle füreinander entwickeln. Doch kann Parker sich darauf einlassen? Und kann Colin Parkers eigensinnige Art annehmen?

Keine typische Romance

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist zwar das zentrale Element, doch die Handlung dreht sich auch viel um die Naturkatastrophen, die Parkers Leben auf den Kopf stellen. Das bringt Spannung in die Geschichte. Ständig fiebert man mit, ob Parker und Colin es schaffen werden, die Naturkatastrophen zu überstehen. Vor allem am Ende wird es richtig gefährlich.

Das Buch ist ein Liebesroman, der völlig ohne Kitsch auskommt, weil er mehr ist als reine Romantik. Mit den üblichen Pärchenproblemen wie Eifersucht oder irgendwelchen Dreiecksbeziehungen müssen sich Parker und Colin nicht herumschlagen. Sie haben ganz andere Sorgen.

Auch wenn der Klappentext das Gegenteil vermuten lässt, ist es nicht die typische “Erst hassen sie sich, dann lieben sie sich”-Geschichte. Parker und Colin hassen sich nie. Aber Parker ist vorsichtig und muss erst lernen, Hilfe anzunehmen und sich auf andere einzulassen.

Kurz gesagt: In “Herz zu gewinnen” * geht es um den Aufbau von Vertrauen und den Liebesbeweis durch gegenseitige Hilfe in der Not.

Das Buch enthält explizite Erotikszenen und richtet sich daher vor allem an erwachsene Leser*innen.

Meine Meinung

Ich habe bereits 2018 das Buch “Fast ein Date” von Catherine Bybee gelesen und rezensiert und war begeistert von ihren Ideen und Figuren. Ich hatte damals sogar einen Buchfigur-Crush. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ihre Übersetzerin auf mich aufmerksam wurde, mich kontaktiert und mir ein Rezensionsexemplar angeboten hat. Da musste ich natürlich sofort zugreifen!

Handlung

Ich fand die Handlung kurzweilig und spannend, besonders wegen der Naturkatastrophenthematik. Natürlich hat mir auch die Liebesgeschichte gefallen, aber sie war mir nicht so wichtig wie das Bangen um Parkers Familie und die Ranch. Vielleicht auch, weil man nicht so häufig über Waldbrände, Erdrutsche und Überflutungen liest? Das war sehr erfrischend und eine willkommene Abwechslung.

In ihren Schlussworten verrät Catherine Bybee, dass die Geschichte von wahren Begebenheiten aus ihrem Leben inspiriert ist. Ich finde, das hat man gemerkt. Auf eine positive Weise. Die Beschreibungen sind so detailliert und lebendig, wie das nur jemand schreiben kann, der*die selbst in der Situation war.

Figuren

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Parker und Colin in der dritten Person Singular erzählt. Die Übergänge der Perspektivwechsel sind gut gekennzeichnet und flüssig.

Die Figuren sind größtenteils exzellent ausgearbeitet und haben alle ihre eigenen Begabungen und Macken. Ich mag es, wenn man Figuren schon daran erkennt, wie sie sprechen oder sich verhalten. Das macht auch echte Menschen aus und bei Buchcharakteren ist das umso wichtiger.

Parker

Parker mochte ich auf Anhieb. Bereits die erste Begegnung zwischen ihr und Colin zeigt, wie stark und unabhängig sie ist und dass sie sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt.

“»Sie wollen einen Erdrutsch verhindern?«
»Wir wollen einen Erdrutsch kontrollieren«, berichtigte er.
Sie trat von einem Fuß auf den anderen. »Können Sie das denn?«
»Das ist die Hauptaufgabe meiner Abteilung.« Er grinste. »Aber ich kann auch warten. Ich will Ihnen keine Unannehmlichkeiten bereiten.«
Parker guckte zum Haus zurück. »Also gut. Dann holen Sie ihren Wagen und ich die Schlangenzange. Ich zeige Ihnen die Auswaschung.«
Er sah sie verwundert an.
»Es ist Sommer. Da gibt es hier Klapperschlangen«, erklärte sie.
»Sind Sie sicher?«
Ja, da war sie sich sicher. »Ich mach das Tor auf. Sie können drinnen parken.«
»Danke.« Er ging zurück und Parker überquerte die breite Rinne, durch die bei Regen das Wasser floss, und ging zum Haus hinauf.
Scout sprang an ihren Beinen hoch, während Parker die »Schlangenzange« nahm und prüfte, ob sie geladen war. Anschließend verließ sie zusammen mit dem Hund das Haus.
Sie schulterte das Gewehr und ging abermals die Zufahrtsstraße hinab, um mit der Fernbedienung das Tor für Mr Hudson zu öffnen.”

Quelle: Bybee, Catherine: Herz zu gewinnen. Montlake. 2020. S. 46 f.

Was ich an Parker bewundere, ist, dass sie bereits als sehr junge Frau die Rolle ihrer Eltern übernommen hat und für ihre jüngeren Geschwister da war. Auch, wenn das auf Kosten ihrer eigenen Bedürfnisse, wie z. B. einer beruflichen Karriere ging. Sie stellt ihre Familie und die Ranch immer vorne an. Damit muss auch Colin erst einmal klarkommen.

Verantwortungsbewusstsein und Fleiß sind sehr bezeichnete Eigenschaften dieses Charakters. Ich denke, von Parker können sich die meisten Leser*innen eine Scheibe abschneiden. Trotzdem muss Parker lernen, nicht immer alles selbst regeln zu wollen. Manchmal ist es gut, wenn man Aufgaben abgibt.

*
Colin

Auch Colin ist ein liebenswerter Charakter. Er versucht immerzu, Parker beizustehen, ihr zu helfen und sie zu entlasten. Leider wird er oft von ihr zurückgewiesen. Da tat er mir immer ein bisschen leid. Aber er lässt sich nicht unterkriegen und kämpft um Parkers Vertrauen. Seine Hartnäckigkeit ist definitiv eine Stärke, aber auch, dass er Parkers Bedürfnissen nachkommt.

Dies wird beispielsweise an der Stelle, in der er mit Parker und ein paar anderen verreisen möchte, besonders deutlich. Parker lehnt seinen Vorschlag ab. Sie hat Angst um das Haus und möchte lieber darauf aufpassen, als sich mit Colin ins Vergnügen zu stürzen. Er tut sich zunächst schwer damit, nimmt ihre Ängste und Sorgen aber ernst.

“Colin kam, weil er Praker eigentlich abholen wollte, um mit ihr nach Ventura zu fahren und salzige Pazifikluft zu schnuppern. Aber jetzt würde sie auf keinen Fall das Haus verlassen.
»Die Santa-Ana-Winde gehen oft mit weiteren Waldbränden einher.«
»In den Nachrichten wurde aber nichts dergleichen berichtet.« Er guckte zum Himmel, als würde er nach Rauchschwaden Ausschau halten.
»Ein einziger Funke genügt schon.« Vielleicht klang sie paranoid, doch es war ihr egal. »Das Feuer könnte auch von der anderen Seite kommen«, meinte sie. »Ich kann nicht weg, wenn es vielleicht irgendwo zu brennen anfängt.«
»Du weißt aber schon, dass nichts mehr übrig ist, was noch brennen könnte. Außerdem bläst der Wind in die andere Richtung.«
Egal. »Es könnte wieder einen Stromausfall geben. Oder einer der Bäume fällt auf die Zufahrtsstraße. Ich kann nicht weg.« Bei der Erinnerung an die brennenden Berghänge begannen ihre Hände zu zittern.
Colin hatte Verständnis und legte den Autoschlüssel auf der Kücheninsel ab. »Also gut. Mit was kann ich dir hier helfen?«”

Quelle: Bybee, Catherine: Herz zu gewinnen. Montlake. 2020. S. 200 f.
Weitere Figuren

Sowohl Parker als auch Colin haben jeweils einen Bruder und eine Schwester. Ich fand es schön, wie Colins Familie Parker und ihre Geschwister Mallory und Austin aufgenommen haben. Mallory war für mich schwierig einzuschätzen. Meiner Meinung nach, hat ihr ein Charaktermerkmal gefehlt, das sie einzigartig und für mich greifbar macht. Bei ihrem Bruder Austin war es anders. Er ist ein etwas rebellischer Teenager, gerne etwas vorlaut, aber eigentlich ein herzensguter Kerl. Colins Geschwister Grace und Matt habe ich sofort ins Herz geschlossen. Grace ist – ähnlich wie Parker – eine starke Frauenfigur, die sich gegen die Männer durchsetzen kann.

Meine Lieblingsfigur war aber Erin, eine introvertierte, etwas schüchterne junge Frau, die in Parkers Gästehaus zur Miete lebt und sich dort vor ihrem gewalttätigen Ex “versteckt”. Mich hat Erin in gewissen Punkten an mich selbst erinnert. Im zweiten Band der Creek-Canyon-Reihe, den ich in Kürze lesen und rezensieren werde, geht es um Erins Geschichte. Das Buch heißt “Glück im Angebot” *. Ich bin schon sehr gespannt, was sich zwischen Erin und Colins Bruder Matt entwickelt. Dass es zwischen den beiden knistert, wurde schon im ersten Band deutlich.

Schreibstil

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen. Sie beschreibt die Umgebung und Geschehnisse bildhaft und lebendig. So bekommt man, auch wenn man noch nie solche Naturkatastrophen miterlebt hat, einen guten Eindruck von den Gegebenheiten und kann das Kopfkino anschmeißen. Das finde ich essenziell beim Lesen.

Ausgezeichnet gefallen hat mir auch der Humor der Autorin. Er verleiht der doch sehr ernsten Thematik eine Prise Leichtigkeit. Die oben zitierte Szene mit der “Schlangenzange” ist ein klares Beispiel hierfür. Ich möchte aber noch ein zweites Zitat herausgreifen, das mich kurz zum Schmunzeln gebracht hat.

“Hinter ihnen warf Russ jetzt auch noch den Teleskopbagger an.
Da hatte Colin einen Einfall. Grinsend ging er zu Russ, der sich aus der Fahrerkabine lehnte und ihn begrüßte.
»Kannst du mich auf die andere Seite rüberheben?«
»Klar.«
Russ fuhr los und Colin ging zum Ufer.
Er rief seiner Mutter zu: »Mom, schau weg.«”

Quelle: Bybee, Catherine: Herz zu gewinnen. Montlake. 2020. S. 398

Auch die Übersetzung ist flüssig. Lediglich gegen Ende des Buches sind mir mehrere kleine Fehler aufgefallen, die dem Korrektorat wohl durchgerutscht sind. Diese Fehler haben mich aber nicht groß gestört.

Über die Autorin

Catherine Bybee wuchs im US-Bundestaat Washington auf. Nach der Highschool zog sie nach Südkalifornien und wurde Krankenschwester. Mittlerweile ist sie hauptberuflich Autorin und verzaubert mit ihren romantischen Romanen Leser*innen weltweit. Sie stand bereits auf den Bestsellerlisten der New York Times, USA Today und dem Wall Street Journal. Catherine Bybee lebt mit ihren beiden Söhnen in Südkalifornien.

Mein Fazit

“Herz zu gewinnen” ist ein Liebesroman, bei dem es nicht nur um die Frage “Kriegen sich die beiden?” geht. Das Buch hat mich gut unterhalten und ich konnte sogar noch etwas über Naturkatastrophen lernen. Ich empfehle es wärmstens weiter.

Meine Bewertung


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