“Schnapsladennächte” von Anna Gasthauser | Rezension

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Buchfoto von Schnapsladennächte von Anna Gasthauser
Coverdesign: Laura Newman

Titel: Schnapsladennächte
Autorin: Anna Gasthauser
Genre: Liebesroman
Verlag: Selfpublishing
Umfang: 292 S.
Jahr: 2020
ISBN: 978-3752877069
Formate: Taschenbuch/E-Book

*

Klappentext

Der junge Kneipenbesitzer Chris und seine einzige Angestellte Lucie können sich nicht ausstehen. Zwar ist da eine Anziehungskraft zwischen ihnen, die sie mit jedem Tag deutlicher spüren, doch beide kämpfen dagegen an.
Kein leichtes Unterfangen! Denn die Arbeit in der kleinen, schummrigen Bar zwingt die beiden, die Nächte miteinander zu verbringen. Und bald geht es nicht nur in der Kneipe, sondern auch im Gefühlsleben von Lucie und Chris, drunter und drüber!


Eine E-Book-Version dieses Romans erschien unter dem Titel ‘Weihnachtsbar der 1000 Sterne’ in der Verlagsgruppe HarperCollins, Hamburg und war bis Dezember 2019 erhältlich. ‘Schnapsladennächte’ ist die überarbeitete Neuauflage.

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. Klappentext

Ich danke der Autorin Anna Gasthauser ganz herzlich für das Rezensionsexemplar. 🥰

Worum geht’s?

“Schnapsladennächte” ist eine süße Liebesgeschichte, die sich größtenteils in einer kleinen Kneipe abspielt. Dort arbeiten Chris und seine einzige Angestellte Lucie Nacht für Nacht zusammen.

Chris lässt keine Gelegenheit aus, Lucie zu ärgern und zu schikanieren. Obwohl sie ihn bereits im ersten Kapitel äußerst attraktiv findet, kann sie ihn nicht leiden (zumindest behauptet sie das).

Außerhalb ihrer Arbeit kümmert sich Lucie um ihren psychisch kranken Nachbarn Ted, mit dem sie eine jahrelange, innige Freundschaft verbindet. Die beiden sind so vertraut miteinander, dass sie sogar gelegentlich die Badewanne teilen. Romantische Gefühle sind aber nicht im Spiel.

Obwohl Chris sich Lucie gegenüber oft wie ein Ekel verhält, ist er in sie verliebt. Auf seine ganz eigene Weise versucht er, sich ihr anzunähern und auszuloten, ob er bei ihr Chancen hat. Mal romantisch, mal leidenschaftlich, mal einfach nur urkomisch.

Doch werden die beiden am Ende zueinanderfinden? 🤔

Meine Meinung

“Schnapsladennächte” ist bereits der dritte Roman, den ich von Anna Gasthauser gelesen habe. Während mich ihre düsteren Bücher “Godeks Keller” * (Rezension) und “Die Liebe der Kellerwesen” * (Rezension) absolut begeistert haben, konnte mich “Schnapsladennächte” nicht zu 100 % überzeugen.

Die Geschichte ist nicht schlecht, aber (leider) sehr Mainstream. Welche Stärken und Schwächen das Buch meiner Meinung nach hat, erläutere ich in dieser Rezension.

Die Handlung

Mit einer Liebesgeschichte à la “Erst-hassen-sie-sich-dann-lieben-sie -sich” erfindet Anna Gasthauser das Rad nicht neu. Dennoch sind gerade diese Romanzen sehr beliebt. Die Autorin bedient mit “Schnapsladennächte” ein größeres Publikum als mit ihren düsteren Geschichten.

Die Handlung findet um die Weihnachtszeit herum statt, aber die Geschichte kann auch super im Sommer oder jeder anderen Jahreszeit gelesen werden.

Ganz besonders gefallen haben mir die (mitunter kreativen) Annäherungsversuche von Chris. Die Poolszene, der leidenschaftliche Moment auf dem Weihnachtsmarkt, die Nacht im Zelt – alles wunderbare Augenblicke, die mich sofort in eine romantische Stimmung versetzt haben. Viel Gefühl hat die Geschichte auf jeden Fall und Anna Gasthauser versteht es, ihre Lesenden zu verzaubern.

Trotzdem hat mir ein bisschen die Spannung gefehlt. Es gab viele kleine Konflikte, aber die haben sich größtenteils von selbst erledigt. Sosehr ich Lucie und Chris auch liebgewonnen habe, ich hätte die Figuren gerne etwas mehr leiden und kämpfen gesehen.

Die Figuren

Anna Gasthauser ist es gelungen, lebhafte und vielschichtige Figuren zu entwerfen. Ich habe Lucie sofort ins Herz geschlossen und auch Chris mochte ich irgendwie, auch wenn mich sein Verhalten mitunter wirklich aufgeregt hat. 😉 Ted war anfangs meine Lieblingsfigur, weil er mich teilweise an mich selbst erinnert hat. Allerdings hat mich seine Entwicklung nicht ganz überzeugt, doch dazu später mehr.

Die Figuren sind der Herzschlag der Geschichte, sie hielten meine Neugier am Leben. Während “Schnapsladennächte” von der Handlung her weniger spektakulär ist, hatten die Hauptcharaktere Lucie und Chris mich sofort am Haken. Ich wollte unbedingt wissen, was sie auf den knapp 300 Seiten erleben, fühlen, tun. Liebenswürdige Figuren zu erschaffen, mit denen man mitfiebert, ist Anna Gasthausers große Stärke und das hat sie auch in “Schnapsladennächte” wieder unter Beweis gestellt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Lucie und Chris aus der 3. Person erzählt.

Lucie

Mit ihrer eher zurückhaltenden und ruhigen Art hat Lucie mich sofort für sich gewonnen. Sie tat mir oft leid, weil Chris ständig an ihr herummeckert und sie ihm nichts recht machen kann. Generell ist Lucie der Typ Mensch, der mehr auf das Wohl anderer bedacht ist, als auf das eigene. Dabei stellt sie auch gerne mal ihre Bedürfnisse zurück und überschreitet ihre Grenzen. Ein Problem, das viele (Frauen) haben.

Dennoch wird deutlich, wie Lucie sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt und stärker wird. Sie traut sich immer häufiger, ihre Meinung zu sagen und die Aktion mit dem ekelhaften Gast und dem Bier fand ich klasse.

Auch während des 7-Kilometer-Laufs hat sie mich sehr beeindruckt. Anstatt abzusagen, geht sie an den Start und zieht die Sache durch.

Ihre Lunge brannte, ihr Hals fühlte sich an, als hätte sie raue Eiswürfel geschluckt, und ihre Füße schmerzten in den billigen Turnschuhen. Sie würde als allerletzte über die Ziellinie gehen, und man würde sie dafür belächeln. Aber sie hatte sich durchgebissen!

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 234
Buch Schnapsladennächte von Anna Gasthauser

Chris

Obwohl er seinem Kosenamen “Mr. Kotzbrocken” oft alle Ehre macht, ist Chris ein sehr interessanter Charakter, dessen Verhalten mich immer wieder zum Nachdenken angeregt hat. Besonders mochte ich die Stellen, an denen er seine romantische Ader durchkommen lässt. 💕 Er ist da sehr einfallsreich.

Manche seiner Aktionen waren aber echt daneben (z. B. was er bei Lucies Probearbeiten abzieht oder auch, dass er in ihrer Wohnung sofort ins Schlafzimmer marschiert, was Lucie sehr unangenehm ist). In diesen Situationen hätte ich ihm gerne eine Kopfnuss verpasst. 😁

Mir haben die Kapitel aus seiner Perspektive besonders gefallen, da ich dort in seinen Kopf blicken und den “wahren Chris” hinter seiner Maske kennenlernen durfte.

Noch nie hatte Chris sie so gern küssen wollen wie in diesem Augenblick. Noch nie war die Chance so groß gewesen, sich ihr zu nähern und seine Lippen auf ihre zu legen.

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 132 f.

Ted

Wie bereits angeführt, war Ted zunächst meine Lieblingsfigur. Seine Angststörung ist so akut, dass er sich nicht aus dem Haus traut und den ganzen Tag in seiner Wohnung verbringt. Zu Lucie pflegt er ein enges, freundschaftliches Verhältnis und tröstet sie, wenn sie wegen Chris gefrustet ist.

Trotzdem wurde ich aus der Figur nicht so richtig schlau. Es gibt eine Szene, in der Ted sich betrinkt und Chris in der Kneipe aufsucht. Seine Angststörung ist dabei wie weggeblasen. Man mag es auf den Alkoholeinfluss schieben, aber trotzdem verstehe ich nicht ganz, warum er sich das überhaupt antut. Ist er doch heimlich in Lucie verliebt? Treibt ihn die Eifersucht an? Oder will er Chris nur in seine Schranken weisen?

Auch seine plötzliche “Wunderheilung” fand ich etwas überstürzt. Dass er sich an Weihnachten mit seiner neuen Freundin Anita trifft, obwohl er eigentlich unter einer Angststörung leidet, die ihn jahrelang an seine Wohnung gefesselt hat, ist meiner Meinung nach eher unrealistisch. Dass er verliebt ist, ist schön und das gönne ich ihm auch von ganzem Herzen. Aber eine Angststörung, die verschwindet, nur weil er eine neue Frau kennengelernt hat? Das hat mich nicht ganz überzeugt. Ich muss allerdings hinzufügen, dass er sich nicht allein mit der Frau trifft, sondern er hat sie zu einem Essen bei seiner Mutter eingeladen und auch Lucie ist dabei. Das zeigt, dass er doch noch Hemmungen hat. Trotzdem ist er nicht mehr wiederzuerkennen.

Das Schönste für Lucie war es aber zu sehen, wie Ted den Abend genoss. Anitas Ausgeglichenheit schien sich auf ihn zu übertragen, und Lucie spürte nicht den Hauch von Nervosität.

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 273

Der Schreibstil

Anna Gasthauser gelang es, mir lebendige Bilder in den Kopf zu zaubern, ohne sich in zu ausführlichen Beschreibungen zu verlieren. Die kleine, schummerige Bar konnte ich geradezu vor mir sehen, als wäre ich selbst dort. Die Autorin streut immer wieder kleine Details ein, wie z. B. die Fliegen auf der Fensterbank (die übrigens auch auf dem Cover abgebildet sind), was meine Fantasie zusätzlich angeregt hat.

Auch über das Äußere der Figuren verrät sie gerade so viel, dass man sein Kopfkino anwerfen und sich den eigenen Vorstellungen hingeben kann.

Was mich gestört hat, war, dass vor allem in den ersten Kapiteln ständig erwähnt wird, dass Lucie Chris doof findet, indem sie ihn einen “Idioten”, “Schwachkopf”, etc. nennt. Zum Beispiel hier:

Man konnte sich tatsächlich mit diesem Idioten unterhalten, wenn er sich nicht gerade wie ein Schwachkopf verhielt.

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 9

Und nur zwei Seiten später heißt es:

Mit diesem Idioten würde sie wahrscheinlich nie klarkommen.

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 11

Ich finde, die Autorin hätte hier viel mehr Taten sprechen lassen, bzw. den Lesenden zutrauen können, dass sie selbst erkennen, dass sich Chris Lucie gegenüber wie ein “Idiot” verhält. Das ist nämlich offensichtlich, auch ohne die ständige Erwähnung. Allerdings war es äußerst amüsant, dass Ted Chris vor allem unter der Bezeichnung “Mr. Kotzbrocken” kennt. Mir hätte das völlig ausgereicht, um über das Verhältnis zwischen dem Barbesitzer und seiner Angestellten Bescheid zu wissen.

Mit Humor gewürzt

Dass Anna Gasthauser einen fantastischen Sinn für Humor besitzt, stellt sie ja auf ihrem Instagram-Account regelmäßig unter Beweis. Deshalb fand ich es toll, dass sie auch in “Schnapsladennächte” ihren Humor einfließen ließ.

Über diese Aussage von Lucie habe ich mich köstlich amüsiert:

“Ich bin sicher, die Gefahr ist vorüber, Lucie”, hörte sie seine Stimme. “Ich meine, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bei diesem verfluchten Mistwetter draußen steht und geduldig darauf wartet, dass wir uns zeigen?”
“Gering”, pflichtete sie ihm bei. “Aber hättest du mich vor einer Stunde gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, von einem Wildfremden mit einem Schürhaken durch die Innenstadt gejagt zu werden, hätte ich dasselbe geantwortet.”

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 205

Herzlich gelacht habe ich auch an dieser Stelle 😂:

Edgar trug eine seltsame dunkelgrüne Kopfbedeckung, aus welcher seine schneeweißen Locken hervorlugten.
“Ist das deine Badekappe?”, fragte Chris irritiert.
“Ganz recht. Ich trage sie in Ermangelung eines Haarnetzes”, bestätigte Edgar, als wäre es das Normalste der Welt, beim Kochen eine Badekappe aufzusetzen.

Quelle: Gasthauser, Anna: Schnapsladennächte. 2020. Berlin. S. 265

Das Ende

Der Spruch “Am Ende wird alles gut” passt auf dieses Buch geradezu perfekt. Vielleicht ein wenig zu perfekt, weil es wirklich gar nichts gibt, das schiefläuft. Und ich rede hier gar nicht von Lucie und Chris, sondern den Nebenhandlungen. Ted und seine Angststörung, das Verhältnis zwischen Chris und seinem Vater – überall Friede, Freude, Eierkuchen und das völlig ohne Anstrengung oder dass Lucie oder Chris etwas dazu beigetragen hätten. Das fand ich schade. 🙁

Außerdem habe ich mich gefragt, was aus Marc und Katinka geworden ist. Waren sie lediglich dazu gedacht, Eifersucht zwischen Lucie und Chris zu schüren? Das ist sicher gelungen. Aber sie sind so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht sind. Hätte man die beiden Figuren nicht nutzen können, um den Konflikt etwas zuzuspitzen? Etwas mehr Drama wäre schön gewesen.

Romantische Menschen kommen aber voll auf ihre Kosten. Das Buch hat ein hervorragendes, rundes letztes Kapitel, das die Lesenden mit einem guten Gefühl aus der Geschichte entlässt. 💚

Über die Autorin

Anna Gasthauser wurde 1980 geboren. „Kellerwesen – Die Welt zwischen den Wänden“ war ihr Debütroman, der 2016 erschien und 2019 unter dem Titel „Die Liebe der Kellerwesen“ neu aufgelegt wurde. Seither veröffentlichte die Autorin weitere Bücher im Selfpublishing und in Verlagen. Sie lebt in Potsdam.

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Fazit

Eine leichte, romantische Lektüre, die zwar in der Weihnachtszeit spielt, aber rund ums Jahr gelesen werden kann. Bis auf ein paar Kritikpunkte habe ich das Lesen sehr genossen und empfehle das Buch gerne weiter. 👍

Meine Bewertung

Vier Herzchen

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